Schichtarbeit: Modelle, Regelungen + 11 Tipps für mehr Gesundheit

Ohne Schichtarbeit gäbe es morgens keine frischen Brötchen, würden Patienten nicht nachts oder am Wochenende behandelt. Zahlreiche Branchen arbeiten im Schichtbetrieb. Für die jeweiligen Arbeitnehmer hat das Konsequenzen. Hier erfahren Sie, welche Modelle es gibt und welche Vor- und Nachteile die Schichtarbeit hat. Außerdem geben wir Ihnen 11 Tipps, wie Sie auf Ihre Gesundheit achten…

Schichtarbeit: Modelle, Regelungen + 11 Tipps für mehr Gesundheit

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Definition: Was ist Schichtarbeit?

Eine gesetzliche Definition von Schichtarbeit gibt es in Deutschland nicht. Wenngleich das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) einige Regelungen bezüglich der Sicherheit in Schichtarbeit trifft. Bei der Schichtarbeit handelt es sich um ein Arbeitszeitmodell, bei dem Arbeitnehmer nach einem Schichtplan zu abwechselnden Arbeitszeiten arbeiten gehen. So kann es beispielsweise sein, dass Sie in einer Woche von 6 bis 15 Uhr arbeiten und in der darauffolgenden Woche die Schicht von 15 bis 24 Uhr übernehmen.

Durch die Zuteilung der Arbeitskräfte in unterschiedlichen Schichten erreichen Unternehmen eine insgesamt längere Arbeitszeit pro Tag. So kann in einer Produktionsstätte in Schichtarbeit beispielsweise von früh bis spät (oder sogar rund um die Uhr) gearbeitet werden, statt die teuren Anlagen nur acht Stunden täglich in Betrieb zu nehmen. Der Begriff Schichtarbeit findet vor allem in der Privatwirtschaft Verwendung. Im öffentlichen Dienst hingegen ist der Begriff Schichtdienst gebräuchlich. Findet er nachts statt, ist von Nachtdienst oder Nachtwache die Rede.

Schichtarbeit Modelle

Grundsätzlich lassen sich verschiedene Modelle der Schichtarbeit unterscheiden:

  • Kontinuierliche Schichtarbeit
    Bei kontinuierlicher Schichtarbeit wird der Betrieb 24 Stunden am Tag aufrecht erhalten. Die Mitarbeiter werden dabei mindestens in drei Schichten aufgeteilt (Früh-, Spät- und Nachtschicht). Es gibt aber auch Modelle, in denen vier oder fünf Schichten unterschieden werden. Bei einer vollkontinuierlichen Schichtarbeit wird auch am Wochenende durchgehend in Schichten gearbeitet, ruht der Betrieb am Samstag und Sonntag, wird dies teilkontinuierliche Schichtarbeit genannt.
  • Nicht kontinuierliche Schichtarbeit
    Ein anderes Modell ist die nicht kontinuierliche oder auch diskontinuierliche Schichtarbeit. Hier gibt es einen Feierabend am Ende des Arbeitstages, es wird also nicht durchgehend gearbeitet. Üblich ist ein System aus zwei Schichten (Früh- und Spätschicht), die eine Arbeitszeit von jeweils acht Stunden abdecken.
  • Weitere Schichtarbeit Modelle
    Für den individuellen Mitarbeiter kann es aber noch einmal unterschiedliche Formen der Schichtarbeit geben. Bei der sogenannten konstanten Schichtarbeit ist ein Arbeitnehmer immer in derselben Schicht im Einsatz, beispielsweise täglich in der Frühschicht. Das nennt sich dann Dauerfrühschicht (oder entsprechend Dauerspätschicht beziehungsweise Dauernachtschicht). Übernimmt ein Angestellter hingegen laut Schichtplan unterschiedliche Schichten, arbeitet er in Wechselschicht.
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Schichtarbeit Arbeitsrecht: Rechte der Arbeitnehmer

Das Arbeitszeitgesetz regelt grundlegende Rechte von Arbeitnehmern. In § 6 geht es vor allem um maximale Arbeitszeiten und Ruhezeiten, die Unternehmen beachten müssen. Das Gesetz greift zudem die besondere Belastung durch Schichtarbeit auf, indem es außerdem die Nacht- und Schichtarbeit behandelt:

  • Die werktägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten.
  • Nur in Ausnahmen ist eine Arbeitszeit von zehn Stunden täglich erlaubt.
  • Über einen Zeitraum von einem Monat muss bei Mehrarbeit ein Durchschnitt von maximal acht Stunden durch Ausgleich wieder hergestellt werden.
  • Zwischen zwei Arbeitstagen ist eine Ruhephase von elf Stunden zu gewährleisten.

Ist Nachtdienst Teil der Schichtarbeit, steht Ihnen zu, sich alle drei Jahre arbeitsmedizinisch auf Kosten des Arbeitgebers untersuchen zu lassen. Einen jährlichen Anspruch haben Sie, wenn Sie bereits über 50 Jahre alt sind. Schichtarbeiter haben unter bestimmten Bedingungen einen Anspruch darauf, von der Nachtschicht auf einen Tagesarbeitsplatz versetzt zu werden.

Das ist der Fall, wenn ein Arzt eine gesundheitliche Gefährdung feststellt. Auch Kinder unter 12 Jahren, die nicht anderweitig betreut werden können oder die Pflege von Angehörigen zählt dazu. Des Weiteren betont der Paragraph, dass für Mitarbeiter in Nachtschicht dieselben Möglichkeiten zur betrieblichen Weiterbildung existieren müssen wie für ihre Kollegen in der Tagschicht.

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Auswirkungen von Schichtarbeit auf die Gesundheit

Stehen auch regelmäßig Nachtschichten auf dem Dienstplan, bedeutet das immer auch, gegen die innere Uhr und den Biorhythmus zu arbeiten. Vor allem der ständige Wechsel macht vielen Schichtarbeitern zu schaffen. Arbeitnehmer in Schichtarbeit kämpfen häufiger mit gesundheitlichen Problemen, wie zum Beispiel:

Französische Forscher konnten zudem feststellen, dass Schichtarbeit regelrecht dumm macht. In ihrer Studie konnten sie nachweisen, dass kognitive Fähigkeiten unter dem Schichtdienst leiden und Probanden deutlich schlechtere Denk- und Gedächtnisleistungen zeigten, wenn sie bereits über 10 Jahre im Schichtdienst arbeiteten.

Nicht immer ist ganz klar, wo Ursache und Wirkung liegen. Auffällig ist, dass viele Arbeitnehmer in Schichtarbeit ein ungesundes Verhalten an den Tag legen. Dazu gehören Rauchen und ungesunde Ernährung während der Schicht.

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Zuschläge bei Schichtarbeit

Oft erhalten Arbeitnehmer im Schichtdienst Schichtzuschläge. Einen gesetzlichen Anspruch darauf gibt es jedoch nur für Nachtarbeit. Das Arbeitszeitgesetz regelt den Ausgleich für Sonn- und Feiertagsarbeit sowie für Nachtarbeit. Es sichert Arbeitnehmern zu, dass sie für Nachtarbeit entsprechend entlohnt werden – jedoch muss es sich dabei nicht zwangsläufig um einen finanziellen Nachtzuschlag handeln. Vielmehr hat der Arbeitgeber eine „angemessene Zahl bezahlter freier Tage oder einen angemessenen Zuschlag auf das ihm hierfür zustehende Bruttoarbeitsentgelt zu gewähren.“

Das Unternehmen kann den Nachtzuschlag also auch in Form eines Freizeitausgleichs gewähren. Auch die Höhe des Nachtzuschlags ist gesetzlich nicht festgeschrieben. So dass der Zuschlag individuell unterschiedlich ausfallen kann. Einige Unternehmen setzen auf einen finanziellen Nachtzuschlag, andere bevorzugen freie Tage für Arbeitnehmer und wieder andere kombinieren beide Möglichkeiten.

Anders gestaltet sich das Ganze, wenn ein Tarifvertrag, Betriebsvereinbarungen oder ein individueller Arbeitsvertrag die Schichtzulage regelt. Gemäß eines Urteils des Bundesarbeitsgerichts ist eine Vergütung von 25 Prozent als Nachtzuschlag oder Freizeitausgleich angemessen, bei Dauernachtschichten gelten sogar 30 Prozent als adäquat. Gerade in der Nachtschicht liegen die Zuschläge oft zwischen 30 und 40 Prozent, wenn zwischen 0 und 4 Uhr gearbeitet wird.

Regelungen: Das müssen Sie zur Schichtarbeit wissen

Nachfolgend fassen wir die Antworten auf die häufigsten Fragen und die wichtigsten Regelungen aus dem Arbeitsrecht zusammen:

Welche Vor- und Nachteile hat die Schichtarbeit?

Bei dieser Frage muss zwischen der Perspektive von Unternehmen und Mitarbeitern unterschieden werden. Für Unternehmen liegt der größte Vorteil der Schichtarbeit darin, dass die Zeiten, in denen gearbeitet wird, verlängert werden können. So kann je nach Betrieb die Auslastung der Produktion maximiert werden oder eine größere Anzahl an Kunden angesprochen werden. Voraussetzung dafür ist allerdings ein gut funktionierendes Schichtmodell.

Für Arbeitnehmer ist es neben den finanziellen Anreizen vor allem die Flexibilität, die Behördengänge und andere Termine ermöglicht. Nachteilig sind hingegen die möglichen Folgen für die Gesundheit, die durch schwierige Arbeitszeiten und -bedingungen entstehen können. Wer in Schichtarbeit beschäftigt ist, kann zudem Probleme im sozialen Umfeld bekommen, da Schichtarbeiter oftmals arbeiten, wenn die anderen gerade frei haben.

Welche Einschränkungen gelten für Schichtarbeit?

Zwei Arbeitnehmergruppen stehen besonders im Fokus, wenn es um Schutz vor Überlastung geht: Jugendliche (für die gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz) und werdende Mütter – auf sie findet das Mutterschutzgesetz Anwendung. Prinzipiell ist Jugendlichen die Arbeit nur zwischen 6 und 20 Uhr erlaubt. Ausnahmen gibt es für Jugendliche über 16 Jahren in der Landwirtschaft, der Gastronomie, Mehrschichtbetrieben sowie in Bäckereien und Konditoreien.

Schwangeren und stillenden Müttern ist die Nachtarbeit zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens grundsätzlich untersagt. Ebenfalls nicht erlaubt ist die Arbeit in Rufbereitschaft. In Ausnahmefällen und nach einem behördlichen Genehmigungsverfahren kann die Arbeitnehmerin zwischen 20 und 22 Uhr arbeiten. Dazu muss sie dem aber ausdrücklich zustimmen.

Kann ein Arbeitgeber einfach Schichtarbeit anordnen?

Durch sein Weisungsrecht kann ein Arbeitgeber die Arbeitszeiten beeinflussen, soll Schichtarbeit eingeführt werden, gilt dabei jedoch: Die Einführung von Schichtarbeit muss in Absprache mit dem Betriebsrat erfolgen. Dieser hat ein Mitbestimmungsrecht und sollte sich einsetzen, um die bei der Einführung und Gestaltung von Schichtarbeit die Interessen der Arbeitnehmer zu stärken.

Ohne Zustimmung des Betriebsrats kann der Arbeitgeber nicht einfach die Schichtarbeit einführen und Mitarbeiter unter den Zwang eines Schichtplans stellen. Wie genau die Schichtarbeit geregelt wird, bestimmen Unternehmen und Betriebsrat dann über eine Betriebsvereinbarung.

Gibt es eine Altersgrenze für Schichtarbeit?

Mit steigendem Alter kann die Schichtarbeit zu einer zunehmenden Belastung werden. Allerdings sieht das Arbeitsrecht keine grundsätzliche Altersgrenze vor, ab der eine Schichtarbeit verboten wäre. Ausschlaggebend ist hier allein die bereits genannte arbeitsmedizinische Untersuchung, die nach dem 50. Lebensjahr jährlich ansteht. Sieht der Arzt keinen Grund, der gegen die Schichtarbeit spricht, kann auch bis zur Rente in verschiedenen Schichten gearbeitet werden.

Schichtarbeit: Tipps für die Nachtschicht

Wie übersteht man eine Nachtschicht? Gibt es Tricks, die gegen die Müdigkeit helfen? Wie schlafe ich nach der Schicht wieder ein? Wir haben 11 Tipps und Tricks gesammelt, mit denen Sie die Schichtarbeit überstehen und durch die Nacht kommen.

Tipps während der Nachtschicht

  • Helle Beleuchtung: Helfen Sie Ihrem Körper dabei wach zu bleiben, indem Sie Ihren Arbeitsplatz so hell, wie möglich machen.
  • Wenig Kaffee: Trinken Sie den Kaffee einige Stunden vor Beginn der Nachtschicht, da dieser einige Zeit braucht, bis er wirkt. Trinken Sie allerdings zum Ende der Nachtschicht keinen Kaffee mehr. Die Wirkung kann bis in die Morgenstunden anhalten und das Einschlafen behindern. Ein kühles Glas Wasser tut es auch.
  • Viel Bewegung: Besser als Kaffee hilft, sich zu bewegen. Besonders wenn Sie Ihr persönliches Tief erleben und merken, dass Sie müde werden, sollten Sie aufstehen und sich bewegen. Strecken Sie sich, vertreten Sie sich kurz die Beine und schnappen Sie wenn möglich einmal frische Luft.
  • Leichte Kost: Vermeiden Sie deftiges Essen während der Nachtschicht oder kurz vorher. Damit beschäftigen Sie Ihren Körper mit der Verdauung. Viele macht das müde und führt zum „Schnitzelkoma“. Greifen Sie stattdessen lieber auf leichte Nahrungsmittel wie Salat, Joghurt, Quark und ähnliches zurück.
  • Konstante Beschäftigung: Vermeiden Sie Leerlauf, denn das Nichtstun und Warten macht müde. Warten Sie beispielsweise auf Ihren Einsatz, beschäftigen Sie sich mit kleineren Aufgaben. In vielen Betrieben erledigt die Nachtschicht viele Aufgaben, für die der Tagdienst keine Zeit hat.
  • Langsame Gewöhnung: Helfen Sie Ihrem Körper dabei, sich auf den Wechsel einzustellen, indem Sie bereits am Tag vor der Nachtschicht später ins Bett gehen und länger schlafen. Dann ist der Wechsel nicht so abrupt.

Tipps für den Schlaf nach der Nachtschicht

  • Dunkeln Sie ab: Tragen Sie eine Sonnenbrille, wenn Sie Ihren Arbeitsplatz verlassen und es draußen bereits hell ist. Das vermeidet, dass Ihr Körper weiterhin auf den Tag programmiert ist. Zuhause sollten Sie Ihr Schlafzimmer abdunkeln, damit Ihnen das Einschlafen leichter fällt.
  • Vermeiden Sie Lärm: Achten Sie darauf, dass Sie ungestört schlafen können, also: Fenster schließen, Telefon stummschalten. Bei hellhörigen Häusern kann leise Musik von den Geräuschen ablenken oder Sie verwenden Ohrstöpsel. Wichtige Termine sollten Sie, soweit möglich, auf den Nachmittag legen.
  • Bitten Sie um Rücksichtnahme: Teilen Sie Ihrem privaten Umfeld mit, wann Sie Nachtschicht haben. Freunde, Bekannte und Nachbarn können dann eher darauf Rücksicht nehmen und Sie ärgern sich nicht darüber, dass Ihr Nachbar den Rasen mäht, wenn Sie versuchen einzuschlafen.
  • Erzwingen Sie nicht den Schlaf: Gehen Sie erst ins Bett, wenn Sie müde sind. Versuchen Sie mit aller Macht einzuschlafen, setzen Sie sich nur unter Druck. Sind Sie noch nicht müde, kann es helfen etwas zu lesen oder ein wenig Musik zu hören.
  • Praktizieren Sie Rituale: Helfen Sie Ihrem Körper mit Einschlafritualen, sich auf den Schlaf vorzubereiten. Beispielsweise durch eine lauwarme Dusche vor dem Zubettgehen oder ein bestimmtes Hörbuch. Mit der Zeit stellt sich Ihr Körper darauf ein und Sie werden automatisch müde.

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[Bildnachweis: totojang1977 by Shutterstock.com]

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