Fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer: So geht’s

Das Arbeitsverhältnis ist an bestimmte Kündigungsfristen gebunden. Gesetzliche oder aus dem Arbeitsvertrag. Die fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer stellt hierbei jedoch eine Ausnahme dar. Beschäftigte müssen sich vom Chef nicht alles gefallen lassen. Es gibt Situationen, in denen Sie die Reißleine ziehen – und fristlos kündigen können. Welche Gründe es für die fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer gibt, welche Auswirkungen das hat und wie Sie in dieser Situation am besten vorgehen…

Fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer: So geht’s

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Was ist eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer?

Schließen ein Arbeitnehmer und ein Arbeitgeber einen Arbeitsvertrag, sind – sowohl in der Probezeit als auch in der Zeit danach – bestimmte Kündigungsfristen einzuhalten. Diese geben beiden Vertragsparteien die Sicherheit, dass das Arbeitsverhältnis nicht völlig überraschend gekündigt werden kann.

Die gesetzlichen Kündigungsfristen für den Arbeitnehmer betragen immer vier Wochen, sofern tarif- oder arbeitsvertraglich keine längeren festgehalten wurden. Diese dürfen allerdings nie länger als für den Arbeitgeber sein. Werden diese Kündigungsfristen eingehalten, handelt es sich um eine ordentliche Kündigung.

Die Bezeichnung fristlose Kündigung lässt vermuten, dass eine Kündigung ungeachtet bestimmter Fristen erfolgt. Das ist allerdings nicht ganz korrekt.

Auch hier müssen Fristen beachtet werden, allerdings sind sie deutlich kürzer als bei einer ordentlichen Kündigung. Eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer wird daher als außerordentliche Kündigung bezeichnet. In so einem Fall müssen Arbeitnehmer innerhalb von zwei Wochen kündigen, nachdem ein bestimmter Kündigungsgrund vorliegt.

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Rahmenbedingungen bei einer außerordentlichen Kündigung

Allerdings können Arbeitnehmer nicht einfach so aufgrund eines Missstandes fristlos kündigen. Wie umgekehrt der Arbeitgeber dem Beschäftigten in vielen Fällen die Chance geben muss, seinen Fehler auszubügeln, muss auch der Arbeitnehmer seinen Chef erst einmal vom Missstand informieren.

Beispiel: Wird ein Angestellter von einem Kollegen gemobbt, kann er nicht aufgrund von Mobbing fristlos kündigen, wenn der Chef zuvor keine Kenntnis über diesen Vorgang hatte. An ihm ist es dann, seiner Fürsorgepflicht nachzukommen, den Aggressor ausfindig zu machen und das Problem zu beheben. Würde der Angestellte weiterhin mit Wissen des Vorgesetzten von einem anderen Kollegen gemobbt, ohne das irgendetwas unternommen wird, kann eine fristlose Kündigung rechtens sein.

Entscheidend dafür, dass eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer gültig ist, ist bei weniger schwerwiegenden Problemen, dass der Arbeitgeber eine Abmahnung bekommen hat. Das kann beispielsweise sein, wenn der Chef den berechtigten Urlaub verweigert.

Bei Kündigungsgründen, die eine Gefahr für Leib und Seele bedeuten, sind sofortige Arbeitsverweigerung oder fristlose Kündigung möglich. Des Weiteren müssen dieselben Vorgaben wie bei einer ordentlichen Kündigung beachtet werden:

  • Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Mündliche Kündigungen, E-Mails oder Whatsapp-Nachrichten haben keinerlei Gültigkeit und lassen sich im Zweifelsfalle schlecht nachweisen.
  • Sie müssen die Kündigung unterschreiben. Entscheidend ist, dass Sie mit Ihrem vollständigen unterschreiben. Eine abgekürzte Unterschrift ist nicht zulässig.
  • Ihr Arbeitgeber muss die Kündigung erhalten. Ob Sie nun die Kündigung persönlich vorbeibringen oder postalisch zusenden: Sie muss dem richtigen Adressaten zukommen, beispielsweise der Personalabteilung oder bei kleinen Unternehmen dem Inhaber selbst. Lassen Sie sich die Aushändigung in jedem Fall schriftlich bestätigen oder versenden Sie per Einschreiben.

Was sind die Konsequenzen?

Wieso ist es so wichtig, den Arbeitgeber zuvor abzumahnen? Aus dem einfachen Grund, weil eine fristlose Kündigung (noch stärker als eine fristgerechte Kündigung) mit einem gewissen Arbeitslosigkeitsrisiko verbunden ist.

Üblicherweise unterliegen Arbeitnehmer bei Eigenkündigung in den ersten drei Monaten einer Sperrfrist, erhalten kein Arbeitslosengeld. Es sei denn, es liegen nachweisliche Gründe dafür vor, dass die weitere Tätigkeit unzumutbar war.

Eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer hat zudem weitreichende Konsequenzen: Die Arbeitsleistung des Mitarbeiters fällt binnen kürzester Zeit weg, der Arbeitgeber hat wenig Zeit, sich nach adäquatem Ersatz umzuschauen. Überdies ist er verpflichtet, dem Mitarbeiter den Resturlaub auszuzahlen, da das Arbeitsverhältnis beendet ist.

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Gründe für eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer

Grundsätzlich steht das Mittel der fristlosen Kündigung beiden Vertragsparteien zur Verfügung. Basis ist § 626 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), worin festgehalten wird, dass bei Vorliegen aus einem wichtigen Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden kann.

Wenn jemandem noch nicht einmal zugemutet werden kann, bis zur regulären Kündigungsfrist zu arbeiten, muss wirklich etwas Drastisches vorgefallen sein. Was als drastisch zu bewerten ist, wird nach Einzelfällen richterlich entschieden.

Eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer ist aber nicht nur bei wichtigen Kündigungsgründen wie der Verletzung der Fürsorgepflicht möglich. Auch andere Verstöße des Arbeitgebers, sofern sie dauerhaft vorliegen und nicht behoben werden, können eine Kündigung rechtfertigen.

Folgende Fälle sind anerkannt:

  • Sie werden zu einer Straftat aufgefordert

    Verlangt Ihr Arbeitgeber von Ihnen strafbare Handlungen – etwa das Frisieren der Bilanzen – haben Sie jedes Recht zu einer fristlosen Kündigung.

    Mehr dazu lesen Sie hier:

  • Der Arbeitsschutz wird missachtet

    Schutz für Leib und Seele geht vor. Verlangt Ihr Arbeitgeber von Ihnen, ohne Schutzkleidung einer gefährlichen Tätigkeit nachzugehen oder ohne Sicherheitsvorrichtungen die Fassade zu reinigen, dann dürfen Sie fristlos kündigen.

    Mehr dazu lesen Sie hier:

  • Sie sind Beleidigungen ausgesetzt

    In diese Kategorie fallen ehrverletzende Handlungen unterschiedlichster Art; sowohl Beleidigungen und Verleumdungen, aber auch sexuelle Belästigung und Rassismus können zur fristlosen Kündigung durch den Arbeitnehmer führen.

    Mehr dazu lesen Sie hier:

  • Das Gehalt bleibt aus

    Haben Sie vertragsgemäß Ihre Arbeitsleistung erbracht, aber das Gehalt wird nicht überwiesen, gerät der Arbeitgeber in Zahlungsverzug. Von Ihrem Recht auf eine fristlose Kündigung sollten Sie allerdings nur im Notfall (frühestens nach zwei Monaten) Gebrauch machen, da Sie mit dem Zurückbehaltungsrecht bereits ein starkes Instrument haben. Weniger riskant und für eine finanzielle Unterstützung sinnvoller ist es, wenn Sie sich arbeitslos melden – das geht auch trotz des offiziell noch bestehenden Arbeitsverhältnisses. Außerdem können Sie von Ihrem Chef Verzugszinsen von 4,12 Prozent pro Jahr, 40 Euro Verzugsschadenpauschale monatlich und gegebenenfalls sogar Schadensersatz verlangen.

    Mehr dazu lesen Sie hier:

  • Krankheit

    Krankheit kann ein triftiger Grund für eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer sein, weil Sie beispielsweise Ihrer bisherigen Tätigkeit so nicht mehr nachgehen können. Dafür muss allerdings ein ärztliches Gutachten vorliegen. Im Sinne der Inklusion wird ein Arbeitgeber versuchen, den Mitarbeiter durch Anpassungen weiterzubeschäftigen – etwa wenn stehende Tätigkeiten gesundheitlich nicht möglich sind, aber sitzende schon. Arbeitnehmer sind dann dazu angehalten, dem nachzugehen, sofern es gesundheitlich möglich ist – eine fristlose Kündigung wäre dann nicht gültig.

    Mehr dazu lesen Sie hier:

Kündigung durch den Arbeitnehmer: Kostenloses Muster

Wenn Sie der Ansicht sind, dass eine in Ihrem Fall vergleichbare Gründe vorliegen, können Sie sich nachfolgend ein Muster für eine fristlose Kündigung herunterladen. Bedenken Sie bitte, dass wir keinerlei rechtliche Gewähr übernehmen können. Für Unklarheiten sollten Sie juristische Hilfe zu Rate ziehen.

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Achtung: Diese Gründe rechtfertigen keine Kündigung

Auch wenn es Ihnen vielleicht gerade recht käme: Nicht in allen Fällen haben Arbeitnehmer die Möglichkeit zur fristlosen Kündigung:

  • Jobwechsel

    Sie haben ein attraktives Stellenangebot erhalten und wollen am liebsten sofort anfangen? Eine fristlose Kündigung ist in diesem Fall nicht möglich. Sie können allerdings um einen Aufhebungsvertrag bitten.

  • Studienplatz

    Um Ihr Wartesemester sinnvoll zu nutzen, haben Sie sich für eine Ausbildung entschieden. Doch nun kommt früher als erwartet eine Studienplatzzusage. Leider auch das kein Grund für eine fristlose Kündigung.

  • Insolvenz

    Meldet Ihr Arbeitgeber Insolvenz an, ändert das vorerst nichts an Ihren Pflichten, eine vertraglich vereinbarte Arbeitsleistung gegen Geld zu erbringen. Anders kann es sich gestalten, wenn im Zuge der Insolvenz Ihr Chef seine Pflichten verletzt.

[Bildnachweis: Dmitry Guzhanin by Shutterstock.com]
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17. September 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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