Lange Kündigungsfrist? So kommen Sie aus dem Vertrag

Sie haben sich auf Ihren absoluten Traumjob beworben oder ein Headhunter hat sich bei Ihnen gemeldet und bietet Ihnen eine Position an, die so gut ist, dass Sie eigentlich nicht ablehnen können. Eigentlich alles perfekt, wäre da nur nicht Ihre lange Kündigungsfrist. Bis zu mehreren Monaten darauf warten, endlich den Job wechseln zu können? Für Sie ist das ärgerlich, der potenzielle neue Arbeitgeber hat in der Regel aber einfach nicht so viel Zeit, um eine Position zu besetzen. Das bedeutet für Sie: Entweder müssen Sie einen Weg finden, um früher aus dem Vertrag zu kommen und Ihre lange Kündigungsfrist zu umgehen – oder die Chance auf die perfekte Stelle bleibt ungenutzt. Aber gibt es überhaupt Möglichkeiten, um eine lange Kündigungsfrist nicht einhalten zu müssen? Glücklicherweise sogar gleich mehrere…

Lange Kündigungsfrist? So kommen Sie aus dem Vertrag

Lange Kündigungsfrist: Ein zweischneidiges Schwert

Die Kündigungsfrist dient in erster Linie dem Schutz von Arbeitnehmern. Sie als Mitarbeiter brauchen nicht zu befürchten, dass Ihr Arbeitgeber Sie von einem Tag auf den anderen vor die Tür setzt, da er die Fristen einhalten muss und eine Kündigung damit meist erst nach Wochen wirksam wird. Eine Ausnahme ist hier natürlich die fristlose Kündigung, aber dafür müssen Sie sich schon einiges zuschulden kommen lassen, da diese nur unter strengen Regeln ausgesprochen werden kann.

Der Schutz gilt jedoch beidseitig. Auch Arbeitgeber profitieren davon, dass Mitarbeiter nicht urplötzlich das Unternehmen verlassen und Personalengpässe auslösen. Zusätzlich kann eine lange Kündigungsfrist wichtige Mitarbeiter und große Talente an das eigene Unternehmen binden – denn ein Jobwechsel wird umso schwerer, je länger der Zeitraum ist, der zwischen der Kündigung und dem tatsächlichen Antritt im neuen Job liegt.

Genau das ist der große Haken einer langen Kündigungsfrist. Natürlich ist die Sicherheit für Sie schön, doch wenn der Wunsch nach einem Jobwechsel von Ihnen ausgeht, kann eine Kündigungsfrist von acht Wochen oder sogar noch länger eine halbe Ewigkeit sein. Die Planung wird zu einer Herausforderung, Sie müssen über Monate im Voraus planen und viele Chancen können Sie einfach nicht nutzen, weil die lange Kündigungsfrist einen Strich durch die Rechnung macht.

Wird eine Stelle ausgeschrieben, soll diese oftmals zeitnah neu besetzt werden. Wer als möglichen Eintrittstermin erst ein Darum in einem halben Jahr angeben kann, hat daher das Nachsehen gegenüber Konkurrenten um die Position, die bereits deutlich früher anfangen können und das Personalproblem beim neuen Arbeitgeber lösen.

Ist eine lange Kündigungsfrist erlaubt?

Lange Kündigungsfrist umgehen verkürzen früher kündigen Arbeitnehmer BewerbungHängt ein Mitarbeiter aufgrund einer langen Kündigungsfrist in einem Arbeitsvertrag fest, obwohl er gerne einen neuen Job antreten würde, stellt sich die Frage: Ist es überhaupt erlaubt und zulässig, eine solch lange Kündigungsfrist von mehreren Monaten zu vereinbaren? Oder besteht die Möglichkeit, eine lange Kündigungsfrist zu umgehen, vielleicht schon darin, dass diese ohnehin nicht rechtens ist?

Die Antwort enttäuscht und frustriert viele Arbeitnehmer: Wird im Arbeitsvertrag eine lange Kündigungsfrist vereinbart, ist diese auch für beide Parteien gleichermaßen einzuhalten. So ist es beispielsweise erlaubt und auch in der Praxis verbreitet, die Kündigungsfristen aneinander zu koppeln. Soll heißen: Die Kündigungsfrist des Arbeitnehmers steigt mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit ebenso an, wie die des Unternehmens.

Für beide Seiten gilt dann etwa nach acht Jahren Zusammenarbeit eine Frist von drei Monaten. Die Frist für eine Kündigung von Seiten des Mitarbeiters darf jedoch nie länger sein als die des Arbeitgebers. Ist eine solche Klausel in Ihrem Arbeitsvertrag enthalten, ist diese ungültig und es kann stattdessen die gesetzliche Kündigungsfrist von vier Wochen gelten.

Aus Sicht von Mitarbeitern ist es daher grundsätzlich am besten, wenn die gesetzlichen Regelungen gelten. Diese sehen nämlich nur eine Verlängerung der Kündigungsfrist bei steigender Betriebszugehörigkeit für Arbeitgeber vor. Arbeitnehmer dürfen demnach auch nach zehn Jahren Zusammenarbeit innerhalb von vier Wochen kündigen.

Lange Kündigungsfrist umgehen: Das können Sie tun

Wenn der absolute Traumjob winkt, soll eine lange Kündigungsfrist nicht der Grund sein, warum dieser nicht angenommen werden kann. Mitarbeiter in einer solchen Situation suchen deshalb händeringend nach Möglichkeiten, um doch frühzeitig aus dem Arbeitsvertrag zu kommen und den neuen Job anzutreten.

Aber ist das überhaupt möglich? Grundsätzlich ja, auch wenn die Situation nicht ganz einfach ist, wenn rein rechtlich die lange Kündigungsfrist eingehalten werden muss. Wenn der Arbeitgeber sich vollkommen quer stellt, kann es also in der Tat schwierig werden, wenn Sie eine lange Kündigungsfrist umgehen wollen.

Einen Versuch ist es trotzdem in jedem Fall wert und es gibt gleich mehrere Wege, die Sie gehen können, um eine lange Kündigungsfrist zu verkürzen und doch noch eher als erwartet aus Ihrem laufenden Vertrag zu kommen:

  • Sprechen Sie mit Ihrem Chef

    Offenheit ist oftmals der beste Weg, besonders dann, wenn Sie insgesamt ein gutes Verhältnis zu Ihrem Chef haben. Bitten Sie um ein Gespräch und erklären Sie ehrlich die Situation, in der Sie sich befinden und warum es Ihnen sehr helfen würde, wenn die lange Kündigungsfrist umgangen werden könnte.

    Viele Vorgesetzte haben Verständnis und versuchen, Mitarbeitern zu helfen. Das liegt auch im Interesse des Unternehmens, denn einen Arbeitnehmer gegen seinen Willen über Wochen oder Monate zu binden, obwohl dieser nur noch darauf wartet, endlich in den neuen Job zu starten, verspricht kein gutes Betriebsklima und schon gar keine Motivation oder gute Leistung.


  • Vereinbaren Sie einen Aufhebungsvertrag

    Um den laufenden Vertrag endgültig zu beenden und sich keine Gedanken mehr über die lange Kündigungsfrist machen zu müssen, können Sie Ihren Arbeitgeber um einen Aufhebungsvertrag bitten. Auch hier ist es aber notwendig, dass Sie mit Ihrem Chef sprechen und die Vereinbarungen besprechen.

    Durch den Aufhebungsvertrag kann ein Arbeitsverhältnis in beidseitigem Einverständnis zum vereinbarten Darum beendet werden – ohne dass eine lange Kündigungsfrist dabei eine Rolle spielt.


  • Kontrollieren Sie Ihren Arbeitsvertrag

    Scheint es mit einer einvernehmlichen Lösung nicht zu klappen, können Sie noch einmal einen prüfenden Blick in Ihren Arbeitsvertrag werfen und die Regelungen zu Ihrer langen Kündigungsfrist überprüfen. Mit etwas Glück hat der Arbeitgeber hier einen Fehler gemacht, der Ihnen entgegen kommt.

    Im Zweifelsfall können Sie sich auch an einen Experten für Arbeitsrecht wenden, der die Wirksamkeit der Vereinbarungen im Vertrag noch einmal für Sie prüfen kann.


  • Prüfen Sie eine fristlose Kündigung

    Nicht nur Arbeitgeber, auch Sie als Mitarbeiter können unter bestimmten Voraussetzungen eine fristlose Kündigung einreichen und so möglicherweise einer langen Kündigungsfrist entgehen. Allerdings müssen Sie dafür einen wirklich triftigen Grund vorweisen können, der die Kündigung ohne Einhaltung der Frist rechtfertigt.

    Denkbar ist eine solch fristlose Kündigung, wenn die weitere Zusammenarbeit für Sie nicht mehr zumutbar ist. Mögliche Gründe können beispielsweise Handgreiflichkeiten von Seiten des Arbeitgebers sein, anhaltendes Mobbing und Psychoterror oder auch ausbleibende Gehaltszahlungen.

[Bildnachweis: Africa Studio by Shutterstock.com]
14. März 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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