SABTA: Blenden, aber richtig

Meetings sind wie Schaulaufen: Auch wenn die Tagesordnung langweiliger ist als Toast und die Beiträge so inspirierend sind wie Marschmusik – nirgendwo lässt sich besser auffallen und am eigenen Image schrauben als in Gruppenkonferenzen. Eine Strategie, die sich dabei immer wieder bewährt hat, lautet: SABTA. Nie gehört? Tatsächlich handelt es sich dabei um ein Akronym. Im Klartext steht es für: Sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit. Und es funktioniert erstaunlich gut – nicht nur in Meetings…

SABTA: Blenden, aber richtig

Warum Sie sich in Meetings nicht verstecken sollten

SABTA SpruchIn einigen Branchen und Berufen gehören regelmäßige Meetings zum Arbeitsablauf wie die Butter zum Brot. Es werden Zuständigkeiten besprochen, Abläufe durchgeplant, Projekte vorangebracht, Ideen erarbeitet, Konzepte vorgestellt und hinterfragt. Zumindest im besten Fall. Leider verkommen Meetings in einigen Unternehmen zu einer Zeit des unproduktiven Zusammensitzens.

Gerade das sehen einige Arbeitnehmer als Einladung, um im Meeting in Deckung zu gehen. Kopf einziehen und bloß nicht auffallen oder gar angesprochen werden. Anstatt sich an der Diskussion zu beteiligen, vielleicht sogar selbst die Initiative zu übernehmen und Anregungen einzubringen, wird teilnahmslos auf dem Stuhl gekauert, Däumchen gedreht und Sekunden gezählt, bis die Besprechung endlich ein Ende findet. Fehler!

Es klingt nur verlockend, das einberufene Meeting als eine Art Pause zu verstehen. Zugegeben: So manche (unnütze) Sitzung verleitet wirklich dazu, geistig abzuschalten. Irgendjemand leitet ohne Motivation und ohne erkennbares Ziel durch die scheinbar willkürlich ausgewählten Punkte der Agenda und die sinnvollste Beschäftigung scheint der Blick aus dem Fenster zu sein.

Widerstehen Sie trotzdem dem Impuls.

Egal, ob das Meeting einfach nur unglaublich langweilig ist oder die anderen Kollegen bereits genügend Beiträge leisten und Sie das Gefühl haben, gar nichts mehr tun zu müssen: Verstecken Sie sich nicht.

Am Ende kommt im Beruf eben nicht nur der weiter, der gute Leistungen erbringt – sondern der, der auffällt und im Gedächtnis bleibt.

Und das geht kaum irgendwo besser als im Meeting. Wo, wenn nicht hier, könnten Sie so einfach aus der Masse herausstechen?

Selbst bei totaler Ahnungslosigkeit – SABTA lässt grüßen – lässt sich noch ein brauchbarer, kompetenter und intelligenter Eindruck schinden.

Mal ehrlich: Macht es Ihnen nicht sogar der Chef täglich vor, indem er als nackter Kaiser vor die Menge tritt, irgendwelche Reden schwingt und seine Gefolgschaft führt – obwohl jeden das dumpfe Gefühl beschleicht: Irgendwie hat der doch gar keine Ahnung von dem, was er da sagt… Tja, trotzdem ist er IHR Chef und nicht anders herum…

SABTA: 6 Tricks, wie Sie im Meeting klüger aussehen

Deshalb, daher und darum: Nehmen Sie sich Ihren Vorgesetzten zum Vorbild und machen Sie es genauso. Nur bitte nicht gleich übertreiben. Die Dosis macht das Gift.

Sparsam und zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt aber, entfalten die folgenden Tricks ihre volle Wirkung und verleihen Ihnen die Aura des ebenso aufmerksamen wie kompetenten Teilnehmers, dessen Wertbeitrag nicht nur darin besteht, den Raum zu füllen.

So können Sie getreu dem Motto fake it till you make it schon einige Lorbeeren sammeln, während Sie beispielsweise daran arbeiten, sich in einem bestimmten Gebiet weiterzubilden oder an einer Formulierung für Ihre zündende Idee tüfteln, mit der Sie alle Anwesenden vom Hocker hauen wollen.

Also, wenn schon ein bisschen Blenden im Business, dann bitte richtig…

  1. Betrachten Sie alles aus der Adlerperspektive.

    Und ermutigen Sie die Kollegen am besten gleich auch dazu. Die Dinge aus einem anderen, übergeordneten Blickwinkel zu betrachten, setzt nicht nur Kreativität frei – es wirkt auch ungeheuer smart und souverän, wenn sich die Gemüter erhitzt und die Diskussionen in Details verrannt haben.

    Dann die Ruhe zu bewahren und die Kollegen zu ermutigen, kurz innezuhalten und die Sache noch mal im großen und ganzen Zusammenhang anzusehen, lässt Sie sofort clever erscheinen: Dieser Typ behält eben stets den Durch- und Überblick.


  2. Zeichnen Sie ein Diagramm.

    Nicht wenige beginnen in Meetings auf ihren Zetteln zu kritzeln. Meist entstehen dabei hübsche Blumengebilde, Muster- oder Fantasielandschaften. Manch einer kann sich so besser konzentrieren. Okay, geschenkt. Den Krickelkrakel-Zeichnungen hängt allerdings auch der Ruf an, den gelangweilten Zuhörer zu entlarven.

    Wesentlich smart wirkt da, wer kleine Diagramme zeichnet und Gehörtes so visualisiert. Balkengrafiken, Kurven oder Mengenkreise bieten dazu reichlich Formenauswahl – ein Beispiel:

    Balkengrafiken, Kurven oder Mengenkreise


  3. Wiederholen Sie Schlüsselsätze.

    Natürlich nicht jedes Mal, sondern dosiert. Aber wenn irgendjemand im Meeting etwas sehr Kluges sagt, können Sie das in eigenen Worten (!) zustimmend wiederholen. Dabei gibt es zwei Alternativen:

    • Fragend: „Sie meinen also, …? Dem kann ich nur zustimmen.“
    • Kommentierend: „Ich finde, was Kollege XY gesagt hat, ist das Entscheidende! Nämlich, dass…“

    Wenn Sie diesen Schlüsselsatz auch noch betont und langsam aussprechen, bekommt er nicht nur Bedeutungsschwere – Sie selbst ebenfalls. Obwohl der Gedanke gar nicht von Ihnen kam, lässt er Sie smarter erscheinen. Denn Sie haben ihm erst die Bühne gegeben.

    Die Masche funktioniert übrigens auch mit Mathe: Übersetzen Sie Zahlen in Proportionen. Jemand sagt, dass die Conversionrate nur 26,4 Prozent betrage – Sie wiederholen: „Nur rund jeder vierte Besucher klickt also?!“ Ein solcher Kopfrechner muss einfach klug sein!


  4. Bitten Sie den Redner darum, eine Folie zurück zu gehen.

    Okay, der Kollege wird Sie dafür vielleicht hassen, dass Sie seinen Vortragsfluss so stören. Aber Meetings sind nun mal dazu da, dass man miteinander spricht, sonst hieß es wohl eher Unterricht.

    Und was für eine Wirkung! Mit der Bitte – „Entschuldigung, können Sie bitte kurz noch mal zur letzten Folie zurück?“ – mutieren Sie unmittelbar zum aufmerksamen Hingucker: Sie sehen Punkte, die andere übersehen haben… Chapeau!


  5. Stellen Sie Fragen

    Nein, Fragen lassen Sie nicht dumm aussehen. Zumindest nicht, wenn Sie die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt stellen. Natürlich sollten Sie nicht nach dem Offensichtlichen Fragen oder durch Ihr Nachhaken demonstrieren, dass Sie bisher absolut nicht zugehört haben. Damit zeigen Sie nur Inkompetenz und auch noch Respektlosigkeit gegenüber dem Sprecher.

    Stellen Sie hingegen durchdachte Fragen, die Schwachstellen ansprechen, wichtige Punkte noch einmal neu aufrollen oder bisher unbeachtete Perspektiven öffnen, wirken Sie schon durch das Fragen smart – selbst wenn Sie nicht direkt eine Antwort parat haben.


  6. Machen Sie einen Scherz – über sich.

    Am besten einen selbstironischen. Kein Witz: Während sich andere festbeißen und Fronten verhärten, wird der zum Held, der die Runde auflockert und damit der Debatte wieder die richtige Richtung gibt. Dazu muss man inhaltlich nicht mal ein Experte sein oder Ahnung haben. Nur machen Sie den Scherz stets auf eigene Kosten, sonst wirkt es überheblich.

    Das kann so etwas sein, wie: „Das hätte mein Scheidungsanwalt mal besser auch wissen sollen…“ oder ein Wortspiel, in dem Sie den an sich trauigen Sparmaßnahmen die Schwere nehmen – natürlich mit einem Augenzwinkern, Motto: „Schade, über Spaßmaßnahmen hätte ich mich mehr gefreut…“

PS: Der obige Teil des Artikels könnte Spuren von Humor enthalten…

4 Wege, in jedem Meeting zu brillieren

Schlauer wirken im MeetingNatürlich können wir auch seriös: kommunikativ, kompakt, kompetent. Deshalb, daher und darum: 4 Tipps wie Sie im Meeting wirklich brillieren:

  1. Seien Sie vorbereitet.

    Klar, eine Binse. Aber leider nicht selbstverständlich. Immer wieder erscheinen Kollegen in Meetings und kennen nicht mal ihre Zahlen, den aktuellen Projektstatus oder wichtige Informationen. Fehler! Meetings sind auch ein bisschen wie Schaulaufen: Um Ihren Ruf nachhaltig zu positiv zu prägen, sollten Sie den Eindruck eines stets versierten Experten vermitteln. Zahlen helfen dabei enorm.

  2. Komprimieren Sie Ihre Aussagen.

    Kennen Sie auch diese Kollegen, die – wenn gefragt – nie zum Punkt kommen? Das kostet Zeit und Nerven (aller anderen) und überzeugt niemanden. Ganz anders, wenn Sie Ihre (vorbereiteten) Kernaussagen schon mal auf das Wesentliche verdichten, gerne auch pointiert. Praktisch wie in dieser Liste: Ein paar Punkte, mehr nicht – reicht, inspiriert, überzeugt.

  3. Bleiben Sie locker.

    Die Gefahr der Vorbereitung ist zugleich, zu theoretisch, zu verkopft und zu mechanisch zu klingen. Schlecht. Geben Sie Ihren Aussagen eine menschliche Note, eine Prise Natürlichkeit und Humor. Das wollen wir letztlich doch alle, wenn wir in Meetings hocken: uns auch ein bisschen unterhalten.

  4. Bleiben Sie dran.

    Die Kunst des Netzwerkens ist (auch intern), nach einem Meeting den Kontakt nicht abreißen zu lassen. Sprechen Sie Kollegen hinterher darauf an, holen Sie sich ein persönliches Feedback zu Ihren Vorschlägen und Ideen, leisten Sie Überzeugungsarbeit. Auch das wird Ihren Expertenstatus beim nächsten Meeting nachhaltig stärken.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
28. Dezember 2016 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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