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Carl Rogers Modell: Grundhaltungen der Gesprächsführung

Das Carl Rogers Modell ist ein wichtiger Ansatz in der Psychologie und gilt bis heute als einer der wirksamsten Formen in der Therapie. Der personenzentrierte Ansatz stellt den Klienten in den Mittelpunkt und unterstützt seine Fähigkeit zu persönlichem Wachstum und Veränderung. Hier erfahren Sie, was das Carl Rogers Modell ist, welche Grundhaltungen dabei gelten und wie es die Gesprächsführung beeinflusst…



Carl Rogers Modell: Grundhaltungen der Gesprächsführung

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Was ist das Carl Rogers Modell? Einfach erklärt

Das Carl Rogers Modell ist ein humanistischer Ansatz in der Psychologie und der Psychotherapie. Es wird auch als klientenzentrierte oder personenzentrierte Therapie bezeichnet. Neben der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie gilt das Carl Rogers Modell als wirksamste Form der Psychotherapie.

Zentrales Element des Modells ist die Beziehung zwischen Therapeut und Klienten. Ziel ist es, Menschen zu unterstützen, ihre eigenen Fähigkeiten zu Wachstum und Selbstverwirklichung zu nutzen. Dabei spielen das Menschenbild, drei Grundhaltungen und die Gesprächsführung wichtige Rollen.

Wer ist Carl Rogers?

Carl Rogers ist einer der wichtigsten Psychologen des 20. Jahrhunderts und Begründer der personenzentrierten Psychotherapie sowie Vertreter der humanistischen Psychologie. Diese sind bis heute wichtige Teile in der Gesprächstherapie. Seine Ideen und Theorien werden bis heute angewendet und werden auch anderen Bereichen wie der Pädagogik, Soziologie und der Sozialen Arbeit genutzt.
Carl Rogers Modell Aktualisierungstendenz Humanistische Psychologie


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Menschenbild im Carl Rogers Modell

Das Carl Rogers Modell basiert auf einem humanistischen Menschenbild. Demnach ist jeder Mensch einzigartig, braucht funktionierende Beziehungen und hat ein ureigenes Interesse an persönlichem Wachstum. Rogers geht davon aus, dass jeder Mensch selbst in der Lage ist, sich zu verändern und bestehende Probleme zu lösen. Alles, was es zur Heilung braucht, trägt jeder bereits in sich. Der Psychologe unterstützt den Prozess und schafft die Rahmenbedingungen.

Das Menschenbild im Carl Rogers Modell beruht auf einigen Kernelementen:

  • Selbstverwirklichung
    Menschen haben ein angeborenes inneres Streben nach Selbstverwirklichung und Wachstum. Durch diese Aktualisierungstendenz haben Klienten den intrinsischen Drang und die Fähigkeit, an sich zu arbeiten.
  • Bedürfnisse
    Maßgebliche Triebfedern für menschliches Verhalten sind Bedürfnisse und Emotionen. Psychotherapeuten sollen Klienten vollumfänglich begegnen und beurteilen – inklusive emotionaler Ebene, Körpersprache und nonverbaler Kommunikation.
  • Individualität
    Menschen sind einzigartige Individuen. Jeder besitzt nicht nur eine individuelle Persönlichkeit, sondern einmalige Werte und Ziele. Er handelt zielbestimmt und trifft entsprechend eigenständige Entscheidungen.
  • Erfahrungen
    Die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen wird von seiner Lebenserfahrung und zwischenmenschlichen Beziehungen geprägt.
  • Positivität
    Der humanistische Ansatz folgt einer klaren Theorie: Der Mensch ist gut. Rogers vertrat den Standpunkt, dass alle Menschen grundsätzlich gut sind und einen entsprechenden Wert besitzen.
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Carl Rogers Modell: 3 wichtige Grundhaltungen

Neben dem Menschenbild sind im Carl Rogers Modell drei Grundlagen entscheidend für den Erfolg. Diese sind wichtige Voraussetzungen für eine gute Beziehung zwischen Therapeut und Klient – was den Grundstein für eine erfolgreiche Gesprächstherapie legt.

Sind diese Grundhaltungen erfüllt, wird ein offener Austausch gefördert und es werden die besten Bedingungen geschaffen, um einen Klienten in seiner Selbstverwirklichung und beim persönlichen Wachstum zu unterstützen:

1. Kongruenz (Echtheit)

Therapeuten dürfen sich nicht verstellen oder eine professionelle Fassade aufbauen, sondern müssen authentisch und sie selbst sein. Gefühle und Gedanken werden transparent kommuniziert. Es herrscht Kongruenz zwischen dem Empfinden und de Auftreten sowie Äußerungen gegenüber dem Gesprächspartner.

2. Empathie

Im Ansatz von Carl Rogers brauchen Therapeuten ein hohes Maß an Empathie, um sich in die Gefühlswelt des Klienten hineinversetzen zu können. Erlebnisse und Emotionen müssen verstanden und nachvollzogen werden – das Verständnis wird dem Klienten offen mitgeteilt. Wichtig ist, dass Gefühle verstanden, aber nicht bewertet werden.

3. Wertschätzung

Diese Grundhaltung wird auch als bedingungslose positive Wertschätzung, Beachtung oder Zuwendung bezeichnet. Therapeuten müssen jeden Klienten gleichermaßen akzeptieren und respektieren – ohne Vorurteile, Bedingungen, Kritik oder Einschränkungen. Unabhängig vom Verhalten, Eigenschaften oder Werten wird jedem Klienten dieselbe Wertschätzung entgegengebracht.

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Gesprächsführung im Carl Rogers Modell

Wichtiger Teil des Modells ist die personenzentrierte Gesprächsführung, die auf dem obigen Menschenbild und den Grundhaltungen aufbaut. Dabei geht es explizit nicht darum, dass der Therapeut nur von außen mögliche Lösungen vorgibt oder Ratschläge erteilt. Therapeuten sollen sich selbst zurückhalten und den Klienten in den Fokus rücken. Er soll in seiner Aktualisierungstendenz sowie Eigenverantwortung lediglich unterstützt und gefördert werden.

Durch richtige Gesprächsführung erkennen Klienten Schwierigkeiten selbst, analysieren ihre Emotionen, schärfen die Selbstwahrnehmung und entwickeln eigenständige Lösungen. Dabei setzt das Carl Rogers Modell auf diese Gesprächstechniken:

  • Aktives Zuhören
    Zu großen Teilen übernimmt der Therapeut die Rolle als aktiver Zuhörer. Er gibt dem Klienten Zeit, um selbst zu reden. Dabei ist er konzentriert, achtet auf Formulierungen und nonverbale Kommunikation.
  • Paraphrasieren
    Wichtige Aspekte und Aussagen werden vom Therapeuten noch einmal in eigenen Worten wiederholt. Das signalisiert dem Klienten, dass er verstanden wird und schafft größere Klarheit.
  • Verbalisieren
    Hier geht es um die Aussprache von Emotionen. Entdeckt oder vermutet der Therapeut verschiedene Gefühle beim Klienten, werden diese verbalisiert. Zum Beispiel „Ich sehe, dass diese Situation dich wütend/traurig macht.“ Das Verbalisieren hilft dem Gesprächspartner dabei, eigene Emotionen zu erkennen, zu verstehen und zu verarbeiten.
  • Offene Fragen
    Im Carl Rogers Modell soll der Therapeut das Gespräch nicht einseitig führen, sondern durch offene Fragen voranbringen. Durch die Fragestellungen soll der Klient über die eigene Situation, Erlebnisse und Gefühle reflektieren. Das stärkt die Selbsterkenntnis.
  • Beziehung
    Gemäß den obigen Grundannahmen von Kongruenz und Wertschätzung schaffen Therapeuten ein Gesprächsklima voller Verständnis, Authentizität und Vertrauen. Sie schaffen eine tiefere Verbindung und gehen auf Signale oder Angebote des Klienten ein, um die Beziehung zu vertiefen.

Kritik am Carl Rogers Modell

Trotz der Bedeutung und der Anwendung bis heute gibt es einige Kritikpunkte am Carl Rogers Modell.

  • Positives Menschenbild

    Häufig gibt es Kritik an einem zu positiven Menschenbild. Dieses gilt als idealistisch und damit unrealistisch. Es wird nicht berücksichtigt, dass es negative und destruktive Verhaltensweisen gibt. Das Modell konzentriert sich nur auf die guten Seiten und bildet nicht alle Facetten ab.

  • Keine Grundlage

    Das Carl Rogers Modell ist weniger wissenschaftlich belegt und methodisch fundiert. In seinem Ursprung basiert es vor allem auf persönlichen Erfahrungen, weniger auf empirischer Forschung.

  • Keine Universalität

    Der Ansatz ist nicht für alle psychischen Probleme anwendbar, da er den Willen und die Fähigkeit zur Veränderung voraussetzt. Je nach Erkrankung ist das nicht umsetzbar, weil diese Fähigkeiten gestört sind.


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