Diebstahl im Büro: Haftung, Fürsorgepflicht, Tipps

Sicherheit ist ein Trendthema – auch in Unternehmen. Da gibt es Hackerangriffe, Wirtschaftsspionage, eingeschleuste Trojaner. Aber auch der altbewährte Diebstahl im Büro – Tasche auf, Handy rein – ist noch längst nicht aus der Mode gekommen. Manche Diebe kommen von außen, manchmal sind es die Kollegen und nicht selten sogar wir selbst…

Diebstahl im Büro: Haftung, Fürsorgepflicht, Tipps

Diebstahl im Büro: Unendliche Möglichkeiten

Vorsicht, Langfinger! Laut einer repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat jeder vierte deutsche Arbeitnehmer schon einmal im Büro geklaut. Kugelschreiber, Stifte, Papier, Büro- und Heftklammern. Vor allem Kleinigkeiten.

Aber ist das wirklich ausgewachsener Diebstahl oder doch nur eine Bagatelle? Im Strafgesetzbuch steht zunächst: „Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Das klingt eindeutig.

Doch macht es sehr wohl einen Unterschied, ob man nur den Kuli mitgehen lässt oder die Geldkassette mit den Tageseinnahmen. Das sahen auch die Richter des Landesarbeitsgerichts Hamm so, die sich bereits 2009 mit einem kauzigen Fall beschäftigt hatten.

Damals hatte ein Mitarbeiter einer Campus-Gastronomie in Bochum, viele Jahre schon an der Ruhr-Uni tätig, beim Durchgang durch die Küche Pommes und zwei Frikadellen stibitzt und aufgefuttert – ohne zu zahlen. Der Vorgesetzte ermahnte ihn daraufhin, dass das jawohl nicht zulässig sei. Reaktion des Angestellten: Er nahm sich zwei weitere Frikadellen und ging damit weiter in den Pausenraum. Die außerordentliche Kündigung wegen Diebstahls folgte.

Die Richter aber sahen in dem Pommes-Klau keinen wichtigen Grund für eine fristlose Kündigung. Kündigung unwirksam! Dem Mitarbeiter kam zugute, dass er schon rund 20 Jahre in dem Betrieb tätig gewesen war. In ähnlich gelagerten Fällen wurden seitdem allerdings auch schon ganz andere Urteile gesprochen…

Mitarbeiter, die Kleinkram mitgehen lassen – das ist ohnehin nur ein Szenario von vielen. In anderen Fällen beklauen Mitarbeiter ihre Kollegen. Oder es schleichen sich Diebe von außerhalb ins Gebäude und gehen auf Beutezug – ohne, dass es jemand mitbekommt. Was dann?

Diebstahl im Büro: Haftet der Arbeitgeber?

Grundsätzlich hat der Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht. Er muss seine Beschäftigten vor gesundheitlichen Risiken bewahren, Persönlichkeitsrechte schützen, auch deren Eigentum. Der Arbeitgeber haftet, wenn er keine Verwahrungsmöglichkeiten zur Verfügung stellt und dem Mitarbeiter aus diesem Grunde Gegenstände am Arbeitsplatz abhanden kommen.

In der Regel stellen Arbeitgeber – auch zur rechtlichen Absicherung – Spinde, abschließbare Schubladen oder Rollcontainer bereit.

Allerdings bezieht sich die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers nur auf Gegenstände, die der Arbeitnehmer mittelbar oder unmittelbar für die Arbeit benötigt. Dabei kann es sich um Berufskleidung, Werkzeuge, aber auch Schlüssel und Geldbörse handeln.

Andere Utensilien fallen nicht unter die Fürsorgepflicht. Zum Beispiel die Sporttasche mitsamt Sneakers, Shirt, Fitnesstracker, die Sie mit zur Arbeit genommen haben, um in der Mittagspause einen Abstecher ins hauseigene Fitnessstudio zu machen. Anderes Szenario: Sie nehmen eine wertvolle Uhr mit zur Arbeit – ein Geschenk. Die Uhr verwahren Sie in der Schublade auf, um nach Feierabend weiter zur Geburtstagsfeier zu fahren, wo Sie das Präsent überreichen werden. Doch nach der Mittagspause ist die Uhr weg, geklaut! Der Arbeitgeber hat in diesem Fall keine Fürsorgepflicht, er haftet nicht.

Das musste auch der Mitarbeiter eines Krankenhauses im Ruhrgebiet erfahren. Er hatte 2014 Uhren und Schmuck im Wert von 20.000 Euro mit zur Arbeit genommen, um sie später in einem Bankschließfach zu deponieren. Die Wertsachen wurden ihm gestohlen, der Mitarbeiter verlangte Schadenersatz von seinem Arbeitgeber – ohne Erfolg. Das Landesarbeitsgericht Hamm urteilte 2016, dass der Arbeitgeber in diesem Fall nicht haften müsse. Die mitgebrachten Sachen hätten keinen Bezug zum Arbeitsverhältnis.

Bleibt nur noch die Hausratsversicherung. Aber auch sie springt nur dann ein, wenn Sie die gestohlenen Wertsachen im Büro abgeschlossen hatten – in einem Rollcontainer etwa. Dann kommt es auf das Kleingedruckte in Ihrem Vertrag an…

Diebstahl im Büro: So schützen Sie sich

Diebstahl im Büro – 3 Tipps, wie Sie sich schützen…

  1. Wachsamkeit

    Wenn sich Fremde im Gebäude aufhalten. Wenn sie Ihnen suspekt sind. Wenn sie sich auffällig verhalten. Dann ist es durchaus legitim, ein Auge auf sie zu werfen und höflich nach dem Grund des Besuchs fragen. „Wie kann ich Ihnen helfen?“

    Gefährdet sind vor allem große Bürogebäude mit viel Publikumsverkehr, in dem sich auch Auswärtige wie Fische im Wasser bewegen können. Werden sie angesprochen, signalisiert ihnen das: Wir stehen unter Beobachtung. Das verunsichert – und kann abschrecken.


  2. Diskretion

    Wenn im Büro etwas spurlos verschwindet, wird oft Cluedo gespielt. Wer war der Täter? Verdächtigen Sie aber bitte niemals einen Kollegen, jedenfalls nicht öffentlich. Die atmosphärischen Störungen sind irreparabel, sollte sich Ihr Verdacht nicht bestätigen.

    Das heißt nicht, dass Ihre Kollegen nicht als Täter in Frage kommen. In so manchem steckt mehr kriminelle Energie, als man vermuten würde.

    Dann so vorgehen: Erst die Kollegen fragen, ob jemand das Portemonnaie zufällig irgendwo gesehen hat. Vielleicht ist es ja auch einfach nur hinter den Schrank gerutscht. Taucht Ihre Wertsachen nicht wieder auf, das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen, gemeinsam das weitere Vorgehen absprechen und gegebenenfalls die Polizei rufen.


  3. Vorsicht

    Faustregel: Einzelbüros IMMER abschließen. Auch dann, wenn Sie sich nur kurz einen Kaffee holen. Wertsachen im Büro außerdem in der Schublade oder im Rollcontainer abermals verschließen. Und dort nicht gerade in die oberste Schublade legen, sondern lieber in die zweite von unten – und mit Unterlagen bedecken.

    Noch besser: Wertgegenstände direkt am Mann oder an der Frau tragen, insbesondere die Schlüssel. Tipp für Arbeitgeber: Digitale Schließsysteme verbinden Komfort und Sicherheit – kosten allerdings auch ein paar Euro.

Diebstahl am Arbeitsplatz: Wie überführe ich den Täter?

In der Politik populär, und auch Arbeitgeber könnten von ihr profitieren: Mehr Videoüberwachung, mehr Sicherheit, mehr Gerechtigkeit? Ganz so simpel ist der Dreiklang aber nicht.

Prinzipiell ist eine Videoüberwachung der Mitarbeiter am Arbeitsplatz nicht ohne Weiteres möglich. Das würde ihre Persönlichkeitsrechte verletzen – übrigens auch jene von Besuchern und Geschäftspartnern.

Ganz unmöglich ist es aber nicht, Videokameras vorübergehend im Betrieb aufzustellen. Der Arbeitgeber muss dafür laut Bundesdatenschutzgesetz einen konkreten Tatverdacht haben. Außerdem muss er – sofern vorhanden – den Betriebsrat einbeziehen, dieser hat ein Mitbestimmungsrecht.

Praktikabler sind Taschenkontrollen, zum Beispiel durch den Pförtner beim Verlassen des Gebäudes. Das bietet sich wegen des Aufwandes aber wohl nur in größeren Unternehmen an. In diesem Fall kann der Betriebsrat übrigens nicht mitreden.

Eine weitere Option ist die sogenannte Diebesfalle. Dabei kann der Arbeitgeber chemische Substanzen auf einem Schein auftragen. Nimmt jemand den Schein an sich, bleibt etwas von der Substanz auf seiner Haut kleben – ein klarer Nachweis, dass er der Täter war.

Diebstahl im Büro: Welche Konsequenzen hat er?

Was nicht jeder weiß: Einem Mitarbeiter kann schon aufgrund eines Verdachts gekündigt werden. In diesem Fall spricht man von einer Verdachtskündigung. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben, wenn dem Arbeitgeber aufgrund eines konkreten, schwerwiegenden Verdachts, dass der Beschäftigte eine Straftat – zum Beispiel einen Diebstahl – begangen hat, die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zumutbar ist.

Wird ein Mitarbeiter zum Beispiel per Diebesfalle überführt, kann das als Grund für eine Verdachtskündigung ausreichen. Oder wenn vermisste Gegenstände in seinem Spind gefunden werden.

Der Arbeitgeber muss den Beschuldigten aber zuvor anhören und alles in seiner Macht stehende tun, um den Sachverhalt aufzuklären. Sonst ist die Kündigung unwirksam.

Diebstahl im Büro: Die skurrilsten Geständnisse

Diebstahl im Büro: Die skurrilsten GeständnisseIn jedem von uns steckt ein kleiner Dieb. Das legen jedenfalls Beichten in der Geständnis-App Whisper nahe, die der Stern zutage gefördert hat. Hier einige der kuriosesten Beiträge:

    Ich habe einen Wischeimer von der Firma gestohlen, nur weil ich nicht weiß, wo man so einen Eimer kaufen könnte.

    Ich habe gerade Toilettenpapier von der Arbeit gestohlen. Nicht weil ich arm bin. Ich bin nur zu müde, um noch einkaufen zu gehen.

    Ich bin eine Kleptomanin, wenn es um hübsche Kleinigkeiten geht. Gerade habe ich ein hübsches Tagebuch auf der Arbeit gestohlen. In der Schule habe ich einen tollen altmodischen Füller mitgehen lassen.

    Die einzige Sache, die ich in meinem ganzen Leben gestohlen habe, war eine Dose Thunfisch von der Arbeit – für die Katze meiner besten Freundin.

    Ich bin mal am Wochenende ins Büro gefahren und habe ein Stuhl aus dem Konferenzraum gestohlen. Das ist ein perfekter Stuhl für Gamer und ich habe gedacht, es merkt keiner und es kümmert auch keinen, wenn einer fehlt.

    Ich weiß, wir sind jetzt kurz vor den Sommerferien. Aber ich habe einen künstlichen Weihnachtsbaum auf der Arbeit gestohlen. Ich habe gedacht, klaue ihn jetzt, niemand wird im Sommer bemerken, dass er verschwunden ist. Und ich habe schon mal vor Weihnachten vorgesorgt.

[Bildnachweis: Lolostock by Shutterstock.com]
24. Februar 2018 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.


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