Gesundheitscheck: Probe nach der Bewerbung

Die Bewerbungsphase lief gut, Sie wurden zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und konnten auch dort überzeugen und plötzlich verlangt Ihr zukünftiger Arbeitgeber einen Gesundheitscheck von Ihnen? Verständlich, dass Sie im ersten Moment überrascht sind, vor allem, wenn Sie diese Voraussetzung nicht erwartet haben. Aber ist der Gesundheitscheck überhaupt eine wirkliche Voraussetzungen für den Job? Von welchen Arbeitnehmern ein Gesundheitscheck verlangt werden darf, ob Sie dazu verpflichtet sind und die fünf wichtigsten Fragen rund um die Untersuchung nach dem Vorstellungsgespräch…

Gesundheitscheck: Probe nach der Bewerbung

Gesundheitscheck: Von welchen Bewerbern wird er verlangt?

Nicht jeder Bewerber muss damit rechnen, von seinem zukünftigen Arbeitgeber zu einem Gesundheitscheck geschickt zu werden. In erster Linie ist für Ihren neuen Chef nur relevant, ob Ihre Gesundheit Sie bei der Ausübung Ihrer zukünftigen Tätigkeit einschränkt.

In einigen Berufsfeldern kommen Sie als Bewerber jedoch nicht um einen Gesundheitscheck herum, da der Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet ist. Dies gilt insbesonders für…

  • Mitarbeiter in der Lebensmittelbranche. Das Gesetz verlangt einen gesundheitlichen Nachweis von Mitarbeitern, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass beispielsweise durch eine ansteckende Erkrankung niemand in Gefahr gebracht wird.
  • Mediziner. Bevor sich jemand um andere Kranke kümmern kann, steht erst einmal der Nachweis über die eigene Gesundheit an. Die Ansteckungsgefahr im direkten Kontakt mit Patienten wäre ansonsten zu groß.
  • Piloten. Auch Piloten müssen einen Gesundheitscheck machen (und diesen auch regelmäßig wiederholen). Hier geht es weniger um die Ansteckungsgefahr, sondern beispielsweise um Sehtests, aber auch um den allgemeinen Gesundheitszustand. Damit soll überprüft werden, ob Sie gesundheitlich der Verantwortung gewachsen sind.
  • Berufsanfänger unter 18 Jahren. Durch die Untersuchung soll verhindert werden, dass minderjährige Arbeitnehmer in einen Beruf einsteigen, für den sie körperlich oder gesundheitlich nicht geeignet sind.

Ist der Gesundheitscheck Pflicht?

Natürlich kann Sie niemand dazu zwingen, einen Arzt aufzusuchen und sich untersuchen zu lassen. Es steht Ihnen also jederzeit frei, den Gesundheitscheck abzulehnen. In Branchen wie den oben genannten, in denen Ihr Arbeitgeber verpflichtet ist, einen Gesundheitscheck durchzuführen, katapultieren Sie sich damit allerdings ins Aus.

Doch auch in anderen Branchen verschlechtern sich Ihre Chancen, wenn Sie den gewünschten Gesundheitscheck nicht durchführen. Es besteht zwar keine direkte Pflicht zur Untersuchung, doch wenn Sie diese ablehnen, kann Ihr Arbeitgeber sich für einen Bewerber entscheiden, der bereit ist, die Untersuchung mitzumachen.

Was enthält der Gesundheitscheck?

Fast jeder hat das ein oder andere Wehwehchen oder gesundheitliche Problem – mal kleiner, mal größer. Sollten auch Sie dazu gehören, müssen Sie nicht gleich Angst haben, beim Gesundheitscheck durchzufallen und damit die Chance auf den Job zu verlieren. Die Untersuchungen sind nicht darauf ausgerichtet, jedes kleine Detail der Gesundheit aufzudecken und den Arbeitgeber darüber zu informieren.

Auch Details aus Ihrer Krankenakte gehen den Personaler nichts an. Im Kern lässt sich zusammenfassen: Es geht wirklich nur darum, Ihre Eignung für den angestrebten Beruf zu testen und zu bestätigen. Ziel des Gesundheitscheck ist die Antwort auf die Frage: Kann der Bewerber den Job ausüben?

Worauf muss ich bei einem Gesundheitscheck achten?

Pressmaster/shutterstock.comNiemand geht gerne zum Arzt und wenn ein Termin ansteht, entwickelt sich automatisch eine gewisse Anspannung. Welche Untersuchungen werden durchgeführt, was kommt dabei heraus und was sagt der Arzt? Handelt es sich dann noch um einen Gesundheitscheck, der entscheidend für die mögliche berufliche Zukunft sein kann, nimmt die Unsicherheit noch einmal zu. Darum klären wir die wichtigsten Fragen für den Gesundheitscheck nach Ihrer Bewerbung auf.

  1. Darf der Arbeitgeber vorschreiben, zu welchem Arzt man gehen muss?

    Nein, auch wenn der Arbeitgeber einen Gesundheitscheck verlangt, hat der Bewerber dennoch die freie Arztwahl. Es kann also nicht verlangt werden, die Untersuchung beim Betriebsarzt machen zu lassen. Auch nachdem ein Arbeitsverhältnis begonnen hat, gilt weiterhin das Recht auf freie Arztwahl. Versucht Ihr Arbeitgeber Ihnen vorzuschreiben, dass Sie bei Erkrankung zuerst den Betriebsarzt aufsuchen müssen, sind solche Regelungen nichtig.

  2. Was darf beim Gesundheitscheck untersucht werden?

    Durch den Gesundheitscheck soll geprüft werden, ob Sie für die Tätigkeit, die Sie im Job erwarten wird, geeignet sind. Sollen zusätzliche Gesundheitstest gemacht werden, müssen auch diese dazu dienen, die Berufseignung festzustellen. Desweiteren erfordern solche Tests immer die Zustimmung des Bewerbers und müssen gesetzlich vorgeschrieben sein, wie im Falle des Sehtests für Piloten.

  3. Was darf der Arzt dem Arbeitgeber sagen?

    Auch bei einem beruflichen Gesundheitscheck unterliegt Ihr Arzt der ärztliche Schweigepflicht. Untersuchungsergebnisse und Diagnosen dürfen also nicht an Ihren Arbeitgeber weitergegeben werden. In der Regel beschränkt die Auskunft des Arztes sich auf eine Einschätzung, ob der gesundheitliche Zustand des Bewerbers ihn zur Ausführung der Tätigkeit qualifiziert.

  4. Müssen Bewerber immer die Wahrheit sagen?

    Natürlich ist es ratsam, sich nicht mit Lügen durch den Bewerbungsprozess zu schlängeln. Doch wenn es um Fragen zu Ihrer Gesundheit geht, haben Sie in einigen Fällen ein „Recht zur Lüge“. So müssen Sie Fragen, die Ihre Gesundheit betreffen nur dann beantworten, wenn dies relevant für den späteren Beruf ist. Ein Busfahrer muss also Angaben zu möglichen Alkoholproblemen machen, so muss ein Pilot auch auf die Frage nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Wahrheit sagen. Ein Büroangestellter bräuchte eine solche Frage allerdings nicht wahrheitsgemäß zu beantworten.

  5. Was sollten Sie ablehnen?

    Im Grunde brauchen Sie sich als Bewerber keine Sorgen um einen bevorstehenden Gesundheitscheck zu machen. Es gibt jedoch einen Punkt, auf den Bewerber laut Experten in jedem Fall achten sollten: Stimmen Sie niemals der Aufhebung der Schweigepflicht zu. Denn die Aufhebung bedeutet, dass Ihr behandelnder Arzt alle Ergebnisse der Untersuchungen direkt an Ihren Arbeitgeber weiterleiten darf.

[Bildnachweis: lenetstan, Pressmaster by Shutterstock.com]
6. Oktober 2016 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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