Fernweh: Goodbye Deutschland!

Fernweh und Heimweh sind zwei Seiten einer Medaille. Für denjenigen, den das Fernweh erfasst, gibt es nichts Schöneres, als ständig unterwegs zu sein. Wenn es nicht so teuer wäre! Warum nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? Folgen Sie Ihrem Reisedrang und arbeiten Sie im Ausland. Sie sind kein Student mehr? Das macht nichts, dann brauchen Sie auch kein Work and Travel. Wenn Sie das Fernweh packt, ziehen Sie einfach komplett ins Ausland – wir haben hier die zehn spannendsten Jobs für Globetrotter…

Fernweh: Goodbye Deutschland!

Fernweh Definition: Wenn es einen packt

Kein Geringerer als Fürst Pückler-Muskau, den viele heutzutage nur noch mit Eiscreme in Verbindung bringen, soll der Schöpfer des Wortes Fernweh sein. Dabei ist das Gefühl, die Sehnsucht nach einem anderen Ort, bereits deutlich älter. Obwohl der Begriff wortwörtlich weder bei Schiller, noch bei Goethe auftaucht, werden sie das Gefühl gekannt haben.

Von Goethe sind aus seiner Prosaschrift „Kampagne in Frankreich“ folgende Worte überliefert, mit denen er sich an das Jahr 1792 erinnert:

Ich möchte dies ein umgekehrtes Heimweh nennen, eine Sehnsucht ins Weite statt ins Enge.

Eine deutsche Erfindung?

immer Fernweh Psychologie Definition DepressionEs scheint so, als hätten die Deutschen immer Fernweh. Nicht umsonst gelten wir als reisefreudige Nation.

Historisch und kulturwissenschaftlich betrachtet ist es kein Zufall, dass Begriffe wie Heimweh, Fernweh und alternativ dazu auch Wanderlust selten exakte Entsprechungen in anderen Sprachen und Kulturen haben. Oft finden sie als Germanismen Eingang in andere Sprachen.

Entstanden sind sie im Zeitalter der Romantik. Diese Epoche ist charakteristisch für einen Rückzug ins Private, Heimelige, denn politisch waren viele Bürger frustriert. Während andere Länder bereits Nationen waren, litt Deutschland noch unter der Kleinstaaterei.

Teilweise gab es hierzulande bis zu 37 unabhängige Staaten und Herzogtümer – alle mit eigenen Währungen, Gesetzen (beispielsweise bezüglich der Religionsfreiheit) und Zöllen. Da richteten viele ihre Sehnsucht bereitwillig auf andere Länder und Kulturen, die es besser verstanden.

Unzählige Filme handeln von Fernweh, spielen mit der Sehnsucht nach der Ferne. Doch was genau ist Fernweh eigentlich? Der Duden beschreibt Fernweh als „Sehnsucht nach der Ferne, nach fernen Ländern“ und schlägt als Synonym „Reiselust“ vor. Aber irgendwie klingt Reiselust vergleichsweise profan.

Man kann ja auch Lust auf einen Döner haben – Fernweh bedeutet noch viel mehr. Es steht für ein tiefes Bedürfnis, fast schon eine Not. In Fernweh steckt schließlich das Substantiv „Weh“, was für seelischen Schmerz und Leid steht. Allein die Übersetzung offenbart schon das ganze Drama, worin sich ebenfalls das Zeitalter der Romantik spiegelt.

Krankheit oder Übertreibung?

Das einzige, was den Schmerz und das Leid durch Fernweh lindern kann, ist sich auf die Reise zu machen, in andere Länder und Kulturen zu tauchen, heimische Gefilde hinter sich zu lassen. Zuhause ist es natürlich auch schön, es ist vertraut. Aber die Ferne lockt mehr und steht somit im Gegensatz zum Heimweh.

Ein weiteres Synonym für Fernweh ist Reisefieber. Der Begriff nähert sich dem an, was manche offenbar als Krankheit empfinden: Das Gefühl von Langeweile, von Unruhe und Rastlosigkeit. Eingetauscht werden soll es gegen Freiheit, neue Erfahrungen, Menschen, Wind in den Haaren, Sonne auf der Nase.

Das klingt zunächst alles sehr schön, aber wenn man genauer hinschaut, dann kommt das Ganze zu einem gewissen Preis. Wen das Fernweh packt und wer nie zuhause ist oder aber kein Zuhause mehr sein eigen nennt, der ist auf der Flucht vor sich selbst.

Dahinter steckt meist der Wunsch, die ganzen Probleme und Sorgen des Alltags hinter sich zu lassen, einfach nur seine Sachen zu packen und zu verschwinden. Es existiert daher häufig ein Leidensdruck bei Fernweh, der den Betroffenen gar nicht bewusst sein muss.

Es besteht keine Notwendigkeit, sich mit den hiesigen Gegebenheiten auseinanderzusetzen, es bleibt alles sehr unverbindlich und wenig intensiv. Und bevor man zu lange grübeln könnte, kommen schon wieder neue Impressionen durch neue Reisen.

Schattenseiten der ständigen Flucht

Kontakte können erst gar nicht tiefer gehen, denn der nächste Abschied steht ja bereits bevor. Das ist eine typische Nebenwirkung von ständiger Mobilität.

Passionierte Reiseblogger beschreiben Fernweh als einen Virus, mit dem sie sich infiziert haben. Tatsächlich klingt es allerdings eher nach einer Sucht, wenn sich dieser Hunger nach neuen Eindrücken, neuen Kulturen und Lebensstilen immer nur durch Reisen befriedigen lässt.

Dem Jugendforscher Philipp Ikrath zufolge spiegelt das Fernweh der jungen Deutschen eine gewisse Zerrissenheit wieder. Das hängt vermutlich mit den Möglichkeiten zusammen, die jüngere Generationen heutzutage haben: Es baut sich ein gewisser Erwartungsdruck auf, sich selbst zu verwirklichen. Daher seien auch gerade die Angehörigen der Generation Y ständig auf dem Sprung.

Das ständige Ausleben von Fernweh führt bei einigen zur regelrechten Depression: Nach ihrem Urlaub kehren sie zurück nach Hause, an denselben Bürotisch, mit denselben Kollegen, derselben täglichen Routine, derselben Wohnung und denselben Freunden.

Wo bis vor kurzem noch ein Feuerwerk an Impressionen die Synapsen stimulierte, ist nun grauer Arbeitsalltag. Kein Wunder, dass gerade sensiblere Gemüter dann in ein Loch fallen.

Woher kommt Fernweh?

Fernweh ist nicht gleichbedeutend mit dem Wunsch nach Urlaub. Denn einige Menschen gruselt es geradezu bei der Vorstellung, lange Wege auf sich zu nehmen, irgendwo in der Fremde auf den gewohnten Komfort verzichten zu müssen und sich womöglich nicht einmal verständigen zu können.

Andere wiederum schnappen sich den nächsten Flieger – möglichst weit weg von allem Heimischen. Die Flucht vor Problemen mag ein Grund, aber beileibe nicht der einzige sein. Forscher haben ein Gen identifiziert, das ursächlich dafür sein könnte, dass manche Menschen so starkes Fernweh empfinden, andere hingegen gar nicht.

Dabei handelt es sich um das sogenannte Gen DRD4-7R, das auch als Wanderlust-Gen bekannt ist. Vor wenigen Jahren griff ein Artikel im National Geographic die Forschungsergebnisse verschiedener Wissenschaftler auf, die sich mit der Mutation des Gens DRD4 befassten.

Dieses Gen ist für den Dopaminausschuss mitverantwortlich. Dopamin wiederum ist auch als „Belohnungsgen“ bekannt – wenn wir etwas erreicht haben, wird es ausgeschüttet und wir fühlen uns gut. DRD4-7R ist eine Variante dieses Gens und scheint bestimmte persönliche Eigenschaften zu verstärken wie:

  • Abenteuerlust
  • Neugier
  • Rastlosigkeit
  • Risikofreudigkeit

Nicht alle Menschen tragen dieses Gen in sich. Forscher schätzen, dass rund 20 Prozent der Bevölkerung dieses Gen und damit das ständige Gefühl von Fernweh besitzen. Allerdings gibt es auch genügend Einwände, dass das Gen allein kaum ausschlaggebend sein kann.

Die Psychologie und Soziologie wissen schon lange, dass Charaktereigenschaften wie Offenheit und Forscherdrang maßgeblich in früher Kindheit geprägt werden und dazu beitragen, wie sich ein Mensch entwickelt.

Die 10 besten Jobs für Globetrotter

Waren Sie schon mal in der Mongolei? Aber Sie würden bestimmt gerne mal hin, nicht wahr? Schließlich sind wir Deutsche nicht nur Export-, sondern auch Reiseweltmeister.

Es müssen keine asiatischen Steppen sein. Manche sehnen sich nach tropischen Sandstränden oder funkelnden Metropolen, nur wie dahin kommen? Ständiges Reisen ist nicht ganz preiswert. Aber wenn Sie das Fernweh wieder packt, brauchen Sie gar keine sündhaft teure Reise zu buchen. Im Gegenteil. Es reicht völlig, den richtigen Beruf zu ergreifen.

Wir haben uns deshalb mal auf die Suche nach den besten Jobs für Reiselustige gemacht. Nach Jobs, in denen Globetrotter gut aufgehoben sind. Jobs, die einen ständig von A nach B jagen. In denen eine hohe Reisebereitschaft ganz oben im Anforderungsprofil steht.

Wer weiß, vielleicht ist es für einen Ein- oder Umstieg ja noch nicht zu spät…

  • Kameramann

    Wenn es zum Schauspieler, Regisseur oder Showmaster nicht ganz reicht, muss Ihnen der Weg an die Film- und TV-Sets dieser Welt dennoch nicht versperrt bleiben. Denn: Irgendjemand muss ja beim „Bachelor“ in L.A. oder bei „The Biggest Loser“ in Andalusien die Kamera draufhalten. Vielleicht geht’s aber auch schnurstracks nach Hollywood …

  • Dolmetscher

    Die meisten Dolmetscher sitzen ganz unspektakulär in Gerichten und Behörden. Aber natürlich werden sie immer dort gebraucht, wo viele Menschen und Sprachen aufeinandertreffen. Zum Beispiel auf internationalen Konferenzen. Oder in der Entourage eines hochrangigen Politikers, der ständig auf Dienstreise ist. Ganz bestimmt wird Sie die Tätigkeit früher oder später nach Brüssel und Straßburg führen. Dort ist die Dolmetscher-Dichte angesichts der ansässigen EU-Institutionen besonders hoch.

  • Ingenieur

    Wer sich als „deutscher Ingenieur“ im Ausland vorstellt, darf sich der Wertschätzung seines Gesprächspartners so gut wie sicher sein. Deutsche Ingenieurskunst ist noch immer ein Synonym für Qualität, weltweit. Und öffnet Ihnen, je nach Unternehmen, Branche und Spezialisierung, die Pforte, um als Expat den Ölförderturm in Abu Dhabi, das neue US-Werk in Chattanooga oder die Windkraftanlage in China hochzuziehen.

  • Koch

    Als guter Koch kommen Sie auf einem Kreuzfahrtschiff unter. Oder in einem Urlaubsresort in Acapulco. Vielleicht sogar in einem Fünf-Sterne-Hotel in Manhattan. Darüber hinaus bietet die Reiseindustrie, völlig logisch, noch viele weitere Betätigungsfelder für Weltenbummler: Immer gesucht werden spritzige Animateure, cocktailmixende Barleute oder multilinguale Empfangsdamen für die Hotel-Rezeption.

  • Fernbusfahrer

    Neue Fahrer braucht das Land, der Markt ist in Bewegung. Die deutschen Fernbus-Anbieter, die seit rund zwei Jahren quer durchs Land brausen und der Deutschen Bahn Marktanteile abjagen, planen schon die Expansion ins benachbarte Ausland. Zugegeben, nach Angkor Wat kommen Sie als Busfahrer eher nicht. Aber innerhalb Europas ist es ja auch schön. Wenn Ihnen der Alte Kontinent aber zu eng ist, müssen Sie sich auf die Klassiker-Jobs Pilot und Stewardess besinnen.

  • Sportler

    Heute Melbourne, morgen Flushing Meadows. Wenn Sie sportliches Talent (und den entsprechenden Ehrgeiz) mitbringen, sehen Sie als Tennis-Crack richtig viel von der Welt. Auch als Profi-Golfer, Fußballer, Marathonläufer. Oder, falls Ihnen das Talent abgeht, als Talent-Scout, der hoffnungsvolle Spieler unter die Lupe nimmt und umwirbt. Mittlerweile werden ja schon 14-Jährige vom Trainingsplatz weg verpflichtet (was moralisch natürlich sehr fragwürdig ist).

  • Politiker

    Wenn das Prädikat Kanzler, Minister oder Abgeordneter an Ihrem Revers klebt, können Sie sich über mangelnde Gastfreundlichkeit meist nicht beklagen. Und genießen allerorts kompetente Reiseführer. Hinterher können Sie Ihre Karriere reisend vergolden, als Keynote-Speaker auf elitären Events etwa. Beste Beispiele: Joschka Fischer und Bill Clinton. Und wenn der Bundestag eine Nummer zu groß ist? Dann fangen Sie einfach als Bürgermeister in Ihrer Heimatstadt an – und vertreten sie auf Wirtschafts-, Marketing- und Immobilienmessen in der ganzen Welt, bei Kongressen und Tagungen und beim Besuch in den diversen Partnerstädten.

  • Reiseblogger

    Davon gibt es mittlerweile eine ganze Menge. Und manche Reiseblogs scheinen sich auch finanziell zu tragen. Auf jeden Fall ermöglicht die Blogger-Karriere ortsunabhängiges Arbeiten und erfordert geradezu regelmäßiges Weltreisen. Alternativen: Fotograf, ARD-Korrespondent, Journalist. Wobei Sie als klassischer Print-Schreiber, Stichwort Medienkrise, bei der Frage nach dem Reisebudget für die Redaktion wohl eher lautes Gelächter provozieren.

  • Unternehmensberater

    Hier ist natürlich das Kundenportfolio ausschlaggebend, ob Sie der Flieger weit hinausträgt oder doch nur die Bahn nach Gütersloh wartet. Eine erhöhte Reisebereitschaft ist für die meisten Unternehmensberater aber in jedem Fall Voraussetzung. Das Gleiche gilt für Wirtschaftsprüfer, Revisoren und SAP-Berater.

  • Pokerspieler

    Als professioneller Bluffer können Sie richtig große Beträge abräumen. Besonders geeignet für Menschen, die Las Vegas mögen. In der Wüste Nevadas finden noch immer die wichtigsten Pokerturniere statt. Und dort gewann der Deutsche Pius Heinz 2011 als Weltmeister immerhin ein Millionen-Preisgeld. Ob Pokerspieler nun ein richtiger Beruf oder doch eher halbseidenes Hobby ist, dürfen Sie aber selbst entscheiden.

Doch nicht auswandern? Tipps für mehr Abwechslung

Wer ständig von fernen Ländern träumt, heizt den Wunsch nach mehr an – leider lässt sich das Reisen nicht immer verwirklichen, nicht in jedem steckt ein Reiseblogger.

Die Jobsuche ist nicht immer erfolgreich oder die Bande in die Heimat sind doch stärker. Kein Grund, Trübsal zu blasen, wir haben Tipps für ein bisschen Fremde im Heimischen:

  • Bilder

    Manchmal reicht schon der Griff ins Bücherregal, um die Gedanken auf die Reise zu schicken. Ein schöner Bildband oder ein Buch über geschichtliche Hintergründe lassen vor dem inneren Auge Bilder entstehen und regen die Fantasie für den nächsten Urlaub an.

  • Abwechslung

    Meistens schlafen wir ja doch in unserem Bett, Nacht für Nacht dasselbe. Wie wäre es, wenn Sie sich in einer lauen Sommernacht den Schlafsack schnappen und unter dem freien Sternenhimmel campen? Meist sind dafür keine große Anreisen nötig, ein Kurztrip am Wochenende kann schon Wunder wirken.

  • Essen

    Jede Landesküche hat ihre eigenen typischen Gerichte und Gewürze. Holen Sie sich ferne Länder nach Hause, indem Sie exotische Gerichte nachkochen.

  • Souvenirs

    Wie wäre es mit einem kleinen Ritual: Bringen Sie von jeder Reise ein Mitbringsel für sich selbst mit, eine Kleinigkeit aus dem Ort, an dem Sie waren. Gestalten Sie sich beispielsweise ein Zimmer oder eine Ecke in der Wohnung entsprechend: So können Sie als Schottlandfan Poster von den Highlands aufhängen, vielleicht haben Sie einen Dudelsack als Wandschmuck, kleine schottische Accessoires.

[Bildnachweis: qunamax by Shutterstock.com]
8. Februar 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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