Krankengeld: Anspruch, Höhe, Dauer

Bei langen Krankheiten fallen Sie über Wochen und Monate im Job aus. Anfangs zahlt der Arbeitgeber weiter, damit Sie anschließend nicht finanziell ins Bodenlose fallen, gibt es das Krankengeld. So sind Sie zunächst finanziell abgesichert und können sich auf Ihre Gesundheit und Genesung konzentrieren. Allerdings gibt es auch beim Krankengeld einige wichtige Punkte zu beachten. Damit Sie umfangreich über das Krankengeld informiert sind und wissen, was Ihnen zusteht, beantworten wir die wichtigsten Fragen: Wann habe ich Anspruch auf Krankengeld? Wie hoch ist das Krankengeld und wie lange wird es gezahlt? Hier die Antworten…

Krankengeld: Anspruch, Höhe, Dauer

Krankengeld: Was ist das?

Krankengeld: Was ist das?Das Krankengeld ist eine Entgeltersatzleistung der gesetzlichen Krankenversicherungen. Ziel dieser Zahlung ist die finanzielle Absicherung der Versicherten, wenn diese über einen längeren Zeitraum erkranken und deshalb im Job ausfallen. Oder kurz gesagt: Arbeitnehmer erhalten Krankengeld, wenn sie infolge einer Krankheit arbeitsunfähig sind.

Das Krankengeld schließt sich damit an die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall des Arbeitgebers an und sollte nicht mit dieser verwechselt werden. Fällt ein Mitarbeiter aufgrund einer Krankheit aus, zahlt das Unternehmen anfangs weiter – erst im Anschluss, wenn die Entgeltfortzahlung eingestellt wird, wird von den Krankenversicherungen das Krankengeld gezahlt.

Geregelt ist das Krankengeld im Fünften Buch des Sozialgesetzbuches.

Anspruch auf Krankengeld: Dann steht es Ihnen zu

Wenn Sie krank und arbeitsunfähig sind, übernimmt zunächst der Arbeitgeber weiterhin für sechs Wochen Ihr Gehalt. Das ist die Lohnfortzahlung. In dieser Zeit beziehen Sie kein Krankengeld.

Sofern Sie nach den sechs Wochen noch immer arbeitsunfähig sind – sowie im Besitz einer Arbeitsunfähigkeitsbescheiniung von Ihrem Arzt – erhalten Sie ab der siebten Woche Krankengeld von Ihrer Krankenkasse.

Anspruchsberechtigt sind Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung bei…

  • Arbeitsunfähigkeit
  • stationärer Behandlung in einem Krankenhaus oder in einer Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtung
  • Pflege eines kranken Kindes unter zwölf Jahren, wenn keine andere Person im Haushalt die Betreuung übernehmen kann

Anspruch auf Krankengeld besteht auch bei Arbeitsunfähigkeit, die auf Schwangerschaftsabbruch, Sterilisation, Blut- oder Organspende zurückzuführen ist. Zudem haben Arbeitslose, die Arbeitslosengeld beziehen, bei mehr als sechswöchiger Erkrankung Anspruch auf Krankengeld.

Während der Elternzeit können Sie es dagegen nicht beziehen. Auch Familienversicherte erhalten kein Krankengeld.

Selbstständige haben ebenfalls keinen Anspruch auf Krankengeld. Sie müssen sich eigenständig absichern, entweder über eine private Krankenversicherung oder einen Wahltarif bei einer gesetzlichen.

Höhe des Krankengelds: So viel bekommen Sie

Das Krankengeld beträgt 70 Prozent Ihres letzten Bruttogehalts, aber höchstens 90 Prozent vom Netto-Gehalt. Auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden bei der Berechnung berücksichtigt – sofern Sie es in den vergangenen zwölf Monaten erhalten haben.

Allerdings gibt es einen Höchstwert, so kann das Krankengeld pro Kalendertag (also auch für Sonn- und Feiertage) aktuell bis zu 105,88 Euro betragen. Dieser berechnet sich aus der Beitragsbemessungsgrenze von 151,25 Euro pro Tag. /0 Prozent dieses Wertes ergeben den Höchstsatz von maximal 105,88 Euro Krankengeld pro Tag.

Davon müssen unter Umständen aber noch Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung abgeführt werden. Beiträge zur Krankenversicherung fallen nicht an.

Krankengeld ist steuerfrei. Das Finanzamt schlägt es allerdings am Ende des Jahres auf das bis zur Krankheit verdiente Geld drauf. Gemäß der Steuerprogression kann es also passieren, dass für Sie ein höherer Steuersatz fällig wird.

Krankengeld: Ein Rechenbeispiel

Krankengeld: Ein RechenbeispielEin 35-jähriger Mann verdient 2.800 Euro im Monat. Er ist unverheiratet, kinderlos und in Steuerklasse 1. Der Zusatzbeitrag zu seiner gesetzlichen Krankenversicherung beträgt 1 Prozent.

So kommt er auf einen Nettolohn (zur Vereinfachung gerundet) in Höhe von 1800 Euro. 70 Prozent des Bruttolohns würden ein Krankengeld von 1960 Euro ergeben. Da das Krankengeld jedoch höchstens 90 Prozent des Nettolohns betragen kann, wird dieser Wert verwendet. Daraus ergibt sich ein Brutto-Krankengeld von 54 Euro täglich.

Ausbezahlt werden jedoch nur 47,29 Euro, die restlichen 6,71 entfallen als Beiträge zu den Sozialversicherungen (9,3 Prozent Rentenversicherung, 1,25 Prozent Arbeitslosenversicherung und 1,275 Prozent Pflegeversicherung) sowie als Zuschlag für Kinderlose.

Für den Kalendermonat ergibt sich ein Brutto-Krankengeld von 16120 Euro. Am Ende landen davon 1418,70 Euro auf demKonto.

Antrag auf Krankengeld stellen

In der Regel müssen Sie nicht vorab selbst einen Antrag auf Krankengeld stellen. Ihre Krankenkasse wird Sie kontaktieren, wenn Sie länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sind. Auch schickt sie die notwendigen Formulare an Ihren Arbeitgeber, der sie ausgefüllt wieder zurücksendet.

Darunter ist eine Verdienstbescheinigung, auf die nötigen Informationen eingetragen werden, die zur Berechnung der Höhe Ihres Krankengelds erforderlich sind.

Ihre Aufgabe liegt vor allem daran, sicherzustellen, dass Sie der Krankenkasse rechtzeitig ein ärztliches Attest vorlegen. Darum sollten Sie sich möglichst früh kümmern, denn ein Sozialgericht entschied, dass der Anspruch auf Krankengeld ruht, wenn der Beschäftigte sein Attest zu spät bei der Krankenkasse einreicht.

Versicherte können sich demnach nicht darauf verlassen, dass der Arzt die Arbeitsunfähigkeit selbstständig der Kasse meldet. Die gesetzliche Meldepflicht einer Erkrankung liegt beim Versicherten.

Arbeitnehmer benötigen dafür zunächst ein ärztliches Attest. Eine Ausführung bekommt der Arbeitgeber, die andere die Krankenkasse. Letztere reichen Sie auf dem Postweg bei Ihrer Kasse ein. Bei den meisten Kassen können Sie sie mittlerweile auch online hochladen, in manchen Fällen sogar via App.

Also: Bringen Sie die Bescheinigung am besten unaufgefordert auf den Weg – und haken Sie frühzeitig bei Ihrer Kasse nach, ob sie eingegangen ist.

Die Kasse prüft daraufhin ihre Angaben. Sind alle Angaben korrekt, erhalten Sie rückwirkend Krankengeld.

Dauer: Wie lange bekomme ich Krankengeld?

Krankengeld gibt es normalerweise ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Dann endet die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, die für die ersten sechs Wochen getätigt wurde.

Krankengeld erhalten Sie maximal 78 Wochen lang für die gleiche Krankheit innerhalb von drei Jahren. Sie müssen allerdings nicht 78 Wochen durchgehend krankgeschrieben sein sein. Die Zeiträume werden zusammengezählt. Kommt in dieser Zeit eine weitere Krankheit dazu, verlängert sich die Bezugsdauer nicht.

Auf die Höchstbezugsdauer von 78 Wochen werden jedoch alle Zeiten angerechnet, in denen Ihr Krankengeld ruht. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Sie noch Gehalt von Ihrem Arbeitgeber bekommen oder während einer Rehabilitation Übergangsgeld vom Rentenversicherungsträger erhalten. Aus diesem Grund kommen Beschäftigte in der Regel nach den sechs Wochen Lohnfortzahlung noch auf maximal 72 Wochen (also 18 Monate beziehungsweise anderthalb Jahre), in denen sie Krankengeld beziehen.

Nach drei Jahren beginnt die 78-Wochen-Frist neu. Sind Sie auch nach 78 Wochen noch immer arbeitsunfähig, könnte es für Sie auf eine Erwerbsunfähigkeit hinauslaufen. Unter Umständen haben Sie dann Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente.

Beachten Sie: Krankengeld wird immer rückwirkend gezahlt.

Dazu ein beispielhaftes Szenario: Sie sind bereits vom 15. August bis zum 1. September krankgeschrieben und gehen nun erneut zum Arzt. Dieser stellt Ihnen eine neue Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bis zum 16. September aus. Zugleich bestätigt er, dass Sie in den vorangegangenen zwei Wochen – vom 15. August bis zum 1. September – tatsächlich krank waren.

Sie erhalten nun Krankengeld rückwirkend für die Zeit vom 15. August bis zum 1. September, nicht jedoch für den Zeitraum bis zum 16. September. Grund für dieses Verfahren: Ihr Arzt hat Sie zwar abermals bis zum 16. September krankgeschrieben, aber er könnte sich ja irren. Theoretisch könnten Sie schon früher wieder ins Büro kommen, nach einer Woche zum Beispiel, dann müsste die Krankenkasse das zu viel gezahlte Krankengeld zurückfordern.

Das bedeutet: Sie müssen während Ihrer Krankheit regelmäßig (und pünktlich) beim Arzt vorstellig werden und sich Ihre Arbeitsunfähigkeit bescheinigen lassen, um den Krankengeldanspruch nicht zu verlieren.

Weitere häufig gestellte Fragen zum Krankengeld

Abschließend haben wir in einem kleinen FAQ noch weitere Fragen zum Krankengeld gesammelt und für Sie beantwortet:

  • Kann man in Urlaub fahren, wenn man Krankengeld bezieht?

    Eigentlich nicht. Mit Betonung auf eigentlich. Urlaub und Krankengeld schließen sich vom Grundsatz her aus. Unter anderem aus dem Grund, dass sich eine Arbeitsunfähigkeit im Ausland nicht immer ohne Weiteres feststellen lässt.

    Sie können aber einen entsprechenden Antrag bei Ihrer Krankenkasse stellen. Die Kasse holt daraufhin eine Stellungnahme beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) ein und trifft auf dieser Grundlage ihre Entscheidung.

    Voraussetzung ist, dass Ihr Auslandsaufenthalt die Genesung voraussichtlich nicht verzögert, eine erfolgreiche Behandlung im Ausland gewährleistet ist und kein erhöhtes Risiko für einen Leistungsmissbrauch entsteht.

    Klammheimlich ohne Zustimmung der Kasse sollten Sie hingegen nicht in Urlaub fahren. Das könnte sich negativ auf ihren Krankengeldanspruch – und sogar auf ihren Versicherungsschutz auswirken.

  • Wann gibt es Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?

    In den meisten Fällen gibt es beim Krankengeld keine Probleme zwischen Versicherten und gesetzlichen Krankenkassen. Wie überall kann es aber auch hier einzelne Ausnahmen geben, in denen es zu Schwierigkeiten kommen kann.

    Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu spät oder gar nicht bei der Krankenkasse eingegangen ist. Ebenso kann es zu Diskussionen kommen, ob der Versicherte wirklich noch arbeitsunfähig ist. Für solche Fälle kann die Krankenkasse beim behandelnden Arzt nachfragen und recherchieren.

  • Welche Möglichkeiten haben Selbstständige beim Krankengeld?

    Als Selbstständiger in einer gesetzlichen Krankenkasse haben Sie verschiedene Optionen, um Krankengeld beziehen zu können. Der erste Weg ist, dass Sie wie Angestellte auch den Beitragssatz von aktuell 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens zur Krankenversicherung zahlen. So erhalten Sie Anspruch auf die Zahlung von Krankengeld.

    Ebenso können Sie eine private Krankentagegeld-Versicherung abschließen, bei der Sie einen leicht verminderten Beitragssatz zahlen. Zuletzt können Sie sich bei gesetzlichen Krankenkassen über Wahltarife zum Krankengeld informieren lassen.

[Bildnachweis: tynyuk by Shutterstock.com]
7. Oktober 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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