Berufskrankheiten: Diese Krankheiten könnten Sie betreffen

Von Zeit zu Zeit erwischt es einen. Gerade in der kalten Jahreszeit wird man schnell krank. Manchmal ist es allerdings der Beruf, der krank macht: Manche Berufe bringen gesundheitliche Risiken mit sich – und damit typische Berufskrankheiten. Doch wann ist eine Erkrankung eine Berufskrankheit? Was kann ich tun, um solche Erkrankungen zu vermeiden? Tatsächlich gibt es traurige „Klassiker“, also Krankheiten, deren Ursache zwar längst erkannt ist, die aber trotzdem noch auftreten wie beispielsweise die Staublunge. Schlimmer noch: Die Liste der Berufskrankheiten wächst. Erst kürzlich sind vier neue Erkrankungen in die sogenannte Berufskrankheitenverordnung aufgenommen worden…

Berufskrankheiten: Diese Krankheiten könnten Sie betreffen

Was ist eine Berufskrankheit?

Für Berufskrankheiten ebenso wie für Arbeitsunfälle ist der gesetzliche Unfallversicherungsträger zuständig. Er definiert Berufskrankheiten als solche Krankheiten, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Ihrer beruflichen Tätigkeit stehen und in der Berufskrankheitenverordnung (BKV) aufgeführt sind. Auslöser für eine Berufserkrankung können verschiedenste Einwirkungen auf Ihre Gesundheit sein.

Von Berufskrankheiten betroffen sind vor allem solche Berufsgruppen, die…

  • mit bestimmten Chemikalien in Kontakt kommen,
  • physikalischen Einwirkungen wie Druck oder Vibrationen ausgesetzt sind,
  • die physisch stark durch das Tragen schwerer Lasten beansprucht werden oder
  • die Arbeiten unter Lärm oder Staub verrichten.

Erkrankungen infolge des Berufs sind weiter verbreitet als man denken könnte. Jeden kann es erwischen – auch Stars. Dem Sänger der australischen Rockband AC/DC, Brian Johnson, wurde beispielsweise jüngst der Hörverlust prognostiziert, wenn er weiter seiner Profession nachginge.

Es verwundert daher nicht, dass die mit großem Abstand am häufigsten auftretende Berufserkrankung Lärmschwerhörigkeit ist.

Anerkennung als Berufskrankheit: Was kann ich tun?

Damit eine Krankheit als Berufskrankheit anerkannt wird, müssen zum einen entsprechende wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Zum anderen müssen die Betroffenen nachgewiesenermaßen durch ihre Arbeit in erheblich höherem Grade als die übrige Bevölkerung den gesundheitsschädigenden Einflüssen ausgesetzt sein.

Die Entscheidung darüber, ob eine Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt wird, treffen die gesetzlichen Unfallversicherungsträger. Dies sind…

  • die gewerblichen Berufsgenossenschaften für Beschäftigte in privaten Wirtschaftsunternehmen,
  • die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft für Beschäftigte, mitarbeitenden Familienangehörige und Selbständige in der Land- und Forstwirtschaft und die
  • die Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand, beispielsweise Unfallkassen für Beschäftigte von Bund, Ländern und Gemeinden.

Sie orientieren sich in ihrer Entscheidung an der sogenannten Berufskrankheitenliste, einer Anlage zur BKV. Nach dem Gesetz wird eine Krankheit dann als Berufskrankheit anerkannt, wenn sie in dieser Liste aufgeführt ist.

Es gibt Ausnahmen, wenn eine Erkrankung nicht in der Liste enthalten ist oder sie die in § 9 Abs. 1 des Sozialgesetzbuches (SGB) VII definierten Voraussetzungen nicht erfüllt: In Einzelfällen ist dann eine Anerkennung der Erkrankung wie eine Berufskrankheit möglich. Das richtet sich allerdings ebenfalls nach neuesten Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft.

Auch hier gilt wieder das Kausalitätsprinzip, das heißt es muss belegt werden, dass für eine bestimmte Berufsgruppe arbeitsbedingt ein deutlich erhöhtes Risiko besteht, an einer bestimmten Gesundheitsstörung zu erkranken.

Das bedeutet auch, dass der bloße Zusammenhang zwischen einer Erkrankung und einer beruflichen Tätigkeit zur Anerkennung allein nicht ausreicht: Daher werden in der Bevölkerung weit verbreiteten Krankheiten wie

  • Rückenschmerzen nach stundenlanger Bildschirmarbeit
  • Krankheiten des Nervensystems durch psychische Belastungen oder auch
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch zu viel Stress

nur unter besonderen Voraussetzungen als Berufskrankheiten anerkannt. Hier liegen bisher keine gesicherten medizinischen Erkenntnisse über Zusammenhänge vor, die eine Anerkennung als Wie-Berufskrankheit zulassen.

Für den Versicherten gilt, dass Ärzte, Krankenkassen und Arbeitgeber zu einer Meldung an den Unfallversicherungsträger verpflichtet sind, wenn der Verdacht auf eine Berufskrankheit vorliegt. Neben dem besteht die Möglichkeit, dass Betroffene ihre Erkrankung auch selbst bei ihrer Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse melden.

Eine Anerkennung einer Erkrankung als Berufskrankheit ist schwierig, weil der Zusammenhang zwischen Erkrankung und Arbeit nicht immer eindeutig besteht. In vielen Fällen entsteht die Erkrankung über viele Jahre hinweg.

Zum anderen gibt es Erkrankungen wie bestimmte Krebsarten, die durch Asbest verursacht sind, die eine lange Inkubationszeit haben. Das heißt, es vergehen teilweise Jahrzehnte, bis die Krankheit überhaupt ausbricht.

Die Liste der derzeit anerkannten Berufskrankheiten finden Sie hier in der Anlage 1 zur BKV.

Wer ist von den neuen Berufskrankheiten betroffen?

ParagrafSeit 1925 wird die sogenannte Berufskrankheitenverordnung (BKV) erstellt, die durch wissenschaftliche Begründungen und Merkblätter ergänzt wird. In ihr werden anerkannte Berufskrankheiten aufgeführt.

Berufskrankheiten sind in der BKV, speziell in der Berufskrankheitenliste, festgelegt und in § 9 Absatz 1 des Sozialgesetzbuches VII verankert. Welche Krankheiten in die Berufskrankheitenliste aufgenommen werden, entscheidet die Bundesregierung.

Sobald neue medizinische Erkenntnisse vorliegen, wird diese Liste aktualisiert. Dazu wird die Bundesregierung von einem Sachverständigenbeirat aus Wissenschaftlern, staatlichen Gewerbeärzten und Werks- beziehungsweise Betriebsärzten beraten.

Die mittlerweile dritte Liste wurde am 22. Dezember 2014 erstellt, dort sind zu den bisher 77 anerkannten Berufskrankheiten diesen Herbst vier weitere hinzugekommen:

  • Leukämie durch Butadien
  • Kehlkopfkrebs durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
  • Harnblasenkrebs durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
  • Fokale Dystonie bei Instrumentalmusikern

Bei den ersten drei Erkrankungen handelt es sich um Berufskrankheiten, die infolge chemischer Belastung ausgelöst werden. Da vor allem Chemiearbeiter mit dem Gas Butadien zu tun haben, sind Berufstätige aus der Kunstkautschuk- und der Gummiindustrie betroffen. Sie sind einem größeren Risiko ausgesetzt, Leukämie durch die Einwirkung von Butadien zu bekommen.

Kehlkopfkrebs und Harnblasenkrebs durch PAK kommt bei Berufsgruppen vor, die mit der Verarbeitung und Verwendung steinkohleteerpechhaltiger Produkte zu tun haben. PAK entstehen, wenn Kohlenstoffverbindungen unvollständig verbrannt werden. Betroffen sind Berufsgruppen aus der Aluminium- und Gießereiindustrie, Hochofenarbeiter, aber auch Handwerker wie beispielsweise Dachdecker und Schornsteinfeger.

Außerdem erweitert der Sachverständigenrat den Kreis der Stoffe und Einwirkungen zu der Berufskrankheit Nr. 1301, Harnblasenkrebs durch aromatische Amine. Hier geht es um Azofarbstoffe, wie sie zur Einfärbung von Textilien, Leder, Papier, Holz, Lebensmitteln, Kosmetika und Mineralölprodukten verwendet werden.

Des Weiteren betrifft es die Herstellung von Auramin, das beispielsweise beim Färben von Leder, Jute und Baumwolle verwendet wird, und permanente Haarfärbemittel vor dem Jahr 1977. Beschäftigte in der Textilindustrie und Friseure sind hier die Risikogruppen.

Fokale Dystonie ist eine Erkrankung des Bewegungsapparates und kommt ausschließlich bei Berufsmusikern vor: Musiker, die an dieser Erkrankung leiden, haben Schwierigkeiten eine konkrete Bewegung auszuführen. Die gleiche Bewegung geht ohne Instrument zumeist völlig störungsfrei.

Die häufigsten Berufskrankheiten

Welche sind nun die häufigsten Berufserkrankungen? Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGV) und die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft haben eine Übersicht zum Berufskrankheitengeschehen vorgelegt.

Daraus gehen die häufigsten angezeigten Berufserkrankungen sowie deren Anerkennung hervor, aber auch, welche Todesfälle infolge der Berufskrankheit zu verzeichnen sind.

In der Reihenfolge der Häufigkeit kamen demnach folgende Berufskrankheiten vor:

  1. Lärmschwerhörigkeit (2301)
  2. Asbestose (4103)
  3. Mesotheliom, Asbest (4105)
  4. Lungen-/ Kehlkopfkrebs, Asbest (4104)
  5. Infektionskrankheiten (3101)
  6. Silikose (4101)
  7. Hauterkrankungen (5101)
  8. Atemwegserkrankungen, allergisch (4301)
  9. Lendenwirbelsäule, Heben und Tragen (2108)

Die in Klammern angegebenen Nummern beziehen sich auf die Einordnung in der Berufskrankheitenverordnung.

Auffällig an der Übersicht ist die große Diskrepanz zwischen den angezeigten Erkrankungen und der tatsächlichen Anerkennung. So hat es 2013 knapp 75.000 Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit gegeben, aber nur 16.413 sind davon auch anerkannt worden.

Von den hier aufgeführten Berufskrankheiten sind das durch Asbest hervorgerufene Mesotheliom, der ebenfalls durch Asbest hervorgerufene Lungen- oder Kehlkopfkrebs und die durch Quarzstaub verursachte Silikose die drei Berufserkrankungen, die die meisten Todesfälle fordern.

Bei diesen Erkrankungen lag die Anzahl der Anerkennung als Berufskrankheit und die Anzahl der Bewilligung einer neuen Rente nahezu gleich hoch, während bei Berufskrankheiten wie Lärmschwerhörigkeit vergleichsweise wenige neue Renten gezahlt wurden.

Todesfälle Berufserkrankter mit Tod infolge der Berufskrankheit 2014

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[Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin]

Entschädigung bei Berufskrankheit

Glücklicherweise führt nicht jede Berufkrankheit gleich zum Tode. Aber natürlich spielt die Frage nach der finanziellen Absicherung eine große Rolle. Betroffene, die an einer Berufskrankheit leiden, haben Anspruch auf umfassende Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, vorbeugende Leistungen nach § 3 BKV zu erhalten.

Der Versicherte ist verpflichtet, die konkrete Gefahr einer Berufskrankheit abzuwehren und mit allen geeigneten Mitteln dieser Gefahr entgegenzuwirken. Das kann geschehen in Form von…

  • Schutzvorrichtungen,
  • Austausch gefährdender Arbeitsstoffe,
  • Anwendung persönlicher Schutzausrüstungen (wie Handschuhe, Atemschutzmaske) oder auch
  • speziellen therapeutischen Maßnahmen.

Kann das nicht gewährleistet werden, hat der Betroffene die Tätigkeit einzustellen. Für den dadurch entstehenden wirtschaftlichen Nachteil wird eine Übergangsleistung erbracht.

Für den Fall, dass eine Krankheit nicht als Berufskrankheit anerkannt wird, übernehmen die Krankenversicherungen die notwendigen medizinischen Leistungen, das bedeutet, es entsteht für den Erkrankten keine Versorgungslücke.

Wenn eine Berufskrankheit anerkannt wurde, laufen…

  • die Heilbehandlung,
  • die medizinische Versorgung in Spezialkliniken,
  • Reha-Maßnahmen und
  • Schulungsmaßnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung

über die Berufsgenossenschaft. Entschädigungsleistungen sind abhängig von der Ausprägung der Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE).

Nicht jeder ist wie Beethoven dann noch in der Lage, seiner Arbeit nachzugehen: Er war bereits völlig taub, als er seine berühmte 9. Sinfonie, Ode an die Freude, komponierte.

Es ist eine klassische Dilemma-Situation für viele von Berufskrankheiten Betroffene: Mache ich das weiter, was ich liebe oder suche ich mir einen neuen Job (eventuell ist eine Umschulung nötig)? Schließlich gilt die Gesundheit als höchstes Gut.

Andererseits hat auch nicht jeder die Möglichkeit, mal eben was anderes zu machen – mit 60 eine Umschulung wird schwierig. Umso wichtiger ist da die Anerkennung einer Erkrankung als Berufskrankheit.

Kann ein Arbeitnehmer keine drei Stunden pro Tag arbeiten, zahlt die Berufsgenossenschaft eine Berufsunfähigkeitsrente. Die Leistungen sind mit denen bei Arbeitsunfällen vergleichbar.

Aussicht auf Entschädigungen haben auch die Betroffenen von Wie-Berufskrankheiten, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Der Arbeitnehmer gehört zu einer Personengruppe, die aufgrund ihrer Arbeit besonderen Einflüssen ausgesetzt ist.
  • Diese Einwirkungen sind nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft ursächlich für die Erkrankung.
  • Diese Erkenntnisse lagen bei der letzten Prüfung der Berufskrankheiten-Liste noch nicht vor.
  • Der Zusammenhang von Tätigkeit und Erkrankung ist im Einzelfall wahrscheinlich.

Was Sie tun können, wenn Sie erkrankt sind:

Check-Icon-TransparentWenn Sie seit längerem bereits unter Beschwerden leiden und nicht sicher sind, ob diese in Zusammenhang mit Ihrer beruflichen Tätigkeit stehen, sollten Sie folgende Punkte für sich überprüfen:

  • Klären Sie mit Ihrem Arzt ab, ob es sich bei Ihrer Erkrankung um eine Berufskrankheit handelt. Den Antrag auf Anerkennung Ihrer Erkrankung als Berufskrankheit können Sie, Ihr Arzt, Ihr Arbeitgeber, Ihre Krankenkasse oder das Arbeitsamt bei der für Sie zuständigen Berufsgenossenschaft stellen.
  • Holen Sie sich Unterstützung durch den Betriebs- oder Personalrat.
  • Die Berufsgenossenschaft fördert zuerst die Rehabilitation. Das bedeutet, dass für Sie auch Umschulungsmaßnahmen oder Aus- und Weiterbildungsprogramme in Frage kommen.
  • Versuchen Sie, sich an einen anderen Arbeitsplatz versetzen zu lassen, um die Ursache für Ihre Erkrankung zu vermeiden. Eine erfolgreiche Versetzung fördert die die Anerkennung Ihrer Erkrankung als Berufskrankheit.
  • Gegen Ablehnung Ihrer Entschädigungsforderung können Sie Widerspruch einlegen; die Frist beträgt bei ordnungsgemäßer Rechtsbehelfsbelehrung einen Monat.
  • Sollte dennoch abgelehnt werden, können Sie Maßnahmen in Anspruch nehmen, mit deren Hilfe Sie die Folgen der Berufskrankheit lindern oder eine Verschlimmerung vermeiden können.
  • Die Berufsgenossenschaft wird Ihnen drei Gutachter vorschlagen. Wählen Sie einen aus, dem Sie vertrauen. Sie können aber auch einen Facharzt Ihrer Wahl benennen, der als Gutachter zugelassen ist.
  • Lassen Sie sich von Rechtsberatungsstellen (zum Beispiel bei der Gewerkschaft) beraten.

Auch wenn Berufskrankheiten an sich ein wenig erbauliches Thema sind: Es ist wichtig, sich frühzeitig mit möglichen Konsequenzen auseinanderzusetzen.

Wem dröge Gesetzestexte zu anstrengend sind, kann sich das Thema anhand illustrierter Beispiele auf der Wanderausstellung der Dasa Arbeitswelt bis zum 12. Februar 2017 in Dortmund anschauen. Die Ausstellung richtet sich vor allem an Berufsanfänger und zeigt Risiken bestimmter Berufe auf. Den Link dazu gibt es hier.

[Bildnachweis: Lichtmeister by Shutterstock.com]
5. Dezember 2016 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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