Mitarbeiter entlassen: Die Tür ist da vorn!

Die Kündigung von Mitarbeitern ist eine unangenehme und unpopuläre Aufgabe. Nicht wenige Chefs versuchen diese daher, die Entscheidung möglichst lange hinauszuzögern oder gar auf andere Führungskräfte abzuwälzen. Fatal! Denn so kann die angespannte Situation eine Eigendynamik entwickeln, die Probleme im Team können sogar noch wachsen, und in den Augen der anderen Mitarbeiter büßt eine solche Führungskraft meist noch an Autorität ein. Problematische Mitarbeiter zu entlassen sollte zwar immer der letzte Schritt sein, dem Gespräche, Lösungsversuche, möglicherweise auch disziplinarische Maßnahmen vorausgehen. Bleiben diese aber wirkungslos, sollte die Entlassung nicht auf die lange Bank geschoben werden…

Mitarbeiter entlassen: Die Tür ist da vorn!

Mitarbeiter entlassen: Fingerspitzengefühl und Geduld

Solche Personalgespräche benötigen viel Fingerspitzengefühl. Schnell kommt es dabei zu Schuldzuweisungen, Vorwürfen oder Anklagen – auch von Seiten des Mitarbeiters. Die Gegenreaktion ist zwar menschlich verständlich, benötigt aber eine sachlich-souveräne Reaktion. Allein die Fakten zählen. Inbesondere wenn der betroffene Mitarbeiter…

  • die erforderliche Leistung nicht bringt und die Leistungseinbuße zum Problem wird.
  • durch sein Verhalten zum Problem für die Kollegen wird und das Team stört.
  • Kunden verprellt oder die Beziehung zu Kunden beschädigt.
  • dem Unternehmen durch Diebstahl, Fehlverhalten oder üble Nachrede Schaden entsteht.
  • permanent destruktiv ist und alle Prozesse und Abläufe nur kritisiert und ausbremst, jedoch nie konstruktive Vorschläge einbringt.

Typischerweise gliedert sich dieser Trennungsprozess in vier Phasen:

4-Phasen-Trennungsprozess-Kultur

    Die Outplacement-Phase

    • Unternehmerische Entscheidung, Festlegung des Projekttitels
    • Verhandlung von Interessensausgleich und Sozialplan
    • Minutiöse Vorbereitung der Trennungsgespräche
    • Mitarbeiter-Auswahl (Qualifizierung oder Trennung)

    Die Trennungs-Phase

    • Gespräche über Versetzung, Veränderung, einvernehmliche Lösung
    • Klare Botschaft: Trennung/Kündigung
    • Gespräche über Bindung und Teambildung mit den Verbleibenden

    Die Newplacement-Phase

    • Karriere-Coaching für die Gehenden
    • Neuorganisation und Teambildung der Verbleibenden
    • Bindung und Revitalisierung des (neuen) Teams

    Die Evaluations-Phase

    • Kritische Würdigung des Personalabbaus
    • Kritische Betrachtung der Projektabwicklung
    • Ableitung von Erkenntnissen zur Trennungskultur

Die Schlüsselrolle haben die Manager, die die Hiobsbotschaft überbringen müssen. Sie sind in der heikelsten Position:

  • Machen Sie Fehler, leidet nicht nur ihr Ansehen bei den Verbleibenden und das Renommee gegenüber ihrem Chef, sondern auch das der Firma.
  • Machen sie alles richtig, bleibt es trotzdem ein schmutziger Job, für den man kaum Lorbeeren einheimsen kann.

Kommt es aufgrund eines oder mehrerer Gründe zur Entlassung des Mitarbeiters, sollten sich die Führungskräfte allerdings nicht nur auf die Kündigung, sondern auch auf die verbleibenden Mitarbeiter konzentrieren. Eine gute Nachbereitung für die Trennungskultur ebenso essenziell wie die Vorgespräche.

Im Zweifel sollten Chefs mit ihrem Team über den Vorgang sprechen und darlegen, warum es unvermeidbar war, den Mitarbeiter zu entlassen und das dies das Ergebnis eines langen Prozesses war. Wer deutlich macht, dass er oder sie zwar bereit ist, Mitarbeiter zu kündigen, diese Entscheidung jedoch als das letzte Mittel in einer Reihe von Möglichkeiten sieht, kann sich so sowohl den Respekt als auch das Vertrauen der verbleibenden Mitarbeiter sichern.

Ratgeber für fiese Bürotypen

Extra-Tipp-IconArbeiten Sie gefühlt in einem Irrenhaus mit Blendern, Diven und Cholerikern? Dann lesen Sie hierzu unbedingt noch unseren ausführlichen Ratgeber für die Kollegen aus der Hölle – wie sie ticken und wie man mit ihnen umgeht

Mitarbeiter entlassen: 7 Anzeichen für miese Mitarbeiter

Unangenehme Kollegen haben zumindest den angenehmen Nebeneffekt, dass man an ihnen wachsen kann. Nicht wenige erleben an der Stelle im Job wahre Wachstumsschübe – dank Profilneurotikern, die ihnen regelmäßig die Ideen klauen; Karrieristen, die ihnen vormittags einen scheinbar gut gemeinten Rat schenken, der sich nachmittags als Falle entpuppt; Kotzbrocken, die jeden mundtot machen; Widerlingen mit Wutausbrüchen; bis hin zu Neidern und Aufschneidern, die so tun, als hätten sie gerade die Erstbesteigung des Mount Everest hinter sich gebracht. So mancher Kollege lebt nach dem Grundsatz, jemanden wie ein rohes Ei zu behandeln, kann auch bedeuten, ihn in die Pfanne zu hauen. Na, danke…

Also reden wir Tacheles: Es gibt nicht nur fiese Chefs – auch mancher Kollege kann einem den Job zur Hölle machen. Auch wenn wir glauben, dass man nicht wirklich viele Warnzeichen braucht, um solche Nervensägen rechtzeitig zu entlarven, schadet ein bisschen Reflexion trotzdem nie.

Das sind schon mal 7 Anzeichen für miese Mitarbeiter:

  1. Sie kommen immer zu spät.

    Ob zur Arbeit, zum Meeting oder zum Mittagessen – diese Typen lassen die Kollegen gerne mal warten. Das kann zwar auch eine subtile Machtstrategie sein, Motto: „Ohne mir läuft hier nichts…“ Grob unhöflich bleibt es trotzdem. Oder mit anderen Worten: Unpünktlichkeit ist gelebte Arroganz.

  2. Sie bringen nichts zuende.

    Denkfaule Kollegen, die mit guten Ideen starten, dann aber müde werden, sie zu Ende zu denken und auch abzuschließen, sind die Pest. Sie mögen gute Absichten haben, trotzdem bleiben sie stets Teil des Problems, nicht Teil der Lösung. Sie sind wie Kinder, die sich einen Hund wünschen, ohne darüber nachzudenken, wer hinterher Gassi geht, den Tierarzt bezahlt und sich im Urlaub darum kümmert. Ideen haben letztlich alle, produktiv sind aber eben nur die Macher.

  3. Sie machen zu viele Entschuldigungen.

    Fehler passieren jedem. Das ist menschlich. Wenn aber immer wieder dieselben Fehler passieren oder aber jemand einfach immer am gleichen Fehlertypus scheitert, wie hier was vergessen, da was vergessen, nervt das irgendwann nur noch. Und auch die Entschuldigungen wirken dann nicht mehr überzeugend. Denn dahinter steckt entweder ein veritables Organisationsproblem oder aber schlicht Dummheit und Lernunwille.

  4. Sie lästern zu viel.

    Es gibt Kollegen, die finden jedes Haar in der Suppe, nörgeln an jedem Projekt und wissen auch genau, warum dieser oder jener Kollege schlecht ist. Richtige Miesmacher eben. Die Kurzversion ginge auch so: „Alle(s) scheiße außer ich.“ Dass das nicht unbedingt von geistiger Reife und einem guten Charakter zeugt, wenn sich jemand über das Abwerten anderer definieren muss, ist klar. Auch nichts gegen gelegentlichen Tratsch. Trotzdem ist nichts abstoßender als ein parasitärer Kollege, der überall nur schlechtes Karma verbreitet und sich durch den Klatsch obendrein als Windmaschine und verortete undichte Stelle outet.

  5. Sie finden ständig Ausreden.

    Gewiss, keiner mag gerne Überraschungen. Aber manchmal geht eben doch etwas schief: Der Kunde hätte gerne noch eine wichtige Änderung oder das Projekt muss unbedingt fertig werden, und alle sind schon spät dran. In der Situation gibt es nur eines: Zähne zusammenbeißen und den Extrameter mit den Kollegen mitgehen, so wenig Spaß Überstunden auch machen. Wer in solchen Fällen jedoch wiederholt als Drückeberger mit durchschaubaren Ausreden auffällt, offenbart damit nicht nur Null Teamgeist, sondern zugleich einen verkümmerten Arbeitsethos.

  6. Keiner will mit ihnen zusammenarbeiten.

    Spätestens, wenn die Kollegen den Kontakt meiden und auch sonst keine Projekte mehr gemeinsam angehen wollen, sollten das Warnzeichen genug sein. Jetzt alles auf potenzielles Mobbing zu schieben, wäre zu einfach. Der Grund auch sein: Keiner hat noch Lust auf die Zusammenarbeit, weil das nur bedeutet, dass die Arbeit bei einem selbst hängenbleibt, der Miesarbeiter aber den Ruhm dafür reklamiert.

  7. Sie haben keine Ahnung.

    Und zwar von nichts. Nicht den blassesten Schimmer, die geballte Inkompetenz. So jemand hält alle nur auf und verschlimmbessert die Dinge höchstens noch. In manchen Fällen kann hier auch das Peter Prinzip ursächlich sein. Falls nicht: Meiden Sie den Hohlkörper wo Sie können…

[Bildnachweis: FabrikaSimf by Shutterstock.com]
27. April 2016 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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