Souveränität: Selbstsicheres Auftreten im Beruf

Vermutlich jeder beneidet Menschen, die Souveränität ausstrahlen. Die selbstsicher und gelassen auftreten, ohne dabei arrogant oder besserwisserisch zu wirken. Souveränes, selbstsicheres Auftreten ist vor allem im Beruf nicht zu unterschätzen. Es kann ausschlaggebend sein, wenn es darum geht, einen potenziellen Kunden zu überzeugen und einen Auftrag zu erhalten.

In jedem Fall ist Souveränität ein Erfolgskriterium – ein souveräner Mensch wird auf andere immer überzeugender wirken als eine Person, die gehetzt, unsicher und planlos wirkt. Umso wichtiger die Fragen: (Wie) kann man Souveränität lernen? Und: Was kann ich tun, um souverän zu wirken? Wir zeigen Ihnen, mit welchen Übungen Sie selbstsicheres Auftreten und Souveränität ausstrahlen…

Souveränität: Selbstsicheres Auftreten im Beruf

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Souveränität: Was ist ein souveräner Mensch?

Der Begriff Souveränität stammt aus dem Französischen von „souveraineté“, was sich wiederum vom Mittellateinischen „superanus“ ableitet und „darüber befindlich‚ überlegen“ bedeutet. Wir kennen Souveränität bezogen auf Staaten, dass ein Staat unabhängig ist von der Einflussnahme durch andere Staaten. Ganz ähnlich heißt Souveränität beim Menschen, dass jemand eigenständig und unabhängig handelt. Synonym zu Souveränität wird je nach Kontext von Autonomie, Kontrolle oder Selbstständigkeit gesprochen. Diese Begriffe sind alle inhaltlich miteinander verwandt und zeichnen das Bild eines Menschen, der persönliche Souveränität ausstrahlt.

Ein souveräner Mensch ist aber mehr als jemand, der eigenständig und unabhängig handelt. Das mag beispielsweise auf Einzelgänger auch zutreffen. Vielmehr strahlt ein souveräner Mensch einen bestimmten Habitus aus. Souveränität entsteht durch ein Zusammenspiel von Verhalten und Handeln einerseits, und der daraus erzielten Wirkung auf Menschen andererseits.

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Was ist souveränes Auftreten?

Wie ein Mensch auftritt und von anderen wahrgenommen wird, lässt ihn mehr oder weniger souverän erscheinen. Eine Rolle spielt auch die Bewertung von Situationen: Wird etwa eine Situation als besonders herausfordernd für jemanden empfunden, wird diese Person jemand anderen als souverän empfinden, der die Situation (überraschend) gut meistert. Es sind im Wesentlichen vier Faktoren, die Souveränität ausmachen:

Selbstsicherheit

Souveräne Menschen zeichnen sich durch Besonnenheit in Situationen aus, die von anderen als kritisch oder stressig empfunden werden. Gewissermaßen ruhen sie in sich und können so den Überblick behalten. Sie besitzen ein Gefühl der Selbstsicherheit und des Selbstvertrauens, das ihnen zum einen die Gewissheit gibt, Probleme lösen zu können. Das bedeutet, dass sie nicht von Selbstzweifeln geplagt sind und dennoch genügend Bescheidenheit besitzen, um nicht arrogant zu wirken.

Unabhängigkeit

Diese Souveränität zeigt sich weiterhin darin, dass solche Menschen sich eine eigene Meinung bilden. Sie widerstehen dem Herdentrieb und vertrauen auf ihr Bauchgefühl. Damit machen sie sich mitunter unbeliebt, aber das stört einen selbstbewussten Menschen nicht, denn er muss nicht jedermanns Liebling sein. Sie lassen sich nicht vom Ziel abbringen, noch von anderen Menschen provozieren.

Selbsteinschätzung

Souveräne Menschen haben ein realistisches Selbstbild. Sie sind sich ihrer Fähigkeiten bewusst und können sie sachlich einschätzen. Wenn sie Fehler machen, dann stehen sie dazu und übernehmen Verantwortung. Statt andere zu beschuldigen, gehen sie lösungsorientiert vor.

Interaktion

Bei alledem sind souveräne Menschen nicht überheblich oder abgehoben, sondern interessieren sich für ihre Mitmenschen. Souveränes Auftreten zeigt sich vor allem im Umgang mit anderen Menschen, in Alltagssituationen. Sie sind klug genug, anderen zuzuhören, auch Rat einzuholen, wenn sie mal etwas nicht wissen. Da sie sich ihrer selbst sicher sind, ist das für sie kein Eingeständnis von Schwäche.

Eigenschaften souveräner Menschen

Hier ein kleiner Überblick, über welche Eigenschaften Menschen mit Souveränität verfügen:

➠ ausgeglichen
➠ autonom
➠ belastbar
➠ charismatisch
➠ cool
➠ eigenständig
➠ emotional stabil
➠ geistig stark
➠ gelassen
➠ humorvoll
➠ konfliktfähig
➠ lösungsorientiert
➠ meinungsstark
➠ selbstbewusst
➠ selbstsicher
➠ zugewandt

Aufgrund ihres (gesunden) Selbstbewusstseins werden einige Eigenschaften einer souveränen Person von anderen falsch interpretiert. Was sie nicht ist:

➠ arrogant
➠ egoistisch
➠ hochmütig
➠ laut
➠ launisch
➠ reizbar
➠ schuldzuweisend
➠ sprunghaft
➠ stolz
➠ überheblich
➠ verantwortungslos
➠ wechselhaft


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Souveränes Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit?

Ja, auch das gibt es. Dieses Phänomen hat sogar ein eigenes Akronym und ist auch unter SABTA bekannt: Sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit. Solche Menschen sind als Blender bekannt. Sie schaffen es spielend, ihre Unwissenheit hinter Charme und Floskeln zu verbergen. Klappt das nicht, greifen sie auf rhetorische Tricks zurück. Zum Beispiel diese:

Sie lenken ab

„Guck mal, ein rosa Elefant!“ Sicherlich haben Sie diesen Scherz auch irgendwo schon einmal gelesen oder gehört und so funktioniert tatsächlich ein ganz alter Trick: Sie werden etwas gefragt und antworten aber nicht auf die Frage, stattdessen lenken Sie die Aufmerksamkeit auf einen Bereich, in dem Sie sich auskennen. Und darauf geben Sie dann eine ausführliche Antwort.

Sie abstrahieren

Auch bei dieser Methode bleiben Sie handlungsfähig: Ihr Gegenüber fragt Sie zu einem konkreten Sachverhalt und Sie antworten auf einer deutlich allgemeineren Ebene.

Sie fragen zurück

Eine nicht sehr elegante Möglichkeit, aber gewissermaßen ein Notausgang ist, wenn Sie eine Frage mit einer Gegenfrage beantworten: „Was würden Sie denn für wichtig in dieser Situation erachten?“ Das alles kann dabei helfen, einen Gesichtsverlust zu vermeiden, etwa wenn Sie unvorbereitet im Meeting erscheinen. Allerdings muss auch gesagt werden: Solche Tricks funktionieren selten auf Dauer. Haben Sie es mit einem ausgeschlafenem Gegenüber zu tun, dann kennt es ebenfalls die rhetorischen Kniffe. Wahre Souveränität verlässt sich nicht auf Tricks, sondern punktet auch mit echtem Wissen.

Gelassen auch in der Krise

Manche Zeitgenossen treten sehr dominant auf, fallen durch eine laute Stimme und womöglich theatralische Gesten auf. Oder sie haben das starke Bedürfnis, ihren Status nach außen durch möglichst viele Luxussymbole darzustellen. Das alleine macht allerdings noch keinen souveränen Menschen aus. Wer um seine Qualitäten weiß, muss sie nicht anderen erst unter die Nase reiben: Die anderen nehmen es auch so wahr. Souveränität als Persönlichkeitsmerkmal ist eine innere Haltung, die sich äußerlich widerspiegelt.

Heißt Souveränität nun, dass man in jeder Situation überlegen ist? Eher nicht. Es gibt Krisen, die einem den Boden unter den Füßen wegreißen. Aber man kann es vielleicht so ausdrücken: souveräne Menschen haben ein höheres Toleranzlevel. Den einen stresst es bereits, wenn während einer Präsentation der Beamer den Geist aufgibt. Oder die gesamte Technik bricht aufgrund eines Stromausfalls zusammen. Sicherlich keine angenehme Situation. Aber wer souverän darauf reagiert, überbrückt mit Humor. Überhaupt wird so jemand für den Ernstfall einen Ersatzakku haben oder anderweitig ausweichen können.


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Übungen für selbstsicheres Auftreten

In einer immer komplexeren Arbeitswelt, in der manchmal nichts mehr sicher erscheint, braucht es einen gefestigten Charakter. Wer um seine Qualitäten weiß und mit der nötigen Ruhe auf Veränderungen reagieren kann, hat das Werkzeug, Krisen wie Umstrukturierungen und Arbeitslosigkeit zu bewältigen. Der Grundstein für Souveränität wird bereits in der Kindheit gelegt. Wer wenig Lob und Ermutigung erfahren hat, aber vielleicht auch überbehütet wurde, hat häufig einen ängstlichen Charakter ausgeprägt. Anders Leute, die gefördert wurden.

Oft fällt es Frauen schwer, souverän aufzutreten. Aber: persönliche Souveränität lässt sich lernen. Es geht darum, neue Erfahrungen zu sammeln, sich in neuen Situationen so zu verhalten, wie es eine souveräne Person tun würde. Das bedeutet natürlich Arbeit an sich selbst: Nachdenken, möglicherweise justieren und das eigene Temperament mal zügeln. Hektik und Aufregung bewirken höchstens, dass sich die Stimmung auf Ihre Kollegen überträgt. Aber Souveränität demonstrieren Sie so nicht. Daher hier sechs Schritte, wie Sie Souveränität lernen können:

Bereiten Sie sich vor

Nehmen Sie sich vor, selbstsicherer zu werden. Dazu gehört der Entschluss und der feste Wille, sich in einer Situation neu zu verhalten, nämlich so, wie es Personen tun, die Sie für ihre Souveränität bewundern. Das bedeutet vor allem, dass Sie zukünftig stärker für Ihre Interessen einstehen.

Zeigen Sie Wehrhaftigkeit

Früher in der Schule konnte man Sie ganz leicht unterbuttern. Und so mancher Kollege hat womöglich Mobbing-Qualitäten und lässt seine Laune an Ihnen aus. Ab sofort nicht mehr. Zeigen Sie in Konfliktsituationen Gegenwehr, lassen Sie sich nicht in die Opferrolle drängen. Bleiben Sie dabei ruhig – auch wenn es innerlich schwerfällt und brodelt.

Halten Sie Blickkontakt

Indem Sie nicht zurückweichen oder ähnliche Unterwerfungsgesten zeigen, demonstrieren Sie Stärke und Selbstsicherheit. Blickkontakt signalisiert Ihrem Gegenüber, dass Sie aufmerksam sind. Sie zeigen Interesse und signalisieren physische Präsenz.

Achten Sie auf Ihre Körperhaltung

Eine souveräne Person wird nie gebeugt mit hängenden Schultern und nach unten gerichtetem Blick durch die Gänge schlurfen. Auch auf dem Stuhl sitzen Sie mit geradem Rücken, die Beine stehen nebeneinander. Überschlagene Beine und verschränkte Arme werden häufig als Abwehrhaltung interpretiert, daher besser unterlassen. Setzen Sie Ihre Hände ein, wenn Sie reden. Am besten, Sie halten die Hände auf Brusthöhe, dann werden Sie wahrgenommen. Gesten verleihen Ihren Worten gleich ein anderes Gewicht.

Seien Sie charismatisch

Souveränität umgibt einen Menschen wie eine Aura. Wenn eine souveräne Person den Raum betritt, zeigt sie Präsenz – es spielen eine Reihe von Faktoren mit hinein. Sie haben eine entsprechende Körperhaltung, die bereits angesprochene stimmliche Präsenz, sind individuell und hilfsbereit – alles das wirkt auf andere Menschen äußerst anziehend.

Sprechen Sie mit klarer Stimme

Die Geister scheiden sich, ob unbedingt eine bestimmte Lautstärke nötig ist, um stimmliche Präsenz zu zeigen. Es gibt auch Menschen, die eher leiser reden und dennoch sehr souverän auf andere wirken. Der Knackpunkt ist hier wohl die gesamte Erscheinung: Jemand, der in allen Lebenslagen souverän wirkt, kann sich auch eine zarte Stimme erlauben. Dennoch können Sie Ihre Stimme modulieren und je nach Situation schneller, langsamer, lauter oder leiser sprechen.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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1. September 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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