Burnout: Ursachen, Symptome, Behandlung

Der Burnout (auch „Burn-Out“ oder „Burnout-Syndrom“) steht weit oben auf der traurigen Rangliste der psychischen Erkrankungen unter Beschäftigten. Schätzungen zufolge sind in Deutschland bis zu 13 Millionen Arbeitnehmer von einem Burnout betroffen. Auf das Konto der Erkrankung gehen pro Jahr rund 59 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage. Jeder fünfte Arbeitnehmer erlebt in seinem Berufsleben Burnout-ähnliche Phasen. Wir reden hier also von einem enormen Problem, das Ausbrennen im Job ist längst so etwas wie eine Art Volkskrankheit. Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Was steckt hinter einem Burnout? Was sind die Ursachen und Symptome und wie lässt er sich behandeln? Das folgende Dossier gibt Ihnen die wichtigsten Antworten auf diese Fragen – inklusive einem Burnout-Selbsttest…

Burnout: Ursachen, Symptome, Behandlung

Definition: Was ist ein Burnout?

Der Begriff „Burn Out“ stammt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt so viel wie „ausbrennen“. Mit der genauen Definition des Begriffs Burnout-Syndrom tun sich allerdings die Experten bis heute schwer. Erstmals taucht der Begriff Mitte der Siebzigerjahre auf, erwähnt von dem Psychoanalytiker Herbert Freudenberger. Der arbeitete selbst über einen längeren Zeitraum so hart, dass er irgendwann an einen Punkt gelangte, an dem er einfach kein Weiterkommen mehr sah. Er war – wie wir heute sagen würden – „ausgebrannt“.

Und so lässt sich der Burnout letztlich auch am besten beschreiben und definieren:

Ein Burnout ist die totale körperliche und emotionale Erschöpfung aufgrund beruflicher oder privater Überlastung. Wer einen Burnout erleidet, ist weder körperlich noch emotional in der Lage, seinen Alltag zu bewältigen.

Manche sprechen auch von einem Infarkt der Seele.

Kritik am Burn-Out Begriff: Oft nur verkleidete Depression?

Kritik am Burn-Out Begriff: Oft nur verkleidete Depression?Weil es bis heute keine eindeutige Burnout-Diagnose gibt, zweifeln einige Fachleute daran (PDF), dass es dieses Ausgebranntsein tatsächlich gibt. Ihre These: Der Burn Out ist nur erfunden worden, weil das besser klingt und weniger stigmatisierend wirkt als eine „Depression„.

Ein Euphemismus eben: Wer ausbrennt, der ist schließlich nicht einfach nur psychisch krank. So jemand schuftet immer noch und glüht bei vollem Elan und Engagement innerlich aus. Und das klingt weniger nach Schwäche und einem, der nicht belastbar ist, als vielmehr nach jemandem, der sich selbst ausbeutet und keine Limits kennt. Nicht zuletzt deshalb sei der Modebegriff Burn-Out bei betroffenen Managern so beliebt.

Da ist etwas dran: Der inflationäre Gebrauch des schwammigen Begriffs wirkt eher irreführend als heilsam. Fakt ist: Der Begriff „Burn-Out“ ist nicht wirklich klar definiert und in den maßgeblichen internationalen Klassifikationssystemen gibt es keine „Diagnose Burnout“.

Entsprechend liegen für die zahlreichen psychischen Störungen, die unter dem Burnout Syndrom zusammengefasst werden, auch kaum Behandlungen mit Wirksamkeitsbelegen aus methodisch soliden Studien vor.

Zu kritisieren sind vor allem drei Punkte:

  1. Die Vermengung der Begriffe Stress, Burnout und Depression führt letztlich zu einer Verharmlosung der Depression. Stress, gelegentliche Überforderungen und Trauer sind Teil des Lebens und müssen nicht medizinisch behandelt werden.

    Depression dagegen ist eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung. Die Verharmlosung der Depression verstärkt das Unverständnis gegenüber depressiv Erkrankten.
  2. Der Begriff Burnout suggeriert eine Überforderung von außen als Ursache. Auch wenn Depressionen oft mit dem tiefen Gefühl der Erschöpftheit einhergehen, ist nur bei einer Minderheit der depressiv Erkrankten eine tatsächliche Überforderung der Auslöser.

    Viele depressive Episoden werden durch Verlusterlebnisse, Partnerschaftskonflikte, durch eher positive Veränderungen im Lebensgefüge, wie Urlaubsantritt, Beförderung, Umzug getriggert und bei zahlreichen Menschen mit einer depressiven Episode ist beim besten Willen kein bedeutsamer Auslöser festzustellen.

    Und: Wäre Burnout oder gar eine Depression in erster Linie Folge einer beruflichen Überforderung, so sollte diese Erkrankung in Hochleistungsbereichen häufiger sein als bei Rentnern, Studenten oder Nicht-Berufstätigen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall.
  3. Zudem existiert verbreitet die Vorstellung, dass langsamer treten, länger schlafen und Urlaub machen gute Bewältigungsstrategien sind. Verbirgt sich hinter dem angeblichen Burnout jedoch eine depressive Erkrankung, so sind dies keine empfehlenswerten, oft sogar gefährliche Gegenmaßnahmen.

    Menschen mit depressiven Erkrankungen reagieren auf längeren Schlaf und längere Bettzeiten nicht selten mit weiterer Stimmungsverschlechterung.

    Auch wird ein Urlaubsantritt depressiv Erkrankten dringend abgeraten, da die Depression mitreist und der eigene Zustand mit Antriebsstörung und der Unfähigkeit, irgendeine Freude zu empfinden, im Urlaub und in fremder Umgebung besonders bedrückend und schmerzlich erlebt wird.

Es ist also wichtig, zwischen vorübergehender starker Erschöpfung, Stress und einem beginnenden Burnout einerseits und einer depressiven Erkrankung andererseits zu unterscheiden.

Symptome: Wie zeigt sich ein Burnout?

Tatsächlich entwickelt sich ein Burnout langsam und kaum spürbar. Gestresst, gereizt, lustlos, erschöpft – das alles ist noch kein Burn Out oder Ausgebranntsein. Noch nicht. Bis es ab einem bestimmten Punkt zu viel wird.

Auf dem Weg dorthin sucht sich der Körper allerdings verschiedene Ventile. Diese Anzeichen und Burnout Symptome werden von den Betroffenen aber leider häufig als unwichtig abgetan oder leichtsinnig ignoriert.

Immer wieder fallen dann Sätze wie: Das geht schon wieder vorbei… Dabei laufen viele Gefahr, das Risiko eines Burnouts zu unterschätzen.

Das 12-Stufen-Modell nach Freudenberger/North

Burnout 12 Stufen Modell Burnout Phasen

Die beiden Psychologen Herbert Freudenberger und Gail North entwickelten daher schon im Jahr 1992 das sogenannte 12-Stufen-Modell. Danach durchlaufen Betroffene im Verlauf eines Burnout-Syndroms zwölf typische Phasen:

  1. Burnout-Phase: Gesteigerter Ehrgeiz

    Es fängt vielversprechend an. Mit Leidenschaft, Eifer und Ehrgeiz für den Beruf. Wir brennen sprichwörtlich für den Job und eine große Karriere. Diese Begeisterungsfähigkeit führt allerdings oft auch zu überhöhten Erwartungen an uns selbst. Eigene Limits werden ignoriert, eigene Bedürfnisse zurückgestellt. Es ist die erste Stufe auf dem Weg zum Burnout: Der Zwang, sich beweisen zu müssen.

  2. Burnout-Phase: Hyperaktivität

    Nur wer ständig hinzulernt, neue Aufgaben und Herausforderungen sucht, kommt weiter. Harte Arbeit ist dazu unerlässlich – und zahlt sich aus. So die Hoffnung. Muss sie aber nicht. Vor allem wenn sie zu freiwilliger Selbstausbeutung, zu Wochenendarbeit und fehlendem Ausgleich führt. Wie bei Workaholics fällt es Ihnen schwer, Verantwortung zu teilen und Aufgaben abzugeben. Entweder, weil sie fürchten, die Kontrolle darüber zu verlieren. Oder, weil sie glauben, das Ergebnis wäre nur halb so gut. Häufige Burnout-Anzeichen in dieser Phase sind: Hörsturz, Schwindelanfälle, Magen-Darmbeschwerden.

  3. Burnout-Phase: Vernachlässigen eigener Bedürfnisse

    Wer sich derart reinhängt, vergisst meist die eigenen Bedrüfnisse. Unser Körper hält viel aus. Die Seele kann Durststrecken überwinden. Erst recht, wenn wir diese mit steigendem Kaffeekonsum, mit Zigarretten zur Entspannung oder Aufputschmitteln gegen fehlenden Schlaf betäuben. Gelegentlich treten zwar Schlafstörungen auf. Aber die werden ignoriert – wie die abnehmenden sozialen Kontakte und Freundschaften.

  4. Burnout-Phase: Zunehmende Überforderung

    Das hohe Pensum und die Arbeitsverdichtung fordert ihren Tribut. Sie vergessen Termine, halten Zusagen nicht ein, brechen Versprechen und Abmachungen. Ihre Genauigkeit leidet, machen öfter Fehler und fühlen sich zunehmend kraft- und energielos. Die daraus resultierenden Konflikte (mit Chef, Kunden, Kollegen) werden aber verdrängt oder schöngeredet. Häufige Burnout-Anzeichen in dieser Phase sind auch: Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen, Übelkeit.

  5. Burnout-Phase: Leugnen von Problemen

    Ein Gefühl der Ohnmacht breitet sich aus. Orientierungslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Aggressionen wachsen. Gleichzeitig lässt die Leistungsfähigkeit spürbar nach. Sie arbeiten ungenau, treffen schlechte Entscheidungen – oder sind unfähig, überhaupt noch welche zu treffen. Statt sich das einzugestehen und gegenzusteuern, treten Ersatzbefriedigungen auf den Plan: Essen, Trinken (Alkohol), Drogen, Sex… Der Körper reagiert jetzt deutlich: Das Gewicht steigt, der Blutdruck ebenfalls. Das Herz tut manchmal weh. Der Körper antwortet auf die Seele, die schon lange leidet.

  6. Burnout-Phase: Umdeuten von Werten

    Die Einstellung zur Arbeit wird immer negativer. Der Spaß ist längst vorbei. Trotz der immer noch immensen Leistung fühlen Sie sich nicht genug wertgeschätzt, nicht anerkannt. Das hat eine Art Desillusionierung zur Folge. Der innere Widerstand, täglich zur Arbeit zu gehen, wächst. Sie sprechen zwar auch weiterhin nur über den Job – nun aber fast nur noch negativ.

  7. Burnout-Phase: Erhöhte Reizbarkeit

    Das soziale Umfeld bröckelt. Sie kapseln sich ab, meiden Kontakt mit Kollegen, Freunden und Bekannten, die Sie als belastend empfinden – vielleicht auch, weil diese Sie auf die negative Entwicklung hinweisen und dafür kritisieren. Auch zuhause werden Probleme sichtbar, in der Partnerschaft kommt es zum Beziehungs-Burnout. Doch wehe, das wird angesprochen: Dann explodieren Sie.

  8. Burnout-Phase: Sichtbare Verhaltensänderung

    Die Verhaltensänderungen werden nun auch für andere deutlich sichtbar. Sie vernachlässigen zunehmend private Aufgaben: Daheim türmen sich Schmutzwäsche und Geschirr in der Spüle. Der Partner moniert längst überfällige Reparaturen. All das sind Anzeichen, dass sich die Prioritäten ungleich verschoben haben. Sie verfallen in Selbstmitleid, reagieren gereizt auf gute Ratschläge. Ein Gefühl von Gleichgültigkeit und Sinnlosigkeit macht sich breit.

  9. Burnout-Phase: Zunehmende Vereinsamung

    Sie funktionieren wie ein Automat. Im Büro machen Sie nur noch Dienst nach Vorschrift, privat ziehen Sie sich immer mehr zurück. Für andere Menschen zeigen Sie keine Anteilnahme mehr, wenngleich sich die Bindung zu Einzelnen ins Exzessive steigern kann. Psychosomatische Reaktionen nehmen stetig zu. Von hier an geht es sehr schnell abwärts.

  10. Burnout-Phase: Antriebsschwäche, innere Leere

    Sie fühlen sich nur noch leer. Gleichzeitig erleben Sie ein stetiges Gefühlschaos: Sie haben Phobien und Panikattacken. Auch sonst wechseln die Emotionen von einem (negativen) Extrem ins andere. Ihre Einstellung zum Leben wird immer negativer. Dagegen ankämpfen? Dazu fehlt die Kraft.

  11. Burnout-Phase: Depression, Angst

    Sie sind maximal erschöpft, wollen einfach nur noch schlafen – am liebsten den ganzen Tag lang. Zur Verzweiflung gesellen sich Existenzängste, manchmal auch Suizidgedanken. Das Immunsystem funktioniert kaum noch, Sie sind immer häufiger krank.

  12. Burnout-Phase: Völlige Erschöpfung

    Die totale Erschöpfung ist erreicht – geistig, körperlich, emotional. Im schlimmsten Fall ist dieser Zustand lebensgefährlich. Ohne ärztliche Hilfe geht an diesem Punkt nichts mehr.

Wer das finale Stadium erreicht, muss mit massiveren Konsequenzen rechnen: Durch den Dauerstress werden zahlreiche körperliche Funktionen in Mitleidenschaft gezogen, die bis hin zur Berufsunfähigkeit führen können. Dagegen anzukämpfen, beschleunigt den Energieverfall oft noch.

Hier angelangt, ist eine medizinische und psychologische Behandlung unumgänglich.

Burnout Test: Wie gefährdet sind Sie?

Burnout Test PDF CoverNachdem Sie bis hierher gelesen haben, fragen Sie sich vermutlich, ob auch Sie schon betroffen sind. Oder wie hoch Ihr individuelles Burnout-Risiko ist.

Finden Sie es heraus mit diesem kurzen Burnout Test! Natürlich kann und soll der eine eingehende medizinische Diagnose nicht ersetzen. Er kann Ihnen aber erste Hinweise liefern, ob Sie auf das Ausbrennen allmählich zusteuern.

So funktioniert der Test: Zählen Sie zusammen, wie viele der folgenden Aussagen auf Sie zutreffen…

    Psychische Symptome

  • Meine Arbeit macht mir immer weniger Spaß.
  • Mir werden meine täglichen Aufgaben allmählich zu viel.
  • Ich habe das Gefühl, nichts zu bewirken und nur ein Rad im Getriebe zu sein.
  • Ich mache mir viele Sorgen, manche davon sind regelrecht Ängste.
  • Ich traue mir weniger zu als früher.
  • Mir fällt es zunehmend schwer, mich zu konzentrieren.
  • Ich habe kaum noch neue Ideen, fühle mich unkreativ.
  • Ich kann mich aber auch kaum zu Neuem aufraffen.
  • Ich kann mich kaum noch entspannen – auch nicht in den Pausen.
  • Ich fühle mich leer und ausgelaugt.
  • Ich spüre eine wachsende Traurigkeit über meinem Leben.
  • Körperliche Symptome

  • Ich komme morgens schwerer aus dem Bett.
  • Ich leide neuerdings unter Schlafstörungen.
  • Ich wache morgens kaputt und matt auf.
  • Ich bin tagsüber häufiger und schneller müde.
  • Ich trinke abends schon mal mehr Alkohol, um zu entspannen.
  • Ich habe seit kurzem Magen-Darm-Probleme.
  • Ich habe seit kurzem Rückenschmerzen.
  • Ich habe seit kurzem Herz-Kreislauf-Probleme.
  • Ich leide öfter unter Kopfschmerzen.
  • Ich nehme Tabletten, um die körperlichen Symptome zu unterdrücken.
  • Ich nehme Drogen, um mein Pensum zu schaffen.
  • Soziale Symptome

  • Ich fühle mich häufig angespannt und gereizt.
  • Ich fühle mich im Job zunehmend isoliert und alleine gelassen.
  • Ich werde neuerdings schnell aggressiv.
  • Meine Familie findet, ich habe mich verändert.
  • Die Lust am Sex hat bei mir deutlich nachgelassen.
  • Ich treffe mich seltener mit meinen Freunden.
  • Meine Hobbys pflege ich kaum noch.

Burnout Test: Auswertung der Selbstaussagen

Den Burnout-Test können Sie sich übrigens auch als kostenloses PDF herunterladen, ausdrucken und bequem mit dem Stift ausfüllen, wenn Ihnen das lieber ist.

Andernfalls: Zählen Sie bitte zusammen, wie oft Sie den obigen Aussagen zugestimmt haben und klicken Sie auf die jeweilige Auswertung beziehungsweise Auflösung:

Ursachen: Was sind die Auslöser für einen Burnout?

Stellt sich nun die Frage: Warum kommt es überhaupt soweit? Was löst einen Burn Out aus – was sind dessen Ursachen?

Die moderne Arbeitswelt hat sicher einiges zum Anstieg der Burnout-Fälle beigetragen. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. Permapräsenz und ständige Erreichbarkeit sowie die zunehmende Arbeitsverdichtung, Überstunden und Jobunsicherheiten erhöhen den Druck.

Kurzum: Der Stress – er nimmt für viele Beschäftigte stetig zu. Mindestens gefühlt.

Dort bleibt er aber lange unbemerkt, vielleicht feuert er zuerst sogar noch zu besseren Leistungen an. Aber das nagt an der der Gesundheit, unbemerkt, doch irgendwann sagt der Körper: „Schluss! Aus! Ich kann nicht mehr!“

Neben der Stresszunahme gibt es noch andere äußere Auslöser und Ursachen, die auf Dauer und im Zusammenspiel miteinander zu einem Burnout führen können. Dazu zählen regelmäßig:

  • Viel zu hohe Erwartungen – sowohl von außen als auch an sich selbst.
  • Fehlende Möglichkeiten Einfluss zu nehmen – und das daraus resultierende Gefühl der Ohnmacht sowie keine Kontrolle (über sein Leben) zu haben.
  • Kein Ausgleich zur Anspannung – auch nach Feierabend nicht, wo die Arbeit eigentlich keine Belastung mehr sein sollte.
  • Ungenaue Vorgaben im Job – verbunden mit Angst, etwas falsch zu machen.
  • Nicht nur lange, sondern wechselnde Arbeitszeiten – wie sie etwa im Schichtdienst zu finden sind.
  • Schlechtes Betriebsklima – wenige Kontakte zu Kollegen bis hin zu Mobbing.
  • Angst vor der Zukunft – sowohl um den eigenen Arbeitsplatz als auch auf der persönlichen (Beziehungs-)Ebene.

Neben diesen äußeren Einflüssen spielt die eigene Persönlichkeit spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle:

  • So gehen Experten davon aus, dass zum Beispiel Perfektionismus und selbst auferlegter Erfolgsdruck einen Burnout begünstigen können.
  • Auch ein schwaches Selbstbewusstsein und ein starker Wunsch nach Harmonie können zum Problem werden: Wer es immer allen recht machen will, um ja nirgendwo anzuecken, verleugnet sich nicht nur selbst, sondern sorgt für anhaltende Überforderung.

Zusammengefasst: Ursachen für einen Burnout sind nicht allein äußere Faktoren, wie ein mieser Job oder schlechter Chef. Oft ist es das Zusammenspiel aus einem belastenden Arbeitumfeld, eigener Erwartungshaltung und der Passivität, daran etwas zu ändern.

Arbeitsrecht: Versicherungen müssen Burnout anerkennen

Arbeitsrecht: Versicherungen müssen Burnout anerkennenAuch wenn es keine eindeutige medizinische Diagnose für einen Burnout gibt: Stellt ein Arzt die Diagnose „Burnout-Syndrom“, müssen Versicherungen das anerkennen. Zu diesem Urteil kamen die Richter der 25. Zivilkammer des Landgerichts München.

Ein 58-jähriger Finanzmakler hatte seine Berufsunfähigkeitsversicherung verklagt, weil die sich weigerte, ihm 3500 Euro monatlich auszuzahlen. Sein Arzt hatte ihm zuvor eine 50-prozentige Minderung der Arbeitsfähigkeit aufgrund eines Burnouts bescheinigt.

Die Assekuranz müsse zahlen, urteilten die Richter. Dabei stützten sie sich auch auf ein Gutachten des Erlanger Professors Wolfgang Sperling, der schrieb, dass nicht nur die berufliche Belastung zum Burnout beigetragen habe, sondern vor allem die aus der Persönlichkeit des Finanzmaklers „getriebene permanente Unruhe und fast zwanghaft anmutende Tendenz zum Perfektionismus“. Beidem sei er auf Dauer nicht gewachsen gewesen.

Berufsgruppen: Wer ist besonders betroffen?

Berufsgruppen: Wer ist besonders betroffen

Theoretisch kann der Burnout jeden treffen. Tatsächlich aber sind manche gefährdeter als andere.

So trifft das Ausbrennen keinesfalls nur die Schwachen, die Labilen, die „Jammerlappen und Weicheier“, wie manche vielleicht denken. Fehler! Betroffen sind vor allem Manager, Menschen in sozialen Berufen, Beschäftigte in sogenannten Sandwichpositionen, also zwischen zwei Hierarchieebenen, Schichtarbeiter und Berufspendler.

Aber auch Menschen, die unter dem Druck stehen, ständig ihre Emotionen im Zaum zu halten und nach außen eine neutrale Fassade zu wahren, erkranken häufiger an einem Burnout als andere. Das fanden zum Beispiel die Psychologen Daniel Beal und John Trougakos von der Universität von Toronto sowie Christine Jackson von der Purdue Universität heraus. Laut den Untersuchungen gehören zu den besonders Gefährdeten:

  • Journalisten
  • Krankenhausmitarbeiter (überhaupt Angestellte im Gesundheitssystem)
  • Sozialarbeiter
  • Anwälte
  • Servicemitarbeiter

Interessanterweise sind laut Statistiken auch Frauen stärker gefährdet als Männer. Sie neigen vermehrt dazu, es allen recht machen zu wollen, und stützen ihr Selbstwertgefühl öfter auf äußere Anerkennung.

Am größten ist die Gefahr, einen Burnout zu erleiden, im Alter zwischen 30 und 49 Jahren.

Darauf hat unsere Leistungs- und Erfolgsgesellschaft einen nicht unerheblichen Einfluss. Sie produziert ständig Gewinner und Verlierer. Der moderne Top-Performer ist zwingend motiviert, selbstbewusst, flexibel, weltoffen, pragmatisch – vor allem aber: belastbar und bereit jeden Tag über sich selbst hinauszuwachsen.

Ein hehrer Anspruch – dem allerdings längst nicht alle Menschen gerecht werden können. Sie merken, dass ihre vorhandene Kraft und Energie für diesen täglichen Marathonlauf nicht ausreicht. Das erzeugt zusätzlichen Druck und eine Spirale nach unten entsteht. Der drohende Burnout verstärkt sich so bereits im Anfangsstadium selbst.

Diagnose Burn-Out: Was tun?

Falls Sie merken, dass Sie längst auf einen Burnout zusteuern, ist es noch nicht zu spät. Wie so oft ist Selbsterkenntnis der erste und wichtigste Schritt zur Besserung.

Was also ist zu tun, wenn Sie den Verdacht haben, allmählich auszubrennen?

Die genannten Symptome, das 12-Phasen-Modell, der Test – all das kann Ihnen erste Anhaltspunkte liefern, wo Sie gerade stehen. Um wirklich sicherzugehen, ob es sich tatsächlich um ein nahenden Burnout oder eher um eine Depression handelt, sollten Sie einen Spezialisten, Psychiater oder Psychologen zu Rate ziehen. Viele Betroffene schämen sich oder versuchen die eigene Situation zu verdrängen. Tun Sie das bitte nicht! Auch wenn wir Ihnen ein guter Ratgeber sein wollen: Ein Internet-Artikel kann und sollte eine medizinische Überprüfung nie ersetzen.

Im nächsten Schritt müssen die Ursachen für den Dauerstress erkannt werden. Zum Beispiel durch einen Stresstest. Sie sollten den Mut haben, innezuhalten und sich Ihrer Situation bewusst zu werden.

Entscheidend ist, die Schuld nicht (nur) bei anderen zu suchen, sondern sich selbst an die eigene Nase zu fassen und zu überlegen, was man selbst dazu beigetragen hat, dass man sich in dieser Situation wiederfindet. Es geht darum, daraus zu lernen und zu überlegen, was man tun muss, um es in kleinen Schritten systematisch und konsequent zu verändern.

Wichtige Fragen, die dabei zu klären sind, lauten:

  • Wie lege ich den Dauerstress ab?
  • Kann ich die Probleme im Team lösen oder liegt es an mir selbst?
  • Wie gewinne ich mehr Gelassenheit?
  • Wie erkenne ich meine Limits und Ressourcen?
  • Kann ich die Probleme selbst lösen, oder brauche ich professionelle Hilfe?

Lassen Sie sich dabei aber ruhig ausreichend Zeit, sonst entsteht gleich wieder neuer Stress.

Sollten diese erste Hilfe und Sofortmaßnahmen ohne Erfolg bleiben, hilft oft nur noch eine Burnout Therapie…

Burnout Therapie: Wie behandelt man einen Burnout?

Burnout Therapie Behandlung was tun GrafikWie genau die Therapie und Behandlung bei einem akuten oder kurz bevorstehenden Burnout aussieht, lässt sich nicht allgemein sagen. Eine solche Behandlung muss immer individuell angepasst werden, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen.

Besonders erfolgreich und vielversprechend ist dabei die Psychotherapie, die vielen Betroffenen helfen kann.

Das Ziel dabei ist es, dem Betroffenen ein neues und gestärktes Selbstbewusstsein zu vermitteln; dabei zu helfen, die negativen Gedanken frühzeitig zu unterbinden oder richtig damit umzugehen. Die Therapie hilft dabei, mit dem alltäglichen Stress besser umzugehen – wofür allerdings oft eine Änderung der eigenen Gewohnheiten nötig ist. Das eigene Verhalten wird also hinterfragt, reflektiert und im besten Fall abgeändert, um in zukünftigen Situationen anders zu reagieren.

Burnout Vorbeugung: Was Sie zur Prophylaxe tun können

Damit es erst gar nicht soweit kommt, können Sie selbst auch schon Einiges vorbeugend unternehmen. Insbesondere wenn es sich bei dem Burnout noch um eine frühe Vorstufe oder um eine noch vergleichsweise leichte Ausprägung handelt, können und sollten Sie gegensteuern. Zum Beispiel so:

  1. Kämpfen Sie gegen Ursachen, nicht gegen Symptome!

    Gegen Müdigkeit hilft nicht mehr Kaffee, sondern regelmäßige Pausen, regelmäßiger Schlaf, gesundes Essen und Ausgleichssport. Planen Sie mehr Auszeiten ein und zelebrieren Sie einen festen Ruhetag – buchstäblich.

    Der Sonntag ist nicht nur im christlichen Sinne heilig, Sie brauchen die Entspannung, um neue Energie für die Woche zu sammeln. Treffen Sie sich lieber wieder mal mit guten Freunden auf einen Plausch – aber reden Sie nicht über die Arbeit.

  2. Setzen Sie Prioritäten!

    Jeder Mensch hat gleich viel Zeit – man muss sie nur richtig einteilen. Was müssen Sie erledigen? Was sind die Zeitfresser? Wie können Sie die Zeit besser einteilen? Manche Aufgabe lässt sich delegieren – wenn man denn will.

  3. Überprüfen Sie Ihre Erwartungen!

    Genauso wenig wie Sie allen gefallen können, können Sie andere ändern. Machen Sie sich frei von übernommenen Statusbildern und Rollenmustern.

  4. Gehen Sie Konflikte offensiv an!

    Ungeklärtes runterzuschlucken oder in sich hineinzufressen, zermürbt und zehrt an der Leistungskraft. Entweder Sie bleiben Teil des Problems oder werden Teil der Lösung.

  5. Klären Sie Ihre Aufgaben!

    Überforderung entsteht, wenn berufliche Kompetenzen und Erfolgskriterien nicht klar definiert sind. Schaffen Sie sich emotionalen Halt durch Gewissheit.

  6. Üben Sie das Nein-Sagen!

    Nette, hilfsbereite Kollegen mag jeder, denn sie machen das Leben leichter – das eigene vor allem. Wer anderen aber seine Hilfe stets allzu bereitwillig zukommen lässt, zahlt dafür einen hohen Preis: Nicht nur, dass man sich danach fühlt wie ein Teebeutel nach dem dritten Aufguss, Hilfsbereite stehen immer auch in der Gefahr, ausgenutzt zu werden. Lernen Sie also Nein zu sagen – auch gegenüber Chefs.

  7. Reduzieren Sie Ihre Erreichbarkeit!

    Auch Smartphones haben einen Ausschalter. Benutzen Sie ihn! Setzen Sie sich eine Uhrzeit, nach der Sie nicht mehr geschäftlich erreichbar sind oder schalten Sie zumindest die Datendienste aus.

  8. Nehmen Sie sich Zeit zur Muße!

    Müßiggang ist aller Laster Anfang. Heißt es zwar. Vergessen wird dabei aber, dass er genauso oft Ursprung guter Gedanken und großartiger Ideen ist. Statt unseren Gedanken ab und an genussvoll beim Verklären zuzuschauen, schuften wir den ganzen Tag im Büro und sind auch noch stolz darauf, im Hamsterrad die Bodenhaftung trotz zunehmenden Tempos zu behalten. Wie dumm!

    Statt uns über optimiertes Zeitmanagement und mehr Work-Life-Balance den Kopf zu zerbrechen und darüber, möglichst rund um die Uhr beschäftigt zu sein, sollten wir uns hin und wieder der Muße hingeben – mit famosen Effekten.

Experten-Interview: Wie geht es nach dem Burnout weiter?

Carola KleinschmidtWie lässt sich eine solche Erschöpfungskrise im Leben meistern? Wie geht das Leben nach dem akuten Tiefpunkt weiter? Was hilft dabei, ganz gesund zu werden und zu bleiben und nicht wieder in die Erschöpfungsfalle zu tappen? Wir haben dazu ein Interview mit der Diplombiologin Carola Kleinschmidt geführt. Sie ist Expertin für Burnout-Prävention und hat zur psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt mehrere Bücher geschrieben.

Frau Kleinschmidt, wie lange dauert es, bis Betroffene sagen: Ich bin wieder gesund?

Viele brauchen Monate. Therapeuten sagen oft: Gesund zu werden, dauert in etwas so lange, wie es dauerte, bis man völlig erschöpft war. Dr. Manfred Nelting, von der psychosomatisch orientierten Gezeitenklinik in Bonn, verabschiedet seine Patienten zum Beispiel mit den Worten: Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen in zwei Jahren noch viel besser geht als heute.

Er weiß, dass der Einstieg in den Alltag den Betroffenen extrem viel abfordert und oft eine Phase von Hochs und Tiefs folgt, bevor man sich wirklich wieder stabil und belastbar fühlt.

Gibt es denn Faktoren, die die Rückkehr in den Job erleichtern?

Durchaus. Viele finden leichter in den Job zurück, wenn sie nicht zu lange damit warten. Genauso ist es wichtig, dass die Kollegen und Vorgesetzte sie dabei unterstützen. Das heißt nicht, dass man die Rückkehrer in Watte packen sollte. Eher geht es darum, gemeinsam zu schauen, welche Tätigkeiten zur Person passen. Dazu ist eine gewisse Offenheit im Umgang mit Überlastung hilfreich.

Was ist nötig, um den Burnout dauerhaft hinter sich zu lassen?

Menschen, die wieder gesund wurden, gelang dies am besten, indem sie ihr Selbstwertgefühl grundlegend verändert haben. Während sie vorher extrem abhängig davon waren, dass sie von außen Lob und Anerkennung für ihre Tätigkeiten bekommen haben und immer alles richtig machen, hatten sie nach der Krise eine innere Freiheit entwickelt.

Innere Freiheit heißt, dass sie in der Therapie und in der Auseinandersetzung mit sich selbst ein Gespür entwickelten, dass sie wertvolle Menschen sind – ob sie nun super Leistung bringen oder nicht. Manche erleben zwar auch einen Rückfall. Unter jenen, die einen Burnout aber überstanden haben, gibt es aber keinen, der sein Leben nicht grundlegend verändert hat.

Was ist wichtiger: Die Umstände zu verändern oder seine Haltung zum Stress?

Beides spielt zusammen. Wenn tatsächlich nur die äußeren Umstände die Kraft hätten, Menschen in den Burnout zu treiben, müssten in Firmen mit hohem Druck, reihenweise Leute ausfallen. So ist es aber nicht. Die innere Einstellung spielt eine ebenso große Rolle. Viele Betroffene erzählen, dass sie schon lange vor dem Zusammenbruch spürten, dass etwas nicht stimmt: Schlafprobleme, Schmerzen, ständig schlechte Laune – so was.

Aber sie haben diese Signale nie als Warnsignal ernst genommen. Es sind Menschen, die locker über ihre persönlichen Grenzen weggehen, um ein Ziel zu erreichen. Und wenn sie unsicher werden, dann fangen sie erst recht an zu rödeln. Sie haben keine Notbremse – und schliddern so immer tiefer in die Erschöpfung.

Die Rückfallquote bei Burnout ist leider hoch…

Das stimmt. Ehemals Betroffene sagen etwa, dass sie sich immer noch gefährdet fühlen. Deshalb machen sie mit ganz großer Akribie ihre Übungen, meditieren regelmäßig oder machen Entspannungs- und Körperübungen.

Ich denke, diese Menschen sind nicht mehr unbedingt gefährdet, aber sie haben sich etwas aufgebaut, um sich zu schützen. Ich habe Menschen getroffen, die an einem bestimmten Punkt sagten: Ich bin eigentlich nicht krank. In meinem Leben liegt schlicht irgendwas total schief, so dass ich meine Energie verpulvere. Ich finde jetzt raus, was das ist. Sie stellen fest, dass ihnen eigentlich nur Selbsterkenntnis helfen kann.


Zum Beispiel die Frau, die einen Frisörsalon aufgemacht hatte – das war immer ihr Traum gewesen. Doch eines Tages versagten ihre Beine. Erst ging sie zum Arzt. Organisch war aber nichts zu finden. Da hat sie sich auf ihr Sofa gelegt und nachgedacht.

Irgendwann ist sie darauf gekommen, dass sie sich mehr mit sich selbst beschäftigen sollte: Sie war immer durch ihr Leben gerannt – darum die Beine – und hat ihren Mann gestanden. Vor vielen inneren Themen war sie dagegen davongelaufen.


Sie hat auf diesem Weg herausgefunden, was ihr die Krise sagen will. Ihren Friseursalon hat sie dann abgegeben. Heute ist sie wieder ganz gesund. Man muss allerdings dazu sagen: Auch diese Frau hat sich eine Ärztin an die Seite geholt, die sagte: Wenn irgendwas ist, was bedrohlich ist, bin ich für Sie da. Sie hatte sozusagen ein Netz für den Notfall.

Aber einfach in die Klinik gehen oder sich eine Auszeit gönnen und Kraft schöpfen, dann aber genauso weitermachen wie vorher – das funktioniert nicht.

Frau Kleinschmidt, Danke für das Gespräch.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
19. Juli 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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