Erster Arbeitstag: Tipps & Checkliste zum Arbeitsstart

Egal ob Sie Ihren Job wechseln oder frisch in das Berufsleben einsteigen, nach Bewerbung und Auswahlverfahren gibt es immer noch eine Hürde zu nehmen: den ersten Arbeitstag im neuen Unternehmen. Gleich vorneweg: Eine gewisse Nervosität ist völlig normal. Klar, Sie haben Ihren neuen Chef von Ihren Qualitäten überzeugt und sich im Bewerbungsverfahren gegen andere Bewerber durchgesetzt, doch Ihre neuen Kollegen haben Sie vielleicht noch nie gesehen. Und das ist nicht das Einzige, was Sie an diesem Tag neu erwartet. Die Tipps zum ersten Arbeitstag zeigen, worauf es beim Arbeitsstart ankommt und wie Ihnen Ihr Einstand gelingt…

Erster Arbeitstag: Tipps & Checkliste zum Arbeitsstart

Arbeitsstart: Die größten Erwartungen

Arbeitsabläufe, Strukturen, Organisation… Selbst lange Jahre der Berufserfahrung schützen in der Regel nicht vor einer gewissen Unsicherheit, die sich an jedem ersten Tag einschleicht.

Und noch etwas gehört zum Arbeitsstart: hohe Erwartungen.

Sie selbst wollen von Anfang an alles richtig machen und zeigen, dass Sie die richtige Wahl für diese Position sind. Auch von Ihrem neuen Arbeitgeber erwarten Sie Einiges. Die drei größten Erwartungen für einen neuen Arbeitnehmer sind dabei:

  • Neue Kontakte

    Viele wünschen sich bereits am ersten Tag als Teil des Teams gesehen zu werden und viele Kollegen am Arbeitsplatz kennenzulernen. Dabei spielt die soziale Akzeptanz eine große Rolle, denn niemand möchte sich ausgeschlossen fühlen.

  • Perfekte Aufgaben

    Eine Horrorvorstellung: Schon am ersten Arbeitstag einen Fehler machen, der den Kollegen oder dem Vorgesetzten negativ auffallen könnte… Besonders am Anfang möchte sich niemand blamieren. Schließich geht es um den ersten Eindruck. Es liegt also oft ein Hauch von Perfektionismus in der Luft, um das neue Umfeld möglichst sofort von sich zu überzeugen.

  • Gute Einarbeitung

    Um die Abläufe und die neuen Aufgaben kennenzulernen, ist eine gute Einarbeitung neuer Mitarbeiter unerlässlich. Ein beliebter Weg sind Mentoren Programme, bei denen der neue Mitarbeiter sich bei Fragen oder Problemen an seinen Mentor wenden kann. Ob dieses Tandem passt, zeigt sich aber oft erst nach ein paar Wochen.

Umgekehrt gibt es ebenso hohe Erwartungen an Sie als neuen Mitarbeiter:

  • Auch der- oder diejenige, die Sie eingestellt hat, hat einen Ruf zu verlieren und will sehen, dass Sie die richtige Wahl sind.
  • Die Kollegen möchten natürlich wissen, was Sie für ein Typ sind und ob Sie ins Team passen.
  • Der Chef wiederum hofft auf einen neuen Leistungsträger. Also einen engagierten Mitarbeiter mit rascher Auffassungsgabe sowie steiler Lernkurve und Kritikfähigkeit. Denn niemand kann am Anfang alles wissen oder können.

Das alles zusammen und im Hinterkopf erleben viele Arbeitnehmer den ersten Arbeitstag als enorm stressig. Wir verstehen das. Hohe Erwartungen und Aufregung sind ganz normal.

Machen Sie sich allerdings bewusst, es ist nur der erste Tag! Der Anfang. Darauf folgen – hoffentlich – noch viele weitere Tage bei diesem Arbeitgeber. Nichts ist gleich in Stein gemeißelt. Kein Fehler unverzeihlich. Im Gegenteil: Berufsstarter genießen gerade am Anfang noch Welpenschutz.

Denken Sie also daran, dass es beim ersten Tag hauptsächlich um das Kennenlernen der Kollegen, des Arbeitsplatzes und der Abläufe geht. Seien Sie engagiert und nehmen Sie alle Informationen dankbar auf. Und versuchen Sie nicht, zwei Stunden nach Arbeitsbeginn das gesamte Unternehmen umzukrempeln (auch noch nicht nach zwei Wochen). Bauen Sie lieber erst einmal Vertrauen im Team auf. Seien Sie zurückhaltend und stellen Sie viele Fragen. Und lächeln Sie viel – das macht sympathisch…

Arbeitsstart Checkliste: Worauf es am ersten Tag ankommt

Hier finden Sie in Kurzform die wichtigsten Punkte für Ihren Arbeitsstart: Darauf kommt es an…

Pünktlichkeit. Kommen Sie nicht auf den letzten Drücker.
Kleidung. Kleiden Sie sich angemessen – lieber over- als underdressed.
Kennenlernen. Stellen Sie sich vor und notieren Sie neue Namen.
Arbeitsplatz. Richten Sie Ihren Schreibtisch ein.
Engagement. Werden Sie von sich aus aktiv und stellen Sie Fragen.
Einarbeitung. Seien Sie dankbar für Hinweise und Korrekturen.
Kontakte. Nutzen Sie Pausen, um ins Gespräch zu kommen.
Feierabend. Bedanken Sie sich bei den Kollegen.

Diese Fehler sollten Sie am ersten Tag vermeiden:

Smartphone. Social Media Posts und Chats sind am ersten Arbeitstag ein No-Go.
Duzen. Am Anfang Siezen Sie – bis Ihnen das DU angeboten wird.
Besserwissen. SIE sind der/die Neue. Also lernen Sie den Laden erstmal kennen.
Pausen. Machen Sie Pause, wenn es die Kollegen tun. Und nicht zu oft.

Ein typischer erster Arbeitstag

Wie läuft so ein typischer erster Tag im neuen Job eigentlich ab?

Selbstverständlich gibt es in jedem Job, in jedem Unternehmen und jeder Branche Unterschiede. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten, sodass Sie nicht völlig ins kalte Wasser springen müssen.

Bereiten Sie sich daher auf die wichtigsten Punkte vor, die Sie auf jeden Fall erwarten werden. Etwa Ihre kurze Vorstellung in wenigen Sätzen (sogenannter Elevator Pitch), die Sie am ersten Tag sicherlich mehrfach brauchen werden.

Damit Sie ein Gefühl davon bekommen, was sonst noch bei Ihrem Arbeitsstart auf Sie zukommen wird, haben wir einen beispielhaften Tagesablauf für Sie zusammengestellt, der Ihnen die wichtigsten Stationen aufzeigt, die Sie an Ihrem ersten Tag erwarten können:

  • 8 Uhr: Arbeitsbeginn

    Am ersten Tag sollten Sie lieber überpünktlich sein. Übertreiben Sie dabei aber bitte nicht, fünf bis zehn Minuten sind völlig ausreichend. Ob Sie in Zukunft wirklich Schlag 8 Uhr anfangen oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Am ersten Tag macht es aber einen guten Eindruck, wenn Sie auf keinen Fall zu spät kommen.

  • 8:10 Uhr: Vorstellung

    Wenn im Bewerbungsgespräch besprochen wurde, wo Sie am ersten Tag abgeholt werden, sollten Sie dort natürlich warten. Ansonsten halten Sie sich an die Personen, die Sie aus dem Bewerbungsgespräch kennen. Zu Beginn werden Sie mit einer Flut von neuen Namen konfrontiert. Notieren Sie sich die Namen Ihrer neuen Kollegen und Vorgesetzten und lernen Sie diese so schnell wie möglich.

  • 8:35 Uhr: Arbeitsplatz

    Nachdem Sie Ihre neuen Kollegen kennen gelernt haben, geht es an Ihren neuen Arbeitsplatz. Wenn Sie an Ihrem Schreibtisch sitzen, sollten Sie sich möglichst direkt an die Einrichtung desselben machen. Natürlich kann es sein, dass Ihnen noch einige Arbeitsmaterialien fehlen. Das ist jedoch kein Problem, notieren Sie sich einfach was fehlt und fragen Sie den zuständigen Mitarbeiter. Vermeiden Sie es jedoch, wegen jeder Kleinigkeit zu fragen. Das nervt nicht nur Sie und den Mitarbeiter, es kostet auch wertvolle Arbeitszeit.

  • 9 Uhr: Einarbeitung

    Ihr Schreibtisch ist eingerichtet, es kann losgehen. Wahrscheinlich haben Sie zu Beginn einiges an Lesematerial vor sich. Projektbeschreibungen und -berichte, Zielvorgaben, Protokolle von Teambesprechungen und andere Unterlagen sind für den Einstieg wichtig und sinnvoll. Diese sollten Sie natürlich lesen, klären Sie davor jedoch bitte ab, an wen Sie sich mit Ihren Fragen wenden können. Dabei gilt: Dringende Fragen sollten Sie sofort stellen, während Sie sich andere vorerst notieren. Viele Fragen beantworten sich auch durch die Unterlagen oder Gespräche mit Ihren neuen Kollegen.

  • 9:30 Uhr: Kaffeepause

    Nutzen Sie die erste Pause um mit Ihren Kollegen ins Gespräch zu kommen. Dabei gilt: Sie stellen sich vor und beantworten Fragen, doch in der Hauptsache sollten Sie – wenn Ihre Kollegen von sich aus reden – zuhören. Natürlich wollen Sie sich gut darstellen. Doch wenn Sie es damit gleich am ersten Tag übertreiben, wirkt das nicht selbstbewusst sondern arrogant. Kein guter Ersteindruck.

  • 9:45 Uhr: Engagement

    Nach der Kaffeepause geht die Lektüre der Unterlagen weiter. Dabei sollten Sie sich jedoch nicht abkapseln, sondern für Ihre Kollegen weiterhin ansprechbar sein. Wenn einer Ihrer Kollegen mit einer Frage oder Bitte zu Ihnen kommt, sollten Sie sich die Zeit nehmen und dem Kollegen helfen. Grundsätzlich gilt: Zeigen Sie stets von sich aus Aktivität und warten Sie nie darauf, dass Ihnen jemand Aufgaben vorgibt.

  • 11:10 Uhr: Planung

    Wenn sich die Gelegenheit bietet, können Sie mit Ihrem neuen Chef kurz darüber sprechen, was im Lauf des Tages noch anliegt. Vielleicht lernen Sie nachmittags noch andere Kollegen kennen oder nehmen an Ihrem ersten Meeting teil? Sprechen Sie Ihren Chef jedoch nur dann darauf an, wenn er gerade Zeit hat, aufdrängen sollten Sie sich auf keinen Fall.

  • 12 Uhr: Mittagspause

    Am besten schließen Sie sich den Kollegen an, mit denen Sie unmittelbar zusammenarbeiten. Gehen Sie gemeinsam in die Kantine oder in das bevorzugte Lokal und nutzen Sie die Mittagspause dazu, um Kontakte zu knüpfen. Auch hier gilt: Sie stellen sich vor und beantworten Fragen, ansonsten hören Sie Ihren Kollegen aufmerksam zu. Es ist ja erst der erste Tag!

  • 13 Uhr: Arbeitsphase

    Nach der Mittagspause vertiefen Sie sich wieder in Ihr Material oder erledigen kleine Aufgaben, die Ihnen zugeteilt wurden. Vielleicht können Sie einige Fragen bereits klären oder Sie merken, dass Sie noch weitere Unterlagen benötigen. Wenn Sie diese zeitnah brauchen, fragen Sie einfach Ihre Kollegen.

  • 14 Uhr: Teambesprechung

    Je nach dem an welchem Tag Sie mit Ihrer Arbeit beginnen, steht vielleicht gleich die erste Teambesprechung an. Sie können davon ausgehen, dass Sie sich in diesem Rahmen kurz vorstellen dürfen. Überlegen Sie sich daher im Vorfeld, was Sie sagen und wie Sie sich präsentieren wollen. Ansonsten sollten Sie dem Meeting aufmerksam folgen und genau zuhören. Niemand erwartet von Ihnen am ersten Tag die revolutionär-galaktisch-geniale Idee. Es ist also völlig okay, wenn Sie auch nichts sagen.

  • 14:50 Uhr: Dokumentieren

    Im Anschluss an die Besprechung sollten Sie Ihre Eindrücke für sich dokumentieren. Zehn Minuten reichen völlig, wichtig ist, dass Sie sich diese Notizen möglichst zeitnah machen. Danach geht es dann mit Ihrer Einarbeitung weiter, der Stapel dürfte nach wie vor groß genug sein.

  • 16:30 Uhr: Kommunikation

    Nutzen Sie die letzte Pause des Tages für ein wenig Smalltalk mit Ihren Kollegen. Erzählen Sie ruhig etwas Privates über sich oder den bisherigen Werdegang. Die meisten Kollegen wird das interessieren – wenn sie nicht sowieso danach fragen. Wichtig aber: Bleiben Sie unbedingt IMMER positiv. Auf keinen Fall dürfen Sie über bisherige Jobs lästern!

  • 17 Uhr: Feedback

    Gegen Ende des Arbeitstages wird Ihr Chef wahrscheinlich bei Ihnen nachfragen, wie Ihr erster Arbeitstag gelaufen ist. Vermeiden Sie dabei Kritik und konzentrieren Sie sich auf die positiven Aspekte. Stellen Sie dar, wo Sie Ihre Erfahrung nutzen konnten, um sich schnell einzuarbeiten und wo Sie noch Einarbeitungsbedarf sehen. Niemand erwartet hier eine umfangreiche Analyse von Ihnen. Aber etwas mehr als „Lief gut“ darf es schon sein.

  • 17:30 Uhr: Feierabend

    Herzlichen Glückwunsch, Sie haben Ihren ersten Arbeitstag erfolgreich absolviert. Verabschieden Sie sich höflich von Ihrem Chef und Ihren Kollegen und bedanken Sie sich für die Hilfe und Einarbeitung. Jetzt können Sie erst mal die neuen Eindrücke und Reize in Ruhe einordnen und verarbeiten – und den Feierabend genießen. Morgen ist auch noch ein Tag…

[Bildnachweis: Herrndorff by Shutterstock.com]

9. Juli 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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