Unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch: Das ist verboten!

Es gibt typische Fragen im Vorstellungsgespräch. Beispielsweise die nach der Motivation, sich auf eben diesen Job zu bewerben. Manchmal gibt es auch Fragen, die etwas mehr Raffinesse haben, vielleicht sogar Fangfragen sind. Auch der Kandidat sollte stets ein paar Rückfragen stellen – sie dokumentieren sein wahres Interesse an dem Job, aber auch wie intensiv er sich auf das Bewerbungsgespräch und das Unternehmen vorbereitet hat. Leider gibt es auch noch eine Fragen-Kategorie, die manche Bewerber ins Trudeln bringt, jedoch zu Unrecht – die der unzulässigen Fragen. Diese müssen aus juristischer Sicht nicht beantwortet werden, zumindest aber nicht wahrheitsgemäß…

Unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch: Das ist verboten!

Unzulässige Fragen: Ein bekanntes Beispiel

Zu den bekanntesten unzulässigen Fragen gehört die nach einer akuten Schwangerschaft. Bewerberinnen dürfen diese Frage mit einer Lüge beantworten. Erst recht muss die Bewerberin nicht von sich aus offenbaren, dass sie schwanger ist.

Die mutigeren Kandidatinnen können diese Frage auch mit einem Augenzwinkern und einer Gegenfrage kontern. Zum Beispiel so:

Personaler: „Sind Sie schwanger oder planen Sie in absehbarer Zeit, Kinder zu bekommen?“

Bewerberin: „Oh, ist das etwa eine Voraussetzung für den Job? Ich fürchte, ich habe das in der Stellenanzeige überlesen…“

Zugegeben, nicht jeder Personaler reagiert auf derlei Gegenfragen positiv. Es bleibt also Ihre Entscheidung, ob es in der Situation und zur Gesprächsatmosphäre passt. Aber wahrheitsgemäß beantworten müssen sie die unzulässige Frage nach der Schwangerschaft zunächst nicht. Hier ist eine Notlüge erlaubt.

Schwangere Schwangerschaftsvertretung

Unzulässige Fragen im VorstellungsgesprächEinen Sonderfall stammt aus unserer Arbeitsrecht-Kolumne: Eine Bewerberin sollte als Schwangerschaftsvertretung eingestellt werden. Doch diese war selbst schwanger und verheimlichte das. Der Arbeitgeber kam also vom Regen in die Traufe und der Fall landete vor Gericht.

Gut für die Bewerberin: Nach Auffassung des Landesarbeitsgerichts Köln (Az.: 6 Sa 641/12) muss eine Frau dem Arbeitgeber vor Abschluss des Arbeitsvertrages nicht offenbaren, dass sie schwanger ist, selbst wenn sie befristet zur Vertretung einer schwangeren Mitarbeiterin eingestellt wird. Dies gelte sogar in dem Fall, in dem ein befristeter Arbeitsvertrag begründet werden soll und die Bewerberin während eines wesentlichen Teils der Vertragszeit nicht arbeiten kann. Pech für den Arbeitgeber. Dessen Anfechtung des Arbeitsvertrags war damit unwirksam.

Checkliste: Diese Fragen sind im Bewerbungsgespräch unzulässig

Doch auch über dieses Beispiel hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer unerlaubter Fragen, die Bewerber nicht beantworten müssen oder – worauf es meist hinausläuft – mit einer Lüge antworten dürfen. In dieser Checkliste finden Sie eine Übersicht der Fragen, auf die Sie in einem Vorstellungsgespräch eigentlich nicht treffen sollten.

  1. Fragen zur Familienplanung

    Hierzu zählen unzulässige Fragen…

    • zum Familienstand
    • zur sexuellen Neigung (homo- oder heterosexuell)
    • zu einer bestehenden Schwangerschaft
    • zum Kinderwunsch
    • zur Tätigkeit des Partners
    • zu den anderen Familienmitgliedern oder Verwandten
  2. Fragen zur gesundheitlichen Situation

    Hierzu zählen unzulässige Fragen…

    • zum derzeitigen Gesundheitszustand
    • zu einer vorhandenen Behinderung
    • zur vergangenen Erkrankungen (inklusive Dauer)
    • zu schweren Krankheiten in der Familie
  3. Fragen zu privaten Ansichten

    Hierzu zählen unzulässige Fragen…

    • zur Religion und Konfession
    • zu einer Parteizugehörigkeit
    • zur Gewerkschaftszugehörigkeit
  4. Generelle Fragen zur Person

    Hierzu zählen unzulässige Fragen…

    • zum Alter
    • zur Herkunft
    • zu Vorstrafen, Straftaten oder Gefängnisaufenthalten
    • zum Umgang mit Geld
    • zu einer möglichen Verschuldung
    • zu den Vermögensverhältnissen in der Familie
    • zum Privatleben allgemein

AGG: Erlaubte Fragen geben Auskunft

Fehlbesetzungen kommen den Arbeitgeber teuer, von daher ist es nur verständlich, dass ein Unternehmen ein gesteigertes Interesse daran hat, möglichst viel über den Bewerber zu erfahren. Daher hat der Arbeitgeber ein grundsätzliches Fragerecht.

Da der Bewerber wiederum ein Recht auf seine Privatsphäre hat, bewegt sich das Jobinterview in diesem Spannungsfeld. Daher die Erlaubnis, im Falle von unzulässigen Fragen im Vorstellungsgespräch zu lügen, ohne dafür später belangt zu werden.

Denn der Gesetzgeber geht davon aus, dass eine wahrheitsgemäße Beantwortung obiger Fragen dem Bewerber gegebenenfalls zum Nachteil gereichen würde. Diskriminierung verbietet allerdings das Antidiskriminierungsgesetz (AGG), weshalb ein Bewerber anderenfalls nach dem Vorstellungsgespräch klagen könnte.

Es ist etwas kniffliger, an die gewünschten Informationen heranzukommen, aus Arbeitgebersicht aber nicht unmöglich. Wenn beispielsweise einerseits die Frage nach dem Alter verboten ist, so darf dennoch die Frage nach der beruflichen Erfahrung gestellt werden – und die gibt ebenfalls grob Aufschluss über das Alter.

Ähnlich bei der Frage nach der Herkunft: Die ist so verboten. Erlaubt ist aber, nach der Muttersprache zu fragen.

Ausnahmen: Fragerecht und Offenbarungspflicht

Aber wo eine Regel ist, da gibt es auch Ausnahmen. Anders sieht es mit der Frage nach einer Schwangerschaft aus, wenn es sich um einen Job handelt, bei dem Schwangere nur bedingt oder gar nicht eingesetzt werden können.

Beispielsweise, weil ihre Gesundheit oder die des Kindes sonst gefährdet wäre oder ein Job, in welchem der notwendige körperliche Einsatz der Frau, beispielsweise als Model oder Tänzerin, mit einer Schwangerschaft unvereinbar ist.

In diesen Fällen darf der zukünftige Chef sehr wohl nach einer Schwangerschaft fragen – und die Frage muss auch wahrheitsgemäß beantwortet werden. Andernfalls hat der Arbeitgeber das Recht zur Anfechtung des Vertrages.

Ähnliches gilt auch für die folgenden verbotenen Fragen, allerdings mit der Einschränkung, dass sie doch wahr beantwortet werden müssen, wenn die Information für den Job relevant ist. Dazu gehören Fragen zu…

  • den Vermögensverhältnissen, insbesondere Schulden (etwa bei Bankangestellten, Kassierern)
  • Vorstrafen (etwa bei Juristen oder angehenden (Polizei)Beamten)

In einigen Fällen unterliegt der Bewerber sogar einer Offenbarungspflicht, das heißt, der Bewerber muss von sich aus den Arbeitgeber darüber informieren, so bei:

  • Verurteilung zu einer Haftstrafe, sofern die in nächster Zeit angetreten wird und länger dauert
  • Ansteckender Krankheit, sofern eine Gefährdung der Kollegen vorliegt
  • Schwere Krankheit/Schwerbehinderung, sofern diese ihn von vornherein an der Ausübung hindert
  • Wettbewerbsverbot durch die vorherige Arbeitsstelle, sofern der potenzielle Arbeitgeber im Wettbewerb mit dem alten ist

Manche Heimlichtuerei fliegt allerdings spätestens in der Probezeit auf – etwa die Religionszugehörigkeit. Die steht auf der Lohnabrechnung (Kirchensteuer!). Da ist es dann manchmal besser die Wahrheit zu sagen. Oder aber eine überzeugende Begründung vorzubringen.

Und nicht nur das: Unter Umständen muss ein Arbeitnehmer Schadensersatz an den Arbeitgeber zahlen, wurden berechtigte Fragen nicht wahrheitsgemäß beantwortet.

Unzulässige Fragen: Wie Sie darauf reagieren sollten

Unzulässige Fragen: Wie Sie darauf reagieren solltenNun sind solche Fragen zwar grundsätzlich in einem Vorstellungsgespräch nicht erlaubt, aber es kann natürlich trotzdem vorkommen, dass ein Personaler Ihnen eine Frage nach Ihrem Privatleben stellt. Dann ist es entscheidend, wie Sie darauf reagieren.

  • Bleiben Sie ruhig.

    Lassen Sie sich von einer unzulässigen Frage nicht aus der Ruhe bringen. Bleiben Sie weiterhin freundlich und professionell. Wenn Sie wollen, können Sie die Frage auch beantworten – ob wahrheitsgemäß oder mit einer Lüge bleibt Ihnen überlassen.

  • Sprechen Sie den Fehler an.

    Eine weitere Möglichkeit ist es, die unzulässige Frage direkt anzusprechen. Fragen Sie zum Beispiel nach, was Ihre Familienplanung mit der Ausübung Ihrer Tätigkeit zu tun hat. Das kostet sicherlich etwas Überwindung, doch die Grenzüberschreitung erfolgte vom Personaler, nicht von Ihnen.

  • Bleiben Sie sachlich.

    Auch wenn Sie sich im ersten Moment angegriffen fühlen, sollten Sie sich fragen: Ist die Frage vielleicht relevant für die Stelle? Möglicherweise ist die Frage gar nicht in böser Absicht gestellt worden. Stellen Sie nicht jeden Personaler unter Generalverdacht.

  • Ziehen Sie die Konsequenzen.

    Schleppt sich ein Personaler Ihnen gegenüber von einer unzulässigen Frage zur nächsten, sollten Sie die Zeichen der Zeit erkennen. Dieser Arbeitgeber ist sicherlich nicht der richtige für Sie. Bedanken Sie sich das Gespräch und beenden Sie die Unterhaltung. Fühlen Sie sich diskriminiert, können Sie im Anschluss auch eine Klage in Betracht ziehen.

Wann und wie Sie reagieren können, zeigt Ihnen auch das folgende Flussdiagramm (zum Vergrößern, bitte anklicken):

Unzulaessige Fragen Vorstellungsgespraech Flussdiagramm Antworten

Bewerber dürfen und sollten Grenzen setzen

Ihre Stärken und Kompetenzen müssen Sie als Bewerber hervorheben. Auch Ihre Berufserfahrung, Ihre Erfolge und – wenn danach gefragt wird – Ihre Schwächen sollten Sie präzise und überzeugend darstellen können.

Doch Ihr Privatleben müssen Sie nicht preisgeben. Ihre ehrenamtlichen Aktivitäten und sportlichen Interessen sind für den Personaler möglicherweise noch interessant. Doch Ihre Familienplanung, Ihr Freundeskreis, oder andere private Themen haben im Vorstellungsgespräch nichts verloren.

Natürlich ist es schwierig, im Bewerbungsgespräch einfach zu sagen: „Dazu sage ich nichts!“ Oder: „Das dürfen Sie gar nicht fragen.“ Erstens, weil man sich damit verdächtig macht, etwas verheimlichen zu wollen; zweitens, weil das Sympathiepunkte kostet.

Trotzdem gibt es Grenzen – und Alternativen: Zum Beispiel, indem Sie die indiskrete Frage mit einer Rückfrage kontern. Freundlich im Ton, nicht aggressiv, aber doch so bestimmt, dass klar wird: Sie möchten mit Respekt behandelt werden und kennen Ihre Rechte.

Aber es gilt eben auch die umgekehrte Frage: Will ich bei einem solchen Arbeitgeber anheuern, der schon so beginnt?

Vergessen Sie bitte nie: Auch wenn das Unternehmen wahrscheinlich die Wahl zwischen mehreren Bewerbern hat, sind Sie dennoch kein Bittsteller. Denn Sie haben etwas zu bieten: Ihre Arbeitskraft, Kompetenz, Erfahrung und Zeit. Das macht Sie zu einem Verhandlungspartner auf Augenhöhe und als solcher dürfen Sie selbstbewusst auftreten. Dazu gehört auch, Grenzen zu setzen.

Wo die liegen, muss dann jeder für sich entscheiden.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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28. August 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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