Sommerzeit ist Urlaubszeit. Büros und andere Arbeitsplätze sind erstaunlich leer, alles scheint ein wenig ruhiger und entspannter zu laufen, dauert teilweise aber auch etwas länger, wenn ein Teil des Personals gleichzeitig verreist. Manche freuen sich das ganze Jahr auf ihren wohlverdienten Erholungsurlaub. Endlich für eine Zeit nicht mehr an die Arbeit denken, den Stress hinter sich lassen und zuhause oder auf einer Reise entspannen. Damit Sie Ihren Urlaub wirklich genießen können und wissen, was Ihnen zusteht und worauf Sie achten müssen, haben wir die wichtigsten Informationen, Rechte und Pflichten zusammengetragen und beantworten die häufigsten Fragen. Alles, was Sie zum Erholungsurlaub wissen müssen...

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Erholungsurlaub: Ein gesetzlicher Anspruch auf Regeneration

Als Arbeitnehmer steht Ihnen in jedem Fall ein Erholungsurlaub zu. Dieser Anspruch wird in § 1 des Bundesurlaubsgesetzes (BUrlG) festgehalten, wo es unmissverständlich heißt Jeder Arbeitnehmer hat in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Dieses Recht gilt auch für Auszubildende, Volontäre oder arbeitnehmerähnliche Personen, worunter unter Umständen Selbstständige oder freie Mitarbeiter fallen können.

An diesem Anspruch ist nicht zu rütteln, die genaue Gestaltung des Erholungsurlaubs hängt jedoch vom Einzelfall ab und kann sich mitunter deutlich voneinander unterscheiden. Eine wichtige Gemeinsamkeit gibt es aber in jedem Fall: Der Begriff Erholungsurlaub ist durchaus ernst zunehmen und wörtlich zu verstehen. Ihr Urlaubsanspruch dient der Regeneration von Stress und Anstrengung.

Das Bundesurlaubsgesetz regelt deshalb auch, dass Erwerbstätigkeiten, die dem Urlaubszweck - also der Erholung - im Weg stehen, verboten sind. Sie sollen die Zeit nutzen, um wieder zu Kräften zu kommen, sich zu schonen und auch auf Ihre Gesundheit zu achten. In einem anderen Job schuften erfüllt diese Kriterien nicht. Dies dient Ihrem Schutz und ist ebenso im Sinne Ihres Arbeitgebers.

Schließlich sollen Sie nach dem Erholungsurlaub frisch und motiviert zurückkommen und am ersten Arbeitstag nach der Auszeit nicht wie gerädert im Job erscheinen.

Außerdem steht jedem Arbeitnehmer bezahlter Erholungsurlaub zu, die Ferien machen sich also nicht bei Ihrem Gehalt bemerkbar. Selbst wenn Sie Ihren gesamten Erholungsurlaub am Stück nehmen würden, steht Ihnen durch die Fortzahlung des Urlaubsentgelts Ihr volles Gehalt zu.

Wie viele Tage Erholungsurlaub stehen mir zu?

Die sicherlich wichtigste Frage, die beim Thema Erholungsurlaub jedem auf der Zunge liegt: Wie viel Erholungsurlaub steht mir im Jahr zu? Davon hängt schließlich eine ganze Menge ab. Zu welchen Anlässen wird der eigene Urlaub genutzt und wie lang kann der Erholungsurlaub jeweils ausfallen, um für alle wichtigen Gelegenheiten frei nehmen zu können?

Natürlich wird im Bundesurlaubsgesetz auch die Dauer des Erholungsurlaubs geregelt, allerdings kann es hier zu Verwirrung kommen. Denn in § 3 BUrlG heißt es: Der Urlaub beträgt jährlich mindestens 24 Werktage. Was auf den ersten Blick eindeutig klingt, ist es aber nicht.

Ein Mindesturlaub von 24 Werktagen gilt für eine 6-Tage-Woche. Da diese jedoch längst nicht für alle Arbeitnehmer gilt, variiert auch der Anspruch. Besser ist es deshalb, Sie merken sich einen simplen Zusammenhang: Die Dauer Ihres Erholungsurlaubs ist mindestens vier Wochen im Jahr. Gemeint sind wohlgemerkt Arbeitswochen.

Heißt konkret: Bei 5 Arbeitstagen pro Woche stehen Ihnen mindestens 20 Tage Erholungsurlaub zu, arbeiten Sie beispielsweise in Teilzeit mit lediglich 3 Tagen in der Woche haben Sie immer noch Anspruch auf mindestens 12 Tage Erholungsurlaub.

Dieser Mindesturlaub darf nicht unterschritten werden, durch Regelungen im Arbeitsvertrag, im Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung kann aber durchaus ein längerer Erholungsurlaub festgelegt werden.

Außerdem kann der Anspruch auf Erholungsurlaub auch durch andere Faktoren beeinflusst werden. So haben beispielsweise schwerbehinderte Arbeitnehmer Anspruch auf fünf Tage zusätzlichen Sonderurlaub. Ebenso kann das Alter eine Rolle spielen. Jugendliche bis 16 Jahren haben einen Anspruch auf mindestens 30 Tage Erhohlungsurlaub; bis 17 Jahre beträgt dieser immer noch mindestens 27 Werktage und unter 18 Jährigen stehen mindestens 25 freie Tage zu.

Erholungsurlaub: Ab wann besteht der Anspruch?

Erholungsurlaub Deutschland gesetzliche Regelung Arbeitsrecht Anspruch TeilzeitWer einen Arbeitsvertrag unterschrieben hat und eine neue Stelle antritt, steht oftmals vor der Frage, ab wann überhaupt Urlaub genommen werden kann und wie lang der Urlaubsanspruch in der ersten Zeit ist. Grundsätzlich tritt der volle Urlaubsanspruch nach einer Wartezeit von sechs Monaten in Kraft. Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie in den ersten sechs Monaten einer Anstellung keinen Erholungsurlaub nehmen können.

Bevor die Wartezeit von sechs Monaten erreicht ist, steht Ihnen nach § 5 Absatz 1a BUrlG pro vollen Monat der Beschäftigung ein Zwölftel des Jahresurlaubs zu. Bei einem theoretischen Anspruch auf 24 Tage Erholungsurlaub könnten Sie nach drei Monaten für 6 Tage Urlaub machen. Etwas komplizierter wird es, wenn die Rechnung nicht ganz so glatt aufgeht.

Bei jährlich 20 Urlaubstagen erwerben Sie in den ersten sechs Monaten 1,66 Tage Erholungsurlaub pro Monat. Da sich 0,66 Urlaubstage kaum frei nehmen lassen, gilt: Ansprüche auf Erholungsurlaub, die mindestens einen halben Tag ergeben, sind aufzurunden.

Erholungsurlaub: Kann ich Urlaub nehmen, wann immer ich ihn brauche?

Als Mitarbeiter möchten Sie verständlicherweise möglichst frei über Ihren Urlaub entscheiden. Sie wollen sich in Ihrer Planung nicht einschränken lassen und falls gerade ein freier Tag benötigt wird, wollen Sie diesen auch bekommen. Das kann genauso funktionieren, wunderbar glatt laufen und alle Beteiligten glücklich machen - muss es aber nicht zwangsläufig.

Die gute Nachricht zuerst: Ihr Arbeitgeber ist gesetzlich dazu verpflichtet, Ihre Urlaubswünsche zu berücksichtigen. Beantragen Sie Erholungsurlaub für einen bestimmten Zeitpunkt, muss Ihr Chef oder die Personalabteilung dies in der Planung im Auge behalten und darf Ihnen nicht absichtlich Steine in den Weg legen. In § 7 Absatz 1 BUrlG werden aber auch Möglichkeiten genannt, die dazu führen können, dass Ihr Urlaub nicht genehmigt wird.

  • Dringende betriebliche Belange

    Ihr Erholungsurlaub kann für einen bestimmten Zeitpunkt abgelehnt werden, wenn es nachvollziehbare und dringende betriebliche Gründe dafür gibt. Dies kann beispielsweise ein drohender Personalmangel in einer besonders wichtigen und auftragsstarken Zeit sein. So könnte ein Verkäufer Schwierigkeiten haben, in der Zeit vor Weihnachten Urlaub zu bekommen, da dies klassischerweise die absolute Hochphase und umsatzstärkste Zeit des gesamten Jahres ist.


  • Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer

    Hier geht es nicht darum, dass einfach ein Kollege gleichzeitig mit Ihnen Erholungsurlaub nehmen möchte. Entscheidend sind vielmehr die sozialen Gesichtspunkte bei der Berücksichtigung von Urlaubswünschen. Der häufigste Fall sind Mitarbeiter mit Kindern. Innerhalb der Ferien sind diese bei der Urlaubsvergabe besonders zu berücksichtigen und werden kinderlosen Arbeitnehmern vorgezogen.

Sie haben aber das Anrecht auf zusammenhängenden Urlaub, Ihr Chef kann Ihnen also nicht zumuten, Ihren gesamten Erholungsurlaub immer nur in einzelnen Tagen zu nutzen. Um für einen längeren Zeitraum frei zu haben, sich wirklich zu erholen und zu regenerieren oder auch in den Urlaub fahren zu können, muss ein Teil Ihres Erholungsurlaubs an mindestens 12 aufeinanderfolgenden Werktagen gewährt werden.

Erholungsurlaub muss beantragt und gewährt werden

Um ohne Probleme Ihren Erholungsurlaub nehmen zu können, müssen Sie diesen beim Arbeitgeber beantragen. Hier gibt es je nach Unternehmen unterschiedliche Regelungen, ganz sicher gehen Sie in jedem Fall, wenn Sie schriftlich bekunden, von wann bis wann Sie frei nehmen möchten. So haben Sie im Zweifelsfall immer etwas in der Hand, das Sie als Beleg nutzen können.

Der Antrag allein reicht jedoch nicht aus, um einfach Urlaub machen zu können. Ihr Arbeitgeber muss diesen auch noch genehmigen und zustimmen, dass Sie zur angegebenen Zeit wirklich der Arbeit fern bleiben dürfen. Tun Sie es ohne Erlaubnis, kann eine solche Selbstbeurlaubung eine Abmahnung zur Folge haben oder sogar bis zur Kündigung führen. Auch kann Ihr Chef sich weigern, Ihnen Gehalt zu bezahlen, wenn Sie sich selbst beurlauben, unerlaubt und unentschuldigt nicht zur Arbeit kommen und Ihrer vertraglich vereinbarten Tätigkeit nicht nachgehen.

Dies gilt sogar dann, wenn Ihr Antrag auf Erholungsurlaub unrechtmäßig abgelehnt wurde. Solche Probleme sind zwar die Ausnahme und ein Indiz für ein sehr schlechtes Betriebsklima, doch im Zweifelsfall bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als Ihren Erholungsurlaub vor dem Arbeitsgericht einzuklagen.

Kann der Chef Erholungsurlaub widerrufen und rückgängig machen?

Mit der Zustimmung zum Erholungsurlaub in der Tasche steht der Pause von der Arbeit eigentlich nichts mehr im Weg. Eigentlich, denn es gibt eine Möglichkeit, in der ein Unternehmen den Urlaub eines Mitarbeiters widerrufen.

Normalerweise brauchen Sie davor aber keine Angst haben, da wirklich schwerwiegende und folgenschwere Gründe vorliegen müssen, um einen Widerruf des Erholungsurlaubs zu rechtfertigen, die in der Praxis fast nie zu finden sind und absolute Ausnahmen darstellen. Es muss schon eine Bedrohung für den Fortbestand des Unternehmens vorliegen, um Arbeitnehmer einen bereits genehmigten Erholungsurlaub noch einmal absagen zu wollen.

Sind Sie erst einmal im Urlaub, müssen Sie auch nicht erreichbar sein - es sei denn, es wurde im Vorfeld etwas anderes vereinbart. Wenn Sie einem Rückruf durch den Arbeitgeber im Erholungsurlaub doch folgen, geschieht dies also einvernehmlich und von Ihren freiwillig. In diesem Fall können Sie sich Kosten erstatten lassen und haben Anrecht darauf, den Urlaub zu einem anderen Zeitpunkt nachzuholen.

Erholungsurlaub: Was tun, wenn ich krank werde?

Erholungsurlaub Deutschland Krankheit Wochenende ArbeitsrechtEs ist die Situation, die sich niemand wünscht, die aber doch viel zu häufig eintritt. Sie warten eine gefühlte Ewigkeit auf Ihren Erholungsurlaub, haben endlich frei und werden dann krank. Vorbei die Vorstellung von der Erholung, stattdessen liegen Sie im Bett oder verbringen die Zeit beim Arzt. Toller Urlaub, den Sie sich sicherlich anders vorgestellt haben. Allerdings ist das vielleicht gar nicht so schlimm, wie Sie befürchtet haben. Die Erkrankung müssen Sie zwar dennoch aussitzen, aber Ihr Urlaubsanspruch muss darunter nicht leiden.

Dies regelt § 9 BUrlG, der besagt: Erkrankt ein Arbeitnehmer während des Urlaubs, so werden die durch ärztliches Zeugnis nachgewiesenen Tage der Arbeitsunfähigkeit auf den Jahresurlaub nicht angerechnet. Grund für diese Regelung ist der Zweck der freien Zeit: Erholung. Wer krank ist, tut vieles, aber Erholung zählt nicht dazu.

Gehen Sie im Erholungsurlaub zum Arzt, müssen Sie sich also krankschreiben lassen und können dies Ihrem Arbeitgeber mitteilen. So werden diese Tage nicht auf die Dauer Ihres Urlaubsanspruchs angerechnet und können später im Jahr noch einmal als Urlaub genommen werden.

[Bildnachweis: Netfalls Remy Musser by Shutterstock.com]

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