Bewerbungssünden: Die 12 größten Fehler der Bewerbung

Bewerbungssünden können die Jobchancen dramatisch reduzieren. Aus einem simplen Grund: Sie sind allesamt vermeidbar – wenn man sie kennt. Natürlich führt nicht jeder Bewerbungsfehler, jeder kleine Fauxpas ins Aus und zu einer Absage. Die Dosis macht das Gift: Reihen sich Fehler an Fehler, wird das Eis für Bewerber dünner als im Frühjahr. Das sind die 12 größten Bewerbungssünden bei der Bewerbung, die Sie unbedingt vermeiden sollten…

Bewerbungssünden: Die 12 größten Fehler der Bewerbung

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Bewerbungssünden: Was Personaler hassen

Nicht immer sind fehlende Qualifikationen oder nicht vorhandene Berufserfahrung im Lebenslauf Schuld an einer Absage. Gerade die schriftliche Bewerbung dient vielen Personalern als erste Arbeitsprobe und zur Vorauswahl. Dabei achten Personalverantwortliche zwar auf unterschiedliche Details – je nach Vorlieben und Anforderungsprofil der Stelle. Ein paar Gemeinsamkeiten aber gibt es doch.

Unvollständige, unübersichtliche Bewerbungsunterlagen sowie erkennbare und unpersönliche Massenware landet zum Beispiel regelmäßig auf dem Absagen-Stapel. Gleiches gilt für Bewerbungen, die keinen Bezug zur Stelle haben. Eine der häufigsten Bewerbungssünden ist, Stärken, Fähigkeiten und Erfahrungen einfach nur aufzuzählen, statt auszuwählen. Nur was einen Mehrwert für das Unternehmen schafft, gehört in die Bewerbungsmappe.

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Reduzieren alle Bewerbungssünden meine Chancen?

Wer viele Bewerbungen schreibt, bei dem schleicht sich die ein oder andere Bewerbungssünde ein. Ein Flüchtigkeitsfehler hier, ein Tippfehler dort – das ist noch kein Beinbruch. Zu viele Bewerbungsfehler aber wirken irgendwann schlampig. Bei mehr als zwei Rechtschreibfehlern hört die Fehlertoleranz der meisten Personaler auf.

Bei der Bewerbung ist es wie überall: Die Dosis macht das Gift. Und die Relevanz des Fehlers. Wer sich als Redakteur bewirbt, darf sich keine Rechtschreibfehler erlauben. Eine Kassiererin in spe muss rechnen können und gewissenhaft sein. Und wer sich im Marketing oder in einer Werbeagentur mit 0815-Standardunterlagen bewirbt, erhält allenfalls noch eine kreative Absage. Über einige Bewerbungssünden sehen Personaler hinweg. Je relevanter, häufiger und vermeidbarer sie aber werden, desto mehr reduzieren sie Ihre Bewerbungschancen.

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Die 12 größten Bewerbungssünden

Auf dem Weg zum Traumjob lauern unzählige Fallstricke und Fettnäpfchen. Das sind die 12 größten Bewerbungssünden von Bewerbern – allesamt vermeidbar:

  1. Rechtschreibfehler

    Tippfehler, Buchstabendreher, falsche geschriebene Namen – auf kaum etwas reagieren Personaler so alert wie auf Rechtschreib- und Grammatikfehler. Sie sind ein Indiz für mangelnde Sorgfalt, Professionalität und geringes Interesse an dem Job. Ansonsten hätte sich der Bewerber wohl mehr Mühe gemacht. Deshalb: Lesen Sie Ihre Bewerbung immer Korrektur oder lassen Sie Freunde diese korrekturlesen. Mindestens aber sollten Sie die Rechtschreibprüfung Ihrer Textverarbeitung nutzen. Was ebenfalls hilft: lange Bandwurm- und Schachtelsätze vermeiden. Sie erhöhen die Fehlergefahr. Tippfehler sind eine der größten Bewerbungssünden – vielleicht sogar die größte.

  2. Unvollständigkeit

    In vielen Stellenanzeigen steht genau, was sich Unternehmen wünschen: „vollständige Bewerbungsunterlagen“ (dazu gehören: Anschreiben, Lebenslauf, Ausbildungsnachweise und Arbeitszeugnisse), Gehaltsvorstellungen oder den frühest möglichen Eintrittstermin. Für all diese Angaben gilt: Was explizit gefordert wird, müssen Sie mitliefern. Ohne Ausnahme. Oder ignorieren Sie auch im Arbeitsalltag Anweisungen? Ebenso müssen Sie sich an den Bewerbungsweg halten: Wird eine eMail-Bewerbung verlangt, sollten Sie keine Mappe auf Papier verschicken. Und natürlich muss die Bewerbung ALLE Unterlagen enthalten, die Sie im Anlagenverzeichnis nennen. Wer seine eigenen Versprechen nicht hält, wirkt nachlässig.

  3. Floskeln

    Floskeln ruinieren jedes Anschreiben. „Hiermit bewerbe ich mich als…“ „Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen…“ „Ich bin teamfähig, belastbar, kreativ…“ – Papier ist geduldig und behaupten kann das jeder. Nichtsagende Floskeln und Phrasen sind einer der Gründe, warum Personaler so ungerne Bewerbungsschreiben lesen. Darum sind sie aber auch eine Chance: Schreiben Sie individuell, persönlich, originell – belegen Sie Ihre Motivation mit Beispielen, und Sie heben sich erfrischend positiv von der Masse ab.

  4. Irrelevanz

    Viel hilft viel? Denkste! Personaler nehmen sich zur ersten Lektüre der Unterlagen kaum mehr Zeit als 2 bis 5 Minuten. Sie wollen auf einen Blick erfassen, ob Sie alle Anforderungen erfüllen und zum Unternehmen passen. Nicht zuletzt: Ob Sie Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden können. Je zielgerichteter das Anschreiben ist, je passgenauer der Lebenslauf auf die Stelle zugeschnitten ist, desto deutlicher machen Bewerber, dass sie sich intensiv mit dem Job beschäftigt haben. Statt Personaler mit einem Berg an Belanglosigkeiten zu betäuben, konzentrieren Sie sich besser auf wenige Aspekte, die aber von Bedeutung für den Job sind.

  5. Überlänge

    Faustregeln: Das Anschreiben ist maximal eine DIN A4 Seite lang, der Lebenslauf hat maximal 3 Seiten. Alle Bewerbungsunterlagen zusammen sollten 10 Seiten nicht übersteigen. Zu den größten Bewerbungssünden gehört „Masse statt Klasse“. Indem Sie Ihre Bewerbung präzise und prägnant formulieren und sich auf wirklich Relevantes beschränken, beweisen Sie im Subtext, dass Sie sich später auch im Job fokussieren können und an die Kraft Ihrer Argumente glauben. Haben Personaler Rückfragen, bleibt immer noch das Vorstellungsgespräch. Und da wollen Sie ja hin!

  6. Selfies

    Das Bewerbungsfoto ist zwar keine Pflicht mehr im Lebenslauf, wird aber weiterhin gern gesehen. Falls Sie sich für ein Bewerbungsfoto entscheiden, muss dies unbedingt ein professionelles Foto von einem Fotografen im Fotostudio sein. Kein Passbild, kein Selfie! Selbstgemachte Fotos sehen auch genauso aus. Deren Qualität reicht nicht – egal, wie gut das Smartphone ist. Freizeitbilder und Ganzkörperaufnahmen sind ganz tabu. Generell gilt: Foto und Stil müssen hochwertig sein und zu Beruf und Branche passen. Der Hintergrund sollte neutral und einfarbig sein. Und: Lächeln Sie! Das wirkt immer sympathischer und aufgeschlossener.

  7. Ich-Perspektive

    Laut Amy Adler ist das nicht nur eine Bewerbungssünde, sondern ein Bewerbungskiller: eine egozentrische Perspektive. Bewerber schreiben, was der Job ihnen nutzt – nicht welchen Nutzen es hat, sie einzustellen. Das aber interessiert Personaler: Sie wollen eine Lücke in der Belegschaft schließen und Talente finden, die dem Unternehmen zu mehr Wachstum verhelfen oder ein Problem lösen können. Stellen Sie deshalb IMMER den Mehrwert für das Unternehmen in den Vordergrund. Was können und wollen Sie für den Arbeitgeber leisten (was andere nicht können)? Wer seine Bewerbung so schreibt, formuliert nicht nur ein echtes Alleinstellungsmerkmal, sondern beweist zugleich Empathie und Kundenorientierung.

  8. Anbiederei

    In der Bewerbung sollen Sie Ihre Motivation für die Stelle und Begeisterung für den Arbeitgeber ausdrücken, ja. Komplimente hört jeder gern. Viele Bewerber übertreiben es damit aber und verfallen in plumpe Schleimerei. Die Masche ist so durchsichtig wie Fensterglas – und bewirkt das genaue Gegenteil: Superlative vom Typ „Mein absoluter Lebenstraum ist es, in dieser Spitzenfirma zu arbeiten“ machen erstens unglaubwürdig und zweitens Bewerber klein. Wahre Leistungsträger müssen nicht um Gunst betteln oder sich anbiedern. Nennen Sie Ihren Wert und bleiben Sie souverän. Weniger ist oft mehr.

  9. Tiefstapeln

    Manche Bewerber fallen auf der anderen Seite vom Pferd: Sie stapeln zu tief. Bescheidenheit ist zwar eine Zier, weiter kommt man aber ohne ihr. Sie ist nicht nur eine häufige Bewerbungssünde, sondern auch ein Jobsuche Fehler. Sie können was – darum bewerben Sie sich ja hier! Stellen Sie Ihr Licht also nicht unter den Scheffel. Die Bewerbung ist – wie der Name sagt – immer auch Werbung in eigener Sache. Das erwarten Personaler sogar. Seien Sie also bloß nicht zu schüchtern.

  10. Verzweiflung

    Sie wollen als beste Besetzung für den Job überzeugen? Dann seien Sie bloß kein Bittsteller! Verzweiflung ist so sexy wie liebeshungrige Männer in Dating-Portalen. Ein echtes No-Go. Natürlich kann eine lange Jobsuche mit vielen Absagen am Selbstvertrauen kratzen. Nur zeigen dürfen Bewerber das nie. Kein Personaler kauft Kandidaten von „Rudis Resterampe“. Es gehört zur Psychologie der Bewerbung, stets nach einem Schnäppchen zu klingen. Wenn man Sie hier nicht einstellt, dann macht es ein anderer… Also zugreifen: Hier! Jetzt!

  11. Lügen

    Zu den größten Bewerbungssünden gehören überdies falsche Angaben. Die sind nicht nur peinlich, wenn sie herauskommen. Lügen im Lebenslauf sind regelrechte Jobkiller. Auch wenn die Hochstapelei erst Jahre nach der Probezeit auffällt. Waren die Angaben einstellungsrelevant, liefern Sie damit einen veritablen Grund für eine fristlose Kündigung. Wurden dafür offizielle Dokumente gefälscht, begehen sie auch noch Urkundenfälschung. Die hat nicht nur arbeitsrechtliche, sondern auch zivilrechtliche Konsequenzen: Urkundenfälschung kann mit bis zu fünf Jahren Haft oder einer saftigen Geldstrafe geahndet werden. Allein der Versuch ist eine Straftat.

  12. Online-Auftritt

    Wissen Sie, was das Internet über Sie weiß? Bevor Sie Ihre Bewerbung abschicken, sollten Sie unbedingt alle Online-Profile im Internet aktualisieren und sich selbst mal googeln. Der IT-Verband Bitkom hat herausgefunden, dass zwei von drei Personalern Bewerber in Social Media recherchieren. Es wäre also fahrlässig, nicht zu überprüfen, wie Sie sich dort präsentieren oder was Personaler möglicherweise finden. Damit meinen wir gar nicht mal die gefürchteten Partybilder. Die sind keine große Bewerbungssünde mehr. Vielmehr achten Recruiter auf die Selbstdarstellung, auf Widersprüche in der Vita und auf Kommentare und politische Ansichten. Wer schlecht über bisherige Arbeitgeber spricht, despektierlich diskutiert oder sich radikalisiert, ist raus.

Die schlimmsten Bewerbungssünden: Kostenlose Checklisten

Noch mehr Hinweise und Tipps zu den größten Bewerbungssünden können Sie sich hier kostenlos als PDF herunterladen:


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Bewerbungsfehler entdeckt: Was tun?

Falls Sie Ihre Bewerbung schon abgeschickt haben und nachträglich eine der genannten Bewerbungssünden entdecken, ist das zwar ärgerlich, auch ein bisschen peinlich, aber noch zu retten. Handelt es sich um einen einzigen Tipp- oder Rechtschreibfehler, sollten Sie keine schlafenden Hunde wecken. Schweigen Sie, und halten Sie die Sache aus. Pech. Passiert.

Weitere oder schwere Fehler sind ein anderes Kaliber. Sie lassen sich aber mit einem einfachen Entschuldigungsschreiben aus der Welt schaffen. So schrieb zum Beispiel ein Bewerber mal einem Personaler:


Ich möchte mich aufrichtig dafür entschuldigen, dass ich sowohl in der E-Mail als auch in den Bewerbungsunterlagen Ihren Namen falsch geschrieben habe. Das tut mir wirklich außerordentlich leid. Ich bedauere es sehr, dass meine Bewerbungsunterlagen dadurch an Wert verlieren, denn Sie sollen wissen, dass ich grundsätzlich sehr gewissenhaft arbeite.

Das Stellenangebot hat mich wohl so euphorisch gemacht, dass sich dadurch leider der Fehlerteufel eingeschlichen hat. Ich hoffe, dass Sie meine Bewerbung trotzdem berücksichtigen.



In Kombination mit einer Entschuldigung bietet es sich ebenfalls an, dass Sie Ihre – korrigierte und nun fehlerfreie – Bewerbung mitschicken. So sieht der Personaler, dass Sie es eigentlich doch können und im besten Fall haben Sie das Malheur damit aus der Welt geschafft.

Die persönliche Entschuldigung per Mail hat den Personaler seinerzeit übrigens so berührt, dass er dazu einen Blogbeitrag verfasst hat (weswegen wir davon wissen). Mehr noch: Auch wenn es als Bewerbungsstrategie nicht zu empfehlen ist – Bewerber stechen so deutlich aus der Masse hervor und hinterlassen mit der persönlichen Geste einen positiven Eindruck. Trotz Bewerbungssünden!

[Bildnachweis: Nicoleta Ionescu by Shutterstock.com]

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