Darum sollten Sie nie wütend ins Bett gehen

Doof vom Kunden angemacht worden, Streit mit dem Kollegen gehabt und der Chef hatte auch noch was zu meckern: Manche Tage kann man echt in der Pfeife rauchen. Trotzdem sollten Sie dann nicht wütend ins Bett gehen. Ihr Schlaf ist den meisten Menschen heilig und das aus gutem Grund: Schlaf ist überlebenswichtig und der beste Energielieferant. Wenn er uns fehlt, zehrt das an unseren Kräften. Wenn uns Albträume den Schlaf rauben, sind wir am nächsten Tag unproduktiv – vielleicht sogar unausstehlich. Selbst tiefer, fester Schlaf hat nicht ausschließlich segensreiche Wirkungen. Er kann Ängste und Probleme unter bestimmten Umständen noch verstärken. Wir erklären, warum Sie nie wütend ins Bett gehen sollten und was Sie stattdessen tun können…

Darum sollten Sie nie wütend ins Bett gehen

Schädlich: Wut im Bauch

Die Wut quillt aus allen Poren, der Zorn springt aus allen Tasten. Schon im Jahr 2010 war „Wutbürger“ das Wort des Jahres in Deutschland. Und sie steigert sich immer weiter, schaukelt sich immer weiter hoch.

Sind Sie auch wütend? Auf die Politik, die Wutbürger selbst, das schlechte Wetter? Oder auf Ihren Chef, Kollegen, Ehemann oder Ehefrau? Wahrscheinlich sind Sie das ab und an.

Wut, Frust, Trauer und Enttäuschung sind normale menschliche Gefühle im Umgang mit anderen, die ihre Berechtigung haben. Das Problem ist, wenn wir keinen gesunden Umgang damit finden.

Wut vernebelt die Gedanken, provoziert Kurzschlussreaktionen, lässt uns außer Kontrolle geraten. Und verleitet uns zu Taten, die wir später bereuen. Nicht umsonst gelten diese Ratschläge als sinnvoll:

  • Schreiben Sie nie eine E-Mail mit Wut im Bauch.
  • Kündigen Sie Ihrem Arbeitgeber nie vor lauter Wut.
  • Twittern Sie nie oder posten etwas auf Facebook, weil oder wenn Sie gerade richtig wütend sind.

Das passiert während des Schlafs

Abläufe Gehirn SchlafDieser Liste muss man nun einen weiteren Punkt hinzufügen. Einen Punkt, der aus der Rubrik ‚altertümliche Weisheiten‘ stammt, nun aber auch wissenschaftlich mehr und mehr unterfüttert wird.

Gehen Sie nie wütend ins Bett!

„Unserer Meinung nach gibt es gute Gründe, die für diese uralte Weisheit sprechen“, sagt Yunzhe Liu von der Pädagogischen Universität Peking, die momentan am University College London forscht.

Ihre Studie, die jüngst im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht wurde, besagt nämlich: Wenn wir uns mit negativen Emotionen schlafen legen, verarbeitet unser Gehirn sie so, dass sie in Zukunft schwieriger zu unterdrücken sind.

Das hängt damit zusammen, dass während des Schlafs unser Gehirn die über den Tag gesammelten Informationen sortiert und entsprechend speichert. Es sind drei Gehirnregionen, die neue Informationen verarbeiten:

  • Frontallappen

    Hier werden Informationen einsortiert und mit vorhandenen Erfahrungen verknüpft.

  • Hippocampus

    Dieser Teil des Gehirns ist für die Gedächtnisbildung verantwortlich.

  • Amygdala

    Diese Region trägt dazu bei, die vorhandenen Informationen mit Gefühlen zu verbinden.

Im Schlaf entscheidet sich dann, welche Erfahrungen vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis wandern. Das gilt für positive Ereignisse ebenso wie für negative.

Praktisch ist das beispielsweise, wenn Sie für Prüfungen lernen: Das Wissen kann sich über Nacht besser setzen. Dummerweise bedeutet das im Falle negativer Ereignisse, dass wir sie einfach nicht mehr aus dem Kopf kriegen.

Böse Erinnerungen bleiben

Die Untersuchung der Wissenschaftler erstreckte sich dabei über zwei Tage, 73 männliche Studenten waren involviert.

Als Erstes zeigte man den Probanden neutrale Gesichter von Unbekannten in Verbindung mit nervenaufreibenden Bildern: verletzten Personen zum Beispiel, weinenden Kindern oder gar Leichen. Es sollte also eine Assoziation zwischen beiden Bildern hergestellt werden.

Im nächsten Schritt bekamen die Probanden die neutralen Gesichter erneut zu sehen. Diese Sitzung fand 30 Minuten später statt. Die Teilnehmer konnten den Gesichtern die schlimmen Fotos nun schon nicht mehr einwandfrei zuordnen.

In Zahlen ausgedrückt: Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich an sie erinnerten, war um neun Prozent geringer als in der Kontrollgruppe. Sie hatten die Erinnerungen also effektiv unterdrückt, die Assoziationen (teilweise) gekappt.

Wurde allerdings die zweite Sitzung erst 24 Stunden nach der ersten durchgeführt – nach der Nachtruhe also – dann betrug dieser Wert nur drei Prozent. Die Probanden konnten sich nach dieser längeren Zeitspanne also besser an die Grusel-Szenen erinnern beziehungsweise hatten sie weniger stark unterdrückt.

Erinnerungen sind gleichmäßig verteilt

Schlussfolgerung: Nach der Bettruhe lassen sich Erinnerungen schwieriger löschen.

Aber warum ist das so? Hirnscans gaben den Forschern die entsprechenden Hinweise. So aktivieren ganz frische Erinnerungen den Hippocampus im Hirn. Der Hippocampus ist der Ort, an dem neue Erinnerungen generiert werden.

Abgespeichert aber werden sie woanders, in der Grohirnrinde, dem Cortex. Und genau hier, gleichmäßig verteilt im Cortex, seien die Erinnerungen nach der Nachtruhe bei den Probanden auffindbar gewesen.

Sie sind also im Schlaf aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis gewandert – und die Assoziationen mit ihnen. Verfestigen sich die Assoziationen über Nacht, wird man sie kaum wieder los.

Was tun gegen böse Erinnerungen?

Die schlechte Nachricht ist: Erinnerungen kann man nur schwer aktiv beeinflussen. Sie noch am selben Tag zu unterdrücken sei „wahrscheinlich kein realistischer Ratschlag“, so Yunzhe Liu.

„Wir glauben, dass die Technik der Rekonsolidierung hilfreich sein könnte, bei der wir erst den Teil der Erinnerung ins Bewusstsein rufen und dann versuchen, sie zu unterdrücken“, so Liu, die damit auf eine Behandlungsmethode anspielt, bei der abgespeicherte Informationen mit dem Ziel wieder hervorgerufen werden, die Erinnerung zu modifizieren.

Zu kompliziert? Dann hat Liu auch noch einen praktikableren Vorschlag auf Lager:

Wir würden dazu raten, einen Konflikt erst zu lösen, bevor man ins Bett geht. Schlafen Sie nicht wütend ein!

Interessanterweise fördert die Studie und die damit verbundenen Ratschläge etwas zutage, dass bereits vor über 2.000 Jahren als Tipp in der Bibel zu lesen war. Da heißt es mit Blick auf Konflikte:

Wenn ihr zornig seid, dann macht es nicht noch schlimmer, indem ihr unversöhnlich bleibt. Lasst die Sonne nicht untergehen, ohne dass ihr euch vergeben habt.

Paulus‘ Ratschlag an eine Gemeinde in Ephesus (Epheser, Kapitel 4, Vers 26) klingt gut, aber oft ist es leichter gesagt als getan. Manche Konflikte schwelen schon länger und lassen sich nicht mal eben lösen. In solchen Fällen kann eine Mediation sinnvoll sein.

Besser ist es immer, es erst gar nicht soweit kommen zu lassen. Daher nachfolgend vier Tipps, wie Sie Konflikte lösen können:

[Bildnachweis: Anastasiia Kazakova by Shutterstock.com]
16. September 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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