Zwischenzeugnis: Vorlage, Formulierungen, beantragen

Das Zwischenzeugnis ist eine vom Arbeitgeber erstellte Urkunde über ein bestehendes Arbeitsverhältnis. Arbeitnehmer können jederzeit ein Zwischenzeugnis beantragen. Sie sollten dazu aber einen „triftigen“ Grund angeben. Sonst reagieren Vorgesetzte alert – der Antrag gilt als Warnsignal für einen geplanten Jobwechsel. Wir zeigen, wie Sie das Zwischenzeugnis anfordern und welche Gründe unverdächtig sind. Dazu erhalten Sie eine kostenlose Zwischenzeugnis Vorlage sowie Code Tabelle mit Formulierungen, auf die Arbeitnehmer unbedingt achten sollten…

Zwischenzeugnis: Vorlage, Formulierungen, beantragen

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Zwischenzeugnis Vorlage: Aufbau + Inhalt

Ein vollständiges Zwischenzeugnis unterscheidet sich bei Aufbau und Inhalt kaum vom klassischen Arbeitszeugnis. Es muss ebenfalls „wahr“ und „wohlwollend“ geschrieben sein, offene Kritik ist verboten (§109 Abs. 2 GewO). Wesentlich darin sind sieben Bausteine, die jedes Zwischenzeugnis enthalten sollte (siehe Grafik):

Zwischenzeugnis Vorlage Beispiel Muster Tipps

Was muss in einem Zwischenzeugnis stehen?

  1. Überschrift
    Hier reicht ein einfaches „Zwischenzeugnis“ als Überschrift.
  2. Stammdaten & Personalien
    Wichtig für die Zuordnung sind Angaben zum Arbeitnehmer: Name, Geburtsdatum, Wohnort sowie Beginn des Beschäftigungsverhältnisses. Kein Ende, da fortlaufende Anstellung!
  3. Stellenbezeichnung & Tätigkeitsbeschreibung
    Hier steht eine kurze Darstellung des Arbeitgebers, der Stelle und Funktion sowie einiger relevanter Aufgaben der Position im Unternehmen.
  4. Leistungsbeurteilung & Sozialverhalten
    Arbeitsmotivation, Teamfähigkeit, Einsatzbereitschaft, Verantwortungen, Erfolge, Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden (in dieser Reihenfolge!) – auf diesen Teil achten Personaler besonders in der Bewerbung.
  5. Ausstellungsgrund
    Die Begründung, warum das Zwischenzeugnis angefordert wurde, ist optional. Idealerweise ist der Zwischenzeugnis Grund betriebsbedingt.
  6. Schlussformel
    Der Dank für die bisherige Zusammenarbeit und Wunsch zur Fortsetzung sollte nicht fehlen.
  7. Ort, Datum + Unterschrift
    Offizieller wirkt das Dokument mit einem Firmenstempel und ausgedruckt auf Firmenpapier.

Zwischenzeugnis Muster: Kostenlose Vorlage

Zwischenzeugnis Muster BeispielDas obige Zwischenzeugnis Muster entspricht einem „sehr guten“ qualifizierten Zeugnis. Die Zwischenzeugnis Vorlage in Word samt Mustertext können Sie sich hier kostenlos herunterladen, editieren und jederzeit wiederverwenden:

Zwischenzeugnis Vorlage (Word)

Einfaches oder qualifiziertes Zwischenzeugnis?

Falls Sie ein Zwischenzeugnis anfordern, sollten Sie immer um ein „qualifiziertes Zwischenzeugnis“ bitten. Es ist viel aussagekräftiger. Allerdings müssen Sie das qualifizierte Zwischenzeugnis explizit beantragen. Andernfalls erhalten Sie oft nur ein „einfaches Zeugnis“. Der Unterschied:

  • Das einfache Zeugnis enthält ausschließlich sachliche und neutrale Fakten: Was hat der Arbeitnehmer von wann bis wann gemacht? Welche Aufgaben übernahm er oder sie noch? Mehr nicht.
  • Das qualifizierte Zwischenzeugnis enthält neben der Aufzählung von Tätigkeiten und Verantwortungsbereichen des Arbeitnehmers eine Bewertung der Leistungen und des Sozialverhaltens. Dazu zählen wichtige Soft Skills oder Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden.

Vorsicht Falle: Zwischenzeugnis immer im Präsens!

Das Zwischenzeugnis wird IMMER in der Gegenwartsform formuliert. Schließlich endet das Beschäftigungsverhältnis (noch) nicht. Sollte der Arbeitgeber die Vergangenheitsform wählen, kann der sprachliche Fauxpas Zweifel an den wahren Gründen Ihrer Kündigung sähen. Das kann die Bewerbungschancen deutlich senken.

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Zwischenzeugnis Formulierungen: Geheimcodes übersetzt

Achten Sie genau auf die Zwischenzeugnis Formulierungen. Insbesondere auf das, was zwischen den Zeilen steht. Hier können sich – beabsichtigt oder versehentlich – negative Botschaften und Geheimcodes verstecken, sogenannte „Kassiber“. Weil diese für Laien schwer zu entschlüsseln sind, finden Sie hier einige Beispiele, die Sie unbedingt prüfen sollten.

Schlechte Note im ersten Satz

Bereits in den Stammdaten und Personalien kann eine Gemeinheit stecken. Sie sollten hellhörig werden, wenn der Aussteller beispielsweise schreibt: „Herr … ist seit dem TT.MM.JJJJ in unserem Unternehmen angestellt.“ Oder: „Frau … ist seit dem TT.MM.JJJJ in unserem Unternehmen beschäftigt.“ – Beide Formulierungen („beschäftigt“, „angestellt“) klingen neutral, sind aber passive Formulierungen. Das ist ein Geheimcode für Mitarbeiter, die kein großes Engagement gezeigt haben.

Besser sind aktive Formulierungen, wie: „Frau … arbeitet seit dem TT.MM.JJJJ für unser Unternehmen.“ Oder: „Herr … ist seit dem TT.MM.JJJJ für unser Unternehmen im Bereich Marketing als Social Media Manager aktiv.“ Das zweite Beispiel ist noch aussagekräftiger, weil der Bereich genannt wird.

Leistungsbewertung und Verhaltensbeurteilung

Wesentlicher Teil im qualifizierten Zwischenzeugnis ist die Leistungsbewertung und Verhaltensbeurteilung. Auch hier verbergen sich Geheimcodes. Um dieses Zeugnisdeutsch zu übersetzen, gibt es einen guten Trick: Achten Sie auf Doppeldeutigkeiten – und nehmen Sie die negative Auslegung. Beispiele:

Arbeitsbefähigung (Fachwissen)

  • Sehr gut
    „Er/Sie meistert neue Arbeitsaufgaben stets souverän und kann dank seines/ihres profunden Fachwissens jederzeit voll überzeugen.“
  • Gut
    „Neue Arbeitssituationen bewältigt er/sie stets zur vollen Zufriedenheit.“
  • Befriedigend
    „Seine/Ihre Arbeitsaufgaben bewältigt er/sie erfolgreich und kann durch Fachkenntnisse überzeugen.“
  • Ausreichend
    „Dank seiner/ihrer Fachkenntnisse kann sich Herr/Frau _____ neuen Arbeitssituationen jederzeit anpassen.“
  • Mangelhaft
    „Neuen Arbeitssituationen kann er/sie sich größtenteils problemlos anpassen und entspricht damit den Anforderungen der Position.“

Arbeitsbereitschaft (Engagement)

  • Sehr gut
    „Er/Sie ist in höchstem Maße motiviert und zeigt stets außerordentliche Eigeninitiative und großes Engagement.“
  • Gut
    „Er/Sie beweist stets großes Interesse und Eigeninitiative sowie eine vorbildliche Arbeitseinstellung und Motivation.“
  • Befriedigend
    „Er/Sie zeigt große Initiative und viel Engagement bei der Arbeit.“
  • Ausreichend
    „Er/Sie erledigt seine/ihre Aufgaben motiviert, gewissenhaft und mit viel Fleiß.“
  • Mangelhaft
    „Er/Sie ist ingesamt motiviert bei der Arbeit und zeigt nach Anleitung Fleiß.“

Arbeitsweise

  • Sehr gut
    „Die Aufgaben werden von ihm/ihr selbständig und stets mit äußerster Sorgfalt und größter Genauigkeit umgesetzt.“
  • Gut
    „Herr/Frau _____ überzeugt durch hohe Sorgfalt, Selbstständigkeit und große Präzision.“
  • Befriedigend
    „Er/Sie erledigt seine Aufgaben stets sorgfältig und zufriedenstellend.“
  • Ausreichend
    „Er/Sie erledigt seine Arbeit mit Sorgfalt und Genauigkeit.“
  • Mangelhaft
    „Bei der Erledigung seiner/ihrer angetragenen Aufgaben ist Herr/Frau _____ stets um Sorgfalt und Genauigkeit bemüht.“

Arbeitserfolg

  • Sehr gut
    „Er/Sie zeigt jederzeit herausragende Arbeitsergebnisse und überzeugt durch bemerkenswerte Motivation sowie überdurchschnittliche Zielerreichung.“
  • Gut
    „Herr/Frau _____ erzielt bei der Arbeit stets beste Ergebnisse und gute Qualität.“
  • Befriedigend
    „Seine/Ihre Arbeitsergebnisse und Qualität liegen über dem Durchschnitt.“
  • Ausreichend
    „Die erreichten Ergebnisse und die Arbeitsqualität entsprechen den kommunizierten Erwartungen.“
  • Mangelhaft
    „Im Großen und Ganzen entsprechen die Arbeitsergebnisse unseren Erwartungen und sind angemessen.“

Sozialverhalten

  • Sehr gut
    „Im Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und Kunden ist Herr/Frau _____ jederzeit vorbildlich, freundlich und überzeugt durch sein professionelles Auftreten.“
  • Gut
    „Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden ist stets vorbildlich und freundlich.“
  • Befriedigend
    „Der Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und Kunden ist professionell.“
  • Ausreichend
    „Sein/Ihr Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten ist stets freundlich.“
  • Mangelhaft
    „Sein/Ihr Verhalten gegenüber Kollegen ist insgesamt angemessen.“

Zwischenzeugnis Schlussformel: Enorm wichtig!

Vor allem die Schlussformel kann negative Andeutungen enthalten. Eine vollständige Zwischenzeugnis Schlussformel enthält drei Elemente:

  1. Ausstellungsgrund
  2. Dank für die Zusammenarbeit
  3. Wunsch zur Fortsetzung in Zukunft

Die Abschlussformel ist ein freiwilliger Zusatz im Zwischenzeugnis. Einen Anspruch darauf haben Arbeitnehmer nicht. Das macht die Abschlussformel und Zukunftswünsche umso wertvoller. Fehlen Teile davon oder die komplette Schlussformel, gilt das als negatives Zeichen.

Beispiel Ausstellungsgrund: „Das Zwischenzeugnis wird auf Wunsch von Herrn Mustermann ausgestellt.“ – Klingt harmlos, sagt aber subtil, dass der Mitarbeiter das Zeugnis nur bekommt, weil er das Unternehmen verlassen muss. Etwa wegen schlechter Leistungen. Positiver wäre: „Das Zwischenzeugnis wird aufgrund eines Wechsels in der Geschäftsführung erstellt.“ – Positiv ist das, weil der Zwischenzeugnis Grund nichts mit dem Mitarbeiter zu tun hat.

Zwischenzeugnis Formulierungen: 200 Codes entschlüsselt

Leistungsbeurteilung, Verhaltensbeurteilung, Schlussformel: Finden Sie heraus, wie gut Ihr Zwischenzeugnis wirklich ist! Die wichtigsten negativen Botschaften und Geheimcodes im Zeugnis übersetzt und entschlüsselt. Jetzt kostenlose Code Tabelle herunterladen:

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Habe ich Anspruch auf ein Zwischenzeugnis?

Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis. Es sei denn der Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag regeln etwas anderes. Der gesetzliche Anspruch besteht im Arbeitsrecht nur auf ein Arbeitszeugnis am Ende des Beschäftigungsverhältnisses (daher auch „Endzeugnis“ oder „Abschlusszeugnis“).

Der Arbeitgeber kann sich sogar weigern, ein Zwischenzeugnis auszustellen. Die meisten Chefs rechnen bei der Bitte mit einem Jobwechsel und baldigen Kündigung. Denn das Zwischenzeugnis wird zu 80 Prozent für eine Bewerbung genutzt. Die Frage danach kann das Verhältnis zum Arbeitgeber negativ beeinflussen.

Häufige Fragen zum Zwischenzeugnis

Wann kann ich ein Zwischenzeugnis verlangen?

Arbeitnehmer sollten alle zwei Jahre um ein Zwischenzeugnis bitten, das macht es weniger verdächtig. Ein Zwischenzeugnis anfordern sollten Sie immer vor einer Elternzeit oder einem Sabbatical. Grundsätzlich sinnvoll ist es, wenn sich das Arbeitsverhältnis wesentlich verändert: bei neuen Aufgaben, neuer Abteilung, neuen Vorgesetzten oder nach einem Karrieresprung und einer Beförderung. Auch wenn Personalabbau oder Insolvenz des Arbeitgebers drohen, sollten Arbeitnehmer das Zwischenzeugnis beantragen, weil es die Jobsuche erleichtert und Jobchancen steigert.

Wie lange muss ich auf das Zwischenzeugnis warten?

Nachdem das Zwischenzeugnis beantragt wurde, zögern Arbeitgeber dessen Erstellen gerne hinaus. Nicht zuletzt, um zu sehen, wie dringend es dem Arbeitnehmer ist (was ein Indiz für eine externe Bewerbung wäre). Es ist daher üblich, beim Zwischenzeugnis Antrag eine Frist von zwei bis drei Wochen zu setzen. Lässt sich der Arbeitgeber dann länger Zeit, muss er einen triftigen Grund nennen.

Wie alt sollte ein Zwischenzeugnis sein?

Wer das Zwischenzeugnis in der Bewerbung nutzt, sollte ein möglichst aktuelles Zeugnis anfügen. Idealerweise ist es nicht älter als drei Monate. Die weiteren Arbeitszeugnisse in der Bewerbung dürfen älter sein. Aber möglichst nicht älter als 10 Jahre. Das reduziert deren Aussagekraft.

Auf welche Formulierungen muss ich achten?

Das Zwischenzeugnis wird immer im Präsens formuliert, weil das Beschäftigungsverhältnis noch besteht. Zur Motivation werden die Leistungen darin oft besser bewertet als im Abschlusszeugnis.

Was muss ein Zwischenzeugnis enthalten?

Ein formal korrektes Zwischenzeugnis sollte immer folgende Elemente enthalten:
1. Briefkopf Arbeitgeber
2. Überschrift „Zwischenzeugnis“
3. Stammdaten Arbeitnehmer
4. Unternehmensbeschreibung
5. Beschäftigungsart, Berufsbezeichnung
6. Tätigkeitsbeschreibung
7. Leistungsbewertung
8. Bewertung des Sozialverhaltens
9. Schlussformel
10. Ort, Datum + Unterschrift (Vorgesetzter)

Auch sollte das Zeugnis nicht mehr als 1-2 DIN A4 Seiten umfassen. Zu viele Seiten wecken den Verdacht, es sei selbst geschrieben.

Welche formalen Anforderungen hat das Zeugnis?

Arbeitnehmer haben das Recht auf ein individuelles Zwischenzeugnis. Können Sie nachweisen, dass das Zeugnis von einer Vorlage stammt, können Sie ein neues verlangen. Das Zwischenzeugnis muss zudem schriftlich ausgestellt werden, eine elektronische Ausstellung per E-Mail ist nicht zulässig. Zudem muss der Ausdruck fehler- und knitterfrei sowie sauber und auf Firmenpapier erfolgen. Unterschrieben wird es immer vom Vorgesetzten oder dem Personalchef.

Woran erkenne ich ein schlechtes Zwischenzeugnis?

Manche Formulierungen im Zwischenzeugnis klingen besser, als sie gemeint sind. Anzeichen für ein schlechtes Zeugnis sind zweideutige Ausdrücke, Betonung von Selbstverständlichkeiten oder das Weglassen von wichtigen Beurteilungen oder Tätigkeiten. Die Zeugnissprache enthält überdies codierte Schulnoten: Note 1: jederzeit, immer, stets zur vollsten Zufriedenheit. Note 2: zur vollsten/stets zur vollen Zufriedenheit. Note 3: zur vollen Zufriedenheit. Note 4: zur Zufriedenheit. Note 5: im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit. Note 6: Er/Sie hat sich bemüht. Ein Zwischenzeugnis sollte mindestens „befriedigend“ sein. Schlechtere Zeugnisse muss der Arbeitgeber begründen.

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Zwischenzeugnis beantragen: Muster

Wenn Sie ein Zwischenzeugnis anfordern wollen, ist das reine Formsache. Das qualifizierte Zwischenzeugnis beantragen Sie immer schriftlich – beim direkten Vorgesetzten. Alternativ können Sie die Bitte an die Personalabteilung richten. Für den Zwischenzeugnis Antrag reichen wenige Zeilen.

Zwischenzeugnis anfordern: Beispiel

Bitte um ein Zwischenzeugnis

Sehr geehrte Damen und Herren,

weil ich mich über meinen aktuellen Leistungsstand informieren möchte, bitte ich um die kurzfristige Ausstellung eines qualifizierten Zwischenzeugnisses innerhalb der kommenden zwei Wochen.

Mit freundlichen Grüßen
UNTERSCHRIFT



Wer mag, kann dem Antrag eine Begründung hinzufügen. Beispiel: „…weil ich bald in Elternzeit gehe, bitte ich um die Ausstellung eines Zwischenzeugnisses.“ Das entschärft die Anfrage. Erforderlich ist die Begründung aber nicht.

Zwischenzeugnis Frist: Wann bekomme ich es?

Eine feste Frist, bis wann der Arbeitgeber das Zwischenzeugnis ausstellen muss, gibt es nicht. Liegen allerdings triftige Gründe vor (Abteilungswechsel, baldige Elternzeit, Sabbatical), muss der Arbeitgeber der Bitte des Angestellten „unverzüglich“ nachkommen.

Zwischenzeugnis Gründe: Wann beantragen?

Durchschnittlich alle zwei Jahre können Arbeitnehmer ein Zwischenzeugnis beantragen – etwa zur Leistungsbeurteilung. Je öfter und regelmäßiger Sie das Zwischenzeugnis anfordern, desto unverdächtiger wird es. Plausible Gründe für die Interimsbeurteilung sind:

  • Betriebszugehörigkeit
    Wer einige Jahre im Unternehmen beschäftigt ist und in diesem Zeitraum noch nie eine schriftliche Bewertung der Arbeitsleistung erhalten hat, kann ein Zwischenzeugnis beantragen.
  • Vorgesetztenwechsel
    Sie bekommen einen neuen Vorgesetzten? In dem Fall ist es ebenfalls üblich, Arbeitnehmern eine „Leistungsbeurteilung“ auszustellen.
  • Versetzung
    Bei einer Versetzung wechseln Vorgesetzter und Arbeitsplatz. Die bisherigen Leistungen sollten daher schriftlich dokumentiert werden.
  • Beförderung
    Ob Sie intern auf eine neue Position oder in eine andere Abteilung wechseln: Interne Jobwechsel sowie eine Beförderung rechtfertigen den Wunsch für ein Zwischenzeugnis.
  • Weiterbildung
    Wer sich weiterbildet, zum Beispiel einen MBA oder andere Weiterbildungen absolviert, qualifiziert sich für höhere Stellen. Der Grund ist vergleichbar mit einer Beförderung.
  • Arbeitsvertrag
    Einen rechtswirksamen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis haben Sie bei Beendigung eines befristeten Arbeitsvertrags. Schließlich müssen Sie bisherige Tätigkeiten nachweisen.
  • Betriebsübernahme
    Bei Betriebsübernahmen oder Fusionen kommt es regelmäßig zu Entlassungen. Hierfür vorzusorgen, kann Ihnen niemand verübeln. Auch gehen mit Übernahmen Änderungen in der Organisationsstruktur einher. Ein guter Zwischenzeugnis Grund.
  • Stellenabbau
    Das Unternehmen plant – betriebsbedingt – Stellen abzubauen. Zahlreiche Arbeitnehmer sollen ein Abfindungsangebot und einen Aufhebungsvertrag bekommen. Auch hier entspricht die Bitte für ein Zwischenzeugnis purem Selbstschutz.
  • Insolvenz
    Droht dem Unternehmen ein Insolvenzverfahren, kann die Geschäftsleitung noch vorher Zwischenzeugnisse unterzeichnen. Diese Gelegenheit sollten Arbeitnehmer nutzen. Im laufenden Insolvenzverfahren muss der Insolvenzverwalter die Zeugnisse unterschreiben. Dass der die Leistungen der Mitarbeiter angemessen beurteilen kann, ist unwahrscheinlich.
  • Elternzeit
    Eine längere Auszeit wie eine Elternzeit markiert eine Zäsur im Berufsleben. Es ist also legitim zu fragen, wo man aktuell und leistungsbezogen steht.
  • Sabbatical
    Wer ein Sabbatical macht, nimmt ebenfalls eine längere Auszeit. Nicht selten zur beruflichen Neuorientierung. Auch hierfür sollten Sie ein Zwischenzeugnis beantragen.

Wie wichtig ist ein Zwischenzeugnis?

Die Zwischenzeugnis Bedeutung wird oft unterschätzt. Es hilft vor allem bei einer diskreten Bewerbung. Tatsächlich hat das Dokument aber noch drei weitere Funktionen und Vorteile:

  • Bindungswirkung
    Das Zwischenzeugnis besitzt „Bindungswirkung“. Heißt: Wechselt der Arbeitnehmer danach den Job oder die Abteilung, kann der Arbeitgeber im Abschlusszeugnis oder der neue Vorgesetzte nicht groß von dessen Beurteilung abweichen. Andernfalls können Angestellte ein schlechtes Zeugnis anfechten.
  • Leistungsbewertung
    Ein gutes Zwischenzeugnis ist „gutes“ Argument in der Gehaltsverhandlung. Ebenso kann es Hinweise auf persönliche Entwicklungen geben. Selbst ein mittelmäßiges Zeugnis ist ein guter Anlass für ein Feedbackgespräch mit dem Chef oder eine interne Veränderung.
  • Selbstschutz
    Ebenso gibt es strategische Zwischenzeugnis Gründe. Zum Beispiel wenn Arbeitnehmer ein schwieriges Projekt mit hohen Risiken übernehmen. Falls sie das verpatzen und scheitern, könnten sie in der Gunst des Vorgesetzten sinken. Gut, wenn das Zwischenzeugnis daran erinnert, dass die bisherigen Leistungen tadellos waren.

Vorteile des Zwischenzeugnisses

Der größte Vorteil der Zwischenbeurteilung ist: Häufig werden die Leistungen und das Sozialverhalten von Arbeitnehmern im Zwischenzeugnis besser bewertet als im Arbeitszeugnis. Die Gründe dafür:

  • Ansporn
    Der Arbeitgeber möchte den Mitarbeiter motivieren. Die Zusammenarbeit soll schließlich fortgesetzt werden. Ein positives Feedback hilft dabei.
  • Ausgleich
    Der Arbeitgeber hat ein schlechtes Gewissen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen durch positive Zeugnisse abgemildert werden. Man will dem Ex-Mitarbeiter helfen, schnell wieder in Lohn und Brot zu kommen.
  • Abschied
    Der Arbeitgeber möchte Sie loswerden und sich lange, teure Arbeitsrechtsprozesse ersparen. Die gute Beurteilung soll den Kollegen praktisch hinauskomplimentieren.

Zwischenzeugnis Alternativen

Selbst wer triftige Gründe beim Anfordern des Zwischenzeugnisses nennt und seine Vorgesetzten beschwichtigt: Ein Rest Skepsis bleibt immer. Und wer es übertreibt, macht sich sogar noch verdächtiger. Deshalb kann es manchmal sinnvoller sein, kein Zwischenzeugnis für die Bewerbung zu beantragen und stattdessen Zeugnis Alternativen zu nutzen. Diese sind aber nicht bei allen Personalern anerkannt. Einen vollständigen Ersatz bieten sie daher nicht.

  1. Arbeits- und Tätigkeitsbeschreibung

    Um sich positiv von der Masse der Bewerber abzuheben, können Sie sich eine ausführliche Arbeits- und Tätigkeitsbeschreibung erstellen. Die Tätigkeitsbeschreibung ist oft aussagekräftiger. Sie geben darin Einblick in Ihre Aufgabenbereiche und schärfen Ihr Profil. Eine überzeugende Tätigkeitsbeschreibung sollte den Fokus auf betreute Projekte legen. So kann der zukünftige Arbeitgeber sehen, welche Erfolge Sie realisiert haben und wie Sie bei Ihrer Arbeit vorgehen.

  2. Mitarbeiterbeurteilung

    Insbesondere Führungskräfte können die Beurteilungen ihrer Mitarbeiter als Zeugnisersatz mit ins Vorstellungsgespräch nehmen. Personaler bekommen so einen Nachweis, dass das Führungsverhalten tadellos oder überdurchschnittlich war. Bewertungen aus Assessment Centern oder 360-Grad-Feedbacks können eine ähnliche Wirkung erzielen.

  3. Referenzen und Empfehlungsschreiben

    Referenzen im Lebenslauf sind im Ausland längst Standard. Große Aussagekraft haben sie von jemandem, der Sie wirklich beurteilen kann: ein langjähriger Kunde oder Mentor sowie ranghoher Kollege. Überlegen Sie sich gründlich, wessen Empfehlung einen zukünftigen Arbeitgeber beeindrucken kann. In jedem Fall sollte das Empfehlungsschreiben eine Kontaktmöglichkeit enthalten, damit sich der Personaler von der Referenzliste überzeugen kann.

  4. Testimonials

    Der Begriff „Testimonial“ bezeichnet die Zustimmung oder das Lob für ein Produkt. Sie können solche Testimonials als Zwischenzeugnis Alternative nutzen, um Qualifikationen bestätigen zu lassen. Testimonials eignen sich für Selbstständige und Freiberufler, die wieder zurück in die Festanstellung wechseln. Selbstständige können kein Zeugnis beantragen. Wohl aber Aussagen von zufriedenen Kunden und Weggefährten einholen.

Weitere Informationen zum Zeugnis und Zeugnisarten

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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