Lohnfortzahlung: Dann haben Sie Anspruch

Gerade noch putzmunter, im nächsten Moment das: Krankheitsgefühl, laufende Nase, kratzender Hals – das volle Programm eben. Besser, wenn Sie dann zuhause bleiben. Gut zu wissen, dass Sie Lohnfortzahlung erhalten. Sie sorgt dafür, dass Arbeitnehmer sich auch bei Krankheit um das Finanzielle keine Sorgen zu machen brauchen. Auch wer arbeitsunfähig ist, bekommt sein Gehalt weiterhin gezahlt. Wie genau das funktioniert, wer Anspruch auf die sogenannte „Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall“ hat, erfahren Sie hier…

Lohnfortzahlung: Dann haben Sie Anspruch

Was bedeutet Lohnfortzahlung und wer hat Anspruch?

Die Lohnfortzahlung ist eine der wichtigsten sozialen Errungenschaften für den Arbeitnehmer und in seiner jetzigen Fassung 1994 geregelt worden.

Der Arbeitgeber hat infolge gesetzlicher Bestimmungen, die in § 3 des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EFZG) geregelt sind, das Gehalt des Arbeitnehmers auch dann ohne Abzüge weiterzubezahlen, wenn dieser erkrankt.

Gültig ist dieser Anspruch für alle Arbeitnehmer, das heißt auch für:

Ausnahme: Mitarbeiter, die sich gerade in Elternzeit befinden, haben keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, da ihr Arbeitsverhältnis ruht.

Allerdings ist die Lohnfortzahlung an bestimmte Voraussetzungen geknüpft:

  • Anzeigepflicht

    Es besteht die sogenannte Anzeigepflicht, das heißt, der Mitarbeiter muss sich am ersten Tag seiner Krankheit noch vor Arbeitsantritt krank melden.

  • Nachweispflicht

    Spätestens nach dem dritten Tag müssen Sie die Krankmeldung per ärztlichem Attest nachweisen, der Arbeitgeber kann aber auch ab dem ersten Tag eine Krankschreibung verlangen – wird diese verlangt, findet sich im Arbeitsvertrag eine entsprechende Klausel.

  • Beschäftigungsdauer

    Der Arbeitnehmer muss mindestens seit vier Wochen im Unternehmen beschäftigt sein, um einen Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber zu haben.

  • Keine Fortsetzungskrankheit

    Der Arbeitnehmer ist nicht innerhalb von sechs Monaten noch einmal aufgrund derselben Krankheit arbeitsunfähig (sogenannte Fortsetzungskrankheit).

  • Frist

    Es sind seit Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit infolge derselben Krankheit zwölf Monate vergangen (beispielsweise bei Arbeitnehmern mit chronischer Erkrankung).

Was ist mit „Arbeitsunfähigkeit“ gemeint?

Lohnfortzahlung arbeitsunfähigLiegt ein Arbeitnehmer mit 40 Grad Fieber und Grippe im Bett, ist er arbeitsunfähig – soweit, so klar. Aber es gibt zahlreiche andere Fälle von Arbeitsunfähigkeit, die ganz anders aussehen. Kriterium für Arbeitsunfähigkeit ist, dass ein Arbeitnemer aufgrund einer Erkrankung seine bisher ausgeübte Tätigkeit nicht mehr oder nur unter der Gefahr der Verschlechterung seiner Gesundheit ausüben kann.

Allerdings führt nicht jede Krankheit oder Verletzung automatisch dazu, dass jemand arbeitsunfähig ist: Wer beispielsweise eine sitzende Tätigkeit im Homeoffice ausführt, wird auch durch einen Gipsfuß nicht daran gehindert. Umgekehrt hätte ein Dachdecker mit gebrochenen Gliedmaßen ein großes Problem.

Ihnen als Arbeitnehmer obliegt die Pflicht, alles zu unterlassen, das Ihrer Genesung im Weg stehen könnte. Das heißt nicht, dass Sie im Falle einer Krankschreibung in jedem Fall das Bett hüten müssen. Der Gang zur Apotheke ist natürlich ebenso erlaubt wie Einkäufe im Supermarkt oder ein Spaziergang zur Kräftigung.

Wer allerdings von Berufs wegen viel telefonieren muss – beispielsweise als Vertriebsmitarbeiter – und mit einer Stimmbandentzündung rauchend und Alkohol trinkend auf einer Party gesehen wird, könnte in Erklärungsnot geraten. Ebenfalls kritisch ist, wenn Sie für einen anderen Arbeitgeber währenddessen tätig werden, der Fähigkeiten benötigt, wegen derer Sie bereits krankgeschrieben sind.

Beispiel: Ein Restaurantfachmann ist wegen eines Bandscheibenvorfalls krankgeschrieben und übt in einem Nebenjob exakt diese Tätigkeit aus.

Wie lange erhalten Sie Lohnfortzahlung?

Die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber ist für sechs Wochen beziehungsweise für 42 Kalendertage geregelt. Das gilt für jede neue Krankheit erneut. Wenn Sie länger krank sind, ist das Unternehmen zu keiner weiteren Zahlung verpflichtet. Allerdings sind Sie weiterhin finanziell abgesichert:

Bei längerfristigen Erkrankungen über sechs Wochen hinaus springt die Krankenkasse ein und zahlt das sogenannte Krankengeld. Das gilt auch, wenn ein Arbeitnehmer innerhalb von sechs Monaten erneut für längere Zeit aufgrund derselben Krankheit ausfällt.

Dies ist mit finanziellen Einbußen verbunden. Wie hoch das Krankengeld ausfällt, hängt von Ihrem Einkommen ab. Wer erstmalig aufgrund einer Krankheit arbeitsunfähig geschrieben wird, erhält 70 Prozent des Bruttoeinkommens (nicht mehr als 90 Prozent des Netto-Gehalts).

Ausnahmen: Selbständige und Saisonarbeitskräfte haben keinen Anspruch auf Krankengeld. Die Höhe des Krankengeldes kann allerdings auch höher ausfallen: Seit 2012 gilt für Organspender, die bereits zu Lebzeiten ein Organ spenden, dass ihnen 100 Prozent des Gehalts ersetzt werden.

Drei Fallbeispiele, die Ihre Absicherung verdeutlichen:

  1. Ein Arbeitnehmer hat vor zwei Wochen eine neue Stelle angetreten und erkrankt an einer Grippe. Er wird infolgedessen vom Arzt für zwei Wochen krankgeschrieben. Da er erst ab der fünften Woche Lohnfortzahlung erhält, muss er in diesem Fall Krankengeld bei der Krankenkasse beantragen.
  2. Ein Restaurantfachmann ist bereits langjährig im Betrieb tätig und bricht sich einen Arm, kann daher nicht mehr arbeiten. Er ist für fünf Wochen arbeitsunfähig geschrieben und erhält ganz normal die Lohnfortzahlung. Sollte sich nach fünf Wochen herausstellen, dass der Bruch schlecht verheilt und weitere zwei Wochen Schonung erforderlich sein, erhält der Arbeitnehmer ab der siebten Woche Krankengeld von der Krankenkasse und keine weitere Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, da die sechs Wochen abgelaufen sind.
  3. Ein Verkäufer ist zu Beginn des Jahres wegen einer Erkrankung für eine Woche krankgeschrieben. Er erhält für die Dauer dieser Arbeitsunfähigkeit Lohnfortzahlung. Zum Jahresende hin wird er erneut wegen derselben Erkrankung arbeitsunfähig. Da in diesem Fall mehr als sechs Monate zwischen ein- und derselben Erkrankung liegen, erhält er erneut Lohnfortzahlung.

Berechnung der Lohnfortzahlung bei längerer Krankheitsdauer

Mit Beginn der Arbeitsunfähigkeit läuft der sechswöchige Anspruch auf Lohnfortzahlung, dabei wird auch mitgezählt, wenn die Arbeitsunfähigkeit an einem Arbeitstag vor Beginn der Arbeit eintritt.

Angenommen, Sie sind zwei Wochen wegen eines grippalen Infekts krankgeschrieben und innerhalb von zwölf Monaten erneut zwei weitere Male zwei Wochen wegen eines grippalen Infekts arbeitsunfähig, so summiert sich die Krankheitsdauer auf insgesamt sechs Wochen.

Die bisherige Arbeitsunfähigkeit wird also auf den Anspruch zur Lohnfortzahlung angerechnet. Liegen zwischen dem ersten und den zweiten Ausbruch Ihres grippalen Infekts sechs Monate, erwerben Sie einen neuen Anspruch auf Lohnfortzahlung für sechs Wochen.

Beispiele dazu:

  • Ein Arbeitnehmer war bereits aufgrund eines Burnouts sechs Wochen erkrankt und erhielt im Rahmen des Entgeltfortzahlungsgesetzes Lohnfortzahlung. Nun geht er wieder arbeiten, hat allerdings am darauffolgenden Wochenende in seiner Freizeit einen Unfall und wird erneut für mehrere Wochen krankgeschrieben. Da es sich hier um zwei völlig verschiedene Erkrankungen handelt, erwirbt er erneut eine sechswöchige Anspruchsdauer. Alles, was darüber hinaus für den Genesungsprozess notwendig ist, läuft dann über das Krankengeld der Krankenkasse.
  • Ein Arbeitnehmer ist bereits seit zweieinhalb Wochen wegen einer schweren Grippe Zuhause. Auf dem Weg zum Supermarkt knickt er infolge seiner Schwäche unglücklich um, wird auch deswegen für zwei Wochen arbeitsunfähig erklärt. Hier summiert sich der Arbeitsausfall auf viereinhalb Wochen. Sollte er seine Grippe verschleppen und innerhalb der nächsten sechs Monate erneut erkranken, wird er nach anderthalb Wochen keine Lohnfortzahlung mehr bekommen, sondern das Krankengeld greifen.

Begrenzt ist die Lohnfortzahlung auf sechs Wochen übrigens auch dann, wenn Sie während einer bereits bestehenden Arbeitsunfähigkeit ein weiterer Grund zur Arbeitsunfähigkeit hinzukommt. Der Arbeitgeber ist nur dann zur Lohnfortzahlung verpflichtet, wenn Sie zwischenzeitlich arbeiten gewesen sind.

Wie hoch fällt die Entgeltfortzahlung aus?

Die Höhe der Lohnfortzahlung wird in § 4 des Entgeltfortzahlungsgesetzes geregelt. Demnach erhält der Arbeitnehmer als Arbeitsentgelt den Betrag, der ihm bei der für ihn maßgebenden regelmäßigen Arbeitszeit zusteht.

Hier wird vom Durchschnittslohn der letzten zwölf Monate ausgegangen. Das heißt allerdings auch, dass Überstunden oder Schmutzzulagen ebenso wenig vergütet werden wie Fahrtkostenzuschüsse.

Anders hingegen bei Sonn- und Feiertagszuschlägen, die sonst regelmäßig gezahlt werden: Sie werden auch im Krankheitsfall berücksichtigt. Arbeitet ein Arbeitnehmer auf Stundenlohnbasis – beispielsweise bei einer geringfügigen Beschäftigung – erfolgt die Lohnfortzahlung in Höhe der ausgefallenen Stunden.

Kann der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung verweigern?

Lohnfortzahlung bei Krankheit Arbeitgeber zahlt nichtWichtig ist in diesem Zusammenhang der Hinweis darauf, dass die Arbeitsunfähigkeit ohne eigenes Verschulden zustande gekommen sein muss. Hat ein Arbeitnehmer also besonders leichtsinnig oder vorsätzlich gehandelt und wird dann arbeitsunfähig, ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet zu zahlen.

Die Kriterien dafür sind streng, aber Beispiele für kritisches Verhalten seitens des Arbeitnehmers wären zum Beispiel:

  • Wer betrunken fährt und mit dem Auto einen Unfall baut.
  • Wer mutwillig eine Schlägerei herbeiführt und verletzt wird.
  • Wer einer gefährlichen Nebentätigkeit nachgeht.
  • Wer sich bei einer Nebentätigkeit überfordert.
  • Wer infolge von Tattoos, Piercings und medizinisch nicht notwendigen Schönheitsoperationen arbeitsunfähig wird.

Schwierig kann es auch bei riskanten Sportarten werden, die verletzungsintensiv sind. Allerdings kann ein Arbeitgeber nicht einfach so die Lohnfortzahlung verweigern, sondern muss nachweisen, dass der Arbeitnehmer die Krankheit selbst verschuldet hat. Grundsätzlich gilt erstmal auch bei Sportarten wie Abfahrtski, bei denen es häufiger zu Verletzungen kommen kann, dass die Verletzungen nicht selbst verursacht sind.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass ein Sportler alle wichtigen Vorsichtsmaßnahmen eingehalten hat. Wer beispielsweise infolge eines Reitunfalls eine Gehirnerschütterung hat und keinen Helm trug, wird möglicherweise keine Lohnfortzahlung erhalten.

Kein vorsätzliches Handeln lag hingegen bei diesem Fall vor: Ein Arbeitgeber verweigerte einer Angestellten die Lohnfortzahlung, die auf einem nassen Restaurantboden ausgerutscht und anschließend vier Wochen arbeitsunfähig war.

Begründung: Die Mitarbeiterin hätte Schuhe mit rutschfesten Sohlen tragen müssen. Das sah das Landesarbeitsgericht Köln in seinem Urteil vom 19.04.2012 anders und entschied zugunsten der Arbeitnehmerin (Aktenzeichen 7 Sa 1204/11).

Was passiert, wenn Sie im Urlaub erkranken?

Grundsätzlich gilt die Lohnfortzahlung nur für die Zeit, in der Sie auch ohne Krankheit gearbeitet hätten. Der vom Gesetzgeber vorgeschriebene Erholungsurlaub soll Krankheiten vorbeugen und die Gesundheit des Arbeitnehmers möglichst lange gewährleisten.

Da Urlaub in der Zeit gewährt wird, in der Sie anderenfalls gearbeitet hätten, haben Sie einen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Ähnlich wie sonst gilt: Sofort beim Arbeitnehmer anrufen und krankmelden, den Nachweis schnellstmöglich erbringen. Sind Sie während Ihrer Erkrankung im Urlaub im Ausland, sind die Regeln noch etwas strenger:

Im Gegensatz zu sonst sind Arbeitnehmer hier vom ersten Tag an verpflichtet, einen Nachweis ihrer Krankheit in Form eines ärztlichen Attests zu erbringen und dem Arbeitgeber die voraussichtliche Dauer der Erkrankung mitzuteilen. Außerdem müssen Sie Ihre Kontaktdaten hinterlegen und mitteilen, wann Sie wo erreichbar sind.

Der Urlaubsanspruch bleibt so bestehen, die Urlaubstage gehen nicht verloren. Handeln Sie allerdings entgegen der Bestimmungen, könnte Ihr Urlaub verfallen und der Arbeitgeber im ungünstigsten Fall die Lohnfortzahlung verweigern.

[Bildnachweis: Dragana Gordic by Shutterstock.com]
14. November 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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