Was bedeutet ausruhen?
Ausruhen bedeutet, eine Belastung zu unterbrechen und Körper oder Geist Zeit zur Erholung zu geben. Das kann heißen, sich hinzulegen und nichts zu tun. Es kann aber genauso bedeuten, nach stundenlanger Denkarbeit aufzustehen, nach draußen zu gehen oder für einige Minuten sämtliche Reize abzuschalten. Ausruhen ist deshalb nicht gleich Faulheit. Im Gegenteil: Wer seine Energiereserven beansprucht, braucht anschließend Phasen, in denen sich Körper und Kopf erholen können.
Was ist der Unterschied zwischen Ausruhen und Erholen?
Ausruhen beschreibt vor allem die Unterbrechung einer Belastung: Sie legen eine Pause ein und reduzieren die Anforderungen. Regeneration und Erholung gehen weiter. Dabei werden Beanspruchungsfolgen ausgeglichen und Energiereserven wiederhergestellt. Auch Entspannung ist nicht dasselbe: Sie können entspannt ein Buch lesen und sich dabei erholen. Nach 8 Stunden Sitzen kann dagegen ein Spaziergang erholsamer sein als weiteres Sitzen auf dem Sofa.
Ausruhen ist kein Luxus, sondern notwendig
Täglich verbrauchen wir Energie. Aufgaben, Probleme und Entscheidungen verlangen körperliche oder mentale Kapazität. Stress und Belastung sind spürbar, der Wunsch nach Erholung groß. Ausgerechnet in einem stressigen Alltag kommt das Ausruhen aber häufig zu kurz. Alles läuft immer auf Hochtouren. Schließlich wollen die Kinder versorgt, der Haushalt geschmissen, Einkäufe erledigt, Hobbys ausgeübt, Freundschaften gepflegt, der Partner geliebt und der Job erfolgreich gemeistert werden. Ausruhen wird schnell zum Luxus erklärt. Das Problem zeigt sich schon während der Arbeit: Laut einer BAuA-Arbeitszeitbefragung fallen bei 31 % der Beschäftigten die Arbeitspausen häufig aus. Dabei ist Ausruhen keine Flucht vor Aufgaben – es ist die notwendige Unterbrechung, die Körper und Geist brauchen, um leistungsfähig zu bleiben.
Welche Art von Ruhe brauche ich gerade?
Ausruhen bedeutet nicht immer, sich auf die Couch zu legen. Entscheidend ist, wovon Sie sich erholen wollen: Die beste Pause schafft einen Gegenpol zu Ihrer vorherigen Belastung!
Nach… |
hilft eher… |
| langem Sitzen | aufstehen, gehen, leichte Bewegung |
| körperlicher Anstrengung | sitzen, liegen, körperlich pausieren |
| intensiver Denkarbeit | weniger Reize, Blickwechsel, Bewegung |
| vielen Gesprächen | Ruhe und Zeit allein |
| einsamer Arbeit | Kontakt und gemeinsame Freizeit |
| ständiger Erreichbarkeit | Handy weg, keine beruflichen Nachrichten |
Unsere Empfehlung: Wechseln Sie die Belastung! Wer körperlich erschöpft ist, braucht körperliche Ruhe und Stille. Wer den ganzen Tag konzentriert am Bildschirm gearbeitet hat, erholt sich womöglich besser durch Bewegung und einen Ortswechsel.
Wie ruhe ich mich richtig aus?
Für richtiges Ausruhen brauchen Sie weder einen Wellnessurlaub noch einen freien Tag. Schon kleine Ruhephasen helfen, wenn Sie diese tatsächlich als Unterbrechung nutzen:
1. Unterbrechen Sie die Belastung
Eine Pause funktioniert nur, wenn die vorherige Belastung wirklich endet. Essen Sie deshalb nicht nebenbei am Schreibtisch weiter und beantworten Sie während der Pause keine beruflichen Nachrichten. Stehen Sie auf, verlassen Sie nach Möglichkeit den Arbeitsplatz und wechseln Sie für einige Minuten die Umgebung.
2. Schaffen Sie einen Gegenpol
Haben Sie lange gesessen, bewegen Sie sich. Waren Sie körperlich aktiv, setzen oder legen Sie sich hin. Nach vielen Gesprächen tut Stille gut, nach stundenlanger einsamer Bildschirmarbeit vielleicht ein Gespräch mit anderen Menschen. Ausruhen heißt nicht immer Nichtstun. Es heißt vor allem, der bisherigen Beanspruchung eine Pause zu geben.
3. Reduzieren Sie Reize
Manchmal braucht der Kopf schlicht weniger Input. Legen Sie das Smartphone weg, schließen Sie die Augen oder setzen Sie sich einige Minuten an einen ruhigen Ort. Wer in jeder freien Minute Nachrichten liest, Videos schaut oder durch soziale Netzwerke scrollt, unterbricht zwar die Arbeit – gönnt seiner Aufmerksamkeit aber kaum Ruhe!
4. Erlauben Sie sich Nichtstun
Nicht jede Pause benötigt einen Zweck. Sie dürfen ebenso einfach nur auf dem Balkon sitzen, aus dem Fenster schauen, einen Kaffee trinken oder einfach 10 Minuten gar nichts machen. Der Gedanke „Ich müsste eigentlich noch…“ macht selbst aus einer freien Viertelstunde wieder eine Aufgabe. Lassen Sie die To-do-Liste einfach mal bewusst liegen.
5. Ruhen Sie sich rechtzeitig aus
Warten Sie nicht, bis Sie völlig erschöpft sind. Regelmäßige Pausen verhindern, dass sich Ermüdung über den gesamten Tag immer weiter aufbaut. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin weist darauf hin, dass Ermüdung während eines Arbeitstags durch Erholung in Pausen gut ausgeglichen werden kann. Dauerhaft ausfallende oder verkürzte Pausen stehen dagegen mit gesundheitlichen Risiken und stärkerer Erschöpfung in Zusammenhang.
Wie lange sollte ich mich ausruhen?
Der richtige Erholungsbedarf hängt davon ab, wie lange und wie intensiv Sie vorher belastet waren und ob die Belastung körperlich oder mental war. Im Arbeitsalltag sind mehrere kurze Unterbrechungen sinnvoller, als sämtliche Erholung auf den Feierabend zu verschieben. Nach einer intensiven Belastungsphase brauchen Sie entsprechend mehr Zeit. Achten Sie deshalb auch auf Ihre eigenen Signale: sinkende Konzentration, zunehmende Fehler, Gereiztheit, Müdigkeit oder das Gefühl, für eine einfache Aufgabe unverhältnismäßig viel Kraft aufbringen zu müssen.
Pause ist nicht gleich Pause
Bei mehr als 6 Stunden Arbeitszeit schreibt das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) mindestens 30 Minuten Ruhepause vor, bei mehr als 9 Stunden insgesamt 45 Minuten. Das sind gesetzliche Mindestpausen – nicht automatisch Ihr persönlicher Erholungsbedarf. Gerade bei hoher Belastung können zusätzliche kurze Unterbrechungen sinnvoll sein.
Kann Ausruhen Schlaf ersetzen?
Kurze Antwort: Nein. Ruhiges Liegen und Nichtstun können erholsam sein, ersetzen aber keinen Schlaf. Im Schlaf laufen Prozesse ab, die eine Ruhepause im Wachzustand nicht übernimmt. Schlaf ist deshalb ein zentraler Bestandteil der Erholung zwischen zwei Arbeitstagen. Zu wenig Schlaf lässt sich nicht dadurch kompensieren, dass Sie einfach länger auf dem Sofa liegen. Das bedeutet umgekehrt aber nicht, dass Ausruhen nutzlos wäre, wenn Sie nicht schlafen können. Ruhiges Liegen reduziert zumindest die aktuelle Belastung. Nur sollten Sie daraus nicht den Schluss ziehen, Schlaf sei verzichtbar.

Warum fällt mir Ausruhen so schwer?
Es ist kein Geheimnis, dass Menschen Pausen und Erholung brauchen. Trotzdem fällt vielen gerade das Nichtstun schwer. Häufig stecken zwei Denkfehler dahinter:
-
Pflichtbewusstsein
Bei endlosen To-do-Listen und Verpflichtungen rückt das Ausruhen in den Hintergrund. „Erst noch diese Mail, dann der Einkauf, anschließend der Haushalt…“ – Es gibt immer etwas, das vermeintlich wichtiger ist als die eigene Pause.
-
Schlechtes Gewissen
Wer Produktivität mit persönlichem Wert verwechselt, empfindet Ausruhen schnell als Zeitverschwendung. Kaum sitzt man 5 Minuten still, meldet sich die innere Stimme: „Du könntest doch inzwischen…“ Genau diesen Reflex sollten Sie hinterfragen.
Ausruhen müssen Sie sich nicht verdienen. Ruhe ist vielmehr ein Bestandteil eines belastbaren Alltags – genauso wie Arbeit, Bewegung und Schlaf.
Wo kann ich mich am besten ausruhen?
Der beste Rückzugsort ist derjenige, an dem Sie tatsächlich zur Ruhe kommen. Manche Menschen brauchen dafür Natur und Abstand, andere fühlen sich in den eigenen vier Wänden am wohlsten.
Im Grünen
Gerade die Natur bietet viele Möglichkeiten, um zur Ruhe zu kommen. Ein Spaziergang durch den Wald, eine Bank im Park oder einfach etwas Zeit im Garten schaffen Abstand zum üblichen Alltag. Sie müssen daraus keine Wanderung oder Sporteinheit machen. Manchmal reicht es, draußen zu sitzen, die Umgebung wahrzunehmen und nirgendwo hinzumüssen.
Am Wasser
Viele Menschen empfinden Wasser als beruhigend. Dafür brauchen Sie kein Meer vor der Haustür. Ein See, Fluss oder Teich kann ebenfalls ein Ort sein, an dem Sie sitzen, schauen und eine Weile nichts erledigen.
In den eigenen vier Wänden
Auch zu Hause können Sie sich gut ausruhen – vorausgesetzt, die Wohnung wird nicht sofort zur nächsten To-do-Liste. Ziehen Sie sich an einen ruhigen Ort zurück, lesen Sie ein Buch, trinken Sie in Ruhe einen Tee oder machen Sie es sich auf dem Sofa gemütlich. Entscheidend ist, dass Sie sich diese Zeit tatsächlich freihalten.
An Ihrem persönlichen Rückzugsort
Manche Menschen brauchen einen festen Platz, der mit Ruhe verbunden ist: einen bestimmten Sessel, den Balkon, eine Bank im Park oder eine ruhige Ecke im Garten. Ein solcher Rückzugsort erleichtert es, für eine Weile Abstand zu gewinnen und nicht ständig auf neue Anforderungen zu reagieren.
Im Urlaub
Für längere Erholungsphasen bietet sich Urlaub an. Ob Meer, Berge oder Balkonien spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist, dass die Reise nicht selbst zum Stressprojekt wird. Sind Planung, Anreise und tägliches Freizeitprogramm anstrengender als Ihr Alltag, haben Sie zwar viel erlebt – sich aber möglicherweise wenig ausgeruht.
Wann reicht Ausruhen nicht mehr?
Nicht jede Erschöpfung verschwindet durch eine Pause oder ein ruhiges Wochenende. Sind Sie dauerhaft erschöpft, obwohl Sie ausreichend schlafen und sich Ruhezeiten nehmen, sollten Sie genauer hinschauen. Fragen Sie sich dann nicht nur: „Wie kann ich mich besser ausruhen?“, sondern auch: „Was erschöpft mich ständig?“ Anhaltende Überlastung, Konflikte, Schlafprobleme oder andere Beschwerden brauchen möglicherweise eine andere Lösung als mehr Ruhe. Halten starke oder ungewöhnliche Beschwerden länger an, lassen Sie diese bitte immer ärztlich abklären.
Was andere dazu gelesen haben
