Änderungskündigung-Voraussetzungen-Gehalt-Tipps-Vertrag
Kündigung - bei diesem Wort schrillen alle Alarmglocken, da es für Arbeitnehmer direkt mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses, dem Beginn der Jobsuche und finanziellen Sorgen verbunden ist. Es gibt aber auch die sogenannte Änderungskündigung. Dabei geht es dem Arbeitgeber gar nicht darum, seinen Mitarbeiter zwangsweise vor die Tür zu setzen. Vielmehr will er den Mitarbeiter weiterbeschäftigen, nur zu anderen Konditionen, die dem Arbeitnehmer nicht unbedingt zusagen. Das ist für viele Beschäftigte nicht der berufliche Verlauf, den sie sich erwünscht haben, doch müssen Sie es nicht klaglos hinnehmen, wenn Ihr Chef Ihnen beispielsweise bisher vertragliche zugesicherte Boni streichen will. Welche Optionen Sie als Arbeitnehmer haben, um auf eine Änderungskündigung zu reagieren und welche Fallstricke dazu führen können, dass sie unwirksam ist...

Änderungskündigung: Was ist das?

Änderungskündigung Muster Abfindung Weniger GehaltGrundsätzlich hat der Arbeitgeber durch sein Weisungsrecht zahlreiche Möglichkeiten, das Arbeitsverhältnis zu verändern. Der erste Schritt ist also noch einmal genau den Arbeitsvertrag zu studieren, was darin festgelegt ist. Das betrifft sowohl die Verteilung der Arbeitszeit als auch Einsatzort und Aufgaben des Arbeitnehmers.

Erst wenn der Chef teilweise Änderungen in einem bestehenden Arbeitsvertrag vornehmen will, kann eine Änderungskündigung notwendig werden. Der Grund: Änderungen des Arbeitsvertrags benötigen die Zustimmung beider Seiten, ohne Ihre Zustimmung als Arbeitnehmer sind diese also erst einmal nicht möglich. Der Arbeitgeber kann nur den gesamten Arbeitsvertrag kündigen, nicht jedoch einzelne Konditionen darin eigenmächtig verändern - genau für diesen Fall gibt es die Möglichkeit einer Änderungskündigung.

Sollen Passagen des Arbeitsvertrags geändert werden, mit denen ein Mitarbeiter nicht einverstanden ist, kann der Arbeitgeber seinem Wunsch auf eine Modifizierung der Vereinbarung durch eine Änderungskündigung Nachdruck verleihen.

Die ist eigentlich ein Zwitter:

  • Einerseits beendet der Arbeitgeber das bisherige Arbeitsverhältnis durch die Kündigung.
  • Andererseits bietet er sofort einen neuen Arbeitsvertrag an - nur eben zu anderen (oft schlechteren) Konditionen.

Zunächst einmal stehen Sie somit vor der Wahl: Wenn Sie die Änderungskündigung akzeptieren und unterschreiben, besteht das Arbeitsverhältnis weiterhin - allerdings zu den neuen Konditionen, mit denen Sie sich dann abfinden müssen. Bleiben Sie dabei, die Änderungen nicht mitgehen zu wollen, greift die Kündigung des gesamten Arbeitsvertrages.

Wann kommt eine Änderungskündigung zum Einsatz?

Änderungskündigung Gründe VoraussetzungenEiniges können Arbeitgeber durch ihr Weisungsrecht einseitig bestimmen, anderes lässt sich gemeinsam mit Mitarbeitern lösen und mit beidseitiger Zustimmung im Arbeitsvertrag festhalten. Gehen geplante Änderungen jedoch zu Lasten des Arbeitnehmers oder stellen Neuerungen und Wandel dar, mit denen dieser nicht einverstanden ist, kann es zu einer Änderungskündigung kommen.

Mit einer solchen können Unternehmen versuchen, verschiedene Änderungen im Arbeitsvertrag durchsetzen:

  • Verringerung des Gehalts, meist aufgrund finanzieller Probleme des Unternehmens.
  • Änderungen der Arbeitszeit.
  • Änderungen und Erweiterung des Aufgabenfelds, die bisher nicht im Vertrag standen.
  • Kürzung von Bonuszahlungen oder Beiträgen zur Altersvorsorge.
  • Wegfall von Firmenwagen
  • Keine Auszahlung von Überstunden mehr.

Änderungskündigung Voraussetzung: Das muss erfüllt sein

Die Änderungskündigung führt nicht zwangsweise in die Arbeitslosigkeit und zum Jobverlust, doch für Arbeitnehmer ist der Schock dennoch erst einmal groß. Viele stehen Veränderungen grundsätzlich eher skeptisch gegenüber, sind diese dann auch noch zum eigenen Nachteil, ist der Frust besonders groß. In der Praxis entpuppen sich Änderungskündigungen jedoch immer wieder als unwirksam, weshalb Sie zunächst prüfen sollten, ob die grundsätzlichen Voraussetzungen überhaupt erfüllt sind.

Diese häufigen Fallstricke lassen Änderungskündigungen scheitern:

  • Die Kündigung ist nicht sozial gerechtfertigt.

    Wie jede andere Kündigung muss auch die Änderungskündigung sich an die Vorgaben des Kündigungsschutzgesetzes halten. Eine Änderungskündigung muss sozial gerechtfertigt sein ist nur wirksam, wenn sie aus personen-, verhaltens-, oder betriebsbedingten Gründen erfolgt.

    Fehlen diese Gründe oder kann ein Arbeitgeber sie nicht glaubwürdig belegen, kann auch keine Änderungskündigung ausgesprochen werden und das Arbeitsverhältnis besteht unverändert weiter. Die Nachweispflicht liegt hier beim Unternehmen. Es muss etwa belegen, welche personenbedingten Gründe dazu führen, dass eine Beschäftigung unter den alten Voraussetzungen nicht mehr möglich ist.


  • Die Änderungskündigung ist nicht konkret genug.

    Aus einer Änderungskündigung muss klar und deutlich erkennbar sein, was genau sich für einen Arbeitnehmer in Zukunft ändern wird. Unklare Formulierungen und fehlende Details können eine Änderungskündigung unwirksam machen. Es reicht nicht aus, im Schreiben von den bereits angebotenen Änderungen des Arbeitsvertrags zu sprechen.

    Jede Änderung muss genau benannt und verständlich gemacht werden. Mit diesem Thema beschäftigte sich bereits das Bundesarbeitsgericht und erklärte Änderungskündigungen für unwirksam, die nicht die nötige Bestimmtheit in Bezug auf neue Arbeitsfelder oder andere Änderungen mitbringen (Akzenzeichen 2 AZR 641/07).


  • Die Änderungskündigung sieht unnötige oder übertriebene Änderungen vor.

    Mit der Änderungskündigung kann ein Arbeitgeber nicht einfach frei und willkürlich entscheiden, wie genau die neuen Regelungen seiner Meinung nach auszusehen haben. Wer so vorgeht, kann bereits ziemlich sicher sein, dass die Kündigung spätestens vor dem Arbeitsgericht für unwirksam erklärt wird und jegliche Wirkung verfehlt.

    Die vereinbarten Änderungen dürfen nur in dem Maß erfolgen, in dem Sie für den angeführten Kündigungsgrund auch wirklich notwendig sind. Klingt kompliziert, heißt aber in der Praxis einfach, dass keine unnötigen Änderungen vorgenommen werden dürfen. Erfolgt eine Änderungskündigung ausschließlich aus dem Grund, dass aufgrund einer Standortschließung eine Versetzung notwendig ist, beschränken sich die Änderungen auf den Arbeitsort - und beinhalten nicht weitere Kürzungen.


  • Besonderer Kündigungsschutz wird nicht beachtet.

    Wie bei einer Beendigungskündigung müssen auch bei der Änderungskündigung rechtliche Vorgaben eingehalten werden. Dazu zählt insbesondere der besondere Kündigungsschutz, beispielsweise von Schwangeren oder schwerbehinderte Mitarbeiter. Im Vorfeld muss in diesem Fall die Zustimmung der Behörde oder der Hauptfürsorgestelle eingeholt werden.

    Auch ist der Betriebsrat (falls vorhanden) in jedem Fall vor der Änderungskündigung anzuhören. Wird dieser übergangen, ist die Änderungskündigung automatisch unwirksam.

Änderungskündigung: Rechte und Fristen

Änderungskündigung Arbeitsvertrag Arbeitnehmer weniger GehaltWas gut ist: Ihr Arbeitgeber will Sie im Grunde behalten. Schlecht ist: Er ist mit den bisherigen Bedingungen unzufrieden (weil Sie in seinen Augen dafür zu wenig leisten) oder aber kann Sie sich zu den alten Konditionen nicht mehr leisten (weil es dem Unternehmen nicht mehr so gut geht).

Hinnehmen und unterschreiben müssen Sie die Änderungskündigung aber nicht einfach so. Sie können dazu innerhalb von drei Wochen eine Kündigungsschutzklage beziehungsweise Änderungsschutzklage einreichen, wenn Ihr Arbeitsverhältnis unter das Kündigungsschutzgesetz fällt.

Einzige Ausnahme: Ihre Kündigungsfrist ist kürzer, dann müssen Sie noch in diesem Zeitraum Klage einreichen. Damit die Klage jedoch nicht zum Bumerang wird und Sie Ihren Job auf jeden Fall behalten, sollten Sie strategisch vorgehen:

Wer die Änderungskündigung ablehnt und klagt, läuft Gefahr, seinen Job ganz zu verlieren. Denn entscheidet das Arbeitsgericht zu Gunsten des Arbeitgebers, behält die Kündigung ihre Wirksamkeit. Den neuen Arbeitsvertrag können Sie dann nicht mehr annehmen, da die Frist von drei Wochen bereits abgelaufen sein dürfte.

Daher sollten Sie als Arbeitnehmer der Änderungskündigung unter Vorbehalt zustimmen. Dieser Vorbehalt ist in §2 des Kündigungsschutzgesetzes geregelt:

... so kann der Arbeitnehmer dieses Angebot unter dem Vorbehalt annehmen, dass die Änderung der Arbeitsbedingungen nicht sozial ungerechtfertigt ist...

Für die Annahme der Änderungskündigung haben Arbeitnehmer drei Wochen ab Zustellung der Kündigung Zeit. Die Annahme muss in diesem Zeitraum dem Arbeitgeber idealerweise schriftlich mitgeteilt werden. Sollten Sie Ihre Klage vor Arbeitsgericht dann verlieren, behält auch der neue Arbeitsvertrag seine Gültigkeit - und Ihr Job ist, zumindest vorübergehend, gesichert.

Im Falle einer Änderungskündigung ist es jedoch in jedem Fall empfehlenswert, einen Fachanwalt für Arbeitsrecht zu Rate zu ziehen. Dieser prüft, ob die Kündigung grundsätzlich überhaupt wirksam ist und unterstützt auch bei der Änderungsschutzklage.

Änderungskündigung: Das sind Ihre Möglichkeiten

Änderungskündigung weniger Gehalt MusterDas waren nun ziemlich viele Informationen. Damit Sie nicht den Überblick verlieren, welche Rechte Sie im Falle einer Änderungskündigung tatsächlich haben und welche Möglichkeiten Ihnen dadurch offen stehen, haben wir noch einmal eine kurze Liste verfasst, die Ihnen die verschiedenen Alternativen kompakt präsentiert.

  • Änderungskündigung akzeptieren. Ihr Arbeitsverhältnis beim Arbeitgeber läuft weiter, allerdings zu den Konditionen, die Ihr Arbeitgeber in der Änderungskündigung festgelegt hat. So behalten Sie zwar Ihre Stelle, beziehen aber möglicherweise weniger Gehalt oder erhalten weniger Zusatzleistungen.
  • Änderungskündigung ablehnen. Lehnen Sie das Angebot Ihres Arbeitgebers ab, wird Ihr Arbeitsvertrag fristgerecht gekündigt und Sie sollten sich nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen. Dies ist eigentlich nur dann wirklich sinnvoll, wenn Sie ohnehin einen Jobwechsel anstreben oder bereits einen neuen Job in Aussicht haben.
  • Änderungsschutzklage einreichen. Ziehen Sie mit Ihrem Arbeitgeber vor Gericht, besteht für Sie ein Risiko: Bei gutem Ausgang bleibt Ihr bisheriges Arbeitsverhältnis bestehen, sollten Sie verlieren, sind Sie aber in der Regel Ihren Job los.
  • Änderungskündigung unter Vorbehalt akzeptieren. Um dieses Risiko zu umgehen, können Sie die Änderungskündigung unter Vorbehalt akzeptieren und anschließend die Richtigkeit prüfen. Auch wenn Sie vor Gericht verlieren, bleibt Ihr Arbeitsverhältnis dann zu den neuen Konditionen bestehen.

Oftmals ist die letzte Möglichkeit für Arbeitnehmer besonders empfehlenswert, da sie die meisten Optionen offen hält, allerdings sollten Sie - egal, für welchen Weg Sie sich am Ende entscheiden - unbedingt darauf achten, die Fristen einzuhalten.

Änderungskündigung: Kommunikation und Offenheit gegenüber dem Arbeitgeber

Natürlich können Sie gegen eine Änderungskündigung vor dem Arbeitsgericht klagen. Ihre Chancen stehen als Arbeitnehmer in der Regel auch recht gut, da vom Gesetz an eine solche Kündigung recht hohe Ansprüche gestellt werden und die Voraussetzungen nicht immer erfüllt sind. Doch sollten Sie sich keiner Illusion hingeben: Ihren Job werden Sie so nur temporär sichern, denn Ihr Arbeitgeber wird über eine gewonnene Klage sicherlich nicht erfreut sein und nach Wegen suchen, Sie über kurz oder lang loszuwerden.

Besser ist es daher, von Anfang an das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber zu suchen und eine einvernehmlichen Einigung zu finden. Denn grundsätzlich können Arbeitsverträge mit dem Einverständnis beider Seiten geändert werden.

Ein solcher Änderungsvertrag ist eine erstrebenswerte Alternative zur Kündigung, erfordert allerdings von beiden Seiten einige Kompromissbereitschaft.

[Bildnachweis: Ersler Dmitry, Minerva Studio by Shutterstock.com]

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