Vorstellungsgespräch retten: 6 schnelle Tipps

Die erste große Bewerber-Hürde haben Sie genommen: Ihre Unterlagen waren so überzeugend, dass Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurden. Nun geht es darum, den positiven Eindruck, den man von Ihnen schon gewonnen hat, zu bekräftigen. Doch genau an dieser Stelle passiert der Patzer. Trotz guter Vorbereitung stellen ihnen Stress und Nervosität ein Bein… Dumm gelaufen. Aber ist das Vorstellungsgespräch jetzt noch zu retten? Ja, ist es! Wenn Sie jetzt schnell und besonnen reagieren, lässt sich nahezu jedes Vorstellungsgespräch retten…

Vorstellungsgespräch retten: 6 schnelle Tipps

Vorstellungsgespräch retten: Erste Hilfe für peinliche Pannen

Die gute Nachricht ist: Kaum eine Panne ist so schlimm, dass sie die Chancen auf den Job sofort auf Null reduziert. Personaler wissen, dass Sie aufgeregt sind – es ist ja auch ein Zeichen dafür, dass man den Job wirklich will.

Mehr noch: Fehler sind menschlich, sie kommen auch später noch im Job vor. Wer aber jetzt sogar beweist, dass er auch solche Situationen souverän meistern kann, beeindruckt den Personaler vielleicht sogar noch damit und sammelt Pluspunkte – oder bleibt zumindest positiv im Gedächtnis.

Wir haben einige typische Pannen im Vorstellungsgespräch gesammelt und zeigen Ihnen, wie sich aus einer unangenehmen Situation trotzdem noch das Beste herausholen lässt…

  • Sie haben das falsche Outfit gewählt.

    Klar, nur die Allerwenigsten würden in Jeans und T-Shirt zum Vorstellungsgespräch kommen. Doch was ist, wenn Sie im schicken schwarzen Anzug oder Kostüm erscheinen und der Personaler ist leger gekleidet? Spätestens jetzt wird Ihnen bewusst, dass Sie overdressed sind und latent überkandidelt wirken. Lassen Sie sich nicht davon aus dem Konzept bringen – und parieren Sie die Kleiderwahl mit Selbstironie, Motto: „Bitte entschuldigen Sie, das war eine der seltenen Gelegenheiten mal wieder den Anzug anzuziehen, bevor er aus der Mode kommt…“ Oder mit Humor: „Sollte ich hier mein Firmenjubiläum feiern können, kennen Sie jetzt schon mal meinen Look. Okay, die Überraschung wäre damit schon mal weg, aber ich habe noch ein paar in petto…“ So oder so: Sie lassen sich keine Unsicherheit anmerken – und entschärfen zugleich die Lage.

  • Sie entdecken einen hässlichen Fleck auf Ihrer Kleidung.

    Ist der nur klein und kaum sichtbar, sollten Sie gar nichts unternehmen, allenfalls die Kleidung oder die Hände unauffällig darüber legen. Wenn Sie nicht unentwegt auf die Stelle starren, wird es in der Regel auch dem Personaler nicht auffallen. Ist der Fleck jedoch so groß, dass er sofort ins Auge fällt, bringt es nichts ihn zu vertuschen. Merken Sie, wie der Personaler hinschaut, erklären Sie kurz wie es dazu kam: „Schade, jetzt haben Sie den Fleck doch entdeckt. Tja, das ist eine witzige Geschichte…“ Auch hierbei punkten Sie mit Selbstironie und Lockerheit. Es ist eben nur ein Fleck. Sie werden schließlich nicht als Model eingestellt.

  • Sie haben den Namen des Ansprechpartners vergessen.

    Die Vorstellungsrunde ging so schnell, dass Sie sich vor lauter Nervosität nicht alle Namen der Anwesenden merken konnten. Nun befinden Sie sich mitten im Gespräch und möchten diese Person namentlich ansprechen. Stammeln wäre aber zu peinlich, erst recht wenn es sich um eine hochrangige Person handelt. Das lässt sich nur durch entwaffnende Ehrlichkeit retten: „Das ging vorhin alles sehr schnell, mir ist das selbst peinlich, aber könnten Sie mir bitte noch mal Ihren Namen sagen – ich werde ihn mir diesmal sicher merken.“ Das gibt Ihnen sogar die Chance, zu einer Art Running Gag am Ende des Bewerbungsgesprächs, indem Sie diese Person noch einmal ganz gezielt beim Verabschieden mit Namen ansprechen und noch einmal thematisieren, dass Sie den Namen ganz sicher gespeichert haben. Das sorgt mindestens für ein Lächeln.

    Tipps, wie Sie sich Namen besser merken, finden Sie übrigens in unserem Dossier zum Gedächtnistraining.

  • Sie haben Ihr Handy nicht ausgeschaltet – und es klingelt.

    Okay, das kommt leider häufiger vor und gilt als echter Fauxpas. Aber auch ein rettbarer. Die erste Regel: Leugnen Sie es nicht. Wenn Ihnen das Klingeln oder Vibrieren aufgefallen ist, hat es vermutlich auch Ihr Gegenüber gehört. Entschuldigen Sie sich dafür, dass Sie das Handy vergessen haben und schalten Sie das Smartphone jetzt ganz aus. Wirklich ganz. Ein zweites Mal wird der Fauxpas eher nicht verziehen.

  • Sie haben einen Blackout.

    Der Klassiker und Horrortrip für jeden Bewerber: Sie stehen völlig auf dem Schlauch. Einfaches Grundwissen, das Sie bis vor wenigen Minuten noch perfekt beherrschten, ist wie weggeblasen. Blackout eben. Auch hier sollten Sie nicht weitermachen und so tun, als wenn nichts wäre – das macht alles nur schlimmer. Thematisieren Sie den mentalen Aussetzer lieber verbal und entschuldigen Sie sich für die Aufregung. Dann atmen Sie dreimal tief durch, machen eine kurze Pause und fangen einfach noch mal an. Bitte suchen Sie nicht nach Ausflüchten, Motto: letzte Nacht schlecht geschlafen… Das sieht immer so aus, als würden Sie nicht zu Ihren Schwächen stehen oder eben nach Ausreden suchen. Erzählen Sie lieber noch einmal von Ihrer Motivation für die Position und was Sie an Mehrwert zu bieten haben. Dann ist auch der Blackout schnell wieder vergessen.

Vorstellungsgespräch retten: 6 Tipps, um das Gespräch zu drehen

Aber auch das kommt vor: Das Vorstellungsgespräch beginnt bereits auf dem völlig falschen Fuß. Schon nach kurzer Zeit haben Sie ein schlechtes Gefühl. Der Personaler signalisiert obendrein abnehmendes Interesse und Ihre Antworten scheinen nicht zu verfangen:

  • Ihr Gegenüber schaut immer öfter auf die Uhr.
  • Der Personaler tippt ungeduldig auf den Tisch oder mit dem Fuß auf den Boden.
  • Er stellt keine Rückfragen.
  • Er macht sich keine Notizen mehr.
  • Statt sich nach vorne zu lehnen, lehnt er sich zurück.

Kurz: Das Gespräch entgleitet Ihnen zusehends.

Wer an dieser Stelle schon den Job abhakt, gibt zu früh auf. Noch ist nichts verloren – sie sitzen schließlich noch zusammen und plaudern. Das Vorstellungsgespräch lässt sich also immer noch retten und drehen. Zum Beispiel so:

  1. Analysieren Sie kurz die Lage.

    Sind Ihre Antworten zu ausschweifend? Haben Sie nicht ausreichend dargestellt, warum Sie für die Position geeignet wären? Konzentrieren Sie sich bei der der nächsten Antwort auf diese Punkte. Seien Sie präzise und geben Sie Beispiele. Um sicher zu gehen, dass Sie sich auf dem richtigen Weg befinden, fragen Sie nach: „Habe ich Ihre Frage damit beantwortet?“ Sollte der Personaler nun noch etwas wissen wollen, wird er darauf zu sprechen kommen.

  2. Sprechen Sie keinesfalls an, dass es nicht gut läuft.

    Die falsche Taktik ist, etwas in der Art zu sagen, wie: „Ich glaube das Gespräch läuft gerade nicht so, wie Sie sich das vorstellen.“ Mit der Flucht in die Metaebene bekräftigen Sie den Personaler nur noch in seiner (bis dahin vielleicht nur vagen) Einschätzung.

  3. Ändern Sie Ihre Strategie.

    Haben Sie bisher zu lange Monologe geführt, stellen Sie jetzt lieber ein paar Rückfragen. Waren Ihre Antworten bisher eher kurz – wie bei einem Verhör -, erzählen Sie jetzt mehr, vor allem mit Hilfe von Anekdoten und Beispielen, wie Sie was bisher gemacht haben. Kurz: Übernehmen Sie vorübergehend die Gesprächsführung und geben Sie dem Dialog (im Wortsinn) wieder mehr Dynamik.

    Mehr und konkrete Tipps zur Gesprächsführung im Bewerbungsgespräch finden Sie in DIESEM Dossier.

  4. Lassen Sie sich nicht verunsichern.

    Es ist ja zunächst nur Ihr Gefühl, dass es gerade nicht so gut läuft. Und mal ehrlich: Bei dem Stress ist die Intuition vielleicht nicht der beste Ratgeber. Haken Sie also das Gespräch keinesfalls vorschnell ab. Vielleicht ist die aktuell unterkühlte Atmosphäre auch nur ein taktischer Schachzug des Personalentscheiders, um zu sehen, wie Sie in solchen Situationen reagieren. Bleiben Sie also stets interessiert und professionell. Demonstrieren Sie lieber Selbstbewusstsein (aber keine Arroganz!) und dass Sie in solchen Situationen souverän bleiben.

Vorstellungsgespräch retten: Auch im Nachhinein noch möglich

Extra-Tipp-IconAuch wenn das Vorstellungsgespräch bereits hinter Ihnen liegt, können Sie manche Fehler noch ausbügeln. Nutzen Sie hierfür am besten ein sogenanntes Dankschreiben, in dem Sie sich für das Gespräch und die Aufmerksamkeit bedanken und noch einmal Ihre Motivation bekräftigen und womöglich die eine oder andere Antwort richtigstellen.

Zwar kann ein Dankeschön im Anschluss an das Vorstellungsgespräch kein völlig neues Bild von Ihnen zeichnen, doch schaden kann es auch nicht. Möglicherweise macht es den einen feinen Unterschied zu anderen Bewerbern aus und Sie bleiben dem Personaler positiv in Erinnerung.

[Bildnachweis: Robert Kneschke by Shutterstock.com]

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7. September 2016 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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