Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Worauf Sie achten müssen

Wird ein Arbeitnehmer krank, braucht er eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Den Nachweis über seine Arbeitsunfähigkeit bekommt er vom Arzt. Dabei gibt es einiges zu beachten, zum Beispiel, innerhalb welcher Zeit Sie diesen Nachweis erbringen müssen. Das kann jeder Arbeitgeber individuell handhaben und eine Nichtbeachtung der Vorschriften kann schlimmstenfalls die Kündigung bedeuten. Welche weiteren Konsequenzen möglich sind und was Sie über die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung noch wissen sollten…

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Worauf Sie achten müssen

Definition: Was ist eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung?

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Arbeitgeber Folgebescheinigung Krankenkasse DefinitionWer krank ist, sollte aus gutem Grund zuhause bleiben und sich auskurieren. Die erforderliche Arbeitsleistung kann nicht erbracht werden und bei ansteckenden Krankheiten wie Erkältung oder Grippe besteht die Gefahr, andere Kollegen zu infizieren.

Aber als Arbeitnehmer können Sie nicht einfach selbst bestimmen, dass Sie zu krank zum arbeiten sind, Sie benötigen eine ärztliche Bescheinigung. Die sogenannte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU), oft auch „gelber Schein“, Attest oder Krankschreibung genannt, stellt Ihnen der Hausarzt, Facharzt oder Zahnarzt aus.

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung dient Ihrem Chef und Arbeitgeber als Nachweis, dass Sie wirklich krank sind und ein Arzt Ihnen bescheinigt hat, dass Sie für den Zeitraum der AU nicht zur Arbeit gehen können. Dieser Nachweis ist schon deshalb wichtig, damit Sie Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber bekommen.

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kann ausgestellt werden…

  • als Erstbescheinigung: Sie sind erstmals an dieser Krankheit innerhalb der letzten sechs Monate erkrankt.
  • als Folgebescheinigung: Ihre Krankheit dauert über den ursprünglich angegebenen Zeitraum hinaus an.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bald Geschichte

elektronische ArbeitsunfähigkeitsbescheinigungDie Bundesregierung hat mit dem Gesetz zum Bürokratieabbau eine Regelung beschlossen, die auch die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung betrifft: Ab 1. Januar 2021 soll der gelbe Schein, bisher ein DIN-A6-Anhängsel an einem vierseitigen Dokument, abgeschafft werden.

Bisher ist es so, dass Sie drei von den vier Seiten (die vierte bleibt beim Arzt) ausgehändigt bekommen:

  • Ausfertigung zur Vorlage bei der Krankenkasse
  • Ausfertigung zur Vorlage beim Arbeitgeber
  • Ausfertigung für Versicherte

Die oberste Ausfertigung ist für für die Krankenkasse; sie enthält neben der voraussichtlichen Krankheitsdauer die Diagnose. Wollen Sie wissen, was dieser Code bedeutet, geben sie ihn auf der Website Ihrer Krankenkasse ein. Hier finden Sie beispielsweise die Diagnoseauskunft der Techniker Krankenkasse.

Der mittlere Schein trägt den Hinweis „Ausfertigung zur Vorlage beim Arbeitgeber“. Diese Bescheinigung erhält Ihr Arbeitgeber oder im Falle von Arbeitslosigkeit die Agentur für Arbeit. Auf dieser Ausfertigung ist keine Diagnose vermerkt.

Geplant ist, dass zukünftig der behandelnde Arzt der Krankenkasse die Arbeitsunfähigkeit eines Versicherten meldet. Diese wird dann den Arbeitgeber auf digitalem Wege über die Arbeitsunfähigkeit eines seiner Mitarbeiter informieren. Für Arbeitnehmer bedeutet das einen verringerten Zeit- und Geldaufwand, da Porto und Wege wegfallen.

Bis zur digitalen Umsetzung – Einzelheiten sind noch unklar – behält die im Artikel beschriebene Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ihre Gültigkeit.

Ab wann ist eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung notwendig?

Das Entgeltfortzahlungsgesetz regelt in § 5 Absatz 1, dass erkrankte Arbeitnehmer ihre Arbeitsunfähigkeit dem Arbeitgeber unverzüglich mitzuteilen haben. Bei Erkrankungen, die länger als drei Tage dauern, muss die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung spätestens am darauffolgenden Tag übermittelt werden.

Beispiel

Sie arbeiten von Montag bis Freitag. Mittwochmorgen wachen Sie mit starkem Krankheitsgefühl auf. Noch vor Arbeitsbeginn rufen Sie bei Ihrem Arbeitgeber an und melden sich krank.

Sollten Sie länger als drei Tage krankheitsbedingt ausfallen, muss Ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung spätestens am Montag vorliegen, da das der auf drei Krankheitstage darauffolgende Arbeitstag ist. Würden Sie beispielsweise an einem Dienstag krank, müsste bis Freitag derselben Woche ein ärztlicher Nachweis beim Arbeitgeber vorliegen.

Dies ist die grundsätzliche gesetzliche Vorgabe. Je nach Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag kann ein Arbeitgeber seine Mitarbeiter dazu anhalten, ihm bereits vom ersten Tag der Krankheit an eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen.

Gleiches gilt im Falle der Arbeitslosigkeit für die Agentur für Arbeit; je nach Vorgabe des Sachbearbeiters kann eine Krankmeldung bereits vom ersten Tag an verlangt werden.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vergessen?

Die rechtzeitige Krankmeldung und zügige Vorlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber sollten Sie unbedingt ernst nehmen. Zum einen ist es eine Frage der Fairness, da Ihr Arbeitgeber unter Umständen Ersatz für Sie organisieren oder Aufgaben umverteilen muss.

Sollten Sie sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben halten, hat Ihr Chef das Recht, das Geld für die Zeit einzubehalten. Auch eine Mahnung oder im schlimmsten Fall Kündigung ist möglich, wenn dieser Sie dazu aufgefordert hatte, die Bescheinigung einzureichen und dies dennoch nicht geschehen ist.

Denken Sie daran, die Ausstellung für die Krankenkasse rechtzeitig einzureichen. Meist gibt es hier zwar eine Frist von einer Woche, doch gilt auch hier: Besser früher als später. Dies ist vor allem für das Krankengeld von Bedeutung, sofern Sie länger als sechs Wochen an Ihrem Arbeitsplatz ausfallen.

Krank im Urlaub: Attest besorgen

Krank im Urlaub Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab wannSo richtig blöde läuft es für einen Arbeitnehmer, wenn er im Urlaub erkrankt. Der Gesetzgeber versteht, dass kein Erholungswert gegeben ist, wenn Sie sich erst einmal auskurieren müssen. Daher werden Krankentage gemäß § 9 Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) auf den Jahresurlaub nicht angerechnet.

Damit Ihr Arbeitgeber dies entsprechend berücksichtigen kann, müssen Sie auch in diesem Fall Ihren Chef umgehend benachrichtigen. Gehen Sie schnell zum Arzt und schicken Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sofort zu, ganz so wie wenn Sie keinen Urlaub hätten.

Sind Sie im Ausland, müssen Sie sich sowieso bereits am ersten Tag Ihrer Krankheit krankmelden und den Chef über die voraussichtliche Dauer informieren. Dazu sind Sie gemäß § 5 Absatz 2 Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz (EFZG) verpflichtet.

Ebenso müssen Sie Ihre Adresse und Telefonnummer hinterlassen, unter der Sie am Urlaubsort erreichbar sind. Gehen Sie nicht am ersten Tag Ihrer Krankheit zum Arzt, sondern besorgen sich erst am vierten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, gehen Ihnen drei volle Urlaubstage verloren.

Bedenken Sie, dass Sie keinesfalls die verpassten Urlaubstage zur Erholung einfach am Ende des Urlaubs nehmen können: Das käme einer Selbstbeurlaubung gleich und wäre ein Kündigungsgrund.

Mehr dazu, was Sie tun können und sollten, wenn Sie im Urlaub krank werden, lesen Sie hier:

Geht eine rückwirkende Ausstellung?

Spätestens am vierten Tag sollte die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorliegen. Doch was machen Sie, wenn es ihnen so schlecht geht, dass Sie vor lauter Schwindel kaum aufstehen, geschweige das Haus verlassen können? Viele Arbeitnehmer fragen sich daher: Kann eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung rückwirkend ausgestellt werden?

Um Missbrauch zu verhindern, dürfen Ärzte grundsätzlich erst nach der sogenannten Inaugenscheinnahme des Patienten eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen, mit anderen Worten: Ihr gesundheitlicher Zustand muss vom Arzt persönlich geprüft worden sein. Da das bei einer Rückdatierung für die fragliche Zeit nicht der Fall ist, sieht es mit einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zunächst einmal schlecht aus.

In den Arbeitsunfähigkeits-Richtlinien (PDF) haben die Krankenkassen in Deutschland entsprechende Regelungen für die Ärzte festgelegt. In § 5 Absatz 3 ist allerdings eine Ausnahme bei gewissenhafter Prüfung von bis zu drei Tagen möglich.

Diese rückwirkende AU ist aber nur unter erschwerten Bedingungen erhältlich und Sie tragen das Risiko, falls Ihr Arzt sich weigert, Sie rückwirkend krankzuschreiben. Das kann er tun, wenn Sie absolut gesund auf ihn wirken und er nicht plausibel nachhalten kann, ob Sie in den vergangenen Tagen tatsächlich arbeitsunfähig waren.

Für Sie als Arbeitnehmer gilt in diesem Fall wie bei jeder anderen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, dass Sie der Krankenkasse die Ausfertigung innerhalb von sieben Tagen vorlegen.

Checkliste: So verhalten Sie sich im Krankheitsfalle

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung an Krankenkasse Ausfertigung für Versicherte ab wann rückwirkend Arbeitgeber DiagnoseWir haben nachfolgend aufgelistet, was Sie beachten müssen, wenn Sie erkranken. Hier zur Orientierung die Punkte im Einzelnen:

  • Melden Sie sich sofort beim Arbeitgeber krank. Am besten persönlich per Telefon; in Ausnahmefällen per E-Mail oder SMS.
  • Suchen Sie am besten sofort einen Arzt auf. Selbst wenn Sie laut Arbeitsvertrag zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erst am vierten Tag verpflichtet sind. Es macht einen besseren Eindruck; es sei denn, sie haben beispielsweise einen akuten Anfall von Migräne und wissen mit Bestimmtheit, dass Sie am zweiten Tag wieder arbeiten gehen können.
  • Informieren Sie Ihren Chef über die voraussichtliche Krankheitsdauer. Den Krankheitsgrund brauchen Sie nicht mitzuteilen. Lediglich bei hoch infektiösen Krankheiten (Information durch das Gesundheitsamt) müssen Sie Ihren Arbeitgeber aufgrund der Ansteckungsgefahr für andere Mitarbeiter informieren.
  • Vergewissern Sie sich, wann Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einreichen müssen. Auf der sicheren Seite sind Sie immer, wenn Sie sie umgehend vorlegen. Denken Sie ebenfalls daran, die Ausfertigung für die Krankenkasse schnellstmöglich zuzusenden.
  • Achten Sie auf die Dauer Ihrer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Sollten Sie sich noch nicht gesund fühlen, brauchen Sie eine Folgebescheinigung – die muss direkt im Anschluss an Ihre Erstbescheinigung ausgestellt werden. Hier müssen Sie auch darauf achten, ob Sie arbeitsvertraglich zur Arbeit am Wochenende oder an Feiertagen verpflichtet sind: Diese Tage müssen dann mit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung unbedingt ebenfalls abgedeckt werden.

Wir haben unsere Checkliste auch noch einmal für Sie als PDF zum kostenlosen Download bereit gestellt. Wenn Sie im Krankheitsfall nicht genau wissen, woran Sie denken müssen, haben Sie so noch einmal das Wichtigste auf einen Blick.

Was muss der Chef wissen?

Sie rufen den Chef an, um sich krank zu melden und Bescheid zu sagen, dass Sie beim Arzt waren und eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einreichen. Damit ist die wichtigste Information übermittelt, doch müssen Sie dem Unternehmen auch mitteilen, warum genau Sie ausfallen und welche Krankheit Sie außer Gefecht setzt?

Grundsätzlich erst einmal Nein, Sie sind nicht dazu verpflichtet, den genauen Grund für Ihren krankheitsbedingten Ausfall zu nennen. Anders kann es aussehen, wenn Sie unter einer stark ansteckenden Krankheit leiden. Hier muss der Chef die Möglichkeit haben, andere Kollegen zu warnen.

Ob Sie Ihren Chef dennoch informieren, obwohl keine Pflicht besteht, bleibt letztlich Ihnen überlassen. In den meisten Fällen ist es nicht schlimm, wenn Sie etwa mit einer Grippe im Bett liegen. Sollten Sie sich jedoch dagegen entscheiden, geht es den Vorgesetzten nichts an.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
22. September 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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