Entlassungen: Diese Warnzeichen verraten den Stellenabbau

Kein Arbeitsplatz ist hundertprozentig sicher. Auch wenn sich viele Mitarbeiter dies wünschen. Die Festanstellung vermittelt zwar ein Gefühl der Sicherheit. Doch mit tatsächlicher Unkündbarkeit hat dies wenig zu tun. Kommen dann Entlassungen, sind viele Arbeitnehmer erst einmal überrascht und schockiert. Stellenabbau im ganz großen Stil: 8000 Mitarbeiter, 10.000, 18.000 Stellen – alle gestrichen. Aber waren die Entlassungen wirklich so unvorhergesehen? Es hat vielleicht den Anschein und fühlt sich für Betroffene so an. Oft aber gibt es schon lange Zeit davor veritable Warnzeichen, auf die Sie achten sollten, um eine mögliche Entlassung frühzeitig zu erkennen…

Entlassungen: Diese Warnzeichen verraten den Stellenabbau

Darum sollten Sie drohende Entlassungen frühzeitig erkennen

Ob ich sie kommen sehe oder nicht: Entlassung bleibt Entlassung. – Diese Einstellung, hören wir leider immer wieder. Dabei ist es alles andere als unwichtig, wann Sie von einer möglichen Entlassungswelle in Ihrem Unternehmen erfahren: Je eher Sie die Vermutung haben, dass Ihr Job in Gefahr sein könnte, desto mehr Zeit haben Sie, um auf den drohenden Stellenabbau zu reagieren.

Zum Beispiel so…

  • Sie können noch etwas daran ändern.

    Solange die Kündigung noch nicht ausgesprochen ist, haben Sie die Chance, diese womöglich abzuwenden und Ihren Job zu behalten. Vielleicht müssen Sie Ihre persönliche Leistung verbessern oder das Unternehmen braucht neue Ideen und neuen Schwung. Nutzen Sie die Zeit und kämpfen Sie um Ihren Job.

  • Sie können sich darauf vorbereiten.

    Eine Entlassung aus heiterem Himmel ist wie ein Schlag in die Magengrube. Es scheint, als würde einem der Boden unter den Füßen weggerissen. Wie es weitergeht? Ungewiss! Haben Sie aber Zeit, sich auf eine drohende Entlassung vorzubereiten, können Sie den ersten Schock bereits emotional verarbeiten, bevor das Arbeitsverhältnis endgültig endet.

  • Sie können sich rechtzeitig bewerben.

    Was kommt nach der Entlassung? Die Jobsuche nimmt in der Regel einige Zeit in Anspruch. Umso besser, wenn Sie frühzeitig damit beginnen können, sich auf neue Positionen bei anderen Unternehmen zu bewerben. Im Idealfall haben Sie schon eine Folgeanstellung in Aussicht und können ohne Lücke im Lebenslauf weitermachen.

Tatsächlich haben Sie – wenn Entlassungen im großen Stil drohen – immer zwei Optionen:

  1. Sie können prozyklisch agieren.

    Das heißt: Sie warten erst einmal ab. Hoffen auf das Beste und kämpfen für Ihren Job. Vielleicht geht die Kündigungswelle an Ihnen vorüber. Schließlich wird nicht gleich das ganze Unternehmen stillgelegt. Der Nachteil dieser Strategie: Geht es nicht gut, suchen Sie gleichzeitig mit 5000 bis 10.000 Kollegen einen neuen Job. Und da die meisten Fachkräfte sind und die Branche beziehungsweise alternativen Arbeitgeber in der Regel übersichtlich sind (erst recht in der eigenen Region), sinken damit automatisch die Chancen auf einen neuen Job (ohne sich beruflich und örtlich verändern zu müssen). Wenn Sie sich also zyklisch verhalten – sprich: mit der Masse schwimmen – gehen Sie de facto eine Wette ein: Fifty-Fifty, dass es gut geht und Sie sich nicht verändern müssen. Kann passieren. Muss aber nicht. Und dann sinken die Jobchancen dramatisch.

  2. Sie handeln antizyklisch.

    In diesem Fall gehen Sie vom Schlimmsten aus: einer baldigen Künding – etwa, weil Ihre ganze Abteilung höchstwahrscheinlich dem Rotstift zum Opfer fällt. Also handeln Sie, bevor es soweit ist – und sehen sich schon nach einem neuen Job um und bewerben sich diskret. Der Nachteil: Sie können sich auch irren und hätten den Job vielleicht behalten können. Der Vorteil aber: SIE sind derjenige, der seine berufliche Zukunft bestimmt – und suchen sich einen (besseren) Job, bevor es alle anderen auch tun. Das erhöht Ihre Chancen und versetzt Sie auch in die bessere Verhandlungsposition: Denn Sie bewerben sich aus (noch) „ungekündigter Anstellung“.

So oder so: Um von beiden Optionen profitieren zu können, müssen die Warnzeichen einer möglichen Entlassung erkennen. Viele machen lieber die Augen zu, um sich dem Problem nicht stellen zu müssen. Damit bringen sie sich aber nur noch mehr in Gefahr. So zu tun, als wäre alles in Ordnung, führt nur dazu, dass sie sich selbst Chancen und Zeit nehmen, um aktiv zu werden.

Achten Sie daher auf die folgenden Signale!

6 Warnzeichen, dass Entlassungen drohen

Kaum ein Chef ist so offen und direkt, dass er anstehende Entlassungen frei heraus anspricht. Für Mitarbeiter würde dies zwar die Gewissheit bedeuten, dass der sicher geglaubte Job vielleicht bald der Vergangenheit angehört. Doch damit riskieren Vorgesetzte Panik im Team, Fluchtwellen oder gar vorzeitigen Stillstand. Also schweigen sie.

Doch auch ohne konkrete Ansprache des Chefs gibt es veritable Warnzeichen, bei denen Sie aufmerksam werden sollten. Sie zeigen schon frühzeitig an, dass Entlassungen im Raum stehen können.

Bleiben Sie aber bitte dennoch vorsichtig mit voreiligen Reaktionen. Nicht immer bedeuten Warnzeichen zwangsläufig, dass der Worst Case auch wirklich eintritt. Entscheidend ist, dass Sie die Lage objektiv analysieren, um rechtzeitig reagieren zu können…

  1. Das Unternehmen befindet sich in einer Krise

    Die Auftragslage wird immer schlechter, große und wichtige Kunden springen ab, statt Gewinnen wird seit geraumer Zeit immer mehr Minus gemacht. Je schlechter es dem Unternehmen geht, desto größer das Risiko, dass früher oder später Personal abgebaut wird. Gerade eine langfristige Flaute kann ein starkes Warnsignal sein, dass Entlassungen nötig sind, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

  2. Ihr Unternehmen fusioniert oder wird verkauft

    Werden mehrere Unternehmen oder Abteilungen zusammengelegt, bedeutet dies fast immer, dass ein Teil der Belegschaft überflüssig wird und es somit vermutlich Entlassungen geben wird. Fusionieren zwei Unternehmen, braucht es eben keine zwei Marketing oder Finanzabteilungen – stattdessen bleibt eine übrig, die vielleicht etwas größer ist, aber selten Platz für alle bietet.

  3. Es gibt Gerüchte über Personalkürzungen

    Sie sollten nicht alles glauben, was über die Gerüchteküche am Arbeitsplatz getuschelt wird. Doch wenn es um Entlassungen geht, sollten Sie zumindest hellhörig werden. Fast immer sickern Informationen auf die eine oder andere Art durch und verbreiten sich anschließend unter den Mitarbeitern. Diese müssen nicht immer wahr sein, können aber eine Art Frühwarnsystem darstellen. Vor allem, wenn dieser Punkt mit den anderen Warnzeichen zusammenfällt.

  4. Sie haben Probleme mit dem Chef

    Ein relativ direktes Warnzeichen: Sie kommen einfach nicht mit Ihrem Chef klar. Ständig gibt es Meinungsverschiedenheiten, mit Ihren Arbeiten ist er scheinbar nie zufrieden und es fühlt sich an, als würde er alle anderen bevorzugen. Mit einem solchen Verhältnis zum Chef laufen Sie Gefahr, bei Entlassungen als erstes an der Reihe zu sein. Eine solche Auswahl ist zwar nicht professionell. Der Nasenfaktor spielt aber immer eine Rolle.

  5. Informationen kommen nicht mehr bei Ihnen an

    Kommunikation am Arbeitsplatz ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für gute Zusammenarbeit. Im Idealfall sind wichtige Informationen immer für alle zugänglich, damit alle auf dem gleichen Stand sind, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Dringen aber immer weniger Informationen bis zu Ihnen durch, könnte dies ein Warnzeichen sein, dass Sie langsam aber sicher aus Aufgaben und Arbeitsabläufen abgezogen werden.

  6. Einige Kollegen wurden bereits entlassen

    Nicht immer bedeuten einzelne Kündigungen, dass gleich eine Entlassungswelle folgen muss. Doch wenn die Lage bereits so schwierig ist, dass ein Teil der Belegschaft entlassen werden musste, ist es möglich, dass weitere Kürzungen vorgenommen werden.

Eine Jobgarantie gibt es in der freien Wirtschaft nunmal nicht. Umso wichtiger ist, dass Sie sich als Arbeitnehmer regelmäßig weiterbilden und Ihren Marktwert überprüfen. Seine Alternativen zu kennen, gibt einem nicht nur mehr Sicherheit und Seelenfrieden, sondern verschafft Ihnen auch einen Plan B.

Selbst wenn Sie aktuell das Gefühl haben, nicht von einem Jobverlust betroffen zu sein. Schauen Sie sich doch mal – kostenlos und unverbindlich – in unserer Jobbörse Karrieresprung.de um: Wo werden Leute mit Ihren Qualifikationen gesucht und wie viele? Auch in Ihrer Region? Was wird denen geboten? Auch finanziell? Je mehr Sie finden, desto besser…

[Bildnachweis: Dmytro Zinkevych by Shutterstock.com]
10. Juli 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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