Respekt: Kein Luxus, sondern Notwendigkeit + 8 Tipps

Respekt ist ein menschliches Grundbedürfnis. Er manifestiert sich in dem, was andere zu uns sagen und wie sie sich verhalten. Wir wünschen uns Respekt in der Beziehung und im Job. Auch wenn jeder für sich Respekt fordert: Ihn zu bekommen oder anderen entgegenzubringen, ist keine Selbstverständlichkeit. Brüllende Chefs, lästernde Kollegen oder lieblose Partner sind nur wenige Beispiele für respektloses Verhalten. Muss man sich Respekt tatsächlich verdienen? Welchen Wert Respekt in einer Gesellschaft hat und was darunter zu verstehen ist…

Respekt: Kein Luxus, sondern Notwendigkeit + 8 Tipps

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Definition: Was ist Respekt?

Respekt beschreibt eine Form besonders hoher Aufmerksamkeit, Achtung, Wertschätzung und Bewunderung gegenüber anderen. Respekt haben wir vor Menschen, der Natur oder vor Institutionen. Gesteigerter Respekt wird zu Ehrfurcht, wie Sie sich etwa gegenüber einer Gottheit ausdrückt. Respekt stellt sicher, dass ein Mensch seine Würde und damit seine Autonomie wahren kann. Er findet sich im Schutz der Menschenwürde als wichtigste Botschaft im Grundgesetz wieder.

Der Begriff selbst stammt ursprünglich vom französischen Wort „respect“ ab, was sich wiederum aus dem Lateinischen „respectus“ ableitet und soviel bedeutet wie „Rücksicht“, „Rückschau“ oder „Berücksichtigung“. Dahinter steckt das alte Verständnis von Respekt als Form der Hochachtung – zum Beispiel gegenüber höherrangigen Persönlichkeiten wie Adel, Kirche oder Militär.

Die allgemeine Bedeutung von Respekt geht heute in Richtung eines „respektvollen Miteinanders“. Bedeutet: die Unversehrtheit einer Person zu achten. Wertschätzung entgegenzubringen heißt: Einen anderen Menschen zu achten und einen Wert darin zu erkennen, dass er oder sie anders ist. Respektloses Verhalten hingegen ist Ausdruck von Missachtung, fehlendem Anstand oder Verachtung.

2 Arten von Respekt

Der Psychologe Niels Van Quaquebeke von der Kühne Logistics University in Hamburg forscht seit Jahren über das Thema Respekt (am Arbeitsplatz). Er formuliert die unterschiedlichen Arten der Anerkennung folgendermaßen:

  • Vertikaler Respekt: Bezeichnet das Gefühl der Achtung gegenüber Gott, Eltern, Musikern, Autoren, Leistungssportlern, Prominenten sowie Experten und Würdenträgern. Es ist durch Hierarchieunterschiede gekennzeichnet.
  • Horizontaler Respekt: Horizontaler Respekt findet auf Augenhöhe statt, meist zwischen Freunden, Bekannten, Kollegen, Nachbarn, Fremden. Er kann unterschiedlich intensiv sein.

Die unterschiedlichen Ausprägungen und Stärken von Respekt spiegeln sich in zahlreichen Synonymen:

  • Schwach: Höflichkeit, Akzeptanz, Toleranz, Würdigung
  • Normal: Achtung, Anerkennung, Wertschätzung
  • Stark: Bewunderung, Hochachtung, Ehrfurcht, Unterwerfung, Angst

Tatsächlich wird großer Respekt nicht selten von Angstgefühlen begleitet. Wer etwa „Respekt vor einer Aufgabe“ hat, bekundet damit zugleich die Sorge vor dem Scheitern. Ähnlich ist es bei dem „Respekt vor Hunden“: Nicht wenige äußern damit eigentlich die Angst davor, angefallen oder gebissen zu werden. Und der „Respekt vor Eltern oder Vorgesetzten“ beinhaltet meist die Angst, bei einem Fehlverhalten bestraft zu werden.

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Warum ist Respekt so wichtig?

In dem Buch „Respekt“ schreibt der Autor René Borbonus: „Respekt ist das Schmiermittel der Gesellschaft. Er definiert unsere Beziehungen und unser gesamtes Sozialverhalten wie kein anderer Faktor menschlichen Miteinanders.“ Tatsächlich bestimmt Respekt das Miteinander zwischen Generationen und Geschlechtern, in der Familie, im Freundeskreis, im beruflichen Umfeld, in der Schule und in der Freizeit. Es ist ein zutiefst soziales Grundbedürfnis als eigenständige Person wahrgenommen und geschätzt zu werden.

Der Wunsch nach Respekt begleitet uns ein Leben lang. Wir wollen ernst genommen und akzeptiert werden, dafür wer und so wie wir sind. Nicht jeder muss uns deswegen mögen – respektieren aber bitte schon. Ein Mangel an Respekt wiederum nagt an unserem Selbstwertgefühl. Zweifel entstehen: Bin ich es wert? Bin ich gut genug? Anerkennung und Wertschätzung von außen beeinflussen immer, was wir über uns selbst denken.

Wertschätzung und Respekt

Respekt und Wertschätzung sind enge Verwandte. Vielen fällt es jedoch schwer, beides auszudrücken. Das Ergebnis sind oft hohle Phrasen und Floskeln vom Typ „gut gemacht!“. Es gibt aber Alternativen. Drei Tipps, wie Sie Wertschätzung und Respekt zum Ausdruck bringen können:

  • Seien Sie ehrlich
    Wertschätzung muss zuerst ehrlich sein. Alles andere bewirkt das genaue Gegenteil. Körpersprache, Mimik und Gestik zeigen unserem Gegenüber, was wir wirklich denken. Nur wenn wir echte Wertschätzung empfinden, werden wir diese auch glaubhaft formulieren.
  • Werden Sie konkret
    Auch wenn es das bei Wertschätzung nicht zwingend braucht – es hilft: Sagen Sie explizit, warum und wofür Sie jemanden schätzen. Das sollten allerdings keine oberflächlichen Komplimente sein. Je tiefer und konkreter Sie Gelungenes, Geleistetes und Bewundernswertes ansprechen, desto mehr fühlt sich Ihr Gegenüber respektiert.
  • Verneigen Sie sich
    Natürlich nicht wörtlich – es sei denn Sie begrüßen hochrangige Adlige oder einen Japaner. Aber die japanische Geste kommt nicht von ungefähr: Glaubwürdiger Respekt wird zugleich von kurzfristiger Demut begleitet. Indem Sie sich mental oder verbal vor dem anderen „verneigen“, drücken Sie die sprichwörtliche „Hochachtung“ aus und beweisen echte Wertschätzung.
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Was ist respektloses Verhalten?

Respektlosigkeit zeigt sich in einem asymmertrischen Verhalten. Man begegnet Ihnen nicht auf Augenhöhe, sondern von oben herab. Oder Sie werden unsachlich kritisiert und niedermacht. Auch hierbei zeigt sich die Ungleichbehandlung.

Das geht schon bei Kleinigkeiten los – wie einer fehlenden Anrede, Missachtung von guten Manieren, Anzüglichkeiten oder verbalen Übergriffen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist letztlich daraus entstanden. Der Staat räumt damit – indirekt – ein, dass Menschen immer wieder respektlos behandelt werden – wegen ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion, sexuellen Identität oder wegen ihres Alters.

Mangelnder Respekt kann sich durch abfällige Sprüche und Gesten zeigen: Beschimpfungen oder Beleidigungen, ebenso Unfairness, Ignoranz oder Mobbing. Bis hin zu körperlicher Gewalt oder körperlichen Demütigungen. In all diesen Fällen werden die Grundrechte (Artikel 1 Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“) des anderen missachtet und er oder sie wird physisch und psychisch gedemütigt.

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Fehlender Respekt im Job kostet Milliarden

Diverse Studien belegen, dass Anerkennung und Wertschätzung im Job elementar für die Motivation und Zufriedenheit von Mitarbeitern sind. Wer sich von seinem Chef und seinen Kollegen respektiert fühlt, ist bereit, Entscheidungen mitzutragen, Informationen weiterzugeben, den Dialog zu suchen und sein Bestes zu geben.

Fühlen sich Mitarbeiter von Ihren Chefs respektlos behandelt – beispielsweise weil diese Leistungen ignorieren und über den Kopf hinweg Entscheidungen treffen -, wirkt das enorm demotivierend bis destruktiv. Bald schon schiebt die Belegschaft nur noch Dienst nach Vorschrift oder kündigt den Job.

Einer Gallup-Studie zufolge lässt sich der wirtschaftliche Schaden auf rund 100 Milliarden Euro beziffern. Eine respektvolle Unternehmenskultur liegt also im ureigensten Interesse und sollte sich im Führungsstil spiegeln.

Lässt sich Respekt einfordern?

Respekt bekommt man, er lässt sich weder erzwingen noch einfordern. Auch gibt es hierbei keinen Automatismus, Motto: „Respektierst du mich, respektiere ich dich.“ Dennoch ist dies der erste Schritt zu mehr Respekt. Respekt beruht auf Gegenseitigkeit: Wer von anderen „mehr Respekt“ verlangt oder generell respektiert werden will, muss diesen zunächst anderen entgegenbringen. Erst dann können wir darauf hoffen, ebenso behandelt zu werden. Eine Garantie darauf gibt es aber trotzdem nicht.

Respekt zu bezeugen ist heutzutage fast ebenso schwer, wie Respekt zu verdienen. (Joseph Joubert)

Nicht selten liegt der Grund hierfür in uns selbst. Respekt ist eine innere Haltung, nicht nur ein Lippenbekenntnis. Menschen spüren durchaus, ob unser Lob oder die gezeigte Wertschätzung echt und authentisch sind oder nur aufgesetzt. Wer nur respektvoll auftritt, um selbst mehr Respekt zu erhalten, wird schnell auf Ablehnung stoßen und durchschaut werden. Aufrichtiger Respekt seinen Mitmenschen gegenüber ist nur möglich, wenn man aus einer Grundüberzeugung heraus handelt, den anderen als „wertvoll“ anzunehmen – ohne (opportune) Hintergedanken. Sogar wenn sich daraus eigene Nachteile ergeben.

Wie sollte ich auf Respektlosigkeit reagieren?

Das hängt vom konkreten Fall ab: Geschah die Respektlosigkeit unabsichtlich oder von einer flüchtigen Bekanntschaft, kann und sollte man darüber hinweg sehen. Wahre Größe zeigt sich schließlich auch daran, dass man Kleinigkeiten und Nachlässigkeiten souverän ignoriert. Vielen Menschen ist auch gar nicht bewusst, dass ihr Verhalten respektlos war oder ist.

Etwas anderes gilt, wenn Sie beispielsweise mit der Person häufiger zu tun haben oder zusammen arbeiten müssen (Kollegen, Vorgesetzte, Freunde, Partner). In dem Fall sollten Sie das Fehlverhalten unbedingt ansprechen und deutlich machen, dass Sie sich dadurch herabgewürdigt fühlen. Aber bitte selbst höflich, respektvoll und möglichst als Ich-Botschaft verpackt („Ich fühle mich dadurch respektlos behandelt.“). Erst wenn Ihr Gegenüber seine Respektlosigkeiten partout nicht einsehen will und sein Verhalten nicht ändert, sollten Sie daraus Konsequenzen ziehen. Zum Beispiel indem Sie auf Abstand gehen, den Kontakt auf das Nötigste reduzieren oder sich offiziell beschweren – bis hin zur Anzeige.

Es ist mehr wert, jederzeit die Achtung der Menschen zu haben, als gelegentlich ihre Bewunderung. (Jean-Jacques Rousseau)

8 Tipps für mehr Respekt (im Job)

Hier finden Sie einige Tipps und Anregungen, wie Sie sich mehr Achtung und Anerkennung (nicht nur im Job) verschaffen können:

Respektieren Sie sich selbst

Wer sich regelmäßig klein macht, lädt andere dazu ein, dem Beispiel zu folgen. Machen Sie sich vielmehr Ihre Stärken und Erfolge bewusst und begegnen Sie sich mit mehr Selbstachtung. Dann werden Ihnen auch andere Menschen respektvoller begegnen.

Achten Sie auf Ihr Äußeres

Ihre Kleidung signalisiert, was Sie von sich selbst denken. Kleiden Sie sich schlampig, nachlässig oder ungepflegt, sendet das die Botschaft: „Ich habe keine Achtung vor mir selbst.“ Auch das lädt zum Spiegeln ein. Nicht ohne Grund gibt es die Redewendung „dress to impress“: Kleiden Sie sich dem Umfeld angemessen und erkennbar gepflegt, werden Sie automatisch mehr respektiert.

Verbessern Sie Ihre Körperhaltung

Körperhaltung, Gestik und Mimik sind für unsere Wirkung noch wichtiger als das gesprochene Wort. Wer zum Beispiel eine aufrechte Körperhaltung einnimmt, den Blickkontakt sucht und mit einem festen Händedruck aufwartet, strahlt Selbstbewusstsein aus und nötigt seinem Gegenüber mehr Respekt ab.

Glänzen Sie mit Fachwissen und Leistung

Bitte keine falsche Bescheidenheit! Zeigen Sie, was in Ihnen steckt, was Sie können und wissen. Sie haben ein klares Profil und ein Gebiet auf dem Sie brillieren können? Dann stehen Sie dazu. Mit dosiertem Eigenmarketing dürfen und sollen Sie damit auffallen und auf sich aufmerksam machen. Schließlich werden herausragende Leistungen und besondere Fähigkeiten immer respektiert.

Achten Sie auf Gegenseitigkeit

Wer sich mehr Wertschätzung wünscht – egal ob im Job oder Privatleben – muss an seiner Außenwirkung arbeiten. Mit unserem Verhalten nehmen wir unmittelbaren Einfluss darauf, wie andere uns wahrnehmen. Sich mehr Anerkennung zu verschaffen, braucht Zeit. Respekt muss verdient werden. Und er ist keine Einbahnstraße. Solange Sie andere immer wieder erkennbar respektlos behandeln (zum Beispiel im Meeting oder in Kommentaren auf Facebook & Co.), wird das registriert und Ihre Anstrengungen unterwandern.

Scheuen Sie keine Diskussion

Stehen Sie zu Ihren Werten und Überzeugungen. Die müssen andere nicht teilen, aber respektieren. Das tun sie aber nur, wenn Sie sich selbst treu bleiben. Ja-Sager oder Menschen ohne Rückgrat und Haltung ernten dagegen keinen Respekt. Wer auch in schwierigen Momenten seine Position mit guten Argumenten verteidigt, erntet Anerkennung.

Bleiben Sie sachlich

Bei manchen Diskussionen kochen leicht die Emotionen hoch. Bleiben Sie sachlich und souverän dabei und halten Sie sich an die Fakten. Wer nicht nur Behauptungen aufstellt, sondern das Gesagte belegen kann, erntet vielleicht nicht sofort Zustimmung (Dummheit und Ignoranz sind leider weit verbreitet), wird dafür aber irgendwann respektiert. Wenigstens von den Zuschauern.

Verstellen Sie sich nicht

Nichts ringt uns mehr Respekt ab, als eine authentische Persönlichkeit. Manche Menschen polarisieren vielleicht, aber sie sind zumindest ein „Typ“, „echt“, eine „Marke“. Vor allem aber geben sie nicht vor, jemand anderes zu sein. Folgen Sie diesem Vorbild. Wer stets glaubwürdig und wahrhaftig bleibt, dem wird manche Macke verziehen – und trotzdem Respekt gezollt.

Habe stets Respekt vor dir selbst, Respekt vor anderen und übernimm Verantwortung für deine Taten. (Dalai Lama)

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[Bildnachweis: deviyanthi79 by Shutterstock.com]
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13. Dezember 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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