Zwischenzeugnis beantragen: Vorlage, Anspruch – wichtige Regeln

Das Zwischenzeugnis ist ein Arbeitszeugnis, das während des Beschäftigungsverhältnisses beantragt und ausgestellt wird. Arbeitnehmer können das Zwischenzeugnis grundsätzlich zu jedem Zeitpunkt von ihrem Arbeitgeber verlangen. Sie sollten dazu aber einen „triftigen“ Grund angeben sowie ein unverdächtiges Interesse nennen können. Sonst reagieren Vorgesetzte alert auf den Antrag für ein qualifiziertes Zwischenzeugnis: Er gilt als Warnsignal für eine drohende Kündigung und einen Jobwechsel. Sie erfahren hier, wie Sie den optimalen Zeitpunkt finden und zugleich ein „sehr gutes“ Zeugnis bekommen (inklusive kostenloser Vorlage); wer Anspruch auf ein Zwischenzeugnis hat und worauf Sie beim Aufbau und Inhalt achten müssen…

Zwischenzeugnis beantragen: Vorlage, Anspruch - wichtige Regeln

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Habe ich einen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis?

Leider nein. Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis, es sei denn der Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag regeln etwas anderes. Der gesetzliche Anspruch besteht im Arbeitsrecht nur auf ein Arbeitszeugnis am Ende des Beschäftigungsverhältnisses (daher auch „Endzeugnis“ oder „Abschlusszeugnis“).

Der Arbeitgeber kann sich sogar weigern, ein Zwischenzeugnis auszustellen. Die meisten Chefs rechnen bei einer Bitte mit einer baldigen Kündigung. Schließlich wird das Zwischenzeugnis zu 80 Prozent für eine aktuelle Bewerbung genutzt. Die Frage danach kann also das Verhältnis zum Arbeitgeber negativ beeinflussen.

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Einfaches oder qualifiziertes Zwischenzeugnis?

Falls Sie ein Zwischenzeugnis beantragen, sollten Sie immer um ein qualifiziertes Zwischenzeugnis bitten. Es ist aussagekräftiger und erlaubt dem Arbeitgeber, bei einer späteren Beurteilung nur noch begründet davon abzuweichen. Allerdings müssen Sie das qualifizierte Zwischenzeugnis explizit beantragen, andernfalls erhalten Sie nur ein „einfaches“ Zeugnis. Der Unterschied ist:

  • Das einfache Zwischenzeugnis enthält ausschließlich sachliche und objektiv nachprüfbare Fakten: Was hat der Arbeitnehmer von wann bis wann gemacht? Wurde die Aufgabe erfüllt? Welche Aufgaben übernahm er oder sie noch? Mehr nicht.
  • Das qualifizierte Zwischenzeugnis enthält neben der Aufzählung von Tätigkeiten und Verantwortungsbereichen auch eine Bewertung und Beurteilung der Leistungen und des Sozialverhaltens des Arbeitnehmers. Dazu zählen neben wichtigen Soft Skills auch das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden.

Achtung Falle: Zwischenzeugnis immer im Präsens

Das Zwischenzeugnis wird IMMER in der Gegenwartsform formuliert. Schließlich endet das Beschäftigungsverhältnis (noch) nicht. Sollte der Arbeitgeber die Vergangenheitsform wählen, kann der sprachliche Fauxpas Zweifel an den wahren Gründen Ihrer Kündigung sähen. Das kann Ihre Bewerbungschancen deutlich senken.


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Zwischenzeugnis Vorlage: Inhalt & Aufbau

Ein vollständiges, qualifiziertes Zwischenzeugnis unterscheidet sich bei Aufbau und Inhalt kaum vom klassischen Arbeitszeugnis und Endzeugnis. Wesentlich darin sind acht Bausteine und zu erfüllende Vorschriften, auf die Sie achten sollten (siehe Grafik):
Zwischenzeugnis Vorlage Beispiel Muster Tipps

Was gehört in ein qualifiziertes Zwischenzeugnis?

  • 1. Überschrift
    (Zum Beispiel einfach: „Zwischenzeugnis“)
  • 2. Stammdaten & Personalien
    (Angaben zum Arbeitnehmer – Name, Geburtsdatum, Wohnort, Beginn des Beschäftigungsverhältnisses, kein Ende, da fortlaufende Anstellung)
  • 3. Stellenbezeichnung & Tätigkeitsbeschreibung
    (Kurze Darstellung des Arbeitgebers, der Stelle und Funktion sowie der Aufgaben im Unternehmen)
  • 4. Leistungsbeurteilung & Sozialverhalten
    (Arbeitsmotivation, Teamfähigkeit, Einsatzbereitschaft, Verantwortungen, Erfolge, Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen)
  • 5. Ausstellungsgrund
    (Begründung ist optional)
  • 6. Schlussformel
    (Dank für die bisherige Zusammenarbeit und Wunsch zur Fortsetzung)
  • 7. Unterschrift & Datum
    (ggfls. Firmenstempel und Firmenpapier)

Zwischenzeugnis Vorlage: Kostenloser Download

Zwischenzeugnis Muster BeispielIm Folgenden finden Sie die Vorlage für ein „sehr gutes“ qualifiziertes Zwischenzeugnis. Die Vorlage samt Mustertext können Sie sich hier kostenlos herunterladen, editieren, anpassen und jederzeit wiederverwenden:

Zwischenzeugnis Vorlage (Word-Datei)

Zwischenzeugnis Vorlage (PDF)


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Wann kann ich ein Zwischenzeugnis verlangen?

Durchschnittlich alle drei Jahre können Sie im Job um ein Zwischenzeugnis bitten – als schriftliche Form der bisherigen Leistungsbeurteilung. Scheuen Sie sich nicht, zu fragen: Je offener Sie das kommunizieren und je regelmäßiger Sie das praktizieren, desto unverdächtiger wird es.

Wann Sie ein qualifiziertes Zwischenzeugnis beantragen, hängt entscheidend von den „triftigen“ Gründen ab, die Sie nennen. Nicht selten leiten Arbeitsrichter daraus einen wirksamen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis ab. Zu den (unverdächtigen) Gründen für eine Interimsbeurteilung zählen:

  • Zwischenzeugnis nach langer Betriebszugehörigkeit
    Wer schon einige Jahre im Unternehmen beschäftigt ist und in diesem Zeitraum noch nie eine schriftliche Bewertung der Arbeitsleistung erhalten hat, kann begründet ein Zwischenzeugnis beantragen.
  • Zwischenzeugnis bei Vorgesetztenwechsel
    Sie bekommen einen neuen Vorgesetzten? In dem Fall ist es ebenfalls üblich, Arbeitnehmern eine „Leistungsbeurteilung“ auszustellen. Falls dies nicht automatisch geschieht, sollten Sie danach fragen.
  • Zwischenzeugnis bei Versetzung
    Auch bei einer Versetzung wechselt der Vorgesetzte und Arbeitsplatz. Die bisherigen Leistungen sollten daher schriftlich und abschließend dokumentiert werden.
  • Zwischenzeugnis bei internem Jobwechsel
    Ob Sie intern auf eine neue Position oder in eine andere Abteilung wechseln: Interne Jobwechsel sowie eine Beförderung rechtfertigen den Wunsch für ein Zwischenzeugnis.
  • Zwischenzeugnis nach Weiterbildung
    Wer sich weiterbildet, zum Beispiel einen MBA oder eine andere Weiterbildung absolviert, qualifiziert sich damit für höher dotierte Stellen. Der Grund ist also vergleichbar mit einer Beförderung oder Versetzung.
  • Zwischenzeugnis nach befristetem Arbeitsvertrag
    Einen rechtswirksamen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis haben Sie bei Beendigung eines befristeten Arbeitsvertrags. Schließlich müssen Sie potenziellen Arbeitgebern bisherige Tätigkeiten nachweisen können.
  • Zwischenzeugnis bei Betriebsübernahme
    Bei Betriebsübernahmen oder Fusionen kommt es regelmäßig zu Entlassungen aufgrund doppelter Arbeitsplätze. Hier vorzusorgen, kann Ihnen niemand verübeln. Auch gehen mit Übernahmen oft Änderungen in der Organisationsstruktur einher. All das begründet ein Zwischenzeugnis.
  • Zwischenzeugnis bei geplantem Stellenabbau
    Das Unternehmen plant – betriebsbedingt – Stellen abzubauen. Zahlreiche Arbeitnehmer sollen ein Abfindungsangebot und einen Aufhebungsvertrag bekommen. Auch hier entspricht die Bitte für ein Zwischenzeugnis purem Selbstschutz.
  • Zwischenzeugnis vor Elternzeit
    Eine längere Auszeit wie eine Elternzeit markiert eine Zäsur im Berufsleben. Es ist also legitim zu fragen, wo man aktuell und leistungsbezogen steht.
  • Zwischenzeugnis vor Sabbatical
    Wer ein Sabbatical macht nimmt sich ebenfalls eine längere Auszeit – nicht selten zur beruflichen Neuorientierung. Auch hierfür sollten Sie zuvor unbedingt ein Zwischenzeugnis beantragen.
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Wie kann ich ein Zwischenzeugnis verlangen?

Sofern ein berechtigtes Interesse besteht, ist der Antrag auf ein Zwischenzeugnis reine Formsache. Das qualifizierte Zwischenzeugnis beantragen Sie bitte immer schriftlich – bei dem direkten Vorgesetzten. Alternativ können Sie die Bitte an die Personalabteilung richten. Für das Schreiben reichen ein paar Zeilen.

Zwischenzeugnis anfordern – Musterbrief


Betreff: Bitte um ein Zwischenzeugnis

Sehr geehrte Damen und Herren,

weil ich mich über meinen aktuellen Leistungsstand informieren möchte, bitte ich um die kurzfristige Ausstellung eines qualifizierten Zwischenzeugnisses.

Mit freundlichen Grüßen
Unterschrift Lebenslauf Bewerbung Beispiel



Wer mag, kann dem Antrag noch eine Begründung hinzufügen. Beispiel: „…weil ich bald in Elternzeit gehe, bitte ich um die Ausstellung eines Zwischenzeugnisses.“ Das nimmt manchem Chef vielleicht die Zweifel. Zwingend ist die Angabe einer solchen Begründung aber nicht. Und vollkommen verhindern, dass der Chef einen Jobwechsel vermutet, lässt sich nie. Selbst wenn Sie triftige Gründe nennen, bleiben Vorgesetzte skeptisch. Ihre Loyalität zu versichern und den Chef zu beschwichtigen, ist zwar eine Option. Wer es damit aber übertreibt, macht sich erst recht verdächtig.

Gibt es eine Frist für das Zwischenzeugnis?

Eine feste Frist, bis wann der Arbeitgeber das Zwischenzeugnis ausstellen muss, gibt es nicht. Liegen allerdings triftige Gründe vor, muss der Arbeitgeber der Bitte des Angestellten unverzüglich nachkommen.

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Wie wichtig ist ein Zwischenzeugnis?

Die Bedeutung der Zwischenbeurteilung wird oft unterschätzt. Tatsächlich hat das Zwischenzeugnis einige wichtige Funktionen und Vorteile:

  • Bindungswirkung
    Das Zwischenzeugnis besitzt „Bindungswirkung“. Heißt: Wechseln Sie nach ein oder zwei Jahren den Job, kann der Chef in seiner abschließenden Bewertung im qualifizierten Arbeitszeugnis nicht groß vom Zwischenzeugnis abweichen. Dafür benötigt der Chef dann ebenfalls triftige Gründe. Das gilt übrigens auch bei einem Chefwechsel: Gibt es nach einem internen Wechsel Schwierigkeiten mit dem neuen Vorgesetzten, darf dessen Zeugnis nicht ohne guten Grund schlechter ausfallen.
  • Leistungsbewertung
    Das Zwischenzeugnis taugt ebenso als Argument in einer Gehaltsverhandlung (natürlich nur, wenn es mindestens „gut“ ausfällt). Ebenso kann es Hinweise liefern, ob und welche persönliche Entwicklungen anstehen. Auch ein mittelmäßiges Zeugnis kann somit ein Anlass für ein Feedbackgespräch mit dem Chef und interne Veränderungen sein.
  • Selbstschutz
    Überdies gibt es strategische Gründe für ein Zwischenzeugnis. Zum Beispiel wenn Sie ein schwieriges Projekt mit hohen Risiken übertragen bekommen. Falls Sie das verpatzen und scheitern, könnten Sie in der Gunst des Vorgesetzten sinken. Gut, wenn Sie ihn dann per Zwischenzeugnis daran erinnern können, dass Ihre bisherige Performance tadellos war.

Vorteile des Zwischenzeugnisses

Der größte Vorteil der Zwischenbeurteilung ist: Häufig werden die Leistungen und das Sozialverhalten von Arbeitnehmern im Zwischenzeugnis besser bewertet als im Abschlusszeugnis. Die Gründe dafür:

  • Der Arbeitgeber möchte den Mitarbeiter motivieren. Die Zusammenarbeit soll schließlich fortgesetzt werden. Ein positives Feedback hilft dabei.
  • Der Arbeitgeber hat ein schlechtes Gewissen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen durch positive Zeugnisse abgemildert werden. Man will dem Ex-Mitarbeiter helfen, schnell wieder in Lohn und Brot zu kommen.
  • Der Arbeitgeber möchte Sie loswerden und sich lange, teure Arbeitsrechtsprozesse ersparen. Die gute Beurteilung soll den Kollegen praktisch hinauskomplimentieren.
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Zwischenzeugnis Formulierungen: Vorsicht Geheimcodes

Achten Sie auch beim Zwischenzeugnis immer auf die einzelnen Formulierungen der Beurteilung. Hier können sich – beabsichtigt oder versehentlich – negative Botschaften und Geheimcodes verstecken. Weil diese für Ungeübte schwer zu entschlüsseln sind, finden Sie hier einige Beispiele, auf die Sie achten sollten:

Schlechte Note schon im ersten Satz

Bereits in den Stammdaten und Personalien kann eine kleine Gemeinheit stecken. Sie sollten hellhörig werden, wenn der Aussteller beispielsweise schreibt: „Herr Ben Beispiel … ist seit dem TT.MM.JJJJ in unserem Unternehmen angestellt.“ Oder: „Frau Susanne Muster … ist seit dem TT.MM.JJJJ bei unserem Unternehmen beschäftigt.“ – Beide Formulierungen („beschäftigt“, „angestellt“) klingen harmlos und neutral. Es sind aber passive Formulierungen! Sie sind oft ein Geheimcode dafür, dass der Mitarbeiter kein allzu großes Engagement gezeigt hat.

Besser sind daher aktive Formulierungen wie: „Frau Susanne Mustermann … ist seit dem TT.MM.JJJJ für unser Unternehmen tätig.“ Oder: „Herr Ben Beispiel … ist seit dem TT.MM.JJJJ für unser Unternehmen im Bereich Marketing als Social Media Manager aktiv.“ Das zweite Beispiel ist sogar noch aussagekräftiger, weil der Bereich genannt wird.

Leistungsbewertung und Verhaltensbeurteilung

Wesentlicher Teil im qualifizierten Zwischenzeugnis ist die Leistungsbewertung und Verhaltensbeurteilung. Auch hierin verbergen sich oft geheime Botschaften. Um diese Geheimcodes zu entschlüsseln gibt es einen guten Trick: Achten Sie auf Doppeldeutigkeiten – und nehmen Sie dann die negative Auslegung davon. Ein paar Beispiele (mit Übersetzung):

Leistungsbeurteilung

„Er war bei Kunden schnell beliebt.“
➠ Heißt: „Er machte zu viele und zu schnelle Zugeständnisse.“

„Er bemühte sich, den Anforderungen gerecht zu werden.“
➠ Heißt: „Der Mitarbeiter war eine Null.“

„Sie machte sich mit großem Elan an die ihr übertragenen Aufgaben.“
➠ Heißt: „Aber frag nicht, wie chaotisch das war!“

„Sie setzte sich im Rahmen ihrer Fähigkeiten ein.“
➠ Heißt: „Sie ist leider komplett unfähig.“

„Durch ihre Pünktlichkeit war sie ein gutes Beispiel.“
➠ Heißt: „Mehr als Pünktlichkeit war da aber leider nicht.“

„Sie verstand es, alle Aufgaben erfolgreich zu delegieren.“
➠ Heißt: „Sie war faul und wälzte die Arbeit gekonnt auf Kollegen ab.“

„Er zeigte für seine Arbeit Verständnis und Interesse.“
➠ Heißt: „Nur gearbeitet hat er nicht.“

„Sie erledigte alle Aufgaben pflichtbewusst und ordnungsgemäß.“
➠ Heißt: „Sie machte nur, was man ihr sagt und zeigte keinerlei Initiative.“

„Er verfügte über Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen.“
➠ Heißt: „Mangelhaftes Fachwissen glich er mit einer großen Klappe aus.“

„Er hat alle Aufgaben zu seinem und im Interesse der Firma gelöst.“
➠ Heißt: „Er beging Diebstahl und fiel durch schwere Vergehen auf.“

Verhaltensbeurteilung

„Er verfügt über Fachwissen und gesundes Selbstvertrauen.“
➠ Heißt: „Der Typ ist arroganter als eine Diva.“

„Sie zeigte ein gutes Einfühlungsvermögen in die Belange der Belegschaft.“
➠ Heißt: „Sie flirtete mehr als sie arbeitete.“

„Mit seinen Vorgesetzten kam er gut zurecht.“
➠ Heißt: „Er ist ein Mitläufer und passt sich überall an.“

„Seine Geselligkeit trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei.“
➠ Heißt: „Er trank gerne mal einen Schnaps während der Arbeit.“

„Er war tüchtig und in der Lage, seine Meinung zu vertreten.“
➠ Heißt: „Er kann keinerlei Kritik vertragen.“

„Sie zeigte eine erfrischende Art im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten.“
➠ Heißt: „Sie ist frech und hat keinerlei Manieren.“

„Sie war sehr tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen.“
➠ Heißt: „Sie war eine impertinente Wichtigtuerin.“

„Er war ein umgänglicher und kontaktbereiter Kollege.“
➠ Heißt: „Keiner konnte ihn leiden.“

Zwischenzeugnis Schlussformel: Enorm wichtig!

Auch die Schlussformel im qualifizierten Zwischenzeugnis kann negative Andeutungen enthalten. Beispiel für eine negative Formulierung: „Das Zwischenzeugnis wird auf Wunsch von Herrn Mustermann ausgestellt.“ – Klingt wieder harmlos, sagt aber subtil an, dass der Mitarbeiter das Zeugnis nur bekommt, weil er das Unternehmen verlassen will oder muss. Etwa wegen schlechter Leistungen. Deutlich positiver ist die Formulierung: „Das Zwischenzeugnis wird aufgrund eines Wechsels in der Geschäftsführung erstellt.“ – Positiv ist das, weil der Grund für die Ausstellung nichts mit dem Mitarbeiter selbst zu tun hat.

Ebenfalls wichtig ist der Dank (für „gute Zusammenarbeit“) in den Abschlussformeln. In einem Zeugnis mit der Note „sehr gut“ lautet dieser zum Beispiel so: „Wir danken Frau Muster ausdrücklich für die stets herausragenden Leistungen und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.“ Ein solcher Schlusssatz ist allerdings freiwillig. Einen Anspruch darauf haben Sie nicht. Das macht die Formulierung aber umso wertvoller und wichtiger. Ihr Fehlen wird deshalb regelmäßig als Negativzeichen interpretiert.

Achtung Umkehr der Beweislast

Arbeitsgerichte haben unlängst entschieden, dass ein Arbeitszeugnis mindestens „befriedigend“ sein muss (Note 3). Fällt es schlechter aus, liegt die Beweislast beim Arbeitgeber, dass Ihre Leistung allenfalls ausreichend bis mangelhaft war. Möchten Sie hingegen mindestens ein „gut“ oder „sehr gut“ attestiert haben, liegt die Beweislast beim Arbeitnehmer. Das heißt: Sie müssen durch Fakten belegen, dass Sie besser waren.



PDF Download IconArbeitszeugnis Formulierungen:
200 Codes entschlüsselt


➠ Leistungsbeurteilung
➠ Verhaltensbeurteilung
➠ Schlussformel

Die wichtigsten negativen Botschaften und Geheimcodes im Arbeitszeugnis – und was sie wirklich bedeuten. Hier kostenlos herunterladen:

Download Geheimcodes im Arbeitszeugnis


Zwischenzeugnis Alternativen

Die Kritik an Arbeitszeugnis und Zwischenzeugnis nimmt seit Jahren zu: Viele Arbeitnehmer erhielten nur Standard-Zeugnisse. Zudem würden die immer gleichen Floskeln verwendet und gleichen Soft Skills betont. Kurz: Es fehlt der relevante und aussagekräftige Inhalt. Aber gibt es zum Zwischenzeugnis Alternativen? Durchaus! Tatsächlich gibt es alternative Formen mit weniger gesetzlichen Auflagen und teils mehr Aussagekraft. Allerdings sind die Varianten nicht bei allen Personalern anerkannt. Einen vollständigen Ersatz bieten sie daher nicht, erwähnen wollen wir die Zwischenzeugnis Alternativen trotzdem:

  • Arbeits- und Tätigkeitsbeschreibung
    Um aus der Masse hervorzustechen, können Sie sich eine ausführliche Arbeits- und Tätigkeitsbeschreibung erstellen lassen. Im Vergleich zu den Standardaussagen im Zwischenzeugnis ist die Tätigkeitsbeschreibung oft aussagekräftiger. Sie geben damit Einblick in Ihre Aufgabenbereiche und schärfen Ihr Profil. Eine überzeugende Tätigkeitsbeschreibung sollte den Fokus auf betreute Projekten legen. So kann der zukünftige Arbeitgeber sehen, welche Leistungen Sie erbracht, welche Erfolge Sie realisiert haben und wie Sie bei Ihrer Arbeit vorgehen.
  • Mitarbeiterbeurteilung
    Insbesondere Führungskräfte können die Beurteilungen ihrer Mitarbeiter als Zeugnisersatz mit ins Vorstellungsgespräch nehmen. Personaler bekommen so einen Nachweis, dass das Führungsverhalten tadellos war oder überdurchschnittlich ausfiel. Bewertungen aus einem Assessment Centern oder 360-Grad-Feedbacks können eine ähnliche Wirkung erzielen.
  • Referenzen und Empfehlungsschreiben
    Referenzen im Lebenslauf sind im Ausland längst Standard. Besonders große Aussagekraft haben sie von jemandem, der Sie wirklich beurteilen kann. Das kann ein langjähriger Kunde sein oder ein Mentor sowie ranghoher Kollege. Überlegen Sie sich gründlich, wessen Empfehlung einen zukünftigen Arbeitgeber beeindrucken könnte. In jedem Fall sollte das Empfehlungsschreiben eine Kontaktmöglichkeit enthalten, damit sich der Personaler von der Referenz überzeugen kann.
  • Testimonials
    Der Begriff „Testimonial“ bezeichnet die Zustimmung oder das Lob für ein Produkt. Sie können solche Testimonials auch als Zwischenzeugnis-Alternative nutzen und so Ihre Qualifikationen bestätigen lassen. Testimonials eignen sich vor allem für Selbstständige und Freiberufler, die wieder zurück in die Festanstellung wechseln. Selbstständige können nirgendwo ein Zeugnis beantragen. Wohl aber Aussagen von zufriedenen Kunden und Weggefährten. Positive Zitate wirken wie eine Referenz – mehr noch, wenn sie von einem wichtigen Namen der Branche stammen.

Weitere Zeugnisarten

Falls Sie sich mit einem Zwischenzeugnis oder dessen Alternativen auf einen neuen Job bewerben, ist entscheidend, dass Sie mit dem Zeugnis alle wichtigen Anforderungen aus der Stellenanzeige belegen sowie eine positive Entwicklung der Leistungen innerhalb der bisherigen Arbeitszeugnisse belegen können. Je stärker Sie sich dabei verbessern konnten, desto größer Ihre Bewerbungschancen.

Überdies gibt es noch weitere Zeugnisarten:

Praktikumszeugnis
Ausbildungszeugnis
Arbeitszeugnis für Führungskräfte
Arbeitszeugnis für Fachkräfte
Englisches Arbeitszeugnis

Weitere Zeugnis-Artikel

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

19. Oktober 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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