Ehrlichkeit: Eine Tugend mit Hindernissen

Ehrlich währt am längsten – weiß der Volksmund. So ist Ehrlichkeit eine Eigenschaft und Tugend, die wir an anderen schätzen und nach der wir oftmals selbst streben, um uns mit ihr zu brüsten. Lügner auf der anderen Seite werden verachtet und falls möglich gemieden. Wer wird schon gerne hinters Licht geführt? Und überhaupt: Man selbst ist eigentlich immer ehrlich, das ist schließlich auch Ausdruck eines guten Charakters. Ganz so einfach ist es mit der Ehrlichkeit dann aber doch nicht, denn Tugend hin oder her, permanente Offenheit kann auch ihre Schattenseiten haben. Wie es um die Ehrlichkeit der Menschen wirklich steht und warum eine Lüge manchmal besser ist als eine aufrichtige Antwort…

Ehrlichkeit: Eine Tugend mit Hindernissen

Ehrlichkeit Bedeutung: Zwischen Wahrheit und Authentizität

Ehrlichkeit Duden Bedeutung english Beziehung Synonym ist eine Tugend Sprüche und VertrauenDer Duden beschreibt Ehrlichkeit als…

  • Aufrichtigkeit
  • Ehrlichsein
  • Wahrhaftigkeit
  • Zuverlässigkeit

oder auch in den Synonymen…

  • Anständigkeit
  • Fairness
  • Freimut
  • Geradheit
  • Geradlinigkeit
  • Lauterkeit
  • Offenheit
  • Rechtschaffenheit
  • Redlichkeit
  • Unverblümtheit
  • Wahrheitsliebe

Der Begriff Ehrlichkeit hat im Laufe der Zeit einen Bedeutungswandel beziehungsweise -ergänzung erfahren. Noch vor einigen Jahrzehnten wurde Ehrlichkeit ausschließlich in der Bedeutung von Aufrichtigkeit verwendet. Jemand, der ehrlich ist, sagt die Wahrheit und verhält sich gesetzestreu.

Mittlerweile – auch geprägt durch die Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg – ist die Bedeutung von Ehrlichkeit zusätzlich eine andere: Wir reden nun auch von Ehrlichkeit, wenn eine Person mit all ihren Eigenschaften zu sich selbst steht. Außerdem wird unterschieden zwischen:

  • Ehrlichkeit bei Äußerungen: Jemand sagt die Wahrheit, schmückt nicht unnötig aus und bleibt bei den Fakten.
  • Ehrlichkeit beim Verhalten: Jemand unterlässt Manipulationsversuche, versucht nicht andere zu seinem Vorteil zu täuschen.

Gerade Ehrlichkeit in seiner zweiten Bedeutung erfordert ein hohes Maß an Selbstreflexion und Souveränität, denn die eigenen Fehler zu erkennen und vor allem anderen gegenüber einzugestehen fällt nicht jedem leicht.

Ehrlichkeit: Stirbt die Tugend aus?

Ehrlichkeit ist eine der wichtigsten Tugenden des Menschen. Dieser Aussage würden wohl die meisten auf Anhieb zustimmen. Schaut man sich jedoch ein wenig um, scheint bereits diese These alles andere als ehrlich zu sein. Lügen, Betrügen und Manipulieren scheint an der Tagesordnung zu stehen. Dabei geht es nicht einmal um die großen Dinge, schon bei Kleinigkeiten halten es die meisten mit der Ehrlichkeit nicht so genau.

Natürlich hab ich das schon erledigt…, Nein, davon wusste ich wirklich nichts…, Ich und schummeln? Niemals… und Oh nein, mein Ticket für die Fahrt muss ich zuhause in der anderen Tasche vergessen haben… Weltbewegend sind diese Ereignisse nicht und falls es nicht gerade eine berühmte Persönlichkeit ist, die bei einer Unwahrheit erwischt wird, die medienwirksam verbreitet werden kann, findet es meist im kleinen Rahmen statt.

Die hochgelobte Ehrlichkeit wird durchaus ein wenig zurecht gebogen, um sie den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Kaum jemand, der im Lebenslauf nicht wenigstens ein kleines bisschen flunkert oder die Realität zumindest etwas bunter beschreibt, als sie vielleicht ist. Es wäre aber auch falsch, Unehrlichkeit zum allgemeinen Standard zu erklären. Vielmehr sind es die Lügen und unehrlichen Verhaltensweisen, die besonders auffallen und in Erinnerung bleiben.

Ehrlichkeit stirbt also nicht aus, wir werden blind für sie.

Es gibt aber durchaus viele durch und durch ehrliche Menschen – die sich damit sogar einen besonders positiven und wirkungsvollen Ruf erarbeiten können. Ein Sprichwort lautet Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht.

Das Stigma der Unehrlichkeit haftet schnell und langanhaltend. Haben wir jemanden bei einer Lüge ertappt, wird dieser unter Generalverdacht gestellt, auch wenn er es längst nicht mehr verdient hätte. Ehrlichkeit hingegen überzeugt durch Verlässlichkeit, Authentizität und Vertrauenswürdigkeit.

Ehrlich währt eben doch am längsten und so umgeben wir uns am liebsten mit Menschen, die die Wahrheit sagen und sich nicht hinter Lügen und Täuschungen verstecken. Oder zumindest machen wir uns das gerne vor – und sind damit schon wieder unehrlich, diesmal uns selbst gegenüber.

Ehrlichkeit ist oftmals nicht das, was wir erwarten und so kann es durchaus schwierig oder gar schmerzhaft sein, mit absoluter Offenheit konfrontiert zu werden.

Ehrlichkeit: Sprüche und Zitate

  • Ehrlichkeit ist das erste Kapitel im Buch der Weisheit. Thomas Jefferson
  • Ehrlich währt am längsten. Deutsches Sprichwort
  • Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge Thomas Mann
  • Wir schätzen die Menschen, die frisch und offen ihre Meinung sagen – vorausgesetzt, sie meinen dasselbe wie wir. Mark Twain
  • Ein Dutzend verlogener Komplimente ist leichter zu ertragen als ein einziger aufrichtiger Tadel. Mark Twain
  • Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen. George Orwell
  • Im Leben muss man dauernd zwischen Aufrichtigkeit und Höflichkeit wählen. Sophia Loren
  • Das Vergnügen kann auf der Illusion beruhen, doch das Glück beruht allein auf der Wahrheit. Nicolas Chamfort
  • Wenn alle Menschen immer die Wahrheit sagten, wäre das die Hölle auf Erden. Jean Gabin
  • Wahrheiten, die niemanden verärgern, sind meist nur halbe. Jupp Müller
  • Um Feinde zu bekommen, ist es nicht nötig, den Krieg zu erklären. Es reicht, wenn man einfach sagt, was man denkt! Martin Luther King

Ehrlichkeit in Beziehungen: Basis für Vertrauen

Beziehungen leben von Ehrlichkeit. Nur wenn wir der anderen Person vertrauen, können wir Bedenken fallen lassen. Wir lassen uns uns geistig und körperlich auf die andere Person ein, weil sie sich bisher bewährt hat. Genau dieses Vertrauen wird infrage gestellt, wenn ein Partner einen anderen betrügt.

Gründe, warum wir unehrlich sind:

  • Wir wollen den anderen nicht enttäuschen oder verletzen.
  • Wir haben Angst vor Auseinandersetzungen.
  • Wir wollen unser Selbstbild von uns als ehrliche Haut aufrecht erhalten.
  • Wir fürchten Ablehnung bei der Partnersuche, also schummeln wir bei der Kleidergröße, dem Alter, den Interessen.
  • Wir wollen in einem besseren Licht dastehen – etwa wenn jemand sich selbst eine tragende Rolle in einer Situation zuschreibt.
  • Wir wollen keine Ablehnung riskieren, falls wir unsere ehrliche Meinung sagen würden.

Es sind beileibe nicht ausschließlich egoistische Motive, die uns zur Unehrlichkeit antreiben – teilweise sind es Rücksichtnahme und Mitleid. Andersherum ist aber auch Ehrlichkeit nicht nur altruistisch.

Hinter Ehrlichkeit kann genauso gut ein Kalkül beziehungsweise völlig egoistische Motive stecken. Wer beispielsweise seinem Gegenüber von einem Alkoholproblem in der Vergangenheit beichtet, mag versucht sein zu glauben, dass er damit möglichen Protesten im Falle eines Rückfalls zuvorkommt.

Frei nach dem Motto: Ich habe dich gewarnt. Ähnliches lässt sich in Beziehungen beobachten, wenn eine Person seinem Partner einen Seitensprung beichtet. Geht es hier in jedem Fall um Ehrlichkeit? Oder könnte nicht auch die eigene Entlastung des Gewissens im Vordergrund stehen?

Nicht zuletzt zahlt sich Ehrlichkeit in einer Beziehung deshalb aus, weil es weniger anstrengend ist. Wer tagein, tagaus ein Lügengebäude aufrecht erhalten und ständig Versteckspielen muss, steht dauerhaft unter Stress. Das lässt sich physiologisch nachweisen, denn so funktioniert letztlich der Lügendetektor.

Mit Ehrlichkeit macht man sich nicht nur Freunde

Ehrlichkeit ist eine Tugend Bedeutung selbst beluegen unehrlich Schwindel Ehrlichkeit als Handlungsmaxime im zwischenmenschlichen Miteinander ist ein hohes Ziel, kommt in der Praxis aber schnell an seine Grenzen.

Der einfache Grund: Die Wahrheit kann manchmal verdammt weh tun und hören will sie in den meisten Fällen auch niemand.

Wer also immer ehrlich und offen ist, entspricht damit zwar dem scheinbaren Ideal, sollte sich aber gleichzeitig auf viele Konflikte und oftmals auch auf Ablehnung einstellen. Mit Ehrlichkeit macht man sich nicht nur Freunde. Kaum etwas kann Menschen so schnell gegeneinander aufbringen, wie eine ehrliche Antwort in der falschen Situation.

Der Klassiker: Schatz, sehe ich in diesem Kleid eigentlich dick aus? Bei der Antwort auch nur zu zögern kann bereits zu Streit führen, ganz zu schweigen vom Ehekrach, den eine ehrliche Antwort verursachen könnte.

Stellen Sie sich nur einmal vor, wie ein ganz normaler Tag in Ihrem Leben aussehen würde, wenn jeder ausschließlich ehrlich sein würde. Im Büro werden Sie mit einem Heute siehst du aber wirklich mies aus empfangen, der Kollege, mit dem Sie in der Pause immer Smalltalk treiben sagt, dass er Sie aufdringlich und Ihren Humor schrecklich findet, in der Kantine weist der Koch daraufhin, dass Sie sich beim Essen keine allzu großen Hoffnungen machen sollten und am Abend berichtet der Partner vom enttäuschenden Sexleben.

Lügen werden eben nicht nur eingesetzt, um andere zu betrügen oder sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Sie sind ein grundlegender Aspekt im sozialen Miteinander, ohne den viele Beziehungen in die Brüche gehen würden. Kleine Notlügen sind deutlich freundlicher als die brutale Wahrheit.

Es ist aber auch diese Doppelmoral, die Ehrlichkeit zu einem so umstrittenen und schwierigenThema macht. Jeder ist verletzt und sauer, wenn er herausfindet, dass er getäuscht wurde. Die Wahrheit will man aber auch nur dann hören, wenn sie zu den eigenen Vorstellungen passt. Der Grat zwischen ehrlich sein oder besser die Gefühle des anderen in Schutz nehmen und ein wenig flunkern ist dabei sehr schmal.

Je nach persönlicher Beziehung zum Gesprächspartner und der individuellen Situation sollten Sie sich deshalb ganz genau überlegen, ob Ehrlichkeit wirklich am längsten währt oder ob Sie sich damit vielleicht nicht doch ins eigene Fleisch schneiden oder einen Streit riskieren.

Unser Ratschlag zum Ende: Halten Sie sich beim Thema Ehrlichkeit am besten an eine Weisheit von Voltaire: Alles was du sagst, sollte wahr sein. Aber nicht alles was wahr ist, solltest du auch sagen.

[Bildnachweis: file404 by Shutterstock.com]
14. April 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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