Konfliktpotenzial: Konflikte erkennen und auflösen

Vermutlich hat jeder schon den ein oder anderen Streit am Arbeitsplatz miterlebt. Entweder waren Sie selbst involviert oder konnten beobachten, wie die Kollegen kurz davor waren, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Häufig geht es aber gar nicht so dramatisch zu und der Ärger wird eher vor sich hergeschoben und führt zu langfristigen Spannungen. Der Grund für die häufigen Auseinandersetzungen im Job ist das enorme Konfliktpotenzial. Es gibt viele Reibungspunkte, die sich mit der Zusammenarbeit immer weiter aufschaukeln, bis früher oder später Konflikte ausbrechen. Doch wenn Sie die häufigsten Krisenherde kennen, können Sie versuchen, diese falls möglich zu umgehen und zu deeskalieren, bevor die Konflikte zu größeren Problemen im Team führen…

Konfliktpotenzial: Konflikte erkennen und auflösen

Warum ist das Konfliktpotenzial im Job so hoch?

Job und Arbeitsplatz scheinen eine wahre Brutstätte für Konflikte und Auseinandersetzungen zu sein. An keinem anderen Ort scheinen die Gemüter so oft erhitzt zu sein und die Menschen aneinander zu geraten. Irgendeinen Konflikt gibt es immer, der eine klein, der andere durchaus etwas größer. Aber warum ausgerechnet immer im Job? Schuld ist das hohe Konfliktpotenzial, also die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Streitigkeiten kommt.

Daran schließt aber gleich die nächste Frage an: Woher kommt das Konfliktpotenzial am Arbeitsplatz? Dabei spielen gleich mehrere Faktoren eine Rolle und führen in Kombination zu vielen Auseinandersetzungen:

  • Unterschiedliche Standpunkte und Ansichten

    Teams sollten zwar gut zusammen funktionieren, doch werden bei der Zusammensetzung immer viele verschiedene Persönlichkeiten und Ansichten in einen Topf geworfen. Solche Unterschiede können durchaus ein Vorteil sein, wenn beispielsweise unterschiedliche Meinungen genutzt werden, um gemeinsam das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, sie erhöhen aber auch das Konfliktpotenzial, da verschiedene Standpunkte zu Reibungen führen, wenn keine Einigung erzielt werden kann und Argumente aufeinanderprallen.

  • Anhaltender Stress und großer Druck

    Selbst wenn die Arbeit Spaß macht ist sie doch immer auch mit einem gewissen Druck und von Zeit zu Zeit großem Stress verbunden. Deadlines müssen eingehalten werden, Kunden haben hohe Erwartungen und auch der Chef will, dass alles läuft wie geplant. Da liegen die Nerven schon einmal bei allen Beteiligten blank – was zu einem angespannten Arbeitsklima und hohem Konfliktpotenzial führt. Dann reicht schon ein falsches Wort, das als Funke zur Explosion reicht.

  • Konkurrenzdenken und gleiche Ziele

    Am Arbeitsplatz finden sich immer Kollegen, mit denen Sie in direkter Konkurrenz stehen. Das allein birgt schon ein gewisses Konfliktpotenzial, schließlich wollen beide Seiten das gleiche: Eine Beförderung, mehr Verantwortung, ein höheres Gehalt oder die Verantwortung für das nächste große Projekt. In der Regel kann es aber nur einer bekommen, was zu noch mehr Neid oder im schlimmsten Fall Abneigung führen kann.

  • Viel miteinander verbrachte Zeit

    Eine Ursache des Konfliktpotenzials am Arbeitsplatz lässt sich oft auch in Beziehungen beobachten: Wer eine Menge Zeit miteinander verbringt, gerät fast zwangsläufig irgendwann in Streit miteinander. Den ganzen Tag aufeinander zu sitzen, keine Möglichkeit zu haben, dem anderen auch mal aus dem Weg zu gehen oder sich zurückzuziehen und Zeit für sich zu haben, bringt die Gefahr mit, dass Sie sich gegenseitig auf den Wecker gehen und in der Folge aneinander geraten.

Das Konfliktpotenzial ist gefährlich für Teams und Unternehmen

Konfliktpotenzial Job Beruf Definition Ursachen Gründe TippsAuf Konflikte und Streit im Büro hat zunächst einmal niemand Lust. Es ist ungemein anstrengend, sich ständig mit dem Ärger im Job auseinandersetzen zu müssen und im Hinterkopf zu haben, dass der ein oder andere Konflikt brodelt.

Darüberhinaus sorgt das Konfliktpotenzial aber auch für weitere Probleme, die Sie persönlich, das Team und letztlich auch das Unternehmen betreffen und belasten können. Besonders leiden Motivation und Zufriedenheit. Dauerhafte Konflikte mit den Kollegen, Meinungsverschiedenheiten bei jeder Kleinigkeit und tägliche Auseinandersetzungen sorgen dafür, dass die Arbeit eher zur Nebensache wird – von Spaß an der eigenen Tätigkeit ganz zu Schweigen.

Wer schon weiß, dass er sich auf einen Arbeitstag voller unerfreulicher Diskussionen vorbereiten muss, wird sich nicht mit Motivation seinen Aufgaben widmen, sondern nur hoffen, dass die Zeit schnell vorbei geht und er schnell wieder in den Feierabend entschwinden kann. Was für Sie bleibt, sind mindestens acht Stunden, durch die Sie sich quälen müssen.

Erschwerend hinzu kommt, dass sich ein solch vergiftetes Arbeitsklima durchs gesamte Team zieht. Es brechen immer mehr Konflikte aus, es bilden sich unterschiedliche Gruppen und am Ende wird mehr gegen- als miteinander gearbeitet.

Spätestens an diesem Punkt wird das Konfliktpotenzial im Job auch für Arbeitgeber gefährlich. Denn mit der Motivation nehmen auch die Leistungen der Mitarbeiter ab. Es wird sich nicht mehr so sehr bemüht und durch die sinkende Zufriedenheit mit der Stelle wird es zunehmend egal, ob die Erwartungen noch erfüllt werden. Dies kann soweit führen, dass die Loyalität der Mitarbeiter nachlässt und eine hohe Fluktuation entsteht, weil das Betriebsklima einfach nicht mehr haltbar ist.

Konfliktpotenzial: Wo kracht es besonders oft?

Die schlechte Nachricht zuerst: Sie werden das Konfliktpotenzial in Ihrem Job nicht vollkommen aufheben können. Früher oder später werden Sie mit einem Kollegen – oder diese untereinander – in Streit geraten oder sich darin einig sein, dass Sie unterschiedlicher Meinung sind und keinen Kompromiss finden können. Das gehört zum Berufsleben dazu und mit solch kleineren Diskussionen oder Auseinandersetzungen müssen Sie im Zweifelsfall leben.

Auf der anderen Seite können Sie sich aber über die größten Konfliktpotenziale bewusst werden, um entsprechend darauf zu reagieren. Soll heißen: Wenn Sie wissen, wo Streit droht, können Sie mit ein wenig mehr Fingerspitzengefühl vorgehen und diesen vielleicht doch noch vermeiden oder zumindest abschwächen.

Wir zeigen Ihnen, wo es im Job besonders oft kracht:

  • Verantwortungen

    Wer übernimmt welche Aufgaben? Wer darf sich um die wichtigen Dinge kümmern und das erledigen, was alle gerne machen würden und für wen bleiben die eher unliebsamen Aufgaben übrig? Und natürlich auch geht es auch darum, welcher Kollege am Ende die Lorbeeren erntet, weil er mehr Verantwortung als andere getragen hat. Geht es an die Verteilung von Arbeit und Verantwortung, gibt es im Büro regelmäßig Säbelrasseln. Schließlich möchte sich auch jeder präsentieren, um die eigene Karriere zu fördern.

  • Ordnung

    Am Arbeitsplatz zeigt sich, wie unterschiedlich das Verständnis von Ordnung doch sein kann. Was für den einen noch vollkommen akzeptabel ist, bringt den anderen bereits an den Rand der Verzweiflung. Der Grat zwischen kreativem Chaos und totaler Verwüstung ist dabei recht schmal. Großes Konfliktpotenzial gibt es hier vor allem deshalb, weil im Büro so eng zusammengearbeitet wird und sich nicht selten sogar ein großer gemeinsamer Schreibtisch geteilt wird. Treffen hier unterschiedliche Ordnungspersönlichkeiten aufeinander, ist Streit programmiert.

  • Pünktlichkeit

    Egal, ob es um das morgendliche Erscheinen im Büro, den Zeitpunkt des Feierabends oder um die Einhaltung von Deadlines geht – Pünktlichkeit sollte im Job eine Selbstverständlichkeit sein, schon aus Respekt den anderen gegenüber, doch zeigt sich immer wieder, dass sie es nicht ist. Manche halten eine Viertelstunde Verspätung für normal und verständlich, einige glauben sogar, es kommt nicht auf einen Tag mehr oder weniger an – und manche legen Wert auf jede einzelne Minute und hassen Unpünktlichkeit. Es braucht nicht viel Vorstellungsvermögen, um zu sehen, was passiert, wenn im Job ein pünktlicher Mensch auf einen unpünktlichen trifft und auch noch mit diesem zusammenarbeiten muss.

  • Meetings

    Im Meeting herrscht entweder gähnende Langeweile oder es geht heiß her. Ist die zweite Situation der Fall, gibt es dabei auch ein großes Konfliktpotenzial, da der Meetingraum gerne als regelrechtes Schlachtfeld genutzt wird. Hier wird der angestaute Frust aus anderen Bereichen des Jobs raus gelassen und all die Kritik, die man sich bisher verkniffen hat, bahnt sich einen Weg nach draußen, während der Kollege, den man noch nie leiden konnte, seine fehlerhafte Idee präsentiert.

  • Hilfsbereitschaft

    Im besten Fall sollte es am Arbeitsplatz Hand in Hand gehen, wobei jeder gleichermaßen hilfsbereit ist und sich gegenseitig unterstützt. Leider ist dies in vielen Fällen nur eine Wunschvorstellung, da einige Kollegen zwar gerne von der Hilfsbereitschaft profitieren, selbst aber überhaupt nicht dazu bereit sind, auch nur einen Finger krumm zu machen, wenn andere Hilfe benötigen. Da sich niemand auf diese Weise ausnutzen lassen möchte, kommt es an dieser Stelle nicht selten zum Streit.

So können Sie mit dem Konfliktpotenzial umgehen

Auch wenn Konfliktpotenzial vorhanden ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch wirklich immer zum Streit kommen muss. Dies gilt umso mehr, wenn Sie wissen, an welchen Reibungspunkten es zu Auseinandersetzungen kommen könnte. Mit Empathie, Rücksicht und vor allem dem Wunsch, einen möglichen Konflikt zu deeskalieren, anstatt sich in einen Streit zu stürzen, lässt sich eine Menge Ärger vermeiden und Probleme aus der Welt schaffen, bevor diese explodieren können.

Mit den folgenden Tipps können Sie dafür sorgen, dass es beim Konfliktpotenzial bleibt, dieser aber nicht ausbricht:

  • Suchen Sie nach Gemeinsamkeiten

    Wenn Sie sich nur auf Unterschiede und gegensätzliche Meinungen konzentrieren, ist es nur eine Frage der Zeit, bis letztlich ein Konflikt ausbricht. Nicht ohne Grund umgeben wir uns gerne mit Menschen, die uns ähnlich sind, gleiche Sichtweisen und Einstellungen haben. Gerade wenn ohnehin Konfliktpotenzial besteht, sollten Sie sich deshalb darauf besinnen, was Sie mit dem anderen verbindet.

    Sie müssen nicht gleich zu besten Freunden werden, doch schon ein paar Gemeinsamkeiten helfen, Streit zu verhindern und besser miteinander auszukommen.


  • Gehen Sie Kompromisse ein

    Konfliktpotenzial lässt sich am besten aus der Welt schaffen, wenn beide Seiten bereit sind, aufeinander zuzugehen und die gemeinsame Lösung suchen. Das bedeutet auch, dass Sie kompromissbereit sein müssen. Nur zu verlangen, dass Ihr Gegenüber Ihnen zustimmt alles so macht, wie Sie es sich wünschen, ist nicht nur unfair, sondern auch unrealistisch.

    Wichtig ist auch die Erkenntnis: Sie haben nicht immer recht. Aus Ihrer Perspektive kommt es Ihnen vermutlich so vor, doch versuchen Sie offen für andere Meinungen und Herangehensweisen zu bleiben. Kaum etwas lässt einen sich anbahnenden Konflikt so schnell verschwinden, wie der ernst gemeinte Satz Da hast du recht, ich habe mich geirrt.


  • Sprechen Sie miteinander

    Grundsätzlich gilt, dass jedem Konfliktpotenzial immer mit Kommunikation begegnet werden sollte. Nur so können Sie überhaupt etwas tun, um die Situation zu verbessern und auch unterschwellige Probleme zu lösen. Das mag Überwindung kosten, doch zeigen Sie auch Größe, wenn Sie das Gespräch suchen.

    Achten Sie dabei sowohl auf die richtige Atmosphäre als auch auf Ihre Wortwahl. Anschuldigungen oder Anfeindungen lassen das Konfliktpotenzial nur eskalieren.


  • Klären Sie die Erwartungen

    Häufig lässt sich Konfliktpotenzial reduzieren und somit auch ein drohender Streit verhindern, wenn die Erwartungen für alle geklärt und eindeutig sind. Das lässt keinen Raum für Missverständnisse oder böse Überraschungen. Geht es beispielsweise um die oben angesprochene Pünktlichkeit, sollten Sie betonen, wie wichtig die Einhaltung der Zeiten ist und dies am besten noch begründen.

    Hilfreich kann es dabei sein, Absprachen oder Gesprächsinhalte noch einmal schriftlich – beispielsweise per Mail – festzuhalten. Fassen Sie noch einmal kurz zusammen, was Sie mitgenommen haben und welche Erwartungen Sie mitbringen.

[Bildnachweis: Narith Thongphasuk by Shutterstock.com]
25. Oktober 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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