Krankengeld: Wann haben Sie Anspruch?

Damit Sie bei längerer Krankheit nicht ins Bodenlose fallen – dafür gibt es das Krankengeld. Sie erhalten bei Arbeitsunfähigkeit für bis zu 78 Wochen lang 70 Prozent Ihres letzten Bruttogehalts. Aber Achtung: Das Krankengeld kann zur Falle werden – wenn Sie Ihr Attest nicht pünktlich einreichen…

Krankengeld: Wann haben Sie Anspruch?

Krankengeld: Was ist das?

Krankengeld: Was ist das?Das Krankengeld ist eine Entgeltersatzleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Es wird nur dann gezahlt, wenn der Arbeitnehmer keinen Lohn oder Gehalt vom Arbeitgeber bezieht.

Arbeitnehmer erhalten Krankengeld, wenn sie infolge einer Krankheit arbeitsunfähig sind.

Geregelt ist das Krankengeld im Fünften Buch des Sozialgesetzbuches.

Wer bekommt Krankengeld?

Wenn Sie krank und arbeitsunfähig sind, übernimmt zunächst der Arbeitgeber weiterhin für sechs Wochen Ihr Gehalt. Das ist die Lohnfortzahlung. In dieser Zeit beziehen Sie kein Krankengeld.

Sofern Sie nach den sechs Wochen noch immer arbeitsunfähig sind – sowie im Besitz einer Arbeitsunfähigkeitsbescheiniung von Ihrem Arzt – erhalten Sie ab der siebten Woche Krankengeld von Ihrer Krankenasse.

Anspruchsberechtigt sind Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung bei…

  • Arbeitsunfähigkeit
  • stationärer Behandlung in einem Krankenhaus oder in einer Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtung
  • Pflege eines kranken Kindes unter zwölf Jahren, wenn keine andere Person im Haushalt die Betreuung übernehmen kann

Anspruch auf Krankengeld besteht auch bei Arbeitsunfähigkeit, die auf Schwangerschaftsabbruch, Sterilisation, Blut- oder Organspende zurückzuführen ist. Zudem haben Arbeitslose, die Arbeitslosengeld beziehen, bei mehr als sechswöchiger Erkrankung Anspruch auf Krankengeld.

Während der Elternzeit können Sie es dagegen nicht beziehen. Auch Familienversicherte erhalten kein Krankengeld.

Selbstständige haben ebenfalls keinen Anspruch auf Krankengeld. Sie müssen sich eigenständig absichern, entweder über eine private Krankenversicherung oder einen Wahltarif bei einer gesetzlichen.

Wie hoch ist mein Krankengeld?

Das Krankengeld beträgt 70 Prozent Ihres letzten Bruttogehalts, aber höchstens 90 Prozent vom Netto-Gehalt. Auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden bei der Berechnung berücksichtigt – sofern Sie es in den vergangenen zwölf Monaten erhalten haben.

Pro Kalendertag (also auch für Sonn- und Feiertage) kann das Krankengeld aktuell bis zu 103,25 Euro betragen. Für einen Kalendermonat liegt die Höchstgrenze damit bei 3097,50 Euro.

Davon müssen unter Umständen aber noch Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung abgeführt werden. Beiträge zur Krankenversicherung fallen nicht an.

Krankengeld ist steuerfrei. Das Finanzamt schlägt es allerdings am Ende des Jahres auf das bis zur Krankheit verdiente Geld drauf. Gemäß der Steuerprogression kann es also passieren, dass für Sie ein höherer Steuersatz fällig wird.

Krankengeld: Ein Rechenbeispiel

Krankengeld: Ein RechenbeispielEin 35-jähriger Mann verdient 2.800 Euro im Monat. Er ist unverheiratet, kinderlos und in Steuerklasse 1. Der Zusatzbeitrag zu seiner gesetzlichen Krankenversicherung beträgt 1 Prozent.

So kommt er auf einen Nettolohn in Höhe von 1799,63 Euro.

Als Brutto-Krankengeld ergibt sich für ihn ein Betrag von 53,99 Euro pro Tag. Davon ausbezahlt werden nach Abzug der Sozialbeiträge letztlich 47,28 Euro.

Für den Kalendermonat ergibt sich ein Brutto-Krankengeld von 1619,70 Euro. Am Ende landen davon 1418,40 Euro auf seinem Konto.

Wie beantrage ich Krankengeld?

In der Regel nimmt Ihre Krankenkasse Kontakt mit Ihnen auf, wenn Sie länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sind. Auch schickt sie die notwendigen Formulare an Ihren Arbeitgeber, der sie ausgefüllt wieder zurücksendet.

Das Verfahren kann sich im Einzelnen von Kasse zu Kasse unterscheiden.

In jedem Fall aber sollten Sie sich der Sache proaktiv annehmen, denn: Im Februar 2018 entschied das Sozialgericht Detmold, dass der Anspruch auf Krankengeld ruht, wenn der Beschäftigte sein Attest zu spät bei der Krankenkasse einreicht.

Versicherte können sich demnach nicht darauf verlassen, dass der Arzt die Arbeitsunfähigkeit selbstständig der Kasse meldet. Die gesetzliche Meldepflicht einer Erkrankung liegt beim Versicherten.

Arbeitnehmer benötigen dafür zunächst ein ärztliches Attest. Eine Ausführung bekommt der Arbeitgeber, die andere die Krankenkasse. Letztere reichen Sie auf dem Postweg bei Ihrer Kasse ein. Bei den meisten Kassen können Sie sie mittlerweile auch online hochladen, in manchen Fällen sogar via App.

Also: Bringen Sie die Bescheinigung am besten unaufgefordert auf den Weg – und haken Sie frühzeitig bei Ihrer Kasse nach, ob sie eingegangen ist.

Die Kasse prüft daraufhin ihre Angaben. Sind alle Angaben korrekt, erhalten Sie rückwirkend Krankengeld.

Wie lange bekomme ich Krankengeld?

Krankengeld gibt es normalerweise ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Dann endet die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.

Krankengeld erhalten Sie maximal 78 Wochen lang für die gleiche Krankheit innerhalb von drei Jahren. Sie müssen allerdings nicht 78 Wochen am Stück krankgeschrieben sein. Die Zeiträume werden zusammengezählt. Kommt in dieser Zeit eine weitere Krankheit dazu, verlängert sich die Bezugsdauer nicht.

Auf die Höchstbezugsdauer von 78 Wochen werden alle Zeiten angerechnet, in denen Ihr Krankengeld ruht. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Sie noch Gehalt von Ihrem Arbeitgeber bekommen oder während einer Rehabilitation Übergangsgeld vom Rentenversicherungsträger. Aus diesem Grund kommen Beschäftigte in der Regel nach den sechs Wochen Lohnfortzahlung noch auf maximal 72 Wochen, in denen sie Krankengeld beziehen.

Nach drei Jahren beginnt die 78-Wochen-Frist neu. Sind Sie auch nach 78 Wochen noch immer arbeitsunfähig, könnte es für Sie auf eine Erwerbsunfähigkeit hinauslaufen. Unter Umständen haben Sie dann Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente.

Beachten Sie: Krankengeld wird immer rückwirkend gezahlt.

Dazu ein beispielhaftes Szenario: Sie sind bereits vom 15. August bis zum 1. September krankgeschrieben und gehen nun erneut zum Arzt. Dieser stellt Ihnen eine neue Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bis zum 16. September aus. Zugleich bestätigt er, dass Sie in den vorangegangenen zwei Wochen – vom 15. August bis zum 1. September – tatsächlich krank waren.

Sie erhalten nun Krankengeld rückwirkend für die Zeit vom 15. August bis zum 1. September, nicht jedoch für den Zeitraum bis zum 16. September. Grund für dieses Verfahren: Ihr Arzt hat Sie zwar abermals bis zum 16. September krankgeschrieben, aber er könnte sich ja irren. Theoretisch könnten Sie schon früher wieder ins Büro kommen, nach einer Woche zum Beispiel, dann müsste die Krankenkasse das zu viel gezahlte Krankengeld zurückfordern.

Das bedeutet: Sie müssen während Ihrer Krankheit regelmäßig (und pünktlich) beim Arzt vorstellig werden und sich Ihre Arbeitsunfähigkeit bescheinigen lassen, um den Krankengeldanspruch nicht zu verlieren.

Kann man in Urlaub fahren, wenn man Krankengeld bezieht?

Eigentlich nicht. Mit Betonung auf eigentlich.

Urlaub und Krankengeld schließen sich vom Grundsatz her aus. Unter anderem aus dem Grund, dass sich eine Arbeitsunfähigkeit im Ausland nicht immer ohne Weiteres feststellen lässt.

Sie können aber einen entsprechenden Antrag bei Ihrer Krankenkasse stellen. Die Kasse holt daraufhin eine Stellungnahme beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) ein und trifft auf dieser Grundlage ihre Entscheidung.

Voraussetzung ist, dass Ihr Auslandsaufenthalt die Genesung voraussichtlich nicht verzögert, eine erfolgreiche Behandlung im Ausland gewährleistet ist und kein erhöhtes Risiko für einen Leistungsmissbrauch entsteht.

Klammheimlich ohne Zustimmung der Kasse sollten Sie hingegen nicht in Urlaub fahren. Das könnte sich negativ auf ihren Krankengeldanspruch – und sogar auf ihren Versicherungsschutz auswirken.

Krankengeld: So teuer ist es für die GKV!

Krankengeld: So teuer ist es für die GKV!Die gesetzlichen Krankenkassen zahlten 2017 laut GKV-Spitzenverband insgesamt 12,28 Milliarden Euro an Krankengeld aus. 2013 hatten die Ausgaben noch 9,76 Milliarden Euro betragen.

Damit ist Krankengeld der viertgrößte Kostenblock für die GKV – hinter Krankenhausbehandlungen (74,90 Mrd. Euro), ärztlichen Behandlungen (38,09 Mrd. Euro) und Arzneimitteln (37,70 Mrd. Euro), aber vor zahnärztlichen Behandlungen (10,79 Mrd. Euro), Hilfsmitteln (8,07 Mrd. Euro) und Heilmitteln (6,76 Mrd. Euro).

Auf Krankengeld entfielen 5,64 Prozent aller GKV-Ausgaben.

Und die Kosten steigen. So lagen die Ausgaben für Krankengeld im ersten Quartal 2018 bei 3,37 Milliarden Euro – im Vorjahresquartal waren es erst 3,17 Milliarden Euro.

[Bildnachweis: Zoonar by Shutterstock.com]
21. Juli 2018 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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