Schichtarbeit: Modelle, Regelungen, FAQ, Tipps

In vielen Berufen und Branchen unterliegen Mitarbeiter der Schichtarbeit. Nicht nur Krankenpfleger, Ärzte, Feuerwehrleute oder Beschäftigte in der Gastronomie können in Schichten eingesetzt werden. Auch in der Produktion oder im Verkauf wird die Arbeitszeit in Schichten eingeteilt. Einige Modelle der Schichtarbeit sehen zusätzlich Nachtschichten vor. Eine Belastung, die sich auf die Gesundheit auswirken kann. Wir erklären Ihnen, welche verschiedenen Modelle der Schichtarbeit es gibt, welche Begriffe dabei unterschieden werden müssen und beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema Schichtarbeit…

Schichtarbeit: Modelle, Regelungen, FAQ, Tipps

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Definition und Modelle: Was ist Schichtarbeit?

Unter dem Begriff Schichtarbeit kann sich jeder sofort etwas vorstellen und die erste Assoziation ist meist wechselnde Arbeitszeit und auch Dienst in einer Nachtschicht. Das beschreibt zwar einen Aspekt der Schichtarbeit, reicht für ein wirkliches Verständnis aber längst nicht aus.

Zunächst einmal muss festgehalten werden: In Deutschland gibt es keine Gesetzliche Definition von Schichtarbeit. Das Arbeitszeitgesetz trifft zwar einige Regelungen, die auch die Schichtarbeit betreffen (dazu weiter unten im Artikel mehr), gesetzlich definiert wird der Begriff jedoch nicht.

Bei der Schichtarbeit handelt es sich um ein Arbeitszeitmodell, bei dem Arbeitnehmer nach einem Schichtplan zu abwechselnden Arbeitszeiten eingesetzt werden. So kann es beispielsweise sein, dass Sie in einer Woche von 6 bis 15 Uhr arbeiten und in der darauffolgenden Woche die Schicht von 15 bis 24 Uhr übernehmen.

Durch Schichtarbeit können Unternehmen somit durch die Zuteilung unterschiedlicher Schichten eine insgesamt längere Arbeitszeit pro Tag erreichen. So kann in einer Produktionsstätte in Schichtarbeit beispielsweise von früh bis spät (oder sogar rund um die Uhr) gearbeitet werden, statt die teuren Anlagen nur acht Stunden täglich in Betrieb zu nehmen.

Unterschieden werden dabei grundsätzlich zwei verschiedene Modelle der Schichtarbeit:

  • Kontinuierliche Schichtarbeit

    Bei kontinuierlicher Schichtarbeit wird der Betrieb 24 Stunden am Tag aufrecht erhalten. Die Mitarbeiter werden dabei mindestens in drei Schichten aufgeteilt (Früh-, Spät- und Nachtschicht). Es gibt aber auch Modelle, in denen vier oder fünf Schichten unterschieden werden. Bei einer vollkontinuierlichen Schichtarbeit wird auch am Wochenende durchgehend in Schichten gearbeitet, ruht der Betrieb am Samstag und Sonntag, wird dies teilkontinuierliche Schichtarbeit genannt.

  • Nicht kontinuierliche Schichtarbeit

    Ein anderes Modell ist die nicht kontinuierliche oder auch diskontinuierliche Schichtarbeit. Hier gibt es einen Feierabend am Ende des Arbeitstages, es wird also nicht durchgehend gearbeitet. Üblich ist ein System aus zwei Schichten (Früh- und Spätschicht), die eine Arbeitszeit von jeweils acht Stunden abdecken.

Für den individuellen Mitarbeiter kann es aber noch einmal unterschiedliche Formen der Schichtarbeit geben. Bei der sogenannten konstanten Schichtarbeit wird ein Arbeitnehmer immer in derselben Schicht eingesetzt, beispielsweise täglich in der Frühschicht. Hier wird von Dauerfrühschicht (oder entsprechend Dauerspätschicht beziehungsweise Dauernachtschicht) gesprochen.

Übernimmt ein Angestellter hingegen laut Schichtplan unterschiedliche Schichten, arbeitet er in Wechselschicht.

Gesundheit: Wie kann sich Schichtarbeit auswirken?

Schichtarbeit bei wechselnden Arbeitszeiten bringt für Arbeitnehmer eine ganz besondere Herausforderung mit. Gerade wenn in allen Schichten gearbeitet wird, also auch regelmäßig eine Nachtschicht auf dem Dienstplan steht, kommen viele an ihre Grenzen. Sie gehen zur Arbeit, wenn andere schlafen gehen. Der Job zwingt sie dazu, gegen die innere Uhr und ihren Biorhythmus zu arbeiten.

Vor allem die Wechsel machen Schichtarbeitern oftmals zu schaffen. Eine Woche noch tagsüber arbeiten, eine Woche später plötzlich den gesamten Ablauf umstellen und nachts aktiv sein, um arbeiten zu gehen. Das hinterlässt auch körperliche Spuren und die Gesundheit leidet. Arbeitnehmer in Schichtarbeit kämpfen häufiger mit gesundheitlichen Problemen, wie zum Beispiel…

  • Schlafstörungen
  • Herz-Kreislauf-Problemen
  • Bluthochdruck
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Psychische Krankheiten (beispielsweise Depressionen)

Französische Forscher konnten zudem feststellen, dass Schichtarbeit regelrecht dumm macht. In ihrer Studie konnten sie nachweisen, dass kognitive Fähigkeiten unter dem Schichtdienst leiden und Probanden deutlich schlechtere Denk- und Gedächtnisleistungen zeigten, wenn sie bereits über 10 Jahre im Schichtdienst arbeiteten.

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Regelungen und FAQ: Das müssen Sie zur Schichtarbeit wissen

Die Schichtarbeit bringt einige Besonderheiten mit und gerade Arbeitnehmer, die noch nie im Schichtdienst eingesetzt wurden, haben einige Fragen. Wir fassen Antworten auf die häufigsten Fragen und die wichtigsten Regelungen aus dem Arbeitsrecht in unserem kleinen FAQ zur Schichtarbeit zusammen:

  • Welche Vor- und Nachteile hat die Schichtarbeit?

    Bei dieser Frage muss zwischen der Perspektive von Unternehmen und Mitarbeitern unterschieden werden. Für Unternehmen liegt der größte Vorteil der Schichtarbeit darin, dass die Zeiten, in denen gearbeitet wird, verlängert werden können. So kann je nach Betrieb die Auslastung der Produktion maximiert werden oder eine größere Anzahl an Kunden angesprochen werden.

    Mitarbeiter können bei der Schichtarbeit in erster Linie finanziell profitieren. Gerade in der Nachtschicht werden Zuschläge gezahlt, die oft zwischen 30 und 40 Prozent liegen, wenn zwischen 0 und 4 Uhr gearbeitet wird.

    Nachteilig sind hingegen die möglichen Folgen für die Gesundheit, die durch schwierige Arbeitszeiten und -bedingungen entstehen können. Wer in Schichtarbeit beschäftigt ist, kann zudem Probleme im sozialen Umfeld bekommen, da oftmals gearbeitet werden muss, wenn die anderen gerade frei haben.

  • Kann ein Arbeitgeber einfach Schichtarbeit anordnen?

    Durch sein Weisungsrecht kann ein Arbeitgeber die Arbeitszeiten beeinflussen, soll Schichtarbeit eingeführt werden, gilt dabei jedoch: Die Einführung von Schichtarbeit muss in Absprache mit dem Betriebsrat erfolgen. Dieser hat ein Mitbestimmungsrecht und sollte sich einsetzen, um die bei der Einführung und Gestaltung von Schichtarbeit die Interessen der Arbeitnehmer zu stärken.

    Ohne Zustimmung des Betriebsrats kann der Arbeitgeber nicht einfach die Schichtarbeit einführen und Mitarbeiter unter den Zwang eines Schichtplans stellen. Wie genau die Schichtarbeit geregelt wird, bestimmen Unternehmen und Betriebsrat dann über eine Betriebsvereinbarung.

  • Welche Rechte haben Arbeitnehmer in Schichtarbeit?

    Nicht nur der Betriebsrat, sondern auch die Gesetzgebung geht auf die besondere Belastung von Schichtarbeit ein. Entsprechend regelt das Arbeitsrecht – genauer gesagt das Arbeitszeitgesetz – einige grundlegende Rechte für Arbeitnehmer in Schichtarbeit. Allgemein geregelt sind dabei zunächst maximale Arbeitszeiten und Ruhezeiten, die eingehalten werden müssen:

    • Die werktägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten.
    • Nur in Ausnahmen ist eine Arbeitszeit von zehn Stunden täglich erlaubt.
    • Über einen Zeitraum von einem Monat muss bei Mehrarbeit ein Durchschnitt von maximal acht Stunden durch Ausgleich wieder hergestellt werden.
    • Zwischen zwei Arbeitstagen ist eine Ruhephase von elf Stunden zu gewährleisten.

    Gehört Nachtdienst zu Ihrer Schichtarbeit, steht Ihnen zudem zu, sich alle drei Jahre arbeitsmedizinisch auf Kosten des Arbeitgebers untersuchen zu lassen. Sind Sie bereits über 50 Jahre alt, können Sie dies sogar jedes Jahr tun.

    Laut Arbeitsrecht können Mitarbeiter in Schichtarbeit auch ein Anspruch darauf haben, von der Nachtschicht auf einen Tagesarbeitsplatz versetzt zu werden, wenn…

    • die medizinische Untersuchung feststellt, dass Nachtarbeit die Gesundheit gefährdet.
    • im Haushalt des Arbeitnehmers in Kind unter zwölf Jahren lebt, das nicht von einer anderen Person im Haushalt betreut werden kann.
    • ein pflegebedürftiger Angehöriger versorgt wird, der nicht von einer anderen Person im Haushalt versorgt werden kann.
  • Gibt es eine Altersgrenze für Schichtarbeit?

    Mit steigendem Alter kann die Schichtarbeit zu einer zunehmenden Belastung werden. Allerdings sieht das Arbeitsrecht keine grundsätzliche Altersgrenze vor, ab der eine Schichtarbeit verboten wäre.

    Ausschlaggebend ist hier allein die bereits genannte arbeitsmedizinische Untersuchung, die nach dem 50. Lebensjahr jährlich ansteht. Sieht der Arzt keinen Grund, der gegen die Schichtarbeit spricht, kann auch bis zur Rente in verschiedenen Schichten gearbeitet werden.

Schichtarbeit: Tipps für die Nachtschicht

Wie übersteht man eine Nachtschicht? Gibt es Tricks, die gegen die Müdigkeit helfen? Wie schlafe ich nach der Schicht wieder ein? Wir haben 11 Tipps und Tricks gesammelt, mit denen Sie die Schichtarbeit überstehen und durch die Nacht kommen.

Tipps während der Nachtschicht

  • Helle Beleuchtung

    Helfen Sie Ihrem Körper dabei wach zu bleiben, indem Sie Ihren Arbeitsplatz so hell, wie möglich machen.

  • Wenig Kaffee

    Trinken Sie den Kaffee einige Stunden vor Beginn der Nachtschicht, da dieser einige Zeit braucht, damit sich die Wirkung entfaltet. Trinken Sie allerdings zum Ende der Nachtschicht keinen Kaffee mehr. Dessen Wirkung kann bis in die Morgenstunden anhalten und das Einschlafen behindern. Ein kühles Glas Wasser tut es auch.

  • Viel Bewegung

    Besser als Kaffee hilft, sich zu bewegen. Besonders wenn Sie Ihr persönliches Tief erleben und merken, dass Sie müde werden, sollten Sie aufstehen und sich bewegen. Strecken Sie sich, vertreten Sie sich kurz die Beine und schnappen Sie wenn möglich einmal frische Luft.

  • Leichte Kost

    Vermeiden Sie deftiges Essen während der Nachtschicht oder kurz vorher. Damit beschäftigen Sie Ihren Körper mit der Verdauung. Bei vielen Menschen hat das zur Folge, dass Sie träge und müde werden und damit in das sogenannte Schnitzelkoma fallen. Greifen Sie stattdessen lieber auf leichte Nahrungsmittel wie Salat, Joghurt, Quark und ähnliches zurück.

  • Beschäftigt bleiben

    Vermeiden Sie Leerlauf, denn das Nichtstun und Warten macht müde. Warten Sie beispielsweise auf Ihren Einsatz, beschäftigen Sie sich mit kleineren Aufgaben. In vielen Betrieben erledigt die Nachtschicht viele Aufgaben, für die der Tagdienst keine Zeit hat.

  • Vorher daran gewöhnen

    Helfen Sie Ihrem Körper dabei, sich auf den Wechsel einzustellen, indem Sie bereits am Tag vor der Nachtschicht später ins Bett gehen und länger schlafen. Dann ist der Wechsel nicht so abrupt


  • Tipps für den Schlaf nach der Nachtschicht


  • Sorgen Sie für Dunkelheit

    Tragen Sie eine Sonnenbrille, wenn Sie Ihren Arbeitsplatz verlassen und es draußen bereits hell ist. Das vermeidet, dass Ihr Körper weiterhin auf den Tag programmiert ist. Zuhause sollten Sie Ihr Schlafzimmer abdunkeln, damit Ihnen das Einschlafen leichter fällt.

  • Sorgen Sie für Ruhe

    Nach dem anstrengenden Nachtdienst braucht Ihr Körper erst einmal Erholung. Achten Sie darauf, dass Sie ungestört schlafen können. Schließen Sie die Fenster, um keinen Lärm reinzulassen und schalten Sie Ihr Telefon auf stumm. Sollte Ihr Haus hellhörig sein, kann es helfen, Musik anzumachen, um von den Geräuschen abzulenken oder Ohrstöpsel zu verwenden. Damit Sie sich einigermaßen erholen, sollten Sie wichtige Termine, soweit möglich, auf den Nachmittag legen.

  • Bitten Sie um Rücksichtnahme

    Damit Sie ungestört schlafen können, teilen Sie auch Ihrem privaten Umfeld mit, wann Sie Nachtschicht haben. Freunde, Bekannte und Nachbarn können dann eher darauf Rücksicht nehmen und Sie ärgern sich nicht darüber, dass Ihr Nachbar den Rasen mäht, wenn Sie versuchen einzuschlafen.

  • Zwingen Sie sich nicht zum Schlafen

    Gehen Sie erst ins Bett, wenn Sie müde sind. Versuchen Sie krampfhaft und mit aller Macht einzuschlafen, werden Sie in der Regel wenig Erfolg damit haben. Sie werden sich stattdessen nur von einer Seite zur anderen wälzen und ständig auf die Uhr gucken. Doch damit setzen Sie sich nur unter Druck. Sind Sie noch nicht müde, kann es helfen etwas zu lesen oder ein wenig Musik zu hören. Warten Sie ab, bis die Müdigkeit sich von selbst einstellt.

  • Führen Sie ein Ritual ein

    Helfen Sie Ihrem Körper dabei, zu unterscheiden, wann Sie schlafen und wann Sie wach sein wollen. Das kann zum Beispiel eine lauwarme Dusche vor dem Zubettgehen sein oder ein bestimmtes Hörbuch. Mit der Zeit stellt sich Ihr Körper darauf ein und Sie werden automatisch müde.

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[Bildnachweis: totojang1977 by Shutterstock.com]
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2. September 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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