Konfliktarten: Was steht hinter dem Streit?

Wenn die Fetzen fliegen und es zum Streit kommt, wird es sehr schnell unangenehm. Beschuldigungen werden durch den Raum geschmissen, berechtigte und auch unberechtigte Kritik wird dem Gegenüber vorgeworfen und am Ende gehen sich die Streithähne erst einmal aus dem Weg. Aber warum und zwischen wem kommt es besonders häufig zu Konflikten – und wie lassen sich diese lösen und aus der Welt schaffen? Um diese Fragen zu beantworten, müssen die unterschiedlichen Konfliktarten berücksichtigt werden. Denn ein Streit gleich noch lange nicht dem anderen, nur weil ein paar böse Worte getauscht werden. Welche Konfliktarten es gibt und wie diese sich voneinander unterscheiden…

Konfliktarten: Was steht hinter dem Streit?

Konfliktarten: Darum ist es wichtig, sie zu unterscheiden

Ist mir doch egal, um was für eine Konfliktart es sich handelt… Diese Einstellung ist weit verbreitet, gerade wenn es in der Hitze des Gefechts hoch her geht und Sie sich über Ihren Gegenüber oder die gesamte Situation aufregen. Das mag nachvollziehbar sein, da jeder das Gefühl kennt, wenn die Wut brodelt, doch ist es dennoch notwendig, sich mit den verschiedenen Konfliktarten auseinanderzusetzen.

Das Ziel dabei ist, ein besseres Konfliktmanagement zu ermöglichen, Auseinandersetzungen schneller klären zu können oder Streitigkeiten durch ein besseres Verständnis der Situation und Konstellation vielleicht sogar ganz zu verhindern oder von vornherein abzuschwächen.

Gerade in der Berufswelt, in der Konflikte fast schon regelmäßig zum Arbeitsalltag gehören können, ist es wichtig, richtig mit diesen umzugehen, um die Zusammenarbeit, Motivation und auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter nicht zu gefährden. Aber wie kann das Wissen um Konfliktarten dabei helfen?

Dafür muss zunächst einmal betrachtet werden, worin sich Konflikte voneinander unterscheiden können, wodurch unterschiedliche Konfliktarten entstehen und geprägt werden:

  • Die Konfliktparteien

    Zu einem Konflikt gehören immer mindestens zwei – alleine lässt es sich nur schwierig streiten und diskutieren. Dabei macht es jedoch einen großen Unterschied, wer genau aufeinanderprallt. Ein Problem zwischen Chef und Mitarbeiter ist etwas ganz anderes, als ein Konflikt auf einer einzelnen Hierarchieebene, wenn etwa zwei Kollegen aneinander geraten.

  • Die Gründe

    Hinter jedem Konflikt steht ein Auslöser, also ein Grund, warum dieser überhaupt entsteht. Im Job sind dies beispielsweise häufig Entscheidungen, die getroffen werden oder aber auch das Verhalten eines Kollegen beziehungsweise des Vorgesetzten, das als falsch oder ungerecht empfunden wird. Aus dieser anfänglichen Ursache entwickelt sich dann der ausgewachsene Streit.

  • Die Themen

    Ein besonders großer und auch wichtiger Unterschied sind die verschiedenen Inhalte von Konfliktarten, die sehr weit gestreut sein können. Wahrscheinlich haben Sie selbst schon erlebt und erfahren müssen, dass wirklich um jedes Thema gestritten werden kann – ob es nun ein wichtiger Punkt oder eine unwichtige Kleinigkeit ist.

  • Die Lösungen

    Auch wenn es darum geht, den Konflikt zu bereinigen, kann die Konfliktart entscheidend sein. Erst mit dem Wissen der unterschiedlichen Konfliktarten – also wer überhaupt warum streitet – lässt sich genau auf die Situation eingehen und ein passender Weg finden, um die Auseinandersetzung zu beenden.

Die häufigsten Konfliktarten

Im Job aber auch im Privatleben kommen Sie mit vielen Konfliktarten in Kontakt. Dies gilt selbst dann, wenn Sie ein sehr harmoniebedürftiger Mensch sind und von sich aus den Konflikt eher meiden. Entweder werden Sie einfach in einen Streit verwickelt oder es dreht sich nicht einmal um Sie selbst, sondern jemand in Ihrem Umfeld gerät in eine Auseinandersetzung. Dann können Sie zwar versuchen, den Kopf einzuziehen und nichts damit zu tun zu haben, in der Regel werden Sie sich aber darum bemühen wollen, die Differenzen aus der Welt zu schaffen.

Damit Sie auf alle Eventualitäten vorbereitet sind und mit jeder Situation richtig umzugehen wissen, stellen wir Ihnen die häufigsten Konfliktarten vor und erklären deren Besonderheiten:

  • Konfliktarten: Sachkonflikte

    Es klingt ein wenig widersprüchlich, doch Sachkonflikte sind die wohl beste und zum Teil sogar eine wünschenswerte Konfliktart – auch wenn grundsätzlich natürlich niemand eine Auseinandersetzung provozieren möchte. Bei Sachkonflikten dreht sich alles um verschiedene Ansichten und Meinungen zu einer Sache. Im Job also beispielsweise die beste Vorgehensweise für ein Projekt.

    Sachkonflikte können dabei in der Theorie ganz ohne Drama oder große Streitigkeiten ausgetragen werden, da sie auf der Sachebene stattfinden und im Idealfall mit begründeten Argumenten geführt werden, die zu einer angeregte Diskussion führen. In der Praxis ist dies aber die absolute Ausnahme, da nahezu immer auch gleichzeitig emotionale Konflikte mit ausgetragen werden und die Beziehungsebene eine Rolle spielt.


  • Konfliktarten: Beziehungskonflikte

    Sie können nicht mit jedem gut klar kommen und das müssen Sie auch gar nicht. Vermutlich fällt Ihnen auf Anhieb eine Person ein, mit der Sie einfach nicht gut zurecht kommen und über die Sie sich regelmäßig aufregen könnten. Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein – die Arbeitsweise eines Kollegen, das rücksichtslose Verhalten, die Bevormundung durch den Chef…

    Denkbar ist auch, dass Beziehungskonflikte entstehen, weil es bereits in der Vergangenheit Streit gegeben hat und eine Vorgeschichte gegenseitiger Abneigung besteht. Dies bleibt im Job nicht aus, wenn unterschiedliche Charaktere zu einem Team vermischt werden. Verstärkt wird diese Konfliktart durch selektive Wahrnehmung: Wir wollen also nur mitbekommen, was unsere Abneigung gegenüber dem anderen noch weiter bekräftigt.


  • Konfliktarten: Rollenkonflikte

    In jeder Situation erfüllen Sie eine bestimmte Rolle. Zuhause und in der Freizeit sind Sie Ehemann, Partner, Freund, Vater oder Sohn, abhängig davon, mit wem Sie gerade Ihre Zeit verbringen. Während der Arbeitszeit sind Sie je nach Position Mitarbeiter, Vorgesetzter oder vielleicht Projektleiter. Das gilt natürlich auch für alle anderen, die jeweils ihre eigene Rolle übernehmen. Und an jede dieser Rollen sind Erwartungen geknüpft.

    Diese lassen sich aber nur selten in Einklang bringen und machen es erforderlich, eigene Entscheidungen zu treffen und so die eigene Rolle zu definieren. Daraus resultieren wiederum Rollenkonflikte, weil Sie die Erwartungen, die jemand anders an Ihre Rolle stellt, nicht erfüllt haben.

    Natürlich können auf der anderen Seite auch Sie das Gefühl haben, das jemand seiner Rolle nicht gerecht wird. Erwarten Sie etwa, dass der Chef sich auf Ihre Seite stellt und Mitarbeiter gegenüber der Kritik von Kunden verteidigt, dieser aber eine andere Position einnimmt, entsteht daraus ein Rollenkonflikt und wahrscheinlich weitere Auseinandersetzungen.


  • Konfliktarten: Verteilungskonflikte

    Diese Konfliktart entsteht aus einem Gefühl der Ungerechtigkeit heraus. Der Kollege bekommt die besseren Aufgaben und wichtigeren Kunden und darf über das größere Budget verfügen oder das Lob für die gemeinsame Arbeit geht ausschließlich an einen Mitarbeiter aus dem Team, obwohl alle gleichermaßen daran beteiligt waren. Besonders stark ausgeprägt ist diese Konfliktart auch bei materiellen Verteilungen, wenn etwa ein Kollege eine Gehaltserhöhung erhält, auf die Sie schon lange warten und von der Sie überzeugt sind, sie zu verdienen.

    Neben der empfundenen Ungerechtigkeit ist vor allem das Selbstbewusstsein für die Entstehung von Verteilungskonflikten verantwortlich. Wenn Sie ein großes Selbstvertrauen und das Wissen über die eigenen Leistungen und Fähigkeiten mitbringen, sind Sie weniger auf die Zuwendung und Aufmerksamkeit anderer angewiesen – und genau die steckt dahinter, wenn Sie bei der Verteilung von Aufgaben oder etwas anderem leer ausgehen.


  • Konfliktarten: Bewertungs- und Wahrnehmungskonflikte

    Wenn zwei Personen das gleiche sagen, heißt es noch lange nicht, dass sie auch das gleiche meinen. Die Wahrnehmung und Bewertung von Situationen ist sehr individuell und kann innerhalb eines Teams vollkommen unterschiedlich ausfallen. Selbst wenn alle etwas gemeinsam beschließen und sich darüber einig sind, gibt es in der Umsetzung regelmäßig Konflikte.

    Dabei ist sich jedoch keiner der eigenen Schuld bewusst, da die eigene Wahrnehmung sagt, dass sich an die Abmachung gehalten wird. Die Einstellungen sind schlicht zu verschieden. Wollen beispielsweise zwei Bürokollegen endlich für mehr Ordnung sorgen, bedeutet das für den einen, absolute Sauberkeit und kein einziges ungenutztes Dokument mehr auf dem Schreibtisch. Der andere räumt nur ein paar Sachen weg und betrachtet zufrieden sein Werk. Beide sind ihrer Wahrnehmung nach der Vereinbarung nachgekommen, doch kann aus den Unterschieden schnell ein Streit entstehen.


  • Konfliktarten: Zielkonflikte

    Der Chef will das Ergebnis verbessern, mehr Produktivität, schnellere Abläufe, kürzere Deadlines, mehr Kunden und Aufträge. Die Mitarbeiter auf der anderen Seite wollen bessere Arbeitsbedingungen, weniger Stress und einen größeren Fokus auf die Work-Life-Balance. Prallen solch unterschiedliche Ziele aufeinander, ist der Konflikt meist nur noch eine Frage der Zeit.

    Häufig entsteht auch ein Zielkonflikt innerhalb eines Teams, wenn verschiedene Ziele und auch Prioritäten nicht zu vereinbaren sind. Diese Konfliktart ist schwer zu bewältigen, weil dafür beide Seiten einen Schritt aufeinander zu machen müssen, um zu gemeinsamen Lösungen und Kompromissen zu kommen.

[Bildnachweis: by Shutterstock.com]
8. Februar 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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