Ablenkung: Warum Stressball & Co. funktionieren
Wenn der Stresslevel steigt und die Kollegen auf den Nerven La Paloma spielen, ist schnelle Hilfe gefragt. Die einen schwören dabei auf Tee zur Beruhigung, andere greifen zur Zigarette oder gar zum Alkohol. Beides nicht gut. Eine regelrechte Wunderwaffe wird dabei aber gerne übersehen: der sogenannte Stressball. Statt mit dem Stift zu klappern, an den Haaren zu nesteln oder an den Fingernägeln zu kauen, sollten akut Gestresste lieber den Ball ordentlich durchkneten. Kein Witz! Studien zeigen: Es funktioniert wirklich...

Beliebte Möglichkeiten der Ablenkung

Klappern, klicken, klopfen oder knabbern - so ziemlich jeder Arbeitnehmer hat so seine persönliche Lieblingsmarotte, wenn es um Stressabbau geht. Nicht alles davon trägt jedoch zu steigender Harmonie im Büro bei - im Gegenteil: Manche Ablenkung erfordert wiederum von den Büronachbarn und Kollegen starke Nerven - und Toleranz. Vor allem dann, wenn da eine(r) 15 Minuten lang pausenlos mit den Fingernägeln auf die Tischplatte klappert als ginge es dabei um Bebop.

Trotz zahlreicher persönlicher Vorlieben haben sich einige Favoriten zum Stressabbau entwickelt (weitere erprobte und bewährte Methoden dürfen Sie gerne per Kommentar beisteuern). Diese aber sind drei der beliebtesten Utensilien zur Ablenkung und Stressbewältigung am Arbeitsplatz:

  • Der Kugelschreiber

    Man findet ihn überall im Job - und dessen Einsatzgebiete gehen auch weit über einfaches Schreiben oder Kritzeln hinaus. So lässt sich bei Stress endlos darauf herum klicken, auf den Tisch trommeln oder man kann das gute Stück auch kurzerhand vollständig auseinander bauen und wieder zusammensetzen. Sehr beliebt ist auch, solange an der Halterung herumzubiegen, bis diese schließlich nachgibt und am Ende abbricht.

  • Der Körper

    Mit dem eigenen Körper wird zwar weniger rabiat umgegangen, doch auch er wird immer wieder genutzt, um bei Anspannung für die nötige Ablenkung zu sorgen. Die einen spielen dazu an den Haaren herum, drehen Locken und schlagen sie von links nach rechts und vice versa. Andere finden in den Fingern nützliche Helfer: Sei es, um auf den Nägeln zu kauen, diese mit einem Werkzeug zu reinigen oder aber um die Fingerknöchel der Reihe nach knacken zu lassen - bis auch der letzte Anwesende hofft, sie wären endlich gebrochen.

  • Die Brille

    Man kann sie absetzen, aufsetzen, absetzen, versetzen, reinigen, auf den Bügeln kauen, ins Haar stecken, einklappen, auf den Tisch legen, ausklappen, aufsetzen, und so weiter. Brillen sind ein besonders beliebtes Spielzeug, um den Stress zu vertreiben und sich abzureagieren. Schließlich sind sie einem immer vor Augen.

Und dann gibt es das noch den Stressball zur Stressbewältigung. Der passt in jede Tasche und erträgt auch die schlimmsten Wut-Attacken seines Besitzers. Falls nötig überlebt er sogar einen schwungvollen Wurf gegen die Wand.

Das Beste aber: Er funktioniert angeblich besser als die anderen Methoden...

Stressball funktioniert: Quetschball hilft bei Denkblockaden

Extra-Tipp-IconQuetschen, drücken, pressen - bei akutem Stress gibt es kaum etwas besseres als einen Stressball. Auf dem wird solange herumgedrückt, bis entweder die Finger taub werden oder der Stress nachlässt. Aber funktioniert das wirklich?

"Ja", sagt der Sportpsychologe Jürgen Beckmann von der TU München, der das genauer untersucht (PDF) hat - bei Fußballspielern, Basketballern, Volleyballern, Kampfsportlern. Quetschten die Athleten vor dem Wettkampf einen Stressball, verbesserte sich die Leistung merklich und die Fehlerquote sank. Im Fachjargon wird dies auch Aufmerksamkeitsfokussierung genannt. Das manuelle Ablenkungsmanöver kann so regelrecht Denkblockaden lösen.

Die richtige Hand dafür zu wählen ist allerdings nicht unwichtig, so Beckmann. Vor allem Rechtshänder sollten dazu die linke Hand wählen (Und wenn Sie keinen Stressball haben, eben die Hand ein paar Mal zusammenpressen). Beckmann wiederholte seine Tests auch mit der rechten Hand bei Rechtshändern. Resultat: keins.

Stressball Wirkung: Warum funktioniert der Quetschball?

Stressball-quetschen-hilftOft wird vermutet, dass der Stressball deshalb funktioniert, weil er hilft, angestaute Aggressionen abzubauen und auf diesem Weg den Stress zu reduzieren. Diese Erklärung ist nicht falsch, und es ist zweifellos befreiend, einen Gegenstand zum Beispiel an die Wand zu werfen und sich dabei vorzustellen, es wäre a) der nervige Chef, b) der anstrengende Kollege oder c) der Kunde, der einfach nie zufrieden ist.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum die scheinbar nutzlose und sinnfreie Beschäftigung (Softball zerdrücken) hilfreich ist. Der Fachbegriff dafür lautet: Übersprunghandlung.

Das Prinzip dahinter ist relativ einfach erklärt: Immer dann, wenn verschiedene Motive im Konflikt zueinander stehen, kommt es zu einer Übersprungshandlung.

Ein Beispiel: Ein Kunde kommt kurz vor der Deadline mit einer ganzen Reihe von kurzfristigen Änderungswünschen. Sie sind ohnehin schon im Stress und genervt. Und dann noch das... Frechheit! Gleichzeitig wollen Sie aber einen guten Eindruck bei Ihrem Arbeitgeber machen (beim Kunden müssen Sie sogar), weshalb es keine echte Option ist, den dreisten Kunden auf seine Unverschämtheit hinzuweisen.

Voilà, in dem Fall stehen die beiden Instinkte - dem Kunden die Meinung geigen sowie eine gute Leistung erbringen - im Widerspruch zueinander. Weil sich der innerliche Konflikt aber nicht ohne Weiteres lösen lässt, reagieren wir mit eben irgendeiner Übersprungshandlung. Als "Opfer" kann uns dann ein Kugelschreiber oder eine Brille ebenso dienen wie ein Stressball.

Erstaunlicherweise helfen uns diese Objekte und unsere Motorik - obwohl sie mit der Situation absolut nichts zu tun haben - bei der psychologische Verarbeitung des Problems. Wenn Sie also das nächste Mal zum Stressball greifen, können Sie ziemlich sicher sein, dass es Ihnen anschließend besser geht.

Davon abgesehen ist es auch förderlicher für die Karriere Bälle zu klatschen als Kunden oder Kollegen.

[Bildnachweis: Chutima Chaochaiya, Andrey_Popov by Shutterstock.com]

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