Jobeinstieg: Tipps für Absolventen

Es ist eine Zeit des Umbruchs, in der viel Neues passiert: der Jobeinstieg. Der Lernphase folgt die Bewerbungsphase und dann geht es bei einigen Knall auf Fall – Abschluss, Bewerbungen, Vorstellungsgespräch, Zusage! Kein Wunder, dass da erst einmal der Kopf schwirrt und die Orientierung für das nächste große Abenteuer fehlt. So langsam macht sich etwas Nervosität breit, denn was sie erwartet, wissen viele Berufsanfänger nicht. Wir informieren Sie über die wichtigsten Punkte und geben Tipps, wie Sie erfolgreich punkten können…

Jobeinstieg: Tipps für Absolventen

Jobeinstieg: Phase der Orientierung

Jobeinstieg erster Arbeitstag nach Studium Jobs für Absolventen ohne Berufserfahrung Tipps für Berufseinsteiger Vorstellungsgespräch BerufsanfängerSie haben den Abschluss in der Tasche und wären bereit für den Schritt ins Berufsleben, allein: der Job fehlt?

Derzeit hat Deutschland nahezu den Status der Vollbeschäftigung erreicht, die Arbeitslosenquote ist mit 5,7 so niedrig wie schon lange nicht mehr, überall wird gesucht. Also alles gut für Berufseinsteiger? Ja und nein. Der Jobeinstieg ist eine besondere Phase.

Zunächst einmal eine kurze Klärung, was alles als Jobeinstieg (englisch = career entry, job start) bezeichnet wird: Ganz klassisch sind damit Jobs für Absolventen ohne Berufserfahrung gemeint, also direkt nach der Ausbildung an der Schule, dem Berufskolleg oder der Hochschule.

Ein Jobeinstieg ist aber nicht nur ein erster Arbeitstag nach dem Studium, sondern auch bei Arbeitnehmern, die bereits in anderen Jobs Berufserfahrung sammeln konnten, so also Quereinsteiger nach einer erfolgreichen Umschulung oder Weiterbildung.

Für viele Absolventen ist die Zeit nach dem Abschluss eine Phase der Orientierung, in der sie sich erneut mit Ihren Zielen, Werten und Wünschen auseinandersetzen müssen. Denn längst nicht jedes Studium hat so ein klares Berufsbild wie beispielsweise Medizin oder ist automatisch berufsqualifizierend.

Identifizierung der eigenen Interessen und Ziele

Um den Jobeinstieg zu finden, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, wohin die Reise gehen soll. Die Ausbildung beziehungsweise das Studium haben bereits einen inhaltlichen Schwerpunkt gelegt. Aber darüber hinaus geht es um so elementare Fragen wie:

  • Welche Erwartungen ans Leben habe ich, wie passt der Job dort hinein?
  • Wie stelle ich mir mein Arbeitsumfeld vor? Lieber ein kleines, familiäres Unternehmen oder der Global Player? Arbeit im Einzelbüro oder im Großraumbüro?
  • Welche Themen, Aufgaben und Fachbereiche reizen mich? Kreativbranche, öffentlicher Dienst, Soziales oder Wirtschaft?
  • Welche Gehaltsvorstellungen habe ich? Welche Gehaltsmodelle möchte ich, wie wichtig ist mir Sicherheit?
  • Welchen Wert lege ich auf Status und Hierarchie?
  • Welche praktischen Erfahrungen habe ich bereits gesammelt? Inwiefern bringen die mich für meinen zukünftigen Job weiter, inwiefern brauche ich vielleicht neue Kenntnisse?
  • Gibt es Alternativen zu einem direkten Jobeinstieg, die mir fachlich und persönlich zugute kommen, beispielsweise als Deutschlehrer in Südamerika?

Je nachdem, wie Sie diese Fragen für sich beantworten, kann es sein, dass ein unmittelbarer Jobeinstieg nach dem Studium für Sie gar nicht infrage kommt, weil Sie beispielsweise erkennen, dass Sie eine gewisse Zeit im Ausland verbringen und dort Erfahrungen sammeln möchten.

Jobs für Absolventen ohne Berufserfahrung

Die Universität bildet vor allem wissenschaftlich aus – nicht wenigen fehlt dann am Ende des Studiums immer noch ein Gefühl dafür, wie sich das Wissen praktisch umsetzen lässt. Im Gegensatz zu Absolventen, die ein duales Studium absolviert haben, fehlt ihnen die Berufserfahrung.

Praktika sollen das teilweise auffangen, aber nicht jedes mitten im Studium absolvierte Praktikum entspricht noch den Interessen der Berufseinsteiger nach dem Studium. Daher erwägen manche ein Praktikum, bevor Sie Bewerbungen auf reguläre Jobs schreiben.

Ein Praktikum kann sinnvoll sein, wenn Sie sich wegen der Branche noch unschlüssig sind oder wenn sich der Jobeinstieg nicht wie erhofft gestaltet und Sie (um Arbeitslosigkeit zu vermeiden) die Zeit damit überbrücken. Allerdings gibt es schwarze Schafe unter den Betrieben, die Praktikanten gerne als billige Arbeitskraft einsetzen.

Glücklicherweise ist dem Missbrauch der Vergangenheit insofern ein Riegel vorgeschoben worden, als dass alle Praktika, die nicht im Rahmen der Ausbildung als Pflichtpraktika gelten, vergütet werden müssen. Und zwar wenigstens nach Mindestlohn.

Die zentrale Fragen sollten vorab also lauten: Bringt mich dieses Praktikum weiter? Bietet mir das Unternehmen im Anschluss daran eine Übernahmegarantie? Oder bin ich danach wenigstens so gut aufgestellt, dass mehrere Betriebe als Arbeitgeber infrage kommen? Ist während des Praktikums mein Lebensunterhalt gesichert?

Mittlerweile haben auch die Unternehmen längst erkannt, dass ein Jobeinstieg direkt von der Uni trotz Einarbeitungsphase während der Probezeit besondere Herausforderungen birgt und bieten spezielle Einstiegspositionen, teilweise einer kleinen Ausbildung gleichkommen, beispielsweise als Trainee oder Volontär.

Verschiedene Formen des Jobeinstiegs

Grundsätzlich ist der Jobeinstieg als Trainee im Unternehmen nur eine von vielen Möglichkeiten, denn geringe Berufserfahrung in dem Bereich, in dem der Berufseinstieg glücken soll, liegt nun einmal in der Natur der Sache und sollte kein Ausschlusskriterium sein. Im Idealfall glückt daher der Einstieg ins Arbeitsleben als Direkteinstieg.

De facto ist mangelnde Berufserfahrung leider doch häufig ein Ausschlusskriterium. Berufsanfänger haben mit einem Phänomen zu kämpfen, das als das Permission Paradox bezeichnet wird:

Sämtliche ausgeschriebenen Stellen erwarten einen Kandidaten mit Berufserfahrung. Gleichzeitig wird es jedoch keinem Absolventen ermöglicht, genau diese Erfahrung zu sammeln! Ein schier unlösbares Problem? Nein, zumindest nicht, wenn Sie jenseits des klassischen Weges für den Jobeinstieg bereit sind.

Neben den bereits genannten Möglichkeiten als Praktikant, Trainee oder Volontär sind es im Wesentlichen diese drei:

  • Sie haben einen befristeten Arbeitsvertrag.

    Gerade kleine und mittelständische Unternehmen, die sich risikofrei einen Kandidaten anschauen wollen, greifen gerne auf diese Variante zurück, aber auch im öffentlichen Dienst sind auf ein bis zwei Jahren befristete Arbeitsverträge häufig zu finden. Für den Arbeitnehmer insofern unangenehm, weil er (gefühlt) in einer ständigen Probezeit lebt und nicht sicher sein kann, im Anschluss daran einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu erhalten. Dennoch ein Vorteil: Danach haben Sie definitiv Berufserfahrungen.

  • Sie haben einen Werk- oder Honorarvertrag.

    Geschlossen wird ein Werksvertrag meist für ein zeitlich klar umrissenes Projekt. Arbeiten Sie hingegen auf Honorarbasis, sind Sie selbständig tätig. Um dem Verdacht der Scheinselbständigkeit zu entgehen, sollten Berufsanfänger sicherstellen, dass sie eigene Arbeitsmaterialien einsetzen und nach Möglichkeit bei mehreren Arbeitgebern beschäftigt sind. Diese Form der Beschäftigung kann ein Jobeinstieg bei einem Ihrer Auftraggeber oder ein Schritt in die dauerhafte Selbständigkeit sein.

  • Sie haben einen Zeitarbeitsvertrag.

    Wer bei einer Zeitarbeitsfirma arbeitet, wird von dieser an andere Unternehmen entliehen, ist in seinen Rechten den anderen Kollegen dort aber gleichgestellt. Das gilt für die Bezahlung ebenso wie für Sozialleistungen oder Entgeltfortzahlungen. Der Haken: Sie können an wechselnden Arbeitsorten eingesetzt werden und häufig ist ein Zeitarbeitsvertrag befristet. Abgesehen davon können Sie so in verschiedenen Arbeitsbereichen Erfahrungen sammeln und sind vor allem in einem Beschäftigungsverhältnis.

Erster Job: Was muss ich beachten?

Der erste Arbeitstag nach dem Studium ist insofern besonders, als dass nun das „echte Leben“ beginnt – wer zuvor keiner Erwerbsarbeit nachgegangen ist oder bestenfalls mal in den Semesterferien ein Praktikum gemacht hat, für den ist der Berufsalltag eine Umstellung.

Statt freier Zeiteinteilung wie noch zu Studienzeiten gibt es zum Teil noch recht starre Arbeitszeiten in Unternehmen. Selbst bei flexiblen Arbeitszeiten werden Sie eine Kernarbeitszeit haben und können nicht ohne Weiteres einfach um 12 Uhr mittags aufschlagen, weil Sie sich die Nacht zuvor um die Ohren gehauen haben.

Und konnten Sie an der Uni die vergeigte Klausur im nächsten Semester nachholen, müssen im realen Arbeitsleben die ersten Versuche sitzen: Fehler können passieren, aber Gratis-Fehlschüsse wie zu Ausbildungszeiten haben Sie nicht. Hier unsere Tipps für Berufseinsteiger im Einzelnen:

  • Vorbereitung

    Bereiten Sie sich vor, indem Sie am Abend zuvor alles zurechtlegen, was Sie für den nächsten Tag brauchen. Dazu gehört die richtige Kleidung (Haben Sie vorab den Dresscode geklärt?), aber auch sämtliche persönliche Unterlagen wie Steuernummer oder etwa Details zu Ihrer Krankenversicherung.

  • Orientierung

    Klären Sie vorab, wo Sie am ersten Tag erscheinen müssen – in welchem Gebäudeteil, zu welcher Zeit. Legen Sie sich die Namen Ihrer Ansprechpartner parat und seien Sie unbedingt pünktlich! Planen Sie dafür lieber mehr Zeit als nötig sein, um gegen unvorhersehbare Staus oder Baustellen gewappnet zu sein.

  • Vorstellung

    Sie werden in den nächsten Tagen sehr viele Menschen kennenlernen. Sie können Ihre Sympathiewerte bei den neuen Kollegen erheblich steigern, wenn Sie sich deren Namen merken. Machen Sie sich dafür Eselsbrücken wie „derselbe Name wie meiner Freundin“ oder „erinnert mich an diesen oder jenen Star“. Vergessen Sie bei alledem nicht, sich allen Menschen auch selbst vorzustellen und freundlich dabei zu sein. Ein sehr beliebter Jobeinstieg übrigens, der immer ankommt: Wenn Sie mit einem Kuchen Ihren Einstand geben.

  • Notizen

    Was Sie sich nicht merken können, sollten Sie unbedingt aufschreiben. Auch Fragen, die Ihnen im Nachhinein kommen, sollten Sie notieren. So zeigen Sie von Anfang an ehrliches Interesse und nicht nur notgedrungene Aufmerksamkeit. Haben Sie keine Angst, sich eine Blöße zu geben – der Eindruck entsteht nicht durch Nachfragen, sondern eher, wenn Sie nach der Probezeit bestimmte Dinge nicht wissen, die in der Einarbeitung hätten geklärt werden können.

  • Zurückhaltung

    Vorsicht beim Lästern, vor allem wenn es um andere Kollegen oder Vorgesetzte geht: Lassen Sie sich nicht zu irgendwelchen Äußerungen hinreißen. In manchen Fällen existieren schwelende Konflikte unter bestimmten Arbeitskollegen. Manche werden versuchen, Sie in irgendeiner Form zu beeinflussen. In anderen Fällen mag womöglich Ihre Loyalität zum Unternehmen getestet werden – in jedem Fall sollten Sie sich in Zurückhaltung üben.

  • Kontakte

    Wenn Sie sich einige Namen merken konnten, haben Sie bereits einen guten Start in Richtung Kollegen kennenlernen gemacht. Zum Jobeinstieg gehört auch, diese Kontakte zu pflegen. Nehmen Sie an gemeinsamen Veranstaltungen mit Ihren Kollegen teil, gehen Sie gemeinsam mit ihnen in die Kantine oder beispielsweise auf die After-Work-Party.

[Bildnachweis: nd3000 by Shutterstock.com]
13. Juli 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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