Wird ein Job gekündigt, ist die Finanzierung der kommenden Wochen oder Monate oberste Priorität. Das berufliche Einkommen bleibt erstmal aus, Rechnungen müssen aber weiterhin gezahlt werden, bis ein neuer Arbeitsplatz gefunden wurde. Durch das Arbeitslosengeld kann hier Abhilfe geschafft werden, allerdings haben Arbeitnehmer dabei eine große Sorge und viele Fragen (auch auf unserem Schwesterportal Karrierefragen): Wann droht Arbeitnehmern eine Sperre durch das Arbeitsamt? Und was können sie dagegen tun?

Sperrzeit beim Arbeitsamt: Was ist das?

Arbeitsamt Sperre Sperrzeit umgehenIm Falle einer Arbeitslosigkeit zahlt das Arbeitsamt das sogenannte Arbeitslosengeld. Die Sperrzeit hingegen bezeichnet den Zeitraum, in dem kein Anspruch auf Zahlungen besteht. Die Gründe für die Verhängung einer solchen Sperrzeit liegen im Verhalten des Arbeitnehmers. Genauer geregelt sind die Sperrzeiten des Arbeitsamts in § 159 des Dritten Sozialgesetzbuches. Hier heißt es:

Hat die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer sich versicherungswidrig verhalten, ohne dafür einen wichtigen Grund zu haben, ruht der Anspruch für die Dauer einer Sperrzeit.

Das Gesetz regelt auch die Dauer der Sperrzeit, die bis zu zwölf Wochen betragen kann. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang der Unterschied zwischen Sperrzeit und Ruhezeit. Bei einer Ruhezeit des Arbeitslosengeldes wird die Auszahlung um mehrere Wochen verschoben, sie beginnt also einfach nur später. Die Sperrzeit auf der anderen Seite verkürzt die Gesamtdauer des Arbeitslosengeldes. Sie verlieren also bis zu drei Monate der Ansprüche.

Gründe für eine Sperre vom Arbeitsamt

Arbeitsamt Sperre umgehen GründeDie Formulierung des Gesetzestextes sagt es bereits: Eine Sperrzeit wird verhängt, wenn ein Arbeitnehmer sich versicherungswidrig verhält. Doch wann liegt ein solch versicherungswidriges Verhalten vor?

Diese Gründe können zu einer Sperre vom Arbeitsamt führen:

  • Sie haben selbst die Kündigung eingereicht.
  • Sie lehnen Eingliederungsmaßnahmen ab oder brechen eine solche ab.
  • Sie lehnen Ihnen angebotene Arbeiten ab.
  • Sie bemühen sich nicht um einen neuen Job.
  • Sie sind Aufforderungen des Arbeitsamtes nicht nachgekommen oder zu Terminen nicht erschienen.
  • Sie haben sich nicht oder zu spät arbeitssuchend gemeldet.

Sperre durchs Arbeitsamt: Vieles ist vermeidbar

Die genaue Dauer der Sperre vom Arbeitsamt hängt immer mit den Umständen zusammen. Das Maximum von zwölf Wochen kann unter bestimmten Umständen auch verkürzt werden. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Sie zwar selbst gekündigt haben, mit diesem Schritt aber lediglich einem ohnehin anstehenden Verlust Ihres Arbeitsplatzes zuvor gekommen sind. So verkürzt sich die Sperrzeit auch drei Wochen, wenn das Arbeitsverhältnis innerhalb von sechs Wochen nach dem Ereignis, das die Sperrzeit begründet, ohne eine Sperrzeit geendet hätte. (§ 159 SGB III Abs. 3 Satz 1).

In dieser Zeit ruht Ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld, Ihre Krankenversicherung ist jedoch durch das Arbeitsamt abgedeckt. Dennoch geht Ihnen durch eine Sperrzeit viel Geld verloren. Um dies zu umgehen, gelten zwei wichtige Grundregeln, die einer Sperre vom Arbeitsamt vorbeugen. De genannten Probleme lassen sich vermeiden, in dem Sie als Arbeitnehmer...

  1. ... sich rechtzeitig - direkt nach Erhalt Ihrer Kündigung - beim Arbeitsamt arbeitssuchend melden.
  2. ... das Arbeitsverhältnis nicht selbst kündigen, sondern die Kündigung Ihrem Arbeitgeber überlassen.

Beim zweiten Punkt steckt der Teufel jedoch im Detail. Denn auch eine Kündigung durch den Arbeitgeber kann zu einer Sperre durch das Arbeitsamt führen - wenn sie verhaltensbedingt erfolgt und durch Sie selbst verursacht wird.

Verlieren Sie beispielsweise als Außendienstmitarbeiter, der auf sein Auto angewiesen ist, Ihren Führerschein, könnte das Arbeitsamt eine Kündigung als selbstverschuldet ansehen. Bestehlen Sie Ihren Arbeitgeber, gilt das ebenfalls.

Selbst ein einvernehmlicher Aufhebungsvertrag könnte zu einer Sperre durch das Arbeitsamt führen, wenn sich dadurch Ihr Arbeitsverhältnis im Vergleich zur regulären Kündigungsfrist deutlich verkürzt. Hier gibt es jedoch Ausnahmeregelungen: Verkürzt der Aufhebungsvertrag ein ohnehin endendes Arbeitsverhältnis um weniger als sechs Wochen, gilt die verkürzte Sperrfrist von drei Wochen. Würde das Arbeitsverhältnis ohne Aufhebungsvertrag zwölf Wochen später enden, liegt die Sperrfrist in der Regel bei sechs Wochen.

Arbeitsamt Sperre: Dokumentieren Sie alle Schritte und Absprachen

Arbeitsamt Sperre umgehen Arbeitsvertrag KrankenversicherungUnser Artikel kann, soll und darf natürlich keine Rechtsberatung ersetzen. Ein Grundsatz ist uns bei allen genannten Tipps und Hinweise dennoch wichtig: Auch wenn Ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld I theoretisch klar ist und eine Sperre nicht gerechtfertigt wäre, könnte es zu einer kommen. Recht haben und Recht bekommen sind in der Praxis zwei durchaus unterschiedliche Dinge.

Als Kunde des Arbeitsamtes sollten Sie sich daher nicht auf die Leistungen der Behörde verlassen, sondern grundsätzlich selbst aktiv werden und schnell reagieren. Und auch wenn es seltsam klingen mag: Treffen Sie alle Absprachen schriftlich oder lassen Sie sich diese schriftlich bestätigen. Eine Garantie ist das zwar auch nicht, Sie können dann jedoch gegen nicht nachvollziehbare Entscheidungen vorgehen und berechtigte Ansprüche durchsetzen.

Arbeitsamt Sperre umgehen: So klappt es

Für Arbeitnehmer kann die Sperre vom Arbeitsamt durchaus abschreckend sein und vielleicht sogar dazu führen, dass ein Job nicht gekündigt wird, obwohl schon lange mit dem Gedanken daran gespielt wird. Doch die Zeit ohne Einkommen muss schließlich auch überbrückt werden. Was also tun? Kündigen Sie als Arbeitgeber Ihr Arbeitsverhältnis selbst, droht Ihnen in der Regel eine Sperre. Doch hier gibt es Ausnahmen, mit denen sich die Sperrzeit umgehen lässt:

  • Sie haben einen wichtigen Grund

    Die Sperre vom Arbeitsamt soll nicht als Drohung dienen und Arbeitnehmer zwingen, in einem Job zu bleiben. Aus diesem Grund kann eine Sperre umgangen werden, wenn Sie einen wichtigen Grund für Ihre Kündigung anführen können. Leiden Sie beispielsweise unter starkem Mobbing am Arbeitsplatz - und können dies gegenüber dem Arbeitsamt auch belegen - kann auf eine Sperrzeit verzichtet werden.


  • Sie haben einen neuen Job

    Haben Sie vor Ihrer Kündigung eine konkrete Zusage für die nächste Stelle oder einen neuen Job, können Sie kündigen. Selbst wenn es mit der neuen Stelle dann nicht klappt, haben Sie die Arbeitslosigkeit nicht willentlich oder vorsätzlich herbeigeführt.


  • Sie hätten fristlos kündigen können

    Eine fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber zieht in der Regel ebenfalls eine Sperre nach sich - es sein denn, Sie hätten aufgrund der Umstände Ihrerseits fristlos kündigen können. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn Ihr Arbeitgeber seit mehreren Monaten nicht regelmäßig oder vollständig zahlt. Diese Umstände müssen Sie jedoch nachweisen können.


  • Sie ziehen mit Ihrem Partner zusammen

    Kündigen Sie Ihr Arbeitsverhältnis, weil Sie mit Ihrem Lebenspartner zu einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft zusammenziehen wollen, kann die Kündigung gerechtfertigt sein und eine Sperrzeit somit umgangen werden. Das gilt auch, wenn Sie zu einer Erziehungsgemeinschaft zusammenziehen, um sich um die Erziehung eines Kindes zu kümmern.


  • Sie können eine ärztliche Bescheinigung vorlegen

    Wenn Ihr Arzt Ihnen aus gesundheitliche Gründen zu einer Kündigung rät - und Ihnen das schriftlich bescheinigt und auch dem Arbeitsamt gegenüber begründet - bleibt eine Kündigung Ihrerseits ebenfalls ohne Konsequenzen. Es kann jedoch sein, dass das Arbeitsamt eine Untersuchung durch einen eigenen Arzt ansetzt.

Eine Sperre können Sie auch dann umgehen, wenn Sie sich vor Unterzeichnung eines Aufhebungsvertrages oder Ihrer Kündigung vom Arbeitsamt dafür grünes Licht bekommen haben. Können Sie das Okay des Arbeitsamtes nachweisen - hier kommt der bereits genannte Aspekt der schriftlichen Dokumentation zur Geltung - lässt sich eine Sperre verhindern.

Verkürzen lässt sich die Sperrzeit, wenn diese für Sie eine außergewöhnliche Härte darstellt. Das gilt beispielsweise dann, wenn Sie durch die zwölf wöchige Sperrfrist in arge finanzielle Bedrängnisse geraten oder sich Ihre Chancen auf einen konkret anstehenden Job dadurch enorm verschlechtern. Den Antrag auf Verkürzung müssen Sie selbstständig stellen und überzeugend begründen können.

Arbeitsamt Sperre: Entscheidungen sind immer individuell

Eines ist bei allen bisher genannten Informationen deutlich geworden: Die Entscheidungen des Arbeitsamtes beziehen sich immer auf den Einzelfall. Sozialgerichtsurteile zu ähnlichen Fällen können zwar als Argumentationsgrundlage dienen, sie lassen sich jedoch nicht automatisch eins zu eins auf Ihre Entscheidung oder Situation übertragen.

Einige Grundregeln, viele Hinweise und Richtlinien, doch am Ende ist Ihre individuelle Lage und Vorgeschichte ausschlaggebend, ob Ihr Ansprechpartner beim Arbeitsamt eine Sperre verhängt oder diese Option vom Tisch ist.

In der Praxis gilt daher unbedingt: Nehmen Sie vor einer Kündigung oder in einer unklaren Situation rechtzeitig Kontakt mit dem Arbeitsamt auf und lassen Sie sich Zu- und Aussagen schriftlich geben. Schon diese Eigeninitiative kann positiv gewertet werden und mit diesem Vorgehen sind Sie immer auf der sicheren Seite.

[Bildnachweis: Bundesagentur für Arbeit, YuriyZhuravov, Ollyy, Rido by Shutterstock.com]

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