Schneller aus dem Arbeitsvertrag: So geht’s

Kein ungewöhnliches Szenario: Ihnen liegt ein Angebot auf dem Tisch, zu dem Sie einfach nicht Nein sagen können. Sie sollen sofort anfangen. Nur kommen Sie nicht so schnell aus Ihrem aktuellen Arbeitsvertrag heraus. Oder doch? Karrierebibel zeigt Ihnen, wie es geht. So kommen Sie schneller aus Ihrem Arbeitsvertrag

Schneller aus dem Arbeitsvertrag: So geht’s

Schneller aus dem Arbeitsvertrag: Das geht!

Schneller aus dem Arbeitsvertrag kommen: Für Fußballprofis ist es scheinbar das Leichteste der Welt. Im Zweifel setzen sie ihrem Arbeitgeber die Pistole auf die Brust, drohen mit Arbeitsverweigerung. Der Verein lässt sie notgedrungen weiterziehen und kassiert als Trostpflaster eine stattliche Ablöse.

Profi-Fußballer haben eine Verhandlungsmacht, die Otto-Normalarbeiter nicht haben. Doch auch für die stellt sich mitunter die Frage: Wie komme ich schneller aus meinem Arbeitsvertrag? Zum Beispiel dann, wenn ein attraktives Angebot der Konkurrenz auf dem Tisch liegt.

Karrierebibel zeigt Ihnen, wie es geht…

3 Mittel, mit denen Sie schneller aus Ihrem Arbeitsvertrag kommen

  1. Aufhebungsvertrag

    Bitten Sie Ihren Chef um die Aufhebung Ihres Vertrags! Das ist die gängigste und einfachste Lösung. Insbesondere dann, wenn der Arbeitgeber Ihre Stelle zügig nachbesetzen kann, wird er sich nicht unbedingt dagegen sträuben. Wenn er Ihnen einen Denkzettel verpassen will, hingegen schon.

    Inhaltlich enthält der Aufhebungsvertrag vor allem die Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu einem bestimmten (vorgezogenen) Zeitpunkt. Nebenbei bemerkt: Auch sollte unbedingt geklärt sein, was mit Ihren Ansprüchen auf die betriebliche Altersversorgung geschieht.

    Und: Nach einem Aufhebungsvertrag ist der Anspruch auf Arbeitslosengeld in der Regel für maximal zwölf Wochen gesperrt (es gibt aber Ausnahmen). Immerhin hat man das Arbeitsverhältnis ja freiwillig beendet. Die Sperrzeit beginnt mit dem Tag, an dem das Arbeitsverhältnis endet.

    Das bedeutet: Ihren neuen Job sollten Sie auf jeden Fall in der Tasche haben, bevor Sie Ihren Chef um einen Aufhebungsvertrag bitten.

    Ob Sie Ihren Vorgesetzten alleine mit Einfühlungsvermögen und ein paar Kullertränchen überzeugen können, ist indes fraglich. Besser, Sie verfügen über Verhandlungsmasse, die Sie in die Waagschale werfen können. Zum Beispiel könnten Sie ihm anbieten, auf Ihren (restlichen) Urlaubsanspruch zu verzichten.

    Prinzipiell ist ein solcher Urlaubsverzicht mittlerweile möglich – das war vor einigen Jahren noch anders.

    Es gibt noch ein anderes Bonbon für Ihren Chef: Sie könnten auf die Vergütung von Überstunden verzichten, um ihm einen Aufhebungsvertrag schmackhaft zu machen.

    Zugeständnisse, die unter Umständen weh tun, mit denen Sie aber schneller aus dem Arbeitsvertrag kommen.

  2. Kündigungsfrist

    Prüfen Sie Ihren Arbeitsvertrag bzw. lassen Sie ihn prüfen. Möglicherweise kommen Sie früher heraus, als Sie gedacht haben!

    Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt für Arbeitnehmer vier Wochen. Der Arbeitsvertrag kann laut BGB Paragraph 622 „mit einer Frist von vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Ende eines Kalendermonats gekündigt werden.“

    Für den Arbeitgeber wiederum gilt: Je länger die Betriebszugehörigkeit des Arbeitnehmers, desto länger die Kündigungsfrist. Dadurch schwankt die gesetzliche Kündigungsfrist für Arbeitgeber zwischen einem und sieben Monaten.

    Aber: Nicht immer ist die gesetzliche Kündigungsfrist ausschlaggebend. Auch die Bestimmungen in Tarif- und Arbeitsverträgen sind relevant – und sie haben meist Vorrang. Wenn also im Arbeitsvertrag eine zweimonatige Kündigungsfrist für den Arbeitnehmer vereinbart wurde, kann sich dieser nicht auf die gesetzliche Kündigungsfrist berufen und schon nach einem Monat gehen. Manchmal aber schon.

    Es soll beispielsweise Fälle geben, bei denen der Arbeitgeber sich selbst eine einmonatige Kündigungsfrist in den Arbeitsvertrag hineinschreibt, dem Arbeitnehmer aber nur eine dreimonatige zugesteht. Unwirksam! Grund: Ein Arbeitnehmer darf nicht länger an ein Arbeitsverhältnis gebunden werden als ein Arbeitgeber.

    Und auch sehr lange Kündigungsfristen sind nicht immer zulässig. So hat das Bundesarbeitsgericht in einem Urteil von 2017 eine dreijährige Kündigungsfrist für unzulässig erklärt.

    Der Arbeitgeber hatte sie im konkreten Fall in den Arbeitsvertrag des Mitarbeiters aufgenommen, nachdem er ihm eine Gehaltserhöhung gewährt hatte. Auch wurde eine Vertragsstrafe für den Arbeitnehmer im Falle einer fristwidrigen Kündigung vereinbart. Ein Arbeitsplatzwechsel wurde ihm so quasi unmöglich gemacht. Ebenfalls unwirksam!

  3. Fristlose Kündigung

    Vor einer außerordentlichen fristlosen Kündigung zittern meist die Arbeitnehmer. Bei größeren Verfehlungen kann der Arbeitgeber sie unverzüglich vor die Tür setzen. Bei Diebstahl oder Betrug zum Beispiel, Alkoholkonsum während der Arbeitszeit oder purer Arbeitsverweigerung.

    Es gibt die fristlose Kündigung aber auch mit vertauschten Rollen. Ein Arbeitnehmer kann innerhalb von zwei Wochen, nachdem er von einem wichtigen Grund erfahren hat, der eine außerordentliche fristlose Kündigung rechtfertigen würde, diese aussprechen. Mögliche Gründe sind:

    • Der Arbeitgeber zahlt das Gehalt nicht oder ist in Verzug.
    • Der Arbeitnehmer ist sexueller Belästigung am Arbeitsplatz ausgesetzt.
    • Er ist grob beleidigt worden.
    • Die Bestimmungen zum Arbeitsschutz werden nicht eingehalten.
    • Es gibt eine unzulässige Videoüberwachung am Arbeitsplatz.
    • Der Arbeitnehmer muss unzumutbare Überstunden leisten.

    Aber Achtung: In der Regel muss der fristlosen Kündigung eine Abmahnung seitens des Beschäftigten vorausgegangen sein, zum Beispiel bei Zahlungsverzug.

    Nun könnte man als Arbeitnehmer auch auf die Idee kommen, es darauf anzulegen, fristlos gekündigt zu werden. Das hätte durchaus Vorteile. Nicht nur, dass man sofort frei für eine neue Stelle wäre. Auch würde das Arbeitsamt keine Sperre verhängen.

    Beispiel: Sie fahren eigenmächtig in Urlaub. Das würde eine fristlose Kündigung rechtfertigen, stellte das Arbeitsgericht Krefeld schon vor einigen Jahren in einem Urteil fest.

    Unser Rat: Lassen Sie so etwas sein! Sie hinterlassen nur verbrannte Erde – und demonstrieren Charakterlosigkeit.

[Bildnachweis: ASDF_MEDIA by Shutterstock.com]
7. Juli 2018 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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