Hobbys: Wie sie den Erfolg beeinflussen

Hobbys sind mehr als ein bloßer Zeitvertreib. Studien zeigen: Hobbys nehmen entscheidenden Einfluss auf unser Wohlbefinden und den beruflichen Erfolg. Dabei ist es völlig unerheblich, ob Sie sich Hobbys für drinnen suchen oder die Freizeit draußen gestalten. Hauptsache, Sie tun es gerne und gestalten Ihre Zeit frei – frei von Pflichten, Zwängen und Leistungsdruck. Hobbys verfolgen weder einen Wettbewerbsgedanken, noch dienen sie der Optimierung.

Wir zeigen Ihnen hier kreative Hobbys für zuhause und erklären, wie Hobbys Ihren beruflichen Erfolg beeinflussen können…

Hobbys: Wie sie den Erfolg beeinflussen

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Hobbys für drinnen und draußen: Unsere Top Ten

Hobbys sind wichtig. Sie dienen längst nicht nur zum Zeit totschlagen. Viele Menschen blühen in ihrer Freizeit regelrecht auf, werden auf ihrem Gebiet zum Experten. Ganz gleich, ob’s sich um die berühmt-berüchtigte Karnickel-Zucht handelt oder mit Hingabe Fantasyfiguren bemalt werden. Wir stellen Ihnen nachfolgend Hobbys vor, mit denen Sie die Langeweile vertreiben können.

Kreative Hobbys für zuhause

Handarbeit

Seit Jahren boomt das Nähen. Kein Wunder, seit immer mehr Menschen auffällt, wie qualitativ schlecht und wenig strapazierfähig die Mode diverser Billigketten ist, ist Selbstgenähtes hoch im Kurs. Diese Kleidung ist nicht nur individuell, sondern meist haltbarer und vor allem maßangefertigt. Neben Kinderkleidung oder einen neuen Rock für den Sommer können Sie auch nette Stofftierchen oder Täschchen aus alten Stoffresten nähen. Auf Youtube gibt es dazu unzählige Videos.

Upcycling

der neuste Trend heißt Upcycling: Eigentlich gibt es ihn in Form der bekannten Serviettentechnik schon länger. Damit können Sie beispielsweise in die Jahre gekommene Möbel wieder aufwerten. Sie eignet sich aber auch für Gegenstände, die anderenfalls schnell im Müll landen: Konservendosen und Tetrapacks. Daraus lassen sich beispielsweise Blumentöpfe für den Balkon oder Stiftbehälter und vieles mehr basteln.

Kerzen

Oft brennen Kerzen nicht bis zum Schluss ab. Sie haben alte Kerzenreste übrig? Dann gießen Sie doch selbst eine neue. Die dafür benötigten Kerzendochte können Sie problemlos im Internet bestellen, aber ein Baumwollfaden geht auch. Ansonsten brauchen Sie nur Wachsreste, Schaschlikspieß, ein Gefäß zum erwärmen (zum Beispiel eine Konservendose) und ein Glasgefäß. Zahlreiche Do-it-yourself-Anleitungen finden Sie auch in diesem Fall im Netz.

Kochen

Kochen und backen gehören zu den beliebtesten Hobbys, kann man mit gutem Essen doch immer wieder Freunde und Familie begeistern. Warum nicht mal neue Rezepte ausprobieren? Der Vorteil von Selbstgemachtem: Sie wissen, was drin ist. Das ist besonders wichtig für Allergiker, aber auch für alle, die gesundheitsbewusst leben wollen. Einfach mal mit weniger Zucker auskommen oder sogar zuckerfrei backen geht mit vielen Alternativen wie etwa Xylitol oder Erythrit.

Lettering

Haben Sie schon häufiger die schöne Handschrift auf so mancher Verkaufstafel oder von einer Freundin bewundert? Fügen Sie doch Lettering in Ihre Liste neuer Hobbys. Was teilweise auch unter Kaligraphie läuft, bedeutet das Ausmalen und Gestalten von Buchstaben beziehungsweise mithilfe von Buchstaben.

Hobbys für draußen

Gärtnern

Wer Balkon, Terrasse oder sogar Garten sein eigen nennt: Das ist jetzt die Gelegenheit, alles sommerfein zu machen. Zu sehen, wie Pflanzen wachsen und gedeihen ist nicht nur unglaublich befriedigend, das Grün hat nachweislich eine beruhigende Wirkung und fördert den Stressabbau. Die körperliche Ertüchtigung ist ein netter Nebeneffekt.

Fahrradfahren

Fahrradfahren gehört zu den Bewegungsarten, die Sie bei fast jeder Kondition ausüben können, zumal E-Bikes die Fortbewegung sogar in unwegsamen Gelände erleichtern. Für die Sportlicheren oder diejenigen, die sich auspowern wollen, empfiehlt sich Mountainbiking.

Fotografieren

Wer kreative Hobbys mit Draußen verbinden möchte, sollte sich mit der Fotografie beschäftigen. Kreativ ist nicht nur die Auswahl der Motive, sondern auch der anschließende Bearbeitungsprozess mit entsprechender Software. Hier trainieren Sie nicht nur Ihr Auge, sondern verfestigen Kenntnisse bei Fachprogrammen.

Wandern

Ganz gleich ob in Form von Spaziergängen, Walking oder klassischem Wandern: Zu Fuß die Natur zu erkunden öffnet den Blick für viele Schätze unterwegs, an denen wir in der Hektik des Alltags oft vorbeirauschen. Und es braucht oft nicht viel: festes Schuhwerk und einen Rucksack mit Proviant, gegebenenfalls eine Land- beziehungsweise Wanderkarte.

Jonglieren

Artisten werfen Keulen in die Luft und jonglieren so ziemlich alles – so weit müssen Sie nicht kommen. Aber diese Sportart hat unglaublich viele Vorteile. Sie trainiert Konzentration und Koordination, Feinmotorik und Rhythmusgefühl. Sie erwerben ein Gefühl für den Ball. Das Beste aber: Diese Fähigkeiten, die Sie allein erwerben, können Sie zukünftig auch bei anderen Ballsportarten anwenden.

Hobbys Liste: Die Hobbys der Superreichen

Was machen eigentlich Millionäre und Milliardäre mit ihrer vielen freien Zeit? Arbeiten müssen die ja eigentlich nicht mehr? Genau: Ebenfalls Hobbys pflegen. Und die unterscheiden sich teils nicht von den Hobbys einfacher Menschen – allerdings geben die Schönen und Reichen dafür deutlich mehr aus.

Wealth-X, ein Unternehmen, das regelmäßig das Verhalten der Superreichen analysiert, hat in seinem Milliardär-Zensus die Freizeitaktivitäten und Interessen der Milliardäre dieser Welt (insgesamt sind es 2473 weltweit mit einem Gesamtvermögen von 7,7 Billionen Dollar) untersucht.

Herausgekommen ist eine Top20 Hobby Liste des Jetsets. Ganz oben auf der Liste: Philanthropie (56,3 Prozent). Also Wohltätertum wie es zum Beispiel Melinda und Bill Gates sowie Warren Buffett mithilfe der „Bill und Melinda Gates Stiftung“ tun. Der Rest? Macht das…

  • Reisen (31 Prozent)
  • Kunst (sammeln) (28,7 Prozent)
  • Mode (25,2 Prozent)
  • Politik (22,2 Prozent)
  • Wein (sammeln, trinken) (15,9 Prozent)
  • Boote (Segeln, Yachten) (14,9 Prozent)
  • Sport und Fitness (14,8 Prozent)
  • Autos sammeln (14,5 Prozent)
  • Sammeln (allgemein) (14,1 Prozent)
  • Fußball (teils mit eigener Mannschaft) (13,1 Prozent)
  • Lesen (12,3 Prozent)
  • Kulturevents (organisieren, besuchen) (12,1 Prozent)
  • Golfen (11 Prozent)
  • Kochen (Essen gehen) (10,9 Prozent)
  • Jagen (8,8 Prozent)
  • Schmuck sammeln (8,1 Prozent)
  • Angeln (7,8 Prozent)
  • Uhren sammeln (7,7 Prozent)
  • Skifahren (7,2 Prozent)

Hobbies oder Hobbys?

Der Duden nennt Hobbys als korrekten Plural des Wortes „Hobby“. Daher schreiben Sie bitte NIE Hobbies – vor allem nicht im Lebenslauf. Auch wenn sich diese Schreibweise zuhauf im Internet findet – sie ist falsch!

Aus dem Englischen übernommene Begriffe, die auf -y enden, werden im Deutschen und im Plural mit -ys gebildet – und eben nicht mit -ies wie es im Englischen üblich ist. Neben Hobbys zählen zu diesen beliebten Rechtschreibfehlern auch Stories, Babies, Handies – korrekt ist: Storys, Babys beziehungsweise Handys.


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Hobbys machen erfolgreicher

Natürlich benötigen Sie überhaupt keinen Extra-Grund, um ein Hobby zu pflegen. Für solche Freizeitaktivitäten sollte der Spaß an der Sache Grund genug sein. Ausgleichende Wirkung haben Hobbys ja allemal. Laut Kevin Eschleman, Psychologe an der San Francisco State Universität, haben diese Privatvergnügen aber noch ein weiteres Plus parat: Egal, ob kochen, malen, fotografieren, gärtnern, reisen oder joggen – je mehr sich die rund 341 Probanden in ihren Hobbys engagierten, desto kreativer und leistungsfähiger waren sie auch im Job.

Und zwar erheblich: Zwischen 15 und 30 Prozent besser schlossen die Versuchsteilnehmer im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Hobbys ab.

Warum das so ist?

Ganz sicher sind sich die Forscher nicht. Aber es liegt nahe, dass der Ausgleich einen entspannenden Effekt hat sowie für genug Zerstreuung sorgt, um auf andere, neue Gedanken zu kommen. Eine weitere Vermutung: Menschen würden sich dabei über ihre Leidenschaften, Stärken und Schwächen bewusster werden und gleichzeitig ihre Stärken trainieren. Das hilft ihnen wiederum dabei, diese im Job gezielter und professioneller einzusetzen.

Allerdings wäre es jetzt ein Fehler, wenn Manager ihre Mitarbeiter praktisch par ordre du mufti zu mehr Freizeit-Engagement verdonnern, um so deren Leistung zu steigern. Das bringt gar nichts. Eines der Hauptergebnisse der Studie war nämlich die freiwillige Basis. Sprich: Die Hobbys wirkten deshalb so positiv, weil die Betroffenen diese von sich aus pflegten – aus purer Lust und intrinsischer Motivation. Und so sollte es auch bleiben.

Hobby Arten

Kategorisieren lassen sich Hobbys so:

Regenerative Hobbys

Dazu gehören Tätigkeiten wie Tagträumen nachzugehen, Ausschlafen, Müßiggang betreiben oder sich in Ruhe zu pflegen.

Soziale Hobbys

Darunter sind Freizeitaktivitäten zu verstehen, die Sie gemeinsam mit anderen verbringen. Spielen mit den Kindern, mit dem Partner ins Konzert gehen, mit Familie, Freunde und/oder Nachbarn treffen, telefonieren.

Aktive Hobbys

Das können sportliche Hobbys und Aktivitäten wie Wandern oder bestimmte Sportarten sein.

Beispiele für Hobbys: Diese machen Sie smarter

Freizeit ist in erster Linie dazu da, um Spaß zu haben, auszuruhen, abzuschalten und die Lebensbatterien wieder aufzuladen. Aber auf die positiven Nebeneffekte mancher Hobbys und Freizeitbeschäftigungen möchten wir trotzdem hinweisen:

  • Erlernen Sie ein Musikinstrument
    Gitarre, Klavier, Saxophon oder auch Schlagzeug – wer sich vornimmt, ein Musikinstrument zu spielen, kommt irgendwann an den Moment, wo er alles hinschmeißen will. Aber Durchhalten lohnt sich. Das Musizieren ist mehr als ein Zeichen von musikalischem Talent und Kreativität. Ein Musikinstrument zu spielen, verbessert die kognitiven Fähigkeiten. Sowohl Konzentration, Erinnerungsvermögen und die Aufnahme von neuen Informationen werden dabei trainiert.

    Lesen Sie dazu:
  • Lernen Sie eine neue Sprache
    Mehrsprachigkeit macht sich nicht nur in einem globalen Unternehmen oder im nächsten Urlaub bezahlt, sondern hilft ebenso dem Gehirn. Eine neue Sprache zu lernen, trainiert unsere Merkfähigkeit, sorgt aber auch für ein besseres interkulturelles Verständnis. Überdies können Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, nachweislich besser zwischen verschiedenen Aufgaben wechseln und schneiden auch bei der Planung besser ab als Einsprachige.

    Lesen Sie dazu:
  • Spielen Sie Computerspiele
    Der Punkt tauchte oben schon auf: Wer in seiner Freizeit Videospiele spielt, wird smarter. Die Spiele sind deutlich besser als ihr Ruf und alles andere als reine Zeitverschwendung. Videospiele sorgen dafür, dass Informationen schneller verarbeitet werden und können trainieren, bessere Entscheidungen unter Druck zu treffen.

    Lesen Sie dazu:
  • Treiben Sie regelmäßig Sport
    Sport sorgt nicht nur für einen gesunden Körper und fungiert als Ausgleich zu Stress im Job, sondern macht Sie gleichzeitig schlauer. Wer regelmäßig eine oder mehrere Sportarten ausübt – egal ob im Fitnesstudio, auf dem Heimtrainer oder mit Freunden auf dem Fußballplatz – tut etwas für sein Langzeitgedächtnis. Zusätzlich steigert die körperliche Ertüchtigung die Durchblutung und erhöht so die Denkfähigkeit.

    Lesen Sie dazu:
  • Lesen Sie öfter ein Buch
    Regelmäßiges Lesen vergrößert das Vokabular und sorgt für mehr Sprachgewandtheit. Gleichzeitig steigert das Stöbern in Büchern Ihre Aufnahmefähigkeit. Die gute Nachricht: Es muss nicht gleich „Krieg und Frieden“ von Tolstoi sein, um smarter zu werden. Sie können auch einfach Ihr Lieblingsbuch zur Hand nehmen, um den gleichen Effekt zu erzielen.

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5 gute Gründe, ein Hobby zu pflegen

Hobbys können sogar ein regelrechter Türöffner bei der Bewerbung sein. Ganze 82 Prozent der Personaler sagen in unserem Arbeitgebercheck, dass sie Hobbys im Lebenslauf gerne lesen, weil diese das Profil eines Bewerbers abrunde. Allerdings sollten die darin erprobten Fähigkeiten zum anvisierten Job passen.

Natürlich stehen sollten bei der Freizeitbeschäftigung nicht nur Nützlichkeitsgedanken im Vordergrund stehen. Ein Hobby lebt vor allem durch das Interesse daran und der Leidenschaft darin. Obendrein hat es ein paar positive Nebeneffekte:

  • Zufriedenheit
    Wer seine Talente und Stärken auslebt, ist zufriedener. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Zürich. Das Schweizer Psychologenteam um Willibald Ruch stellte in mehreren Experimenten fest: Hobbys, die zum Charakter passen und Stärken trainieren, können glücklich machen.
  • Anerkennung
    Umfragen zeigen: Nur 41 Prozent der Arbeitnehmer fühlen sich von ihren Chefs ausreichend gelobt. Entsprechend finden viele die fehlende Anerkennung in der Freizeit und im Hobby. Ob Sportverein, Chor oder ehrenamtliches Engagement – Gleichgesinnte klopfen sich regelmäßig auf die Schulter und wissen die private Leistung zu schätzen.
  • Erinnerungen
    Positive Erinnerungen lassen uns nicht nur schwelgen. Sie machen ebenso glücklich und sind der Stoff für wunderbare Geschichten, die man seinen Enkeln erzählen kann. Psychologen sprechen dabei auch von „Ankerpunkten“ im Leben. Sie sind wichtig für unser Wohlbefinden. Und Hobbys schaffen viele davon.
  • Geduld
    Geduld und Erfolg sind nahe Verwandte. Das richtige Hobby kann aus einem Jetzt-und-Sofort-Quengler einen Ruhig-Blut-Typen machen. Beispiele: Malen, Modellbau, Gärtnern. Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Viele Hobbys trainieren Geduld und Gewissenhaftigkeit. Wertvolle Lektionen fürs Leben.
  • Kreativität
    Nicht zuletzt fördern Hobbys Kreativität. Die meisten Freizeitaktivität regen mehr oder weniger unsere Phantasie und den schöpferischen Geist an. Sei es, weil wir uns dabei künstlerisch engagieren oder findig im Wettbewerb beweisen müssen. Kreativ und produktiv zu sein, ist nicht nur ein wohltuender Ausgleich zu manch eintöniger Arbeit. Es macht ebenso wieder glücklich.

Leistungsdenken dringt in die Freizeit

Freizeitforscher wie Ulrich Reinhardt beobachten in den letzten Jahren einen deutlichen Wandel bei den Hobbys. Zum einen haben sich die Inhalte geändert. Mit dem Aufkommen des Internets und der dazugehörigen Medien lässt sich in der Freizeit eine starke Mediennutzung feststellen.

Stand laut Freizeitmonitor 1957 und 1975 noch Zeitung lesen hoch im Kurs, ist seit 1986 ungebrochen das Fernsehen unter den Hobbys an erster Stelle.

Auch wenn es Unterschiede je nach Lebensphase gibt: Das Fernsehen und die Mediennutzung nehmen einen hohen Stellenwert ein. Dabei wird Fernsehen als Hobby eher passiv konsumiert. Es dient ausschließlich der Entspannung, hat also keinen besonderen Mehrwert.

Auf der anderen Seite lässt sich laut Reinhardt ein gegenteiliges Phänomen beobachten. Freizeit bedeutet mitnichten süßes Nichtstun. Wenn etwas unternommen wird, dann wird durchgeplant und organisiert. Häufig unterscheiden sich Freizeit und Arbeitsalltag nur durch die Tätigkeiten und die Tatsache, dass kein Geld damit verdient wird.

Ansonsten wird nichts dem Zufall überlassen. Vor dem Hintergrund des lebenslangen Lernens werden auch Hobbys zunehmend regelrecht einer Gewinnmaximierung unterworfen. Einfach nur etwas machen, weil es Spaß macht, kommt nicht infrage.

Stattdessen wird ein professioneller Maßstab angelegt und überlegt, wie sich Hobbys sinnvoll einsetzen und mit den anderen Verpflichtungen in Einklang bringen lassen. Heraus kommt dabei immer häufiger ein Paradoxon, der Freizeitstress.

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Sollte ich mein Hobby zum Beruf machen?

Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Für viele Menschen ist dieser Satz Ausdruck von Glück und Erfolg. Was kann es auch Schöneres geben? Man muss nicht mehr arbeiten – nein, man geht seinem Hobby nach und bekommt auch noch Geld dafür!

Doch auch auf die Gefahr hin, Ihnen den Tag zu verderben: Genau dies ist eine Illusion, ein Mythos und ein gefährlicher noch dazu. Wie Wissenschaftler festgestellt haben, passiert dabei nahezu immer dasselbe: Wenn wir für eine Sache, die wir von uns aus gerne tun, plötzlich Geld (oder eine Belohnung) bekommen, dann tun wir dies irgendwann nur noch, um das Geld zu bekommen – nicht aber um der Sache selbst willen. Korrumpierungs-Effekt, oder Overjustification Effect, wird dieses Phänomen im Fachjargon genannt.

Genau genommen wird dabei die innere, sogenannte intrinsische Motivation durch einen externen (extrinsischen) Anreiz (Geld) ersetzt, beziehungsweise von eben diesem verdrängt – bewusst oder unbewusst. Resultat: Neugier, Interesse und Motivation sinken, es geht uns zunehmend um die Belohnung.

Schon vor Jahren haben die beiden Psychologen Mark Lepper (Stanford-Universität) und David Greene (Universität von Michigan) mit dem Korrumpierungs-Effekt experimentiert. Damals sollten 51 Vorschulkinder zwischen drei und fünf Jahren einfach ein paar Bilder malen – eben das, was sie von sich aus schon gerne taten. Dann jedoch teilten die beiden Psychologen die Kinder in drei Gruppen ein:

  • Der ersten Gruppe wurde erzählt, sie würden für ihre Bilder hinterher ein Zertifikat sowie eine Auszeichnung bekommen – vergleichbar mit der Ankündigung eines festen Lohns.
  • Die zweite Gruppe bekam ebenfalls eine Auszeichnung – wusste vorher aber nichts davon. Sie wurden also mit dem Bonus erst bei der Abgabe ihrer Bilder überrascht.
  • Die dritte Gruppe bekam nichts. Entsprechend wurde ihnen vorab weder etwas in Aussicht gestellt noch versprochen.

Um den Faktor Neid auszuschließen, erhielten die betreffenden Kinder ihre Urkunden separat. Außerdem wurde einzeln beobachtet, wie sich ihre Malmotivation in den nächsten Tagen entwickelte. Das Ergebnis fiel mehr als eindeutig aus: Jene Kinder, die mit einem festen Lohn zu rechnen hatten, malten dramatisch weniger. Sie investierten nur noch die Hälfte ihrer Zeit in die Buntstifte und verbrachten den Rest lieber mit Spielen oder Faxen machen.

Die Mallust der Kinder ohne jedwede Belohnung dagegen lag mit rund 15 Prozent der investierten freien Zeit deutlich höher und wurde nur noch durch die Gruppe mit Überraschungspreisen getoppt: Sie waren am motiviertesten und investierten fast 20 Prozent ihrer Zeit in neue Bilder. Besonders fatal: Das künstliche Doping muss meist von Mal zu Mal gesteigert werden, damit es seine Wirkung behält. Tödlich für jeden Funken Spaß. Sein Hobby zum Beruf zu machen, ist daher vielleicht doch keine so gute Idee – jedenfalls, wenn man dem Hobby noch lange mit Spaß nachgehen will.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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18. September 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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