Diskrete Bewerbung: Bitte vertraulich behandeln!

Jobwechsel sind heikel. Vor allem aus einem bestehenden Beschäftigungsverhältnis heraus. Schließlich soll der Chef nichts von der heimlichen Bewerbung mitbekommen. Fliegt die vertrauliche Bewerbung doch auf, ist das Vertrauensverhältnis beschädigt. Der Mitarbeiter gilt als illoyal und die Karriere liegt erstmal auf Eis. Blöd, wenn es dann mit der externen Bewerbung nicht klappt. Wir geben Ihnen hier Tipps für die diskrete Bewerbung und wie Sie bei einem fliegenden Jobwechsel die Risiken minimieren beziehungsweise für einen nahtlosen Übergang sorgen…

Diskrete Bewerbung: Bitte vertraulich behandeln!

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Unerwünschter Flirt mit der Konkurrenz

Grundsätzlich können Arbeitnehmer nicht dafür gefeuert werden, wenn sie sich auf dem Arbeitsmarkt umsehen oder woanders bewerben. Es könnte sich ebenso um eine Recherche über den eigenen Marktwert auf dem Arbeitsmarkt handeln. Und damit über den Auftakt zu einer Gehaltsverhandlung.

Handelt es sich bei der Umschau um ein Flirt mit der Konkurrenz, wäre der aktuelle Arbeitgeber – verständlicherweise – verstimmt. Bestenfalls ist der Chef alarmiert und setzt zum Gegenflirt an, bietet eine Gehaltserhöhung an oder stellt eine Beförderung in Aussicht. Öfter aber ist er einfach nur beleidigt, schlimmstenfalls kann er Ihnen danach das Leben zur Hölle machen. Im Extrem wird daraus gezieltes Mobbing. Und wer garantiert Ihnen auch schon, dass es mit dem Jobwechsel klappt?

Bei der heimlichen Bewerbung ertappt: Was tun?

Sollten Sie trotz aller Vorsichtsmaßnahmen auffliegen, bleiben Sie unbedingt cool und selbstbewusst. Sie wollen lediglich ihren Marktwert und ihr Gehalt prüfen – das ist legitim. Leistungsträger machen das regelmäßig. Aber wo das Thema schon aufkommt: „Wann hätten Sie Zeit für ein Mitarbeitergespräch?“

Damit es gar nicht erst dazu kommt, sollten Sie bei einer „heimlichen Bewerbung“ die größtmögliche Diskretion wahren. Tipps für die diskrete Bewerbung – inklusive Formulierungsbeispielen…

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Bewerbung mit Diskretion und Sperrvermerk

Eine gesetzliche Grundlage für die diskrete Bewerbung gibt es nicht. Sie werden auch von keinem potenziellen Arbeitgeber verlangen können, dass der erst einmal eine Vertraulichkeitserklärung unterschreibt, bevor er die Bewerbung liest. Zudem sind die meisten Personaler von sich aus diskret. Die guten jedenfalls.

Einen guten Schutz für die heimliche Bewerbung bietet ein sogenannter Sperrvermerk. Der Begriff wird in verschiedenen Zusammenhängen verwendet:

  • Bei Pressemitteilungen etwa in Form einer „Sperrfrist“. Vorher darf diese nicht veröffentlicht werden.
  • Bei öffentlichen Haushalten und einzelnen Positionen. Diese Gelder dürfen dann erst nach Aufhebung des Sperrvermerks ausgegeben werden.
  • Oder unter E-Mails, womit die Weitergabe oder Vervielfältigung des Dokumentes untersagt wird.

Bei der Bewerbung beziehungsweise im Anschreiben geht das aber genauso. Solche Sperrvermerke stehen in der Regel am Anfang des Dokuments, damit sie sofort ins Auge springen.

Wohin gehört der Sperrvermerk?

Generell haben Bewerber zwei Optionen, um einen Sperrvermerk in ihrem Bewerbungsschreiben einzufügen:

  • Betreffzeile
    Um die Vertraulichkeit der Bewerbungsunterlagen gleich zu Beginn deutlich zu machen, nutzen Sie den Betreff für den Sperrvermerk.
  • Schlusssatz
    Die Alternative dazu bietet der Schlusssatz. Auch hier können Sie eine Bitte um Vertraulichkeit formulieren. Zum Beispiel in Fettschrift, damit es auffällt.

Beide Optionen sind jedoch alternativ zu nutzen. Also bitte nicht gleichzeitig und doppelt anwenden. Das sieht dann fast schon paranoid aus.

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Beispielformulierungen für mehr Vertraulichkeit

Egal, an welcher Stelle Sie um Diskretion bei der Bewerbung bitten: Hier finden Sie passende und bewährte Beispiele und Formulierungen dazu.

Diskrete Bewerbung: Sperrvermerk im Betreff

Die folgenden Formulierungen können Sie übrigens auch in der Betreffzeile bei einer eMail-Bewerbung nutzen.

  • „Bitte vertraulich behandeln: Meine Bewerbung als…“
  • „Vertraulich: Meine Bewerbung als…“
  • „Bitte vertraulich behandeln: Bewerbung für…“
  • „Mit der Bitte um Vertraulichkeit: Meine Initiativbewerbung als…“
  • „Meine vertrauliche Bewerbung für Ihre Stelle als…“

Formulierungen für den Sperrvermerk im Schlusssatz

Im Schlusssatz des Anschreibens fällt der Sperrvermerk vielleicht weniger auf, dafür können Sie Ihre Situation und die diskrete Bewerbung dort ausführlicher erklären:

  • „Ich bitte darum meine Bewerbung vertraulich zu behandeln, da ich mich noch in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis befinde.“
  • „Da ich mich zurzeit in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis befinde, bitte ich Sie, diese Bewerbung vertraulich zu behandeln. Bitte rufen Sie mich abends ab 20 Uhr unter der oben angegebenen Nummer zurück…“
  • „Ich bitte ausdrücklich um einen vertraulichen Umgang mit meinen Bewerbungsunterlagen, da meine aktuelle Stelle ungekündigt ist.“
  • „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich meinen jetzigen Arbeitgeber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht über meine Bewerbung informieren möchte. Daher bitte ich um die vertrauliche Behandlung meiner Unterlagen.“

In allen Fällen bittet man übrigens nie um „Diskretion“ oder konkret um einen „Sperrvermerk“, sondern um „Vertraulichkeit“ oder darum, die Bewerbung „vertraulich zu behandeln“ – das ist dann schon der Sperrvermerk.

Extra-Tipp: Aktuellen Arbeitgeber verschleiern

Falls Sie fürchten, dennoch entlarvt zu werden, weil die Branche klein und geschwätzig ist, können Sie zudem alle Hinweise auf Ihren aktuellen Arbeitgeber in der Bewerbung sowie im tabellarischen Lebenslauf entfernen. Dann haben Sie beispielsweise nicht eine Position als _____ in der Firma _____, sondern arbeiten nur noch in einem „mittelständischen Medienunternehmen“.

Formulierungen im Anschreiben können lauten:

  • „Derzeit bin ich in einem großen Unternehmen der IT-Branche beschäftigt.“
  • „Aktuell arbeite ich in einem inhabergeführten Unternehmen im Medizinbereich.“
  • „Zu meinen momentanen Aufgaben in einem internationalen Pharmakonzern gehören…“

Vergessen Sie bei solchen Verschleierungsaktionen bitte nicht Ihr Arbeitszeugnis oder Zwischenzeugnisse sowie Ihre Online-Profile auf Linkedin oder Xing. Neugierige Personaler, die Sie googeln, werden dann trotzdem fündig. Die Methode bietet also keinen 100-prozentigen Schutz.

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Tipps für die Jobsuche bei bestehendem Arbeitsverhältnis

Der wichtigste Tipp für die Jobsuche aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis oder aus der Festanstellung heraus lautet: Behalten Sie die Sache möglichst für sich, und überlegen Sie ganz genau, wem Sie sich anvertrauen.

Die Kollegin, die gestern noch Ihre beste Klatsch-Freundin war, kann morgen zur Intrigantin werden, wenn sie hört, dass Sie das gemeinsame Unternehmen verlassen wollen. Es ist nun mal ein Loyalitätsbruch. Und man weiß nie, welche fast schon religiöse Bindung mancher Kollege an den bisher gemeinsamen Arbeitgeber pflegt. Behalten Sie Ihre Wechselmotivation also am besten bis zur Kündigung für sich.

Tipp 1: Nur private Kontaktdaten nutzen

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Bitte nutzen Sie für die diskrete Bewerbung ausschließlich Ihr privates Handy, den privaten Laptop und die private E-Mail-Adresse. Dienstrechner und -handy sind grundsätzlich tabu. Deren Nutzung könnte arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. Von der Peinlichkeit abgesehen. Sie können hierfür auch ein PS in der Bewerbung oder wieder den Schlusssatz nutzen. Zum Beispiel so:

  • „PS: Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Sie erreichen mich am besten privat per Mail oder telefonisch morgens vor 9 Uhr oder abends nach 18 Uhr.“
  • „PS: Bitte berücksichtigen bei der Kontaktaufnahme meine aktuellen Arbeitszeiten. Ich bin für Sie gerne erreichbar ab…“
  • „PS: Wegen meiner ungekündigten Position bin ich zu den folgenden Zeiten gut erreichbar: …“
  • „Bitte kontaktieren Sie mich abends ab 19 Uhr unter der oben angegebenen privaten Nummer…“

Führen Sie möglichst kein Jobinterview während der Arbeitszeit, sondern nehmen Sie dafür normalen Erholungsurlaub. Unauffällig sind Freitag und Montag – als wollten Sie das Wochenende verlängern.

Tipp 2: Verändern Sie keine Gewohnheiten

Falls Sie bisher immer in Jeans und Hoodie zur Arbeit erschienen sind, wäre es zu auffällig, wenn Sie plötzlich im Anzug erscheinen. Und dann noch in der Mittagspause für längere Zeit verschwinden. In dem Fall weiß jeder sofort bescheid.

Auch andere Veränderungen sind verräterisch: häufigere Telefonate, die Sie heimlich führen oder sich dazu zurückziehen; lange Mittagspausen, die Sie seltener mit den Kollegen verbringen; ein auffällig veränderter Kleidungsstil. Vor allem wer plötzlich beginnt, seine Profile auf Linkedin oder Xing zu optimieren und Profilbilder auszutauschen, macht sich verdächtig. Bleiben Sie lieber bei den vertrauten Routinen und verlegen Sie die Jobsuche in den Feierabend. Headhunter haben dafür Verständnis.

Zusatztipp: Falls Sie sich umziehen müssen, packen Sie einen passenden Anzug ins Auto und ziehen sich beispielsweise in einer Tiefgarage um.

Tipp 3: Lassen Sie nichts liegen

Manchmal lässt sich die erste Kontaktaufnahme nicht auf den Feierabend verschieben. In diesem Fall sollten möglichst nichts im Büro auf Firmenpapier notieren oder dort liegen lassen. Schon gar nicht vorbereitete Entwürfe von Anschreiben und aktuellem Lebenslauf. Auch nicht als PDF auf dem Firmenrechner! Das speichern Sie besser im privaten Smartphone. Ruft ein Personalberater an, fragen Sie den nur nach dessen E-Mail-Adresse und schicken ihm die Unterlagen vom Smartphone.

Tipp 4: Erst nach Vertrag kündigen

Der Tipp mag offensichtlich sein – trotzdem kommt es immer wieder vor, dass sich Jobwechsler auf mündliche Zusagen verlassen. Fehler! Im schlechtesten Fall sind Sie beides los: den alten und den neuen Job. Und weil Sie selbst gekündigt haben, gibt es drei Monate lang kein Arbeitslosengeld.

Auch wenn der neue Arbeitgeber Zeit sparen und die Kündigungsfrist möglichst kurz halten will: Niemals kündigen, bevor die Tinte auf dem neuen Arbeitsvertrag trocken ist und Sie diesen von einem Arbeitsrechtler haben prüfen lassen! So viel Zeit muss sein. Professionell ist es überdies.

Tipp 5: Mit Rückfragen rechnen

Wer seinen aktuellen Job kündigt und dies bei der diskreten Bewerbung durch einen Sperrvermerk deutlich macht, muss mit Rückfragen dazu im Vorstellungsgespräch rechnen. Zum Beispiel: „Warum sind Sie mit Ihrem aktuellen Job unzufrieden? Was hat sich am bisherigen Job am meisten gestört? Warum haben Sie gekündigt?“

Wichtig ist jetzt, dass Sie nicht über den bisherigen Arbeitgeber oder Chef lästern. Ebensowenig sollten Sie sich dafür rechtfertigen. Eine kurze Erklärung und Begründung reicht völlig. Idealerweise mit einer sogenannten Hin-zu-Motivation: Sagen Sie, dass Sie dankbar sind für den bisherigen Job und das Gelernte. Nun aber möchten Sie sich beruflich weiterentwickeln und suchen nach einer neuen Herausforderung, die Ihnen dieser Job bietet… Und schon sprechen Sie wieder über die Zukunft und Ihre Weiterentwicklung.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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