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Übersprunghandlung: Definition, Bedeutung, Ursachen

Eine Übersprunghandlung tritt häufig in Stresssituationen auf und scheint keine konkrete Ursachen zu haben. Trotzdem zeigen viele Menschen bei Konflikten solche Übersprunghandlungen, die nichts mit der Situation zu tun haben. Wir erklären, was genau darunter zu verstehen ist, welchen Zweck die Handlungen erfüllen und welche Ursachen sie haben…



Übersprunghandlung: Definition, Bedeutung, Ursachen

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Was ist eine Übersprunghandlung?

Eine Übersprunghandlung (englisch: displacement activity) ist ein Verhalten, das bei ungelösten Konflikten auftreten kann und als Ersatzhandlung zu verstehen ist. Das Verhalten wird zwar durch den Konflikt ausgelöst, kann jedoch keiner konkreten Ursache zugeordnet werden. Es ist eine spontane Aktion, die in der konkreten Situation eigentlich keinen Sinn macht und nicht zu deren Lösung beiträgt.

Übersprunghandlungen sind eine Art Fluchtreflex. Betroffene wollen aus dem Konflikt ausbrechen, die Handlungen werden durch Überforderung und Stress ausgelöst. Ziel der Übersprunghandlung ist Stressabbau und Beruhigung in einer schwierigen Situation.

Schreibweise nach dem Duden

Vielfach findet man die Übersprunghandlung auch als Übersprungshandlung geschrieben. Diese Schreibweise ist aber nach dem Duden nicht korrekt. Umgangssprachlich wird der Begriff dennoch häufig verwendet.


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Bedeutung von Übersprunghandlungen

Der Begriff der Übersprunghandlung stammt ursprünglich aus der Verhaltensbiologie und dort aus der Ethologie, die sich mit dem Verhalten von Menschen und Tieren befasst. Der Ethnologe Nikolaas Tinbergen definierte die Übersprunghandlung als ein Verhalten, das einen Konflikt zwischen zwei Instinkten ausdrückt.

Dabei kann ein normales Instinktverhalten zeitweise nicht mehr fortgeführt werden und wird durch ein anderes Verhalten ersetzt, das aus einem ganz anderen Bereich des Verhaltensrepertoires stammt. Die Ethologie hat für dieses Verhalten zwei verschiedene Hypothesen:

  1. Überflusshypothese
    Nach dieser Hypothese blockieren sich zwei unterschiedliche Handlungen gegenseitig. Gelöst wird die Situation des Überflusses durch eine dritte, irrelevante Handlung.
  2. Enthemmungshypothese
    Hiernach führen zwei Handlungen, die sich gegenseitig hemmen, zu einer Enthemmung in einer dritten Handlung, um der Blockade zu entkommen.

Beide Hypothesen zeigen, dass Übersprunghandlungen ein logischer Mechanismus sind, um Konfliktsituationen auszuweichen und eine Überforderung auszugleichen. Sie dienen als Schutzmechanismus, um den inneren Stress oder Druck zu reduzieren.

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Übersprunghandlung bei Mensch und Tier

Beim Menschen zeigen sich Übersprunghandlungen zumeist in unbewussten Gesten, wenn sie in einer emotionalen Stresssituation sind. Typisch hierbei sind das Spielen mit einem Gegenstand in der Hand, das Klicken mit einem Kugelschreiber oder auch das Spielen mit den Haaren. Andere Beispiele sind:

  • Kratzen am Kopf
  • Kneten der Finger oder Hände
  • Wippen mit den Beinen
  • Rollen der Schultern
  • Hin- und Herbewegen im Stuhl

Diese Marotten und Handlungen tragen nicht zur Lösung des Konfliktes bei, aber sie verschaffen dem Menschen eine Erholung durch die einfache Ersatzhandlung. Sie dienen der Beruhigung und werden deshalb auch Beruhigungsgesten genannt.

Beispiel Übersprunghandlung

In Prüfungssituationen kommt es besonders häufig zu Übersprunghandlungen. Weiß ein Prüfling nicht mehr weiter und kann eine Aufgabe nicht lösen, versucht er sich durch Ersatzhandlungen zu entspannen. Ein längerer Blick aus dem Fenster, etwas essen oder trinken oder auch das Spielen mit dem Stift sind typische Übersprunghandlungen.

Übersprunghandlung Kind

Schon kleine Kinder neigen zu Übersprunghandlungen. Um sich in stressigen Situationen zu beruhigen, lutschen sie am Daumen, spielen mit einem Kuscheltuch oder -tier. In manchen Situationen, in denen sie überfordert sind, lachen Kleinkinder auch, obwohl das der Situation nicht angemessen ist.

Übersprunghandlung bei Tieren

Auch im Tierreich kann man Übersprunghandlungen beobachten. Bekannt ist das Beispiel von zwei Hähnen, die um ein Revier streiten. Hier geht es um den Konflikt, ob um das Terrain gekämpft werden soll oder eher die Flucht angetreten werden soll. Der Kampf birgt Gefahren, bei der Flucht ist das Revier verloren.

In einer derartigen Konfliktsituation greifen Hähne zu Ersatzhandlungen greifen und fangen einfach an, Körner zu picken. Das löst zwar nicht das Revierthema, verschafft den Hähnen aber Entspannung und senkt das Stresslevel. Auch bei Hunden und Katzen findet man diese Ersatzhandlungen. Katzen widmen sich einer intensiven Fellpflege. Hunde reagieren auf ungelöste Konflikte mit bellen, buddeln, scharren oder auch urinieren. Pferde scharren mit den Hufen oder reagieren mit Kopfschütteln.

Übersprunghandlung und Ticks

Im Gegensatz zu Übersprunghandlungen, die spontan und in Reaktion auf Stress oder Unbehaglichkeit auftreten, sind Ticks automatisierte Gewohnheiten und Rituale, die oft als Teil der individuellen Persönlichkeit angesehen werden. Diese eingeprägten Abläufe können helfen, den Alltag zu strukturieren und berechenbare Ordnung in ein Chaos zu bringen.

Ticks können auch als Marotten oder schrullige Eigenschaften wahrgenommen werden. Sie dienen allerdings ebenso dazu, Stress abzubauen und sich zu beruhigen.



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