Die beste Krankheit taugt nichts, aber manchmal erwischt es einen dann doch. Wird ein Arbeitnehmer krank, braucht er eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Den Nachweis über seine Arbeitsunfähigkeit bekommt er vom Arzt. Allerdings gibt es einiges dabei zu beachten, zum Beispiel, innerhalb welcher Zeit Sie diesen Nachweis erbringen müssen. Das kann von Arbeitgeber zu Arbeitgeber unterschiedlich sein und schlimmstenfalls eine Kündigung nach sich ziehen, wenn Vorschriften nicht beachtet werden. Welche weiteren Konsequenzen möglich sind und was Sie über die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung noch wissen sollten...

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Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Definition: Nachweis der Krankmeldung

Wer krank ist, sollte zuhause bleiben und sich auskurieren. Die erforderliche Arbeitsleistung kann im Krankheitsfalle nicht erbracht werden und bei ansteckenden Krankheiten wie Erkältung oder Grippe besteht die Gefahr, andere Kollegen zu infizieren.

Aber als Arbeitnehmer können Sie nicht einfach selbst bestimmen, dass Sie zu krank zum arbeiten sind, Sie benötigen eine ärztliche Bescheinigung. Die sogenannte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU), oft auch "gelber Schein", Attest oder Krankschreibung genannt, stellt Ihnen der Hausarzt, Facharzt oder Zahnarzt aus.

Diese Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist schon deshalb wichtig, damit Sie Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber bekommen.

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kann ausgestellt werden...

  • als Erstbescheinigung: Sie sind erstmals an dieser Krankheit innerhalb der letzten sechs Monate erkrankt.
  • als Folgebescheinigung: Ihre Krankheit dauert über den ursprünglich angegebenen Zeitraum hinaus an.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Ab wann ist sie notwendig?

Per Arbeitsvertrag verpflichten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu einem gemeinsamen Rechten und Pflichten. Definiert wird das Arbeitsverhältnis dadurch, dass der Mitarbeiter eine bestimmte Arbeitsleistung erbringt und im Gegenzug durch den Arbeitgeber eine Vergütung erhält.

Genau diese Arbeitspflicht kann ein erkrankter Arbeitnehmer nicht erbringen, daher wird ein Nachweis über seine Erkrankung gefordert. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung setzt sich aus verschiedenen Drucken zusammen, von denen Sie allerdings nur die obersten drei ausgehändigt bekommen:

  • Ausfertigung zur Vorlage bei der Krankenkasse
  • Ausfertigung zur Vorlage beim Arbeitgeber
  • Ausfertigung für Versicherte
  • Ausfertigung zum Verbleib beim Arzt

Die oberste Ausfertigung ist für für die Krankenkasse; sie enthält neben der voraussichtlichen Krankheitsdauer die Diagnose. Diese Ausfertigung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung müssen Sie innerhalb einer Woche der Krankenkasse vorlegen.

Der mittlere Schein trägt den Hinweis "Ausfertigung zur Vorlage beim Arbeitgeber". Diese Bescheinigung erhält Ihr Arbeitgeber oder im Falle von Arbeitslosigkeit die Agentur für Arbeit. Auf dieser Ausfertigung ist keine Diagnose vermerkt.

Als Arbeitnehmer sind Sie dazu verpflichtet, Ihre Arbeitsunfähigkeit dem Arbeitgeber unverzüglich mitzuteilen. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung müssen Sie Ihrem Chef bei Krankheiten, die länger als drei Tage dauern, spätestens am darauffolgenden Tag überbringen.

Dies ist die gesetzliche Vorgabe, allerdings kann ein Arbeitgeber seine Mitarbeiter dazu anhalten, ihm bereits vom ersten Tag der Krankheit an eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen. Um Versäumnisse zu vermeiden, sollten Sie daher genau in Ihren Arbeitsvertrag schauen.

Gleiches gilt für die Agentur für Arbeit; je nach Vorgabe des Sachbearbeiters kann eine Krankmeldung bereits vom ersten Tag an verlangt werden.

Beispiel

Sie gehen Ihrer Arbeit von Montag bis Freitag in Vollzeit nach. Mittwochmorgen wachen Sie mit dicker Nase, schmerzendem Hals, Fieber und Kopfschmerzen auf. Noch vor Arbeitsbeginn rufen Sie bei Ihrem Arbeitgeber an und melden sich krank.

Sie teilen ihm mit, dass Sie umgehend den Arzt aufsuchen und sich im Anschluss daran melden werden, um genauere Auskunft zur Krankheitsdauer mitzuteilen. Direkt danach rufen Sie bei Ihrem Arzt an, der Ihnen Zeit in der Notfallsprechstunde einräumt. Er diagnostiziert eine Grippe und schreibt Sie daher für eine Woche krank.

Die hier ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sollten Sie umgehend Ihrem Arbeitgeber zukommen lassen. Spätestens muss sie jedoch am Montag nach Ihrem Arztbesuch vorliegen, da das der auf drei Krankheitstage darauffolgende Arbeitstag ist.

Die rechtzeitige Krankmeldung und zügige Vorlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber sollten Sie unbedingt ernst nehmen. Zum einen ist es eine Frage der Fairness, da Ihr Arbeitgeber unter Umständen Ersatz für Sie organisieren oder Aufgaben umverteilen muss. Zum anderen können für Sie ernste Konsequenzen daraus folgen.

Checkliste: So verhalten Sie sich im Krankheitsfalle

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung an Krankenkasse Ausfertigung für Versicherte ab wann rückwirkend Arbeitgeber DiagnoseWir haben nachfolgend aufgelistet, was Sie beachten müssen, wenn Sie erkranken. Hier zur Orientierung die Punkte im Einzelnen:

  • Melden Sie sich sofort beim Arbeitgeber krank. Am besten persönlich per Telefon; in Ausnahmefällen per E-Mail oder SMS.
  • Suchen Sie am besten sofort einen Arzt auf. Selbst wenn Sie laut Arbeitsvertrag zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erst am vierten Tag verpflichtet sind. Es macht einen besseren Eindruck; es sei denn, sie haben beispielsweise einen akuten Anfall von Migräne und wissen mit Bestimmtheit, dass Sie am zweiten Tag wieder arbeiten gehen können.
  • Informieren Sie Ihren Chef über die voraussichtliche Krankheitsdauer. Den Krankheitsgrund brauchen Sie nicht mitzuteilen. Lediglich bei hoch infektiösen Krankheiten (Information durch das Gesundheitsamt) müssen Sie Ihren Arbeitgeber aufgrund der Ansteckungsgefahr für andere Mitarbeiter informieren.
  • Vergewissern Sie sich, wann Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einreichen müssen. Auf der sicheren Seite sind Sie immer, wenn Sie sie umgehend vorlegen. Denken Sie ebenfalls daran, die Ausfertigung für die Krankenkasse schnellstmöglich zuzusenden. Dies ist vor allem für das Krankengeld von Bedeutung, sofern Sie länger als sechs Wochen an Ihrem Arbeitsplatz ausfallen.
  • Achten Sie auf die Dauer Ihrer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Sollten Sie sich noch nicht gesund fühlen, brauchen Sie eine Folgebescheinigung - die muss direkt im Anschluss an Ihre Erstbescheinigung ausgestellt werden. Hier müssen Sie auch darauf achten, ob Sie arbeitsvertraglich zur Arbeit am Wochenende oder an Feiertagen verpflichtet sind: Diese Tage müssen dann mit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung unbedingt ebenfalls abgedeckt werden.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Rückwirkende Austellung

Spätestens am dem vierten Tag sollte die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorliegen. Doch was machen Sie, wenn es ihnen so schlecht geht, dass Sie vor lauter Schwindel kaum aufstehen, geschweige das Haus verlassen können? Viele Arbeitnehmer fragen sich daher: Kann eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung rückwirkend ausgestellt werden?

Grundsätzlich ist es so, dass Ärzte erst nach "Inaugenscheinnahme" des Patienten eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen dürfen, mit anderen Worten: Ihr gesundheitlicher Zustand muss vom Arzt persönlich geprüft worden sein. Da das bei einer Rückdatierung für die fragliche Zeit nicht der Fall ist, sieht es mit einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zunächst einmal schlecht aus.

Hintergrund ist der Gedanke, möglichen Missbrauch so zu verhindern. In den Arbeitsunfähigkeits-Richtlinien (PDF) haben die Krankenkassen in Deutschland daher entsprechende Regelungen für die Ärzte festgelegt. In § 5 Absatz 3 ist allerdings eine Ausnahme bei gewissenhafter Prüfung von bis zu drei Tagen möglich.

Die Ausdehnung der Ausnahmeregelung auf drei Tage für die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist erst seit dem 4. März 2016 in Kraft. Davor galt eine rückwirkende Ausstellung nur für zwei Tage. Für Sie als Arbeitnehmer gilt in diesem Fall wie bei jeder anderen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, dass Sie der Krankenkasse innerhalb von sieben Tagen die Ausfertigung vorlegen.

Arbeitnehmer sollten bedenken, dass eine rückwirkende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nur unter erschwerten Bedingungen erhältlich ist. Zudem tragen Sie das Risiko, falls Ihr Arzt sich weigert, Sie rückwirkend krankzuschreiben. Das kann er tun, wenn Sie absolut gesund auf ihn wirken und er nicht plausibel nachhalten kann, ob Sie in den vergangenen Tagen tatsächlich nicht in der Lage waren zu arbeiten.

Statt also zu riskieren, dass der Chef das Geld für die Zeit einbehält, Ihnen eine Abmahnung oder gar Kündigung erteilt, sollten Sie lieber rechtzeitig zum Arzt gehen, sich nötigenfalls auch fahren lassen.

Krank im Urlaub: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung besorgen

Krank im Urlaub Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab wannSo richtig blöde läuft es für einen Arbeitnehmer, wenn er im Urlaub erkrankt. Der dient bekanntermaßen der Erholung. Der Erholungswert ist natürlich nicht gegeben, wenn Sie sich erst einmal auskurieren müssen. Das sieht auch der Gesetzgeber so, daher werden Krankentage gemäß § 9 Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) auf den Jahresurlaub nicht angerechnet.

Damit Ihr Arbeitgeber dies entsprechend berücksichtigen kann, müssen Sie auch in diesem Fall Ihren Chef umgehend benachrichtigen. Gehen Sie schnell zum Arzt und schicken Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sofort zu, ganz so wie wenn Sie keinen Urlaub hätten.

Sind Sie im Ausland, müssen Sie sich sowieso bereits am ersten Tag Ihrer Krankheit krankmelden und den Chef über die voraussichtliche Dauer informieren. Dazu sind Sie nämlich gemäß § 5 Absatz 2 Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz (EFZG) verpflichtet.

Ebenso müssen Sie Ihre Adresse und Telefonnummer hinterlassen, unter der Sie am Urlaubsort erreichbar sind. Gehen Sie nicht am ersten Tag Ihrer Krankheit zum Arzt, sondern besorgen sich erst am vierten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, gehen Ihnen drei volle Urlaubstage verloren.

Auch sollten Sie im Hinterkopf behalten, dass Sie keinesfalls die verpassten Urlaubstage zur Erholung einfach am Ende des Urlaubs nehmen können: Das käme einer Selbstbeurlaubung gleich und wäre ein Kündigungsgrund.

Mehr dazu, was Sie tun können und sollten, wenn Sie im Urlaub krank werden, lesen Sie hier:

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Diagnose herausfinden

Wer eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bekommt, hat als ersten Zettel die Ausfertigung im A-5-Format, die für die Krankenkasse bestimmt ist. Hier ist eine Diagnose angegeben, die als ICD-10-Code verschlüsselt ist. Die Verschlüsselung nach ICD-10 beruht auf der International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems.

Sinn und Zweck dieser Klassifizierung ist es, Diagnoseverfahren zu vereinheitlichen. Der auf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung enthaltene Code besteht aus einem Buchstaben, zwei Ziffern, einem Punkt und noch maximal zwei weiteren Ziffern.

Wer wissen möchte, was dieser Code bedeutet, kann seine Diagnose herausfinden, indem er ihn auf der Website seiner Krankenkasse eingibt. Hier finden Sie beispielsweise die Diagnoseauskunft der Techniker Krankenkasse. Anderenfalls gibt es mittlerweile sogar Apps zur Diagnoseauskunft.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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