Meinung äußern: 7 Gründe seine Meinung zu sagen
Wer seine Meinung äußert, lebt nicht ungefährlich. Beispiel Nordkorea: Weil der Verteidigungsminister Hyon Yong Chol dem Diktator Kim Jong Un widersprochen haben (und bei einer Veranstaltung eingeschlafen sein) soll, wurde der nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes prompt hingerichtet. Tragisch. Auch weil so manche Unternehmenskultur der einer Diktatur gleicht. Ihr Leben verlieren meinungsstarke Mitarbeiter deshalb zwar nicht, die Folgen der Offenheit kommen aber mitunter einer Karriere-Hinrichtung gleich. Trotzdem wird das kein Plädoyer für Duckmäusertum und Kadavergehorsam, im Gegenteil: Es gibt gleich mehrere gute Gründe wenigstens ab und an für seine Meinung und Überzeugung einzustehen...

Warum wir unsere Meinung für uns behalten

Haben Sie sich schon einmal selbst dabei erwischt, wie Sie Ihre Meinung nicht geäußert, sondern lieber für sich behalten haben? Das ist nicht gleich Grund sich zu schämen, sicherlich haben Sie sich gut überlegt, warum Sie lieber schweigen. Aber was bringt uns dazu, unsere Einstellungen für uns zu behalten. Schließlich leben wir in einem Land voller Meinungsfreiheit, in der jeder - innerhalb einiger Grenzen und ohne beleidigend zu sein - zu seinen Ansichten stehen kann.

Trotzdem passiert genau das regelmäßig nicht. Die Möglichkeit ist gegeben, aber seine Meinung zu äußern fällt vielen schwer und das hat gleich mehrere Ursachen. Einer der größten: Kaum ein Mensch streitet gerne. Wir sind auf der Suche nach Harmonie, Zusammenhalt und Wir-Gefühl. Am Ende ist und bleibt der Mensch ein soziales Wesen und so wollen wir zusammengehören und innerhalb einer Gruppe akzeptiert werden. Wer offen seine Meinung äußert, setzt aber genau das aufs Spiel.

Was passiert, wenn kein anderer zustimmt und Sie mit Ihrer Meinung ganz alleine bleiben? Oder noch schlimmer: Alle anderen verbünden sich gegen Sie und es entsteht eine große Meinungsverschiedenheit, bei der Sie allein die eine Seite bilden. Allein der Gedanke daran lässt uns innehalten und zögern, ob wirklich ein guter Zeitpunkt ist, um die eigene Meinung an die große Glocke zu hängen.

Ihre Meinung macht Sie zudem angreifbar. Sie offenbaren Ihre Einstellung und Ansichten zu einem (vielleicht durchaus kontroversen) Thema und zeigen damit auch ein Stück Ihrer Persönlichkeit. Kritik in dieser Region trifft besonders hart und wird meist persönlich genommen. Niemand möchte hören, dass er Schwachsinn erzählt oder dass seine Meinung vollkommen unsinnig ist.

Soll ich meine Meinung im Job äußern?

Meinung äußern Redemittel Beispiel Eigene MeinungIm privaten Rahmen kann es schon sehr schwierig sein, die eigene Meinung offen zu äußern. Aber im Job? Hier würden viele Arbeitnehmer gerne unsichtbar werden und mit der Bürowand verschmelzen, wenn es darum geht, eigene Vorschläge zu unterbreiten oder eine Meinung zum aktuellen Stand der Dinge vorzutragen. Das Ergebnis dieser Einstellung lässt sich in vielen Unternehmen beobachten: Der Chef steht für eine Ansicht und alle anderen stimmen freudig mit ein. Ein Haufen Ja-Sager, die dem Entscheidungsträger nach dem Mund reden.

Bei einer Meinung sind die Angestellten sich scheinbar einig: Ich möchte nicht derjenige sein, der dem Chef widerspricht und erklärt, dass seine Vorschläge realitätsfremd sind und wenig Aussicht auf Erfolg haben. Schon die Vorstellung scheint so, als würden Sie sich damit Ihr eigenes berufliches Grab schaufeln.

Das klingt nachvollziehbar, ist aber leider die vollkommen falsche Einstellung. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber viele Vorgesetzte wollen nicht einfach nur Bestätigung, sondern ehrliche Meinungen. Dafür werden Sie schließlich auch bezahlt. Erst wenn unterschiedliche Ansichten zusammenkommen, diskutiert und argumentiert wird, kann am Ende das bestmögliche Ergebnis dabei herumkommen.

Aller Anfang ist schwer und so müssen Sie sich vielleicht überwinden, um sich gegen die Ansichten des Chefs aufzulehnen und Ihre Meinung zu äußern. Doch es lohnt sich und vielleicht schaffen Sie es so sogar, bei Ihrem Chef zu punkten, Respekt zu gewinnen und mit Kompetenz und Eigeninitiative zu überzeugen.

Meinung muss sich wieder lohnen

Auf Prosieben gab es mal eine Sendung mit dem Slogan "Meinung muss sich wieder lohnen". Das klingt besonders kampfstark. Dabei wird allerdings suggeriert, dass sich das Meinung äußern bisher nicht lohnen würde. Das Gegenteil ist richtig.

Tatsächlich kann, seine Meinung nicht zu sagen, mehr Schaden verursachen, als diese auszusprechen. Wie heißt es so schön: Es braucht immer einen Mutigen, der die Wahrheit ausspricht.

Zugegeben, die Cassandra, die Überbringerin schlechter Nachrichten, ist nicht allzu beliebt, weswegen man seine Rolle darauf auch tunlichst nicht reduzieren sollte. Aber wahr ist eben auch: Meinungen und Überzeugungen sind der Humus, auf dem Ideen, Pläne und Entscheidungen überhaupt erst gedeihen können. Schließlich lässt sich erst richtig gut entscheiden, wenn alle Meinungen, alle Argumente gehört worden sind.

Deshalb, insbesondere für alle, denen ab und an der Mut und die Chuzpe fehlen...

7 gute Gründe, seine Meinung zu äußern

  1. Sie wirken selbstsicherer.

    Selbstbewusstsein ist keine schlechte Sache - im Jobinterview genauso wenig wie später im Job. Durchsetzungsstärke ist schließlich eine Tugend, die gerade an Managern (in spe) und bei Verhandlungen geschätzt wird. Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie nicht auch zuhören können oder kompromissfähig bleiben. Aber in dem Moment, in dem Sie für Ihr Meinung eintreten, sie argumentativ verteidigen, wachsen Sie in den Augen der anderen. Sie müssen deswegen nicht Recht haben oder behalten, aber Sie stehen wenigstens zu Ihren Gedanken. Das verdient mindestens Respekt - und der bekommt beim nächsten Mal auch mehr Gehör.


  2. Sie haben nichts zu bereuen.

    Hand aufs Herz: Was bereuen wir mehr - Dinge, die wir getan haben oder Dinge, die wir nicht getan haben? Im Job ist es in der Regel Letzteres: Untätigkeit und Feigheit sieht keiner gerne im Spiegel. Auch wenn Sie vielleicht Widerspruch ernten; auch wenn Sie eingestehen müssen, geirrt zu haben; selbst wenn Sie am Ende mit Ihrer Meinung alleine dastehen - Sie haben sich damit öffentlich auseinander gesetzt, und das ist mehr als die meisten je wagen. Klasse!


  3. Sie fördern eine Diskussion.

    Nicht jeder mag Debatten oder Diskussionen - auch weil er oder sie nie gelernt hat, um die Sache zu ringen oder zu streiten, ohne das persönlich zu nehmen. Wer seine Meinung sagt, sollte das aber können. Es lohnt sich ja auch: Jede Einschätzung und Meinung bereichert eine Debatte - so oder so. Und am Ende führt es immer zu gedanklichen Alternativen, zu neuen Ideen, die ohne die Kontroverse nie geboren worden wären und damit zu besseren Ergebnissen. Gut, dass Sie Ihren Teil dazu beitragen.


  4. Sie könnten etwas verändern.

    Ein guter Telefonverkäufer hat mir mal gesagt: Wenn ich nicht anrufe, kenne ich die Antwort schon zu 100 Prozent; wenn ich aber anrufe, stehen die Chancen auf einen Deal schon bei Fifty-Fifty. So ist es auch mit der eigenen Meinung: Sie wissen vorher nie, ob Sie nicht doch etwas verändern können. Eine Erfolgsgarantie gibt es zwar nie. Wer aber schweigt, weiß, dass seine Meinung zu 100 Prozent nicht berücksichtigt wird; wer aber den Mund aufmacht, für den stehen die Chancen schon bei Fifty-Fifty.


  5. Wenn Sie falsch liegen, wissen Sie warum.

    Wer seine Meinung äußert oder etwas kritisiert, muss deswegen noch lange nicht Recht haben. Vehemenz hat noch nie Substanz ersetzt. Trotzdem sollten Sie das Wagnis eingehen, irren zu können. Nur so lernen Sie - und können Ihre Meinung schließlich ändern. Nur schwache Charaktere empfinden das als Niederlage und Schande. Tatsächlich ist es eine Chance, Gefühlen und Instinkten noch zwei weitere Dimensionen hinzuzufügen: Validierung und Relevanz.


  6. Sie könnten die Meinungsführerschaft übernehmen.

    Manchmal irrt man mit seiner Meinung, manchmal spricht man aber auch aus, was längst viele denken. Gut so! Eine(r) muss es ja sein - und damit mutieren Sie nun zum Helden der Belegschaft. Vielleicht haben Sie bisher gedacht, Sie stünden mit Ihrer Meinung alleine da. Nun hagelt es von überall Zustimmung und Applaus. Sie haben nicht nur Ihrer Meinung eine Stimme gegeben, sondern einer ganzen Gruppe. Eine großartige Leistung und ein tolles Gefühl - das jene, die Ihre Meinung nie sagen, auch nie haben werden.


  7. Die Risiken sind überschaubar.

    Die meisten malen sich aus, was alles Schlimmes passieren kann, wenn sie den Mund aufmachen. Ein regelrechtes Worst-Case-Szenario. Umgekehrt passiert das nur selten - leider. Wenn man die Sache realistisch betrachtet, überwiegen aber die Chancen, und die Wahrscheinlichkeit für eine echtes Desaster liegt im einstelligen Prozentbereich. Gesellschaften und Unternehmenskulturen leben von unterschiedlichen Meinungen und ebenso konstruktiven wie wertschätzenden Debatten. Selbst Diktatoren sind hin und wieder auf Meinungsaustausch angewiesen. Die Kunst ist dann natürlich, die eigene Meinung wie die des Diktators aussehen zu lassen. Aber das ist eine andere Geschichte...

Seine Meinung zu äußern, ist nicht nur befreiend, es kann auch ungemein bereichernd sein - für einen selbst wie das ganze Team. Allerdings sollten Sie das obige Plädoyer bitte auch nicht missverstehen: Nur weil man es kann und eine Meinung hat, muss man diese nicht jedes Mal zum Besten geben. Zuweilen ist auch Schweigen die bessere Alternative.

Bei der Meinung ist es wie bei Medizin auch: Die Dosis macht das Gift. Und zu viel Meinungsmache ergibt irgendwann nur noch Senf. Manchen Speisen gibt er die richtige Würze, überall dazu gegeben aber wird es ungenießbar.

Nur am Mut zur Meinung sollte es nie mangeln.

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]

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