Nachtzuschlag: Gibt es ein Recht darauf?

Während der eine den wohlverdienten Feierabend genießt, steht der Arbeitstag für andere erst noch bevor. In vielen Jobs wird in Schichten und damit auch nachts gearbeitet. Als Ausgleich gibt es oftmals einen sogenannten Nachtzuschlag, die Bezahlung für Nachtarbeit ist somit in der Regel höher als tagsüber. Beim Nachtzuschlag gibt es aber trotzdem viele Fragen, Unklarheiten und Missverständnisse. Ab wann gilt die Arbeitszeit überhaupt als nachts? Wie viel mehr gibt es? Und haben Arbeitnehmer überhaupt einen gesetzlichen Anspruch auf Nachtzuschlag? Hier erfahren Sie alles, was Sie zum Nachtzuschlag wissen müssen…

Nachtzuschlag: Gibt es ein Recht darauf?

Nachtzuschlag: Ausgleich für Anstrengung und Belastung

Jeder hat schon einmal gehört, dass Nachtschichten und Nachtarbeit mit einem entsprechenden Nachtzuschlag entlohnt werden. Der Grund dahinter ist ebenso nachvollziehbar wie löblich: Wer nachts arbeitet, ist dabei einer größeren Anstrengung und Belastung ausgesetzt, wie andere Arbeitnehmer, die tagsüber ihrem Beruf nachgehen. Das soll nicht heißen, dass Tagarbeit leicht und nicht anstrengend sei, doch sind mit der Nachtarbeit noch einmal ganz andere Herausforderungen verbunden.

Allen voran geht eine nächtliche Tätigkeit gegen den Biorhythmus und die Chronobiologie. Die innere Uhr des Menschen ist darauf eingestellt, nachts auszuruhen – mit dem Nachtzuschlag soll diese besondere Belastung ein wenig ausgeglichen werden.

Neben der körperlichen Anstrengung soll ein Nachtzuschlag auch die psychischen und sozialen Belastungen entlohnen. Mit der Nachtarbeit leiden soziale Kontakte, wenn andere Feierabend machen, beginnt der eigene Arbeitstag, es bleibt wenig Zeit, die mit Familie und Freunden verbracht werden kann. Zusätzlich findet das eigene Leben zu großen Teilen im Dunkeln statt, was nicht jeder gleichermaßen gut verarbeiten kann.

Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Nachtzuschlag?

Arbeitgeber zahlen oftmals einen Nachtzuschlag – aber gibt es für Mitarbeiter, die nachts arbeiten, einen gesetzlichen Anspruch auf die zusätzliche Bezahlung? Die Antwort darauf lautet sowohl Ja als auch Nein. Was zunächst verwirrend klingt, ist im Grunde ganz einfach:

Arbeitnehmern wird gesetzlich zugesichert, dass sie für Nachtarbeit entsprechend entlohnt werden – jedoch muss es sich dabei nicht zwangsläufig um einen finanziellen Nachtzuschlag handeln. In Paragraph 6 Absatz 5 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) heißt es dazu genau:

Soweit keine tarifvertraglichen Ausgleichsregelungen bestehen, hat der Arbeitgeber dem Nachtarbeitnehmer für die während der Nachtzeit geleisteten Arbeitsstunden eine angemessene Zahl bezahlter freier Tage oder einen angemessenen Zuschlag auf das ihm hierfür zustehende Bruttoarbeitsentgelt zu gewähren.

Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter für nächtliche Arbeit also vergüten, der Nachtzuschlag kann auch auch in Form eines Freizeitausgleichs gewährt werden. Wie ein Arbeitgeber den Nachtzuschlag gestaltet, kann individuell unterschiedlich ausfallen. Viele setzen auf einen finanziellen Nachtzuschlag, andere bevorzugen freie Tage für Arbeitnehmer und wieder andere kombinieren beide Möglichkeiten.

Nachtzuschlag Anspruch: Wie hoch ist er?

Im Gesetz wird lediglich von einer angemessenen Zahl bezahlter freier Tage beziehungsweise einem angemessenen Zuschlag gesprochen. Konkret lässt sich daraus noch nicht ersehen, was einem Mitarbeiter als Nachtzuschlag zusteht. Die Vorstellungen darüber, was angemessen ist, gehen schließlich weit auseinander.

Bei so viel Spielraum ist es wenig überraschend, dass es immer wieder bis vor das Arbeitsgericht ging, um über angemessene Nachtzuschläge zu entscheiden. Letztlich war es das Bundesarbeitsgericht, dass eine Entscheidung getroffen hat, um eine grundsätzliche Orientierung beim Nachtzuschlag zu ermöglichen.

Das Urteil des Bundesarbeitsgericht konkretisiert die Aussagen im Gesetzestext. So sollen Arbeitnehmer, die regelmäßig Nachtarbeit leisten, einen Anspruch auf Nachtzuschlag von 25 Prozent haben. Arbeitet ein Mitarbeiter nicht nur regelmäßig, sondern sogar dauerhaft nachts, steht ihm sogar ein Nachtzuschlag von 30 Prozent zu.

Allerdings sind diese Ansprüche nicht zwangsläufig für alle Unternehmen verpflichtet und nicht jeder Mitarbeiter kommt in den Genuss des höchsten Prozentsatzes. Im Einzelfall kann davon abgewichen werden, wenn davon auszugehen ist, dass die Belastung nicht so groß ist – dies kann beispielsweise bei einem Bereitschaftsdienst der Fall sein.

Abweichungen nach oben sind ebenfalls möglich, wenn eine besonders große Belastung nachgewiesen werden kann. So zahlen Unternehmen oftmals bis zu 40 Prozent Nachtzuschlag für die späten Stunden zwischen 0 Uhr und 4 Uhr.

Für welche Zeiten wird ein Nachtzuschlag gewährt?

Nachtzuschlag berechnen ab wie viel Uhr 2018 GesetzNicht nur die Höhe eines Nachtzuschlags ist ein strittiger Punkt, auch der Zeitpunkt, ab wann dieser gezahlt wird, muss genau geregelt sein. Nachtarbeit ist ein ebenso dehnbarer Begriff wie angemessen, weshalb das Bundesarbeitsgericht auch hier konkreter wurde und klare zeitliche Grenzen benannt hat, in denen die oben genannten Ansprüche auf Nachtzuschlag bestehen.

So legte das BAG fest, dass der Nachtzuschlag von 25 beziehungsweise 30 Prozent grundsätzlich für Arbeitszeiten zwischen 23 Uhr abends und 6 Uhr morgens besteht. Wer in dieser Zeit arbeitet, kann sich entsprechend auf die gesetzliche Grundlage berufen und einen Nachtzuschlag verlangen. Geregelt wird die Definition der Nachtarbeit auch in Paragraph 2 des Arbeitszeitgesetzes.

Dort findet sich zusätzlich die einzige Ausnahme: Für Bäckereien und Konditoreien wird die Nachtzeit zwischen 22 Uhr abends und 5 Uhr morgens festgelegt. Mitarbeiter in diesen Berufen können den Nachtzuschlag entsprechend für diesen Zeitraum einfordern.

Wo wird der Nachtzuschlag geregelt?

Durch den gesetzlichen Anspruch auf Nachtzuschlag – ob nun finanziell oder durch Freizeit – wird Mitarbeitern zugesichert, dass sie für nächtliche Berufstätigkeit entsprechend entlohnt werden. Hierauf können sich alle Arbeitnehmer berufen, unabhängig davon, ob an anderer Stelle ein Nachtzuschlag festgehalten wurde oder nicht.

In vielen Fällen finden sich entsprechende Regelungen aber an zwei weiteren Orten: Im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag.

Hier kann sowohl die Höhe als auch die Form des Nachtzuschlags definiert werden. Sind Arbeitnehmer mit diesen Vereinbarungen nicht zufrieden, weil sie beispielsweise stark nach unten von den gesetzlichen Ansprüchen abweichen, kann mit dem Arbeitgeber verhandelt werden – im Zweifelsfall bis vor das Arbeitsgericht, um die Rechtmäßigkeit der festgeschriebenen Nachtzuschläge prüfen zu lassen.

Informationen und Ausnahmen zum Nachtzuschlag

Ursprünglich bezieht sich die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts auf den Fall und die Klage eines LKW-Fahrers. Das Urteil macht aber deutlich, dass sowohl die Höhe als auch die Zeiten nicht an eine bestimmte Branche gebunden sind (abgesehen von der Ausnahme für Bäckereien und Konditoreien). Mitarbeiter in jedem Berufszweig können sich an den Prozentsätzen für Nachtzuschläge orientieren – egal ob LKW-Fahrer oder Pflegepersonal.

Beim Nachtzuschlag müssen aber trotzdem einige Besonderheiten und Ausnahmen beachtet werden. So können Jugendliche unter 18 Jahren keinen Nachtzuschlag erhalten, weil Sie grundsätzlich nicht zu einer solch späten Zeit arbeiten dürfen. Allerdings gibt es hier zahlreiche Ausnahmen von der Regel, so dass oftmals ab 16 Jahren auch nach 20 Uhr – und zum Teil noch später – gearbeitet werden darf.

Wie der Jugendschutz sieht auch der Mutterschutz einen besonderen Schutz dieser Gruppe vor. So dürfen werdende Mütter zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens nicht beschäftigt werden – es sei denn sie äußern selbst den Wunsch dazu und es ist aus medizinischer Sicht vertretbar. In diesem Fall dürfen werdende Mütter bis spätestens 22 Uhr arbeiten. Einen Nachtzuschlag erhalten Sie durch diese Zeiten dennoch nicht.

[Bildnachweis: SG SHOT by Shutterstock.com]
9. November 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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