Entschuldigung: 6 Tipps wie Sie sich richtig entschuldigen

Irren ist menschlich. Und Peinliches passiert. Entsprechend: Wer einen Fehler macht, sollte sich dafür entschuldigen. Eine Entschuldigung beweist nicht nur menschliche Größe. Sie ist auch Balsam für Beziehungen.

Leugnen – auch wenn das die meisten versuchen – wäre absolut verkehrt. Schließlich sind Fehler wie Schutzimpfungen: Sie stärken unser kognitives Immunsystem und bewahren uns davor, denselben Fehler ein zweites Mal zu begehen (vorausgesetzt, wir sind bereit, daraus zu lernen).

Bitten Sie also formvollendet um Entschuldigung, aber bleiben Sie dabei stets sachlich und souverän. Wie das gelingt, zeigen die folgenden Beispiele, Formulierungen und Vorlagen für typische Alltagssituationen…

Entschuldigung: 6 Tipps wie Sie sich richtig entschuldigen

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Kann man sich überhaupt entschuldigen?

Das Wort „Entschuldigung“ kommt uns in der Regel in zwei Situationen über die Lippen:

  • Als Eingeständnis eines Fehlers oder Versäumnisses – beispielsweise wenn wir einen Abgabetermin vergessen oder einen Denkfehler begangen haben. Oft auch, weil wir etwas Falsches gesagt haben und merken, dass das unser Gegenüber (unbeabsichtigt) getroffen hat.
  • Als Teil einer Höflichkeitsformel. Das passiert zum Beispiel wenn Sie jemanden versehentlich angerempelt haben, um Nachsicht bitten oder nach dem Weg fragen.

In beiden Situation wird gerne semantisch darüber gestritten, dass man sich gar nicht selbst „entschuldigen“ könne. Die Schuld könne einem schließlich nur der Geschädigte erlassen. Deshalb könne man nur um Verzeihung, Vergebung oder eben „um Entschuldigung bitten“ – sich aber nicht selbst entschuldigen.

Wer die Sprache beim Wort nimmt, mag damit recht haben – vergisst aber zugleich die Moral von der Geschichte: Wer seine Schuld anerkennt und deshalb Abbitte leistet, darf (bis auf seltene Ausnahmen) erwarten, dass ihm vergeben wird.

Schließlich sind wir alle nicht ohne Schuld und Fehler. Wer sich also sprach-rhetorisch erhöht und darauf verweist, dass die Selbstentschuldigung unmöglich sei, übersieht womöglich, morgen schon die Person zu sein, die auf Vergebung hofft.

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Perfekte Entschuldigung: 6 Tipps

Wie geht richtig? Wie kann man sich richtig entschuldigen (oder perfekt „um Entschuldigung bitten“)?

Dazu gibt es inzwischen zahlreiche Studien aus der Psychologie und Soziologie:

  • Es ist egal, ob eine Entschuldigung aufrichtig oder erzwungen ist. Betroffene beziehungsweise Geschädigte machen da überhaupt keinen Unterschied, so eine Studie an der Cornell Universität. Hauptsache, der reuige Sünder gesteht sein Fehlverhalten ein und sagt: „Es tut mir leid, bitte entschuldigt das.“
  • Entschuldigen Sie sich nicht dafür, was Sie denken, dass Sie falsch gemacht haben (selbst wenn es objektiv der Wahrheit entsprechen sollte). Entschuldigen Sie sich vielmehr für den Fehler, der ihr Gegenüber erzürnt hat. Die größten Chancen, ungeschoren davon zu kommen, haben Sie als Übeltäter, wenn Sie bedauern was man Ihnen vorwirft – und nicht was Sie in Ihren Augen verpatzt haben.

Tatsächlich braucht eine gute und ehrliche Entschuldigung nicht viel. Außer Überwindung.



Damit Ihre Entschuldigung ankommt und akzeptiert wird, haben wir sechs wesentliche Tipps für bessere Entschuldigungen zusammengestellt:

  1. Bitten Sie sofort um Entschuldigung

    Sie haben einen Fehler gemacht, jemanden verletzt oder verärgert? Dann ist eine Entschuldigung sofort angebracht und nicht erst mit Abstand von zwei Wochen. Je länger Sie warten, desto schwächer wird der Effekt und die Glaubwürdigkeit geht verloren.
    ➠ Mehr dazu: Glaubwürdigkeit behalten

  2. Entschuldigen Sie sich persönlich

    Ernst gemeinte und aufrichtige Entschuldigungen sind nichts für Telefonate oder E-Mails. Wenn Sie wollen, dass Sie ernst genommen werden, müssen Sie sich persönlich entschuldigen und Ihrem Gegenüber dabei in die Augen sehen, während Sie um Verzeihung bitten. Das macht es schwerer, sorgt aber dafür, dass Ihre Geste verstanden und angenommen wird.
    ➠ Mehr dazu: Persönliches Gespräch suchen

  3. Reden Sie sich nicht raus

    Eine Entschuldigung ist nicht der Zeitpunkt, um sich Ausreden einfallen zu lassen, warum es nicht Ihre Schuld war und das Sie eigentlich nichts dafür konnten. Sie haben etwas Falsches getan oder falsch gelegen. Punkt. Aus. Übernehmen Sie dafür die volle Verantwortung.
    ➠ Mehr dazu: Alles faule Ausreden!

  4. Sagen Sie, wofür Sie sich entschuldigen

    Auf ein allgemeines „Entschuldigung…“ kommt meist die Frage: „Wofür entschuldigst du dich genau?“ Ihren eigenen Fehler zu nennen, zeigt, dass Sie wissen, was Sie falsch gemacht haben und es wirklich ernst meinen, wenn Sie um Vergebung bitten.
    ➠ Mehr dazu: Ernst genommen werden

  5. Bieten Sie eine Wiedergutmachung an

    Zusammen mit Ihrer Entschuldigung sollten Sie sich überlegen, wie Sie den Fehler wieder gut machen können. Haben Sie Wein über die Hose des Sitznachbarn gekleckert, zahlen Sie natürlich die Reinigung. Hat der Kollege durch den Patzer mehr Arbeit, unterstützen Sie ihn dabei. Schon kleine Gesten können viel bewirken.
    ➠ Mehr dazu: Schadenersatz leisten

  6. Geloben Sie Besserung

    Der krönende Abschluss einer Entschuldigung ist die Aussicht auf eine bessere Zukunft. Versichern Sie, dass es nicht noch einmal vorkommen wird und dass Sie von nun an auf Ihr Verhalten achten werden.
    ➠ Mehr dazu: Zweite Chance bekommen


Mit Entschuldigungen sollten Sie nicht um sich werfen wie mit Bonbons im Karneval. Unbedacht, lapidar und inflationär verwendet, verlieren Entschuldigungen ihre Kraft.


Formulierungen für eine gute Entschuldigung

Um die möglichst perfekte Entschuldigung zu formulieren, braucht es einen Überblick.

Analysieren Sie das Problem:

  • Was ist schief gelaufen?
  • Wie konnte das passieren?
  • Wer ist daran wirklich schuld?
  • Waren Sie schlampig oder unaufmerksam?
  • Haben Sie falsch oder zu schnell reagiert?

Danach folgt der klassische Dreiklang der Schadensbegrenzung:

Geben Sie zu, dass Sie einen Fehler gemacht haben. Entschuldigen Sie sich in aller Form bei dem oder den Betroffenen. Übernehmen Sie die Verantwortung – ohne Ausflüchte oder Rechtfertigungen, die die Schuldfrage nur verlagern sollen. Das wirkt verantwortungslos. Kurz: Beweisen Sie Rückgrat.

Versuchen Sie bei allem die Emotionen zu beherrschen und packen Sie die schlechte Nachricht weder in Watte, noch die Lösung in Präsentpapier. Tränenreiche Selbstkasteiungen, wie in Japan üblich, will hierzulande keiner sehen. Sie haben einen Fehler gemacht, sich entschuldigt, daraus gelernt und eine Lösung gefunden. Kommen Sie darüber hinweg und lassen Sie sich nicht von peinlichen Schuldgefühlen blockieren. Das bringt auch keinen weiter.

Gerade in Geschäftsbeziehungen können sich unbedachte Äußerungen schnell negativ auswirken. Vor allem, wenn diese in die Öffentlichkeit dringen. Daher haben wir für Sie noch zusätzlich einige Bausteine für Formulierungen gesammelt, die Sie ebenso für ein Entschuldigungsschreiben verwenden können:

Formulierungen und Beispiele für eine kurze Entschuldigung


  • Ich möchte mich von ganzem Herzen/aufrichtig bei Dir/Ihnen entschuldigen.
  • Dieser Fehler hätte uns nicht unterlaufen dürfen, wir möchten uns dafür entschuldigen.
  • Der Fehler liegt klar auf unserer Seite, wir bitten um Entschuldigung.
  • Mir ist versehentlich ein Missgeschick unterlaufen, für das ich Dich/Sie um Entschuldigung bitte.
  • Bitte glauben Sie mir/uns, dass dieser Fehler nicht erneut vorkommen wird.
  • Ich möchte mich in aller Form für mein Verhalten im gestrigen Meeting entschuldigen.
  • Wir bedauern aufrichtig diesen Fehler, bitte geben Sie uns die Gelegenheit, dies wieder gutzumachen.
  • Es tut mir leid, dass ich diesen Auftrag verbockt habe. Ich kümmere mich sofort um den verärgerten Kunden.
  • Wir möchten uns bei Ihnen für die entstandenen Unannehmlichkeiten aufgrund der mangelhaften Lieferung entschuldigen.
  • Ihr Ärger ist absolut verständlich, daher möchten wir Ihnen versichern, dass wir aus unseren Fehlern lernen.



Manchmal kann im Business sogar die öffentliche Entschuldigung (per Video-Botschaft) der letzte Rettungsanker sein. Mehr darüber erfahren Sie in diesem PDF, das Sie sich gerne herunterladen können.

Vorlagen: Entschuldigungen für verschiedene Anlässe

Bei einer Entschuldigung können regelrecht die Worte fehlen. Was soll ich nur schreiben oder sagen? So sitzen viele unschlüssig vor einem leeren Blatt Papier oder einer E-Mail und wissen nicht, wo sie überhaupt anfangen sollen.

Um Ihnen zu helfen, haben wir zahlreiche Vorlagen für Entschuldigungen in unterschiedlichen Situationen erstellt. Diese können teils sofort genutzt werden, in anderen Fällen sind sie eher als Inspiration gedacht und sollten an die individuelle Situation angepasst werden:

Entschuldigung für Fehltage in der Schule

Solche Entschuldigungen für Fehltage in der Schule sind in der Regel formlos. Hier reichen oft zwei, drei Sätze.

Achten Sie nur darauf, dass Ihr Entschuldigungsschreiben neben dem Briefkopf mit Namen und Adresse das Datum sowie Ihre Unterschrift enthält.


Sehr geehrte Frau Mustermann,

aufgrund einer Erkältung konnte mein Sohn am Dienstag, dem TT.MM.JJJJ leider nicht am Unterricht teilnehmen. Ich bitte Sie, sein Fehlen zu entschuldigen.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Schmitz



Sehr geehrter Herr Müller,

da meine Tochter unter hohem Fieber litt, konnte Sie im Zeitraum vom TT.MM.JJJJ bis zum TT.MM.JJJJ leider die Schule nicht besuchen. Hiermit bitte ich Sie, dieses Fehlen zu entschuldigen.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche. Mit freundlichen Grüßen
Vanessa Hofstadt


Entschuldigung für den Sportunterricht

Manchmal kann ein Schüler zwar an anderen Unterrichtsstunden teilnehmen, darf aber nicht beim Sport mitmachen. Hier sollte eine entsprechende Entschuldigung für den Sport geschrieben werden, in der kurz erläutert wird, warum und für wie lange der Schüler beim Sport aussetzen muss.


Sehr geehrter Herr Konrad,

am Wochenende hat sich mein Sohn Felix bei einem Fußballturnier verletzt und eine Bänderdehnung erlitten. Auf Empfehlung des Arztes kann er deshalb in den nächsten vier Wochen leider nicht am Sportunterricht teilnehmen. Das Attest vom behandelnden Arzt haben wir dieser Entschuldigung beigefügt. Ich bitte Sie darum, den Ausfall zu entschuldigen.

Mit freundlichen Grüßen
Claudia Fischer



Sehr geehrte Frau Maier,

leider kann meine Tochter Melanie aus gesundheitlichen Gründen am 7. September 2020 nicht am Sportunterricht teilnehmen. Ich bitte Sie, dies zu entschuldigen. Voraussichtlich wird Melanie in der nächsten Woche wie gewohnt beim Sport mitmachen können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.
Sebastian Gerstens


Entschuldigung an Kollegen

Im Job ist man nicht immer einer Meinung, manchmal werden Diskussionen zu hitzig geführt und auch mit der Konkurrenz kann es übertrieben werden. Dann ist es professionell und zeigt wahre Größe, wenn Sie sich entschuldigen.


Lieber Michael,

ich möchte mich aufrichtig bei dir entschuldigen. Meine Reaktion war unprofessionell und überzogen. Deine Kritik war durchaus berechtigt und mit etwas Zeit, um darüber nachzudenken, sehe ich die Verbesserungsmöglichkeiten, die deine Vorschläge bringen. Ich hoffe, du kannst mir die emotionale Reaktion verzeihen und wir können das Projekt weiterhin gemeinsam erfolgreich gestalten.

Beste Grüße
Tobias



Hallo Clara,

auf diesem Weg wollte ich dich noch einmal um Entschuldigung bitten. Mir war in dem Moment nicht bewusst, dass meine Aussagen in der Besprechung mit dem Kunden deine Planung untergraben. Das war in keiner Weise meine Absicht und wenn ich etwas tun kann, um dich nun zu unterstützen, dann sag mir bitte Bescheid. Ich möchte meinen Fehler gerne wieder gutmachen.

Freundliche Grüße
Matthias


Entschuldigung an den Chef

Nicht nur bei Kollegen, auch beim Chef müssen Sie sich möglicherweise entschuldigen. Ein blöder Fehler, der einen wichtigen Kunden verärgert oder eine Verzögerung, durch die eine Deadline bei Projekten nicht eingehalten werden kann – sowas kann zwar passieren, doch sollten Sie dann auch eine Entschuldigung vorbringen.


Sehr geehrter Herr Larson,

an dieser Stelle möchte ich Sie noch einmal um Entschuldigung für mein Verhalten beim Kundentermin am Montag bitten. Eine solch schlechte Vorbereitung ist mir bisher noch nie passiert – und ich werde mit größter Mühe daran arbeiten, dass es auch in Zukunft nicht erneut vorkommen wird. In der Zwischenzeit habe ich mich auch beim Kunden persönlich entschuldigt und einen Folgetermin vereinbart, um ihn doch noch von unserem Produkt zu überzeugen.

Mit freundlichen Grüßen
Konrad Stauck



Sehr geehrter Herr Mustermann,

ein solcher Fehler hätte natürlich nie passieren dürfen. Dafür entschuldige ich mich in aller Form und übernehme die Verantwortung. Ich habe bereits mit Frau Mayer telefoniert und den Fehler schnellstmöglich behoben. So sollte dieser zumindest keine weiteren Auswirkungen haben.

Mit besten Grüßen
Anna Kühn


Entschuldigung an Freunde

Zu guter Letzt müssen Sie sich hin und wieder auch bei Freunden entschuldigen. Gründe dafür kann es viele geben: Eine unbedachte Aussage, die den anderen verärgert oder fehlende Hilfe, wenn der Freund diese benötigt hätte. Eine Entschuldigung kann helfen, die Wogen wieder zu glätten.


Liebe Julia,

ich kann gar nicht in Worte fassen, wie leid es mir tut. Es war vollkommen dumm von mir und ich hoffe, du kannst mir irgendwie verzeihen. Du bist mir sehr wichtig und deine Freundschaft bedeutet mir viel. Vielleicht können wir uns auf einen Kaffee treffen, um darüber zu reden.

Liebe Grüße
Kathrin



Lieber Philipp,

es tut mir so leid! Ich weiß, dass ich zugesagt habe, dir beim Umzug zu helfen und wollte dich nicht hängen lassen. Mein Chef hat mir kurzfristig eine zusätzliche Schicht aufgebrummt, weshalb ich es nicht geschafft habe. Wenn noch etwas zu tun ist, sag einfach Bescheid. Dann komme ich vorbei und bringe als Entschuldigung noch was zu essen mit.

Schuldbewusste Grüße
Martin


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Entschuldigung annehmen

Zum Entschuldigen gehören natürlich immer zwei: der Geschädigte und derjenige, der sich entschuldigen möchte. Anderen Menschen ihre Fehler verzeihen zu können ist nicht nur ein Zeichen von Großmut, sondern für eine intakte Beziehung auch unverzichtbar.

Je nach Situation eignen sich folgende Formulierungen dafür:

  • „Das macht doch nichts.“
  • „Das kann doch mal vorkommen.“
  • „Ist schon in Ordnung.“
  • „Halb so wild.“
  • „Das ist mir auch schon passiert.“
  • „Das muss Dir nicht unangenehm sein.“
  • „Keine Sorge, schon vergessen.“

In manchen Situationen fällt es der verzeihenden Person schwer, die Entschuldigung anzunehmen – zum Beispiel weil der gleiche Fehler erneut passiert oder die Enttäuschung einfach zu groß ist.

Welche Möglichkeiten gibt es dann?

Jemanden zappeln zu lassen, der aufrichtig bereut, ist nicht die feine Art. Andererseits sollten Entschuldigungen auch nicht als Allzweckmittel für sämtliche Verfehlungen benutzt werden. Eine Kompromisslösung könnte so aussehen:


Ich akzeptiere die Entschuldigung. Ich hoffe sehr, dass das nicht erneut vorkommt, anderenfalls weiß ich nicht, wie ich dann reagieren werde.



Hier signalisiert der Geschädigte: Das ist die letzte Chance. Sollte es erneut zu einem derartigen Fehler kommen, sind Konsequenzen zu erwarten. Es handelt sich um einen Warnschuss an denjenigen, der sich entschuldigt.

Mea culpa: Warum sich manche ungern entschuldigen

Man kann es leider immer wieder beobachten: Menschen machen einen offensichtlichen Fehler. Doch statt diesen zuzugeben, flüchten sie in die Vorwärtsverteidigung. Die Betroffenen gehen auf Angriff, relativierten, delegieren Verantwortung oder deklassierten ihren Fauxpas als dummen Einzelfall. Wer weiß, was die Zukunft noch zeigt – vielleicht haben sie ja doch Recht…

Warum aber fällt es vielen so schwer, um das kurzfristige Versagen einzugestehen? Warum erfinden sie lieber Ausreden, leugnen oder beschuldigen andere oder die Umstände?

Dazu gibt es inzwischen zwei fundierte Erklärungen:

  • Ego versus Entschuldigung
    Menschen hassen es, mit ihrer eigenen Imperfektion konfrontiert zu werden. Sie hassen es aber noch mehr, diese öffentlich eingestehen zu müssen. Wobei es dabei ein interessantes Phänomen gibt: Je gleichgültiger einem die Leute sind, desto leichter fällt die Entschuldigung. Je wichtiger uns diese Leute (oder die Gunst des Publikums) aber sind, desto verbissener kämpfen wir um unser verlorenes Gesicht – und machen es nur noch schlimmer.
  • Selbstwertgefühl versus Entschuldigung
    Wer sich bewusst nicht entschuldigt, fühlt sich mächtiger und erhabener. Diese gefühlte Macht, Dinge kontrollieren zu können, führt wiederum zu mehr Selbstwertgefühl. Das ist das Studien-Ergebnis von Wissenschaftlern der Universität von Queensland. Aber bitte nicht falsch verstehen: Die Studie erklärt, warum sich viele ohne Entschuldigung besser fühlen, sie liefert aber keine Rechtfertigung dazu!
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Kein Pardon: Wann Sie sich nicht entschuldigen sollten

Nicht für jedes Malheur zwischen Kaffeemaschine und Kickertisch müssen Sie Abbitte leisten. Oder anders gesagt: Nicht immer, wenn jemand glaubt, dass Sie im übertragenen Sinne auf die Füße getreten haben, müssen Sie gleich um Entschuldigung bitten.

Manchmal ist kein Pardon besser als ein „Sorry“. Zum Beispiel in diesen Situationen…


Wenn Sie gar keinen Fehler gemacht haben.
Anderen die Schuld von den Schultern nehmen – das klingt nobel, ist aber falsch. Bewahren Sie sich Ihre Entschuldigungen für Fehlleistungen, die Sie tatsächlich selbst zu verantworten haben.

Wenn es Ihrer Überzeugung widerspricht.
Entschuldigen Sie sich niemals für eine Entscheidung, die Sie für die richtige halten. Erst recht, wenn sie die einzige ist, die Sie mit Ihrem Gewissen vereinbaren können. Wer Unmoralisches von Ihnen verlangt, müsste sich eigentlich bei Ihnen entschuldigen – nicht umgekehrt.

Wenn Sie eine andere Meinung haben.
„Entschuldigung, aber ich bin in diesem Punkt nicht Ihrer Meinung.“ Das hört und liest man oft, ist aber Unfug. Ein Diskurs lebt von gegensätzlichen Positionen. Entschuldigen Sie sich nicht für Ihren Standpunkt, allenfalls für den Ton, wie Sie diesen vertreten haben.

Wenn Sie sich dadurch ein Alibi verschaffen wollen.
Klassisches Beispiel ist die Präsentation im Unternehmen – oder auch beim Referat in der Uni: „Entschuldigung, aber ich hatte kaum Zeit, um mich vernünftig vorzubereiten.“ Das ist keine Entschuldigung, sondern eine Ausrede! Überdies werten Sie die Arbeit von vornherein ab – aus falscher Bescheidenheit oder Bammel. Unnötig!


[Bildnachweis: Cookie Studio by Shutterstock.com]
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28. Juli 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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