LEAF-Methode: Probleme lösen binnen Sekunden

Auf der Arbeit treffen unterschiedlichste Charaktere aufeinander. Kommen dann noch Zeitdruck oder persönliche Sorgen dazu, sind Konflikte vorprogrammiert. Die LEAF-Methode ist eine Möglichkeit, diese schnell in den Griff zu bekommen. Denn werden Probleme nicht gelöst, schwelen sie insgeheim weiter und es kommt irgendwann im ungünstigsten Moment zur „Explosion“. Bis dahin kann sich etwas eigentlich Kleines zu einer großen Sache entwickeln. Ursächlich dafür, dass Probleme nicht adäquat gelöst werden, sind häufig mangelhafte soziale Kompetenzen. Wie die LEAF-Methode dabei helfen kann…

LEAF-Methode: Probleme lösen binnen Sekunden

Was steckt hinter der LEAF-Methode?

Untersuchungen des amerikanischen Beratungsunternehmens Pollack Peacebuilding Systems (PPS) zufolge sind Angestellte aufgrund von Konflikten mit dem Kollegen knapp drei Stunden die Woche für ihre Arbeit blockiert.

Zeit, in der gestritten, gegrübelt oder geweint, aber eben nicht gearbeitet wird. Das entspricht einem Schaden von 359 Milliarden Dollar beziehungsweise 319 Milliarden Euro.

Abgesehen davon, dass diese Zahlen allein bereits schwindelig machen, wäre es auch fürs eigene Seelenheil oft gut, wenn es eine effiziente Technik zur Konfliktbewältigung gäbe. Und die gibt es tatsächlich mit der LEAF-Methode. Dabei handelt es sich um ein englisches Akronym, das für folgende Punkte steht:

  • Listen = zuhören
  • Empathize = sich in jemanden hineinversetzen
  • Apologize = sich entschuldigen
  • Fix = reparieren, also das Problem lösen

Diese kurze Formel lässt sich leicht einprägen und bei mehrmaliger Übung binnen kürzester Zeit umsetzen. Allerdings hat die Sache einen kleinen Haken, wie Jeremy Pollack, seines Zeichens Anthropologe und Gründer von PPS, zugibt. Denn die LEAF-Methode eignet sich nur für akute Streitigkeiten, denen ein Missverständnis zugrunde liegt, das sich leicht klären lässt.

Konflikte, die bereits länger schwelen und die in der Persönlichkeit oder dem jeweiligen Kommunikationsstil begründet sind, lassen sich damit nicht lösen. Zumindest muss dafür ein anderer Zeitrahmen angesetzt werden.

Wie funktioniert die LEAF-Methode?

Was so simpel klingt, stellt für viele Menschen ein Problem dar. Daher lohnt es sich, die LEAF-Methode etwas genauer zu begutachten:

  • Hören Sie zu

    Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber manchmal geht es bei Streit zwischen Erwachsenen wie im Kindergarten zu, Motto: Wer lauter ist, hat recht. Und so wird einfach weitergeredet und der andere erhält kaum eine ernsthafte Chance, seine Position darzulegen. Oder aber, es wird dem anderen scheinbar die Möglichkeit eingeräumt, seine Sichtweise zu schildern, aber bei jedem einzelnen Punkt dazwischen gegrätscht. Das ist einerseits ein typischer Verteidigungsimpuls. Andererseits ist es eben sehr unhöflich, den anderen nicht ausreden zu lassen und beraubt Sie der Möglichkeit herauszufinden, was Ihr Gegenüber Ihnen wirklich sagen will. Wenn es in diesem Fall tatsächlich Unklarheiten oder Verständnisfragen gibt, dürfen Sie natürlich nachfragen.

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  • Fühlen Sie sich in den anderen hinein

    Es ist natürlich weitaus leichter, den anderen von vornherein als den ausgemachten Übeltäter zu charakterisieren. Aber häufig wird man der anderen Person nicht gerecht. Es ist völlig normal, dass Kollegen nicht immer einhellig einer Meinung sind. Wichtig ist, dass Sie versuchen, Ihren Kollegen zu verstehen. Erst einmal an das Gute im Menschen glauben – das hat wenig mit Naivität, sondern lediglich mit einem positiven, empathischen Ansatz zu tun. Sie begegnen anderen mit Wohlwollen, denn umgekehrt würden Sie das für sich doch auch wollen, oder? Dazu kommt, dass Sie sich fragen sollten, ob der Auslöser des Streits den ganzen Ärger wirklich wert ist? Es kommt vor, dass Menschen andere als „Blitzableiter“, als Ventil benutzen. Sie haben gerade mächtig Stress auf der Arbeit oder im Privatleben und müssten jetzt mal so richtig Dampf ablassen – aber Sport ist in dem Moment keine Option, also gibt es Krach mit dem Kollegen.

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  • Entschuldigen Sie sich

    Wer die ersten beiden Schritte der LEAF-Methode bereits hinter sich gebracht hat und zu dem Ergebnis kommt, dass er sich womöglich wegen einer absoluten Lappalie aufgeregt hat (und der eigentliche Ärger zuhause in Form eines nervigen Nachbars wartet), sollte diesen Schritt ziemlich schnell erledigen können: Entschuldigen Sie sich bei Ihrem Kollegen. Sie schlagen so zwei Fliegen mit einer Klappe, denn erstens ermöglichen Sie eine Beilegung des Streits, zweitens zeigen Sie Größe, indem Sie zur Selbstkritik fähig sind. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass Sie es ernst meinen und nicht einfach nur etwas so dahinsagen. Entschuldigen Sie sich dafür, dass Sie einen Fehler gemacht und sich verletzend geäußert haben.

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  • Lösen Sie das Problem

    Der letzte Punkt der LEAF-Methode zeigt, dass Sie Verantwortung für Ihr Handeln übernehmen. Sie erklären sich bereit, Ihren Fehler wieder gutzumachen und Ihr Verhalten dahingehend zu ändern, dass so etwas zukünftig nicht vorkommen wird (sofern sich der Auslöser verhindern lässt). Wenn Sie unsicher sind, wie Sie reagieren sollen oder was Ihr Gesprächspartner erwartet, fragen Sie nach.

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Gewinn von Sozialkompetenz durch die LEAF-Methode

Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten sind völlig normal. Gerade in Teams kann Disharmonie auf eine gewisse Art befruchtend sein. Entscheidend ist immer das Ausmaß und ob die Beteiligten wieder zur Normalität zurückfinden.

Persönliche Eitelkeiten und Rechthaberei erschweren oftmals den Umgang mit anderen Menschen. Fällt es einem der Gesprächspartner schwer, sich präzise auszudrücken und legt der andere wiederum alles auf die Goldwaage, geht es irgendwann gar nicht mehr um die eigentliche Sache.

Die einfache Handhabung der LEAF-Methode hilft dabei, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren. Denn ist gerade ein Streit hochgekocht, trüben Emotionen oft den Verstand. Gut, wer dann auf so einen Leitfaden zurückgreifen kann. Zumal die LEAF-Methode ebenso gut im Privatleben angewandt werden kann.

Sie tragen so zur Deeskalation in Situationen bei, die womöglich nicht so eindeutig einzuschätzen und zu kontrollieren sind wie auf der Arbeit. Und Sie beherrschen damit eine wichtige Sozialkompetenz, die Sie weiterbringt.

Sich in andere hineinversetzen zu können, Missverständnisse und Kommunikationsprobleme auflösen zu können ist beispielsweise in internationalen Teams sehr vorteilhaft. Auch wer selbst im Ausland arbeitet, trägt somit seinen Teil zur interkulturellen Kompetenz bei.

[Bildnachweis: Drazen Zigic by Shutterstock.com]
6. Mai 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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