Konfliktscheu: So meistern Sie Streitigkeiten

Friede, Freude, Eierkuchen – bloß keine Reibereien, schließlich hat man so schon genug Stress im Berufsalltag. Das ist die Haltung von Personen, die konfliktscheu jeder Unstimmigkeit aus dem Weg gehen. Der Gedanke ist verständlich: Sich mit anderen auseinanderzusetzen kostet Zeit und Energie. Beides fehlt dann an anderer Stelle. Und so richtig Lust dazu hat auch keiner. Das Problem dabei: Es führt zu einem Herumlavieren und Herumeiern; statt tatsächlich den Ursachen auf den Grund zu gehen und Probleme zu lösen, werden sie nur verschoben. Warum es nichts bringt, konfliktscheu zu sein und wie Sie Streitigkeiten meistern können, lesen Sie hier…

Konfliktscheu: So meistern Sie Streitigkeiten

Konfliktscheu Definition: Angst vor Streitigkeiten

Konfliktscheu Psychologie überwinden Definition Bedeutung Männer Beziehung Duden synonymDer Kollege füllt nie den Kaffee nach, wenn er das letzte Kaffeepulver entnommen hat? Schwamm drüber – Sie wollten ja noch was in der Büroküche erledigen, dann können Sie das auch noch eben tun.

In Meetings oder bei anderen Gelegenheiten vor Kollegen stellt die eine Kollegin Sie auch gerne mal mit einem blöden Spruch bloß? Egal. Man muss auch mal über sich selbst lachen können.

Der Duden definiert konfliktscheu als ein Adjektiv für Personen, die Konflikten aus dem Weg gehen. Synonym zu konfliktscheu können Sie auch davon sprechen, dass jemand harmoniebedürftig, harmonieorientiert, harmoniesüchtig oder konfliktvermeidend ist.

Zu einem Konflikt oder gar offenem Streit kommt es dann, wenn persönliche Werte oder Ziele voneinander abweichen oder die Vorstellungen einer Person mit denen einer anderen unvereinbar scheinen. Während streitsüchtige Menschen jeden Anlass als Gelegenheit wahrnehmen, sich abzureagieren, wollen konfliktscheue Menschen um jeden Preis Ruhe bewahren.

Wie sich Streitigkeiten gestalten, hängt von den jeweiligen Parteien ab. Nicht jede Meinungsverschiedenheit muss gleich laut und unangenehm werden. Konfliktscheue Menschen gehen allerdings eher vom Supergau aus:

Sie sind anderer Ansicht als der Gesprächspartner und fürchten dessen Aggression, wenn sie beispielsweise auf etwas hinweisen, was ihrer Ansicht nach nicht in Ordnung ist. Infolgedessen treten sie vermeidend und beschwichtigend auf.

Konfliktscheu: Beziehung leidet darunter

Ganz gleich, ob im Privaten oder im Beruf: Im Endeffekt leiden Beziehungen unter der Konfliktscheue von Menschen. Denn natürlich haben nicht alle die gleichen Interessen, Ziele und Wertvorstellungen. Wer aber wofür steht, muss klar kommuniziert werden – und daran scheitert es bei konfliktscheuen Menschen.

Unbewusst gehen sie davon aus, dass andere Menschen mit hellseherischen Fähigkeiten ausgestattet sind. Oder aber sie erwarten, dass ihre „ganz normalen“ Vorstellungen von jedem anderen ebenso geteilt werden müssten. Damit sitzen Konfliktscheue natürlich einem Trugschluss auf.

Und sie schaden sich selbst: Zum einen betreiben sie permanente Selbstverleugnung. Sie nehmen ihre eigenen Wünsche nicht ernst. Zum anderen setzen sie keine klaren Grenzen. Sie sprechen nicht für sich und treten somit auch nicht für sich ein.

Um das obige Beispiel erneut zu bemühen: Natürlich sollte jeder auch über sich selbst lachen können und nicht alles immer bierernst nehmen. Wenn jedoch ein anderer sich in verletzender Weise über Sie äußert, ist es an der Zeit, die Reißleine zu ziehen.

Wem so etwas häufiger passiert, der sollte sich fragen: Wieso immer auf die anderen Rücksicht nehmen? Wieso nehmen die keine Rücksicht auf mich? Oder anders gefragt: Sind Ihre Befindlichkeiten weniger wert als die anderer Leute?

Das Problem bei konfliktscheuen Menschen ist, dass diese häufig bis zum Schluss warten. Sie merken vielleicht schon recht früh, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass sie mit etwas nicht einverstanden sind.

Aber sie trauen sich nicht, diesem Gefühl nachzugeben – sie wollen eben nicht anecken, hoffen immer noch, dass sich das Problem von alleine erledigt. Aber das tut es nicht und somit können sich Frustration und Ärger anstauen.

Konfliktscheu: Bedeutung und Auswirkungen ungelöster Konflikte

Der angestaute Ärger trägt wiederum dazu bei, dass sich der Konflikt ab irgendeinem Punkt tatsächlich in etwas viel Größerem entlädt als wenn direkt beim ersten Anzeichen etwas gesagt worden wäre. Und hierin liegt die Gefahr: Die eigenen Gefühle und Ansichten wurden viel zu lange unterdrückt.

Der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, hat drastische Folgen. Meist ergeht sich eine Partei in…

  • persönliche Kränkungen,
  • Schuldzuweisungen und
  • Verallgemeinerungen.

Natürlich kann die andere das nicht auf sich sitzen lassen, und so schaukelt sich der Konflikt hoch. Genau das hatte die konfliktscheue Person vermeiden wollen. Dahinter steckt die Angst, gegen die Erwiderungen der anderen Person nicht gewappnet zu sein, nicht genügend Schlagfertigkeit zu besitzen, um sich dagegen wehren zu können.

Und deshalb schlagen viele im Ton, der Ausdrucksweise und Heftigkeit umso stärker zurück, als sie es eigentlich müssten, wenn der Konflikt dann einmal ausbricht. Dabei muss nicht jedes Kinkerlitzchen besprochen werden, manchmal lässt sich vielleicht wirklich großzügig über etwas hinwegsehen.

Leider gelingt das an einem bestimmten Punkt vielen Menschen nicht und das bewirkt einen weiteren Effekt: Statt den Mut aufzubringen, die Dinge klar beim Namen zu benennen oder tatsächlich großzügig zu verzeihen, zündelt der Ärger im Inneren.

Das führt zu einem passiv-aggressiven Verhalten: Die konfliktscheue Person stichelt, macht Andeutungen und ironisch-sarkastische Anmerkungen, aber kommt letztlich nie wirklich aus der Deckung heraus.

So dass ihr Gegenüber – das unter Umständen gar nicht den Grund des Ärgers kennt – im Dunkeln tappt und sich wundert, warum der andere sich so merkwürdig verhält. Wird kein reiner Tisch gemacht, trägt dieses Verhalten zur Verschlechterung des Betriebsklimas bei.

Konfliktscheu: Psychologie sieht alte Muster als Ursache

Es ist ein Stück weit eine Frage der Persönlichkeit: Das Big Five Persönlichkeitsmodell sieht im Wesentlichen fünf Hauptcharakterzüge, die in jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sind.

Menschen, bei denen die Verträglichkeit besonders hoch ausgeprägt ist, sind eher konfliktscheu. Sie sind für gewöhnlich kompromissbereit, denn die Harmoniesucht ist bei ihnen deutlich stärker als der Wunsch nach Konfrontation.

Wer konfliktscheu ist, hat Angst vor Ablehnung und Verlust der Beziehung. Das ist auch in partnerschaftlichen Beziehungen so: Manche Menschen verbiegen sich bis zur Unkenntlichkeit, nur um den Partner nicht zu verlieren. Natürlich ist den meisten Konfliktscheuen klar, dass unterschiedliche Ansichten zu Streit führen und somit Bestandteil einer Beziehung sind.

Das Problem ist nur, dass ihre einzigen Strategien in Beschwichtigung und Verdrängung liegen, weshalb es so lange dauert, bis sich ein Konflikt schließlich entzündet.

Die Gründe für dieses Verhalten liegen oftmals in der Kindheit. Wie Konflikte gelöst werden, wird Kindern durch Eltern vorgelebt und beigebracht. Wer in einem gewalttätigen Elternhaus aufwächst und bei jedem Widerwort bestraft wurde, wird konfliktscheu. Denn er hat gelernt, dass Streitigkeiten für ihn zu keinem Ergebnis führen.

Auch was die Eltern im Umgang miteinander an Streitkultur praktizieren, hat seinen Einfluss: Werden Konflikte destruktiv ausgetragen und wenig lösungsorientiert, ist es für das Kind schwer zu lernen, wie man konstruktive Konfliktlösung betreibt.

Konfliktscheu überwinden: Das können Sie tun

Werden Konflikte lange Zeit nicht gelöst, entzünden sie sich irgendwann an einer Kleinigkeit und führen zur großen Szene. Was vermieden werden sollte – Aggression, Heftigkeit und Wut – kommen nun zum Vorschein, der Konflikt kann somit leicht eskalieren.

Das bestätigt die vorherigen Befürchtungen des Konfliktscheuen und befeuert einen Teufelskreis: Er wird bemüht sein, auch zukünftig Streitigkeiten zu vermeiden und noch harmoniesüchtiger auftreten. Aber auch hier ist die nächste Stufe vorprogrammiert:

Es kommt irgendwann erneut zu einem Konflikt, der Konfliktscheue wird erneut zu lange warten, deshalb wird er wesentlich heftiger reagieren als es notwendig gewesen wäre, bis das Ganze in ein Desaster mündet.

  • Ihr Gegenüber ist konfliktscheu

    Streitigkeiten sind für Ihren Gesprächspartner ein Alptraum. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass er in nächster Zeit sein Verhalten komplett ändern wird. Statt Vorwürfe zu äußern, könnten Sie es mit Entgegenkommen versuchen.

    Gehen Sie deeskalierend vor. Es wird einen Grund dafür geben, warum beispielsweise kein Kaffee nachgefüllt, die Spülmaschine ausgeräumt oder Ähnliches getan beziehungsweise unterlassen wird.

    Der augenscheinlichste Grund: Er oder sie hatte keine Lust dazu. Sie könnten das als Vermutung ganz ruhig feststellen und dann ein Angebot machen: Sie erledigen das in Zukunft, wenn Ihr Konfliktpartner Ihnen im Gegenzug etwas anderes dafür abnimmt.

  • Sie sind konfliktscheu

    Sie sind derjenige, der allen Unannehmlichkeiten aus dem Weg geht. Machen Sie sich klar, dass ein Konflikt, eine Meinungsverschiedenheit nicht gleich das Ende der Welt bedeutet. Im Gegenteil: Sie helfen dabei, sich Ihrer Bedürfnisse klarer zu werden.

    Ihr Gegenüber kann nicht wissen, wie Sie ticken, solange Sie es nicht eindeutig kommunizieren. Eindeutig heißt, dass Sie am besten in Ich-Botschaften klar benennen, was Ihnen wichtig ist. Vermeiden Sie dabei Pauschaliserungen. Sprechen Sie stattdessen bewusst an, dass Ihnen an einer gemeinsamen Lösung gelegen ist.

    Somit wird klar, dass es nicht um einseitige Schuldzuweisungen geht und Ihr Gesprächspartner hat die Möglichkeit, angemessen darauf zu reagieren.

[Bildnachweis: Syda Productions by Shutterstock.com]
8. Mai 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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