Führungszeugnis: Dürfen Unternehmen es verlangen?

Wer in der Vergangenheit schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, wird möglicherweise bei der Jobsuche noch einmal daran erinnert. Wird beispielsweise in der Stellenanzeige ein Führungszeugnis verlangt, können die Hoffnungen auf die Stelle gleich begraben werden. Dabei taucht immer wieder die Frage auf: Ist es überhaupt erlaubt, dass potenzielle Arbeitgeber ein polizeiliches Führungszeugnis von Kandidaten sehen wollen, um sich ein Bild über möglicherweise vorhandene Vorstrafen machen zu können? Würde jedes Unternehmen für jede Stelle ein Führungszeugnis anfordern, könnte so mancher Bewerber seine Bemühungen auch gleich einstellen, da es regelrecht unmöglich wäre, eine Stelle zu bekommen. Es gibt daher genaue Regelungen und Vorgaben, wenn es um das Führungszeugnis im Bewerbungsprozess geht…

Führungszeugnis: Dürfen Unternehmen es verlangen?

Warum wird überhaupt ein Führungszeugnis verlangt?

Um ein vollständiges Bild über einen möglichen neuen Mitarbeiter zu bekommen, werden Personaler manchmal regelrecht zu Detektiven. Nicht nur die Bewerbungsunterlagen werden akribisch unter die Lupe genommen, darüberhinaus wird im Internet oder bei ehemaligen Arbeitgebern nach Informationen gesucht. Und manchmal wünschen sich Unternehmen auch einen Einblick in das Führungszeugnis von Bewerbern.

Aus dem Führungszeugnis lassen sich schließlich sehr viele Rückschlüsse ziehen. Eine Liste mit Vorstrafen ist sofort abschreckend, wer schon häufiger Probleme mit dem Gesetz hatte, hat sich entweder selbst nicht im Griff, kann keine Regeln beachten und verfügt aller Wahrscheinlichkeit nach über ein schlechtes Sozialverhalten.

Für Unternehmen können dies ausschlaggebende Kriterien sein, nicht zuletzt weil auch innerhalb des Jobs die Gesetze eingehalten werden müssen. Bedeutet im Klartext: Wird ein Führungszeugnis verlangt, haben Bewerber, deren Zeugnis einschlägige Einträge enthält, sehr schlechte Karte und werden meist sofort aussortiert.

Was ist in einem Führungszeugnis enthalten?

Führungszeugnis Arbeitsrecht Eintrag Arbeitgeber Datenschutz polizeilich InhaltDen Begriff des Führungszeugnis – umgangsprachlich oftmals auch polizeiliches Führungszeugnis genannt – kennt fast jeder. Wirklich tieferes Wissen dazu haben aber nur wenige. Was steht denn überhaupt in einem solchen Führungszeugnis, woher kommt es und wer kann es anfordern?

Grundsätzlich wird in Deutschland das sogenannte Bundeszentralregister geführt. Dort werden die Ausgänge und möglichen Verurteilungen von Ermittlungsverfahren an deutschen Gerichten eingetragen und gespeichert. Soll heißen: Wenn Sie einmal vor Gericht standen, ist dies im Bundeszentralregister vermerkt – egal ob Sie verurteilt, freigesprochen oder das Verfahren eingestellt wurde.

Das Führungszeugnis ist ein Auszug aus eben diesem Register. Allerdings sind in diesem keine Freisprüche oder eingestellte Verfahren gegen die betroffene Person enthalten und auch nicht zwangsläufig alle Verurteilungen. Wenn es lediglich eine Verurteilung gibt und die Strafe 90 Tagessätzen oder eine Freiheitsstrafe von drei Monaten nicht überschreitet, taucht diese im Führungszeugnis nicht auf.

Zusätzlich befinden sich im Führungszeugnis Vermerke über die Schuldfähigkeit sowie bestimmte Entscheidungen von Verwaltungsbehörden. Neben Urteilen deutscher Gerichte werden auch ausländische Verurteilungen deutscher Staatsbürger aufgeführt.

In Deutschland ist vorgesehen, dass jeder, der mindestens 14 Jahre alt ist, einen solchen Auszug aus dem Bundeszentralregister beantragen kann, um Einblick in die gespeicherten Angaben zu erhalten. Dies können Sie online und elektronisch tun, wenn Sie über den neuen Personalausweis verfügen und die Online-Ausweisfunktion aktiviert haben und ein Kartenlesegerät zur Verfügung steht. Ansonsten können Sie den klassischen Weg gehen und beim Einwohnermeldeamt das Führungszeugnis beantragen.

Dabei kann ein Führungszeugnis für private Zwecke ausgestellt und direkt an den Antragssteller geschickt werden. Möglich ist auch, ein Führungszeugnis für eine Behörde zu beantragen, wobei das Dokument direkt an die entsprechende Stelle verschickt wird.

Darf ein Führungszeugnis für die Bewerbung verlangt werden?

Ein Führungszeugnis kann nur von Ihnen selbst beantragt werden. Weder in der Bewerbungsphase noch im Laufe eines Arbeitsverhältnisses kann ein Unternehmen sich eigenständig an die Behörden wenden, um ein Führungszeugnis über einen (potenziellen) Mitarbeiter anzufordern. Der Datenschutz sorgt dafür, dass die Privatsphäre gewahrt wird.

Dies umgehen manche Arbeitgeber, indem Sie vom Bewerber verlangen, ein Führungszeugnis mit der Bewerbung einzureichen. Aber ist das überhaupt rechtens? Grundsätzlich lautet die Antwort erst einmal: Nein. Arbeitgeber dürfen nicht ohne weiteres um ein Führungszeugnis bitten, weil damit gegen das Bundesdatenschutzgesetz verstoßen wird. Nur Informationen, die tatsächlich relevant für die angestrebte Stelle sind, dürfen angefragt werden.

Bewerben Sie sich beispielsweise auf eine Stelle bei einer Bank, bei der Sie viel mit Geld zu tun haben und dafür verantwortlich sind, darf der Personaler Sie fragen, ob Sie wegen Betrugs, Veruntreuungoder ähnlicher Verbrechen vorbestraft sind. In diesem Fall müssten Sie auch wahrheitsgemäß antworten, da es einen direkten Bezug zwischen der Frage und der Entscheidung über die Beschäftigung gibt. Gleiches gilt etwa bei einer Verkäuferin, die wegen Diebstahls verurteilt wurde.

Da in einem Führungszeugnis nicht nur relevante, sondern alle Verurteilungen enthalten sind, dürfen Arbeitgeber ein solches in der Regel nicht verlangen. So wurde der Banker möglicherweise nicht nur wegen Veruntreuung, sondern auch wegen Körperverletzung vorbestraft – und das geht ein Unternehmen nichts an. Auf diese Weise soll gesichert werden, dass trotz Vorstrafen im Führungszeugnis der Weg in einen neuen Job nicht unmöglich wird.

Empfohlen wird daher, dass die Fragen nach möglichen Vorstrafen im Vorstellungsgespräch geklärt werden. Hier kann gezielt nach den Aspekten gefragt werden, die von Belang und damit gesetzlich zulässig sind.

Allerdings gibt es von dieser Regelung einige Ausnahmen, in denen Arbeitgeber sehr wohl das Recht haben, ein Führungszeugnis zu verlangen und sich ein Bild über alle möglichen Vorstrafen zu machen:

  • Beamte

    Arbeitgeber im öffentlichen Dienst haben oftmals die Erlaubnis, ein Führungszeugnis zu verlangen, um die charakterliche Eignung eines Kandidaten zu prüfen. Gerade Behörden haben das Recht, bei Beamten ein Führungszeugnis zu verlangen und über alle Vorstrafen informiert zu werden.

  • Bewachung und Sicherheit

    Egal ob Personen oder Eigentum geschützt werden: Wer im Bewachungsgewerbe arbeiten möchte, muss sich darauf einstellen, dass ein Führungszeugnis verlangt wird. Dies ist auch völlig legal und in § 34a der Gewerbeordnung festgehalten. Demnach muss Bewachungspersonal die erforderliche Zuverlässigkeit mitbringen – und dem Unternehmen kommt es zu, diese zu prüfen.

  • Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

    Minderjährige stehen unter einen besonderen Schutz und wer beruflich Kinder betreut, beispielsweise im Kindergarten, muss doch ein Führungszeugnis seine Eignung nachweisen. Dabei geht es in erster Linie um die Überprüfung auf Sexualdelikte oder den Missbrauch von Schutzbefohlenen. In § 30a des Bundeszentralregistergesetzes heißt es dazu, dass ein erweitertes Führungszeugnis ausgestellt wird, wenn es um eine berufliche Beaufsichtigung, Betreuung, Erziehung oder Ausbildung Minderjähriger oder eine Tätigkeit geht, die in vergleichbarer Weise den Kontakt zu Minderjährigen ermöglicht.

[Bildnachweis: Stock-Asso by Shutterstock.com]
23. Juli 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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