Permission Paradox: Kein Job ohne Erfahrung, keine Erfahrung ohne Job

Kennen Sie das Permission Paradox? Häufig begegnen uns im Alltag bestimmte Psychologie-Phänomenen, die wir zwar kennen, aber nicht benennen können. Das Permission Paradox ist so eins. Viele Arbeitnehmer sehen sich damit nach Ausbildungsende konfrontiert und dann dreht sich alles um die Frage, wie dieses Problem zu lösen ist. Was sich hinter dem Begriff verbirgt und wie Sie das Permission Paradox knacken können…

Permission Paradox: Kein Job ohne Erfahrung, keine Erfahrung ohne Job

Permission Paradox Bedeutung: Die Lösung liegt im Problem

Englisch permission bedeutet übersetzt „Erlaubnis“, „Genehmigung“. Als Paradox oder Paradoxon wird ein Widerspruch in sich bezeichnet, der sich bei genauerer Betrachtung auflösen oder sogar als tiefere Wahrheit entpuppen kann.

Mit dieser anfänglichen Unmöglichkeit sehen sich häufig Berufseinsteiger konfrontiert: Sie bewerben sich auf eine Stelle, für die Erfahrung verlangt wird. Leider verfügen Sie nicht über genügend Berufserfahrung. Um jedoch Berufserfahrung sammeln zu können, brauchen Sie einen Job.

Die Katze beißt sich hier in den Schwanz – genau dieses Problem beschreibt das Permission Paradox. Bewerbern wird keine Genehmigung erteilt, ihre Leistungen ohne die notwendige Erfahrung unter Beweis stellen zu können.

Das Permission Paradox ist ein Catch-22-Phänomen. Das Catch-22-Phänomen ist nach Joseph Hellers gleichnamigem Roman benannt und beschreibt ein Dilemma. Aufgrund widersprüchlicher Regeln ist die Lösung eines Problems unmöglich.

Beispiel

Wer das Betriebsystems Windows benutzt, kennt vielleicht die Aufforderung: „Falls Ihre Tastatur nicht mehr reagiert, drücken Sie die Escape-Taste.“

Permission Paradox: Eine unendliche Geschichte

Schauen Sie in Stellenanzeigen für qualifizierte Jobs und Sie werden häufig dasselbe lesen: Die meisten Arbeitgeber suchen die eierlegende Wollmilchsau. Wer gerade seine Ausbildung beendet oder sein Studium abgeschlossen hat, ist oft hoch motiviert und mit den neusten Kenntnissen seiner Branche ausgestattet.

So schwer sollte es da doch nicht sein, einen Job zu finden? Aber es wird immer einschlägige, oft mehrjährige Erfahrung gesucht. Diese Erkenntnis ist natürlich frustrierend. Vielleicht hilft folgender Hinweis: Es geht nicht nur Berufsanfängern so. Denn auch wer bereits fünf Jahre Berufserfahrung in einer Branche hat und sich dann auf eine hierarchisch höhere Position bewirbt, sieht sich mit dem Permission Paradox konfrontiert.

Jeder Bewerber wird nach zwei Kriterien bewertet:

  • Welches Potenzial steckt in ihm, das sich für das Unternehmen auszahlt?
  • Welche Erfolge kann er für die Bereiche nachweisen, die für die Stelle ausschlaggebend sind?

Gerade bei Berufsanfängern kann letzteres meist nicht belegt werden, umso wichtiger ist das Potenzial. Das wiederum kann durch die Abschlüsse, Ihre Arbeitsmoral und im Vorstellungsgespräch durch Soft Skills wie Kommunikationsvermögen, Einsatzbereitschaft und Kenntnisse über den Arbeitgeber ermessen werden.

Immer wird Erfahrung vorausgesetzt werden und nie kann ein Bewerber in exakt dem Bereich Erfahrungen aufweisen. Zumindest wenn er sich erstmals in diesem Bereich bewirbt ohne jemals diese Arbeit ausgeübt zu haben. Es stellt sich die Frage, was Sie tun können, um das Permission Paradox auszuhebeln.

Erfolgsfaktoren Resilienz und Volition

Die Antwort ist: Sie müssen einen Weg finden Berufserfahrung zu sammeln, ohne diesen Job auszuüben. Das klingt wie das nächste Paradoxon, ist aber machbar. Vor allem sollten Sie sich bewusst machen, dass es immer Berufserfahrungen gibt, die erfolgsentscheidend sein werden.

Für Berufsanfänger mag das Permission Paradox besonders herausfordernd sein. Aber der Unterschied zwischen einer eher gemächlich dahinplätschernden beruflichen Laufbahn und einer Karriere ist der, wie gut Sie sich entscheidende Berufserfahrungen aneignen.

Dazu gehört definitiv eine innere Einstellung, die sich am besten mit Resilienz und Volition beschreiben lässt. Resilienz bedeutet, dass Sie eine innere Widerstandskraft gegen Rückschläge gleich welcher Natur entwickeln. Das Leben kann mit Trennungen, Krankheiten und Niederlagen herausfordernd sein.

Entscheidend ist, ob Sie sich davon entmutigen lassen oder trotzdem Ihr Ziel verfolgen. Große Vorbilder sind oft Menschen mit Behinderung, die sich ihren Weg zum Job erkämpft haben, obwohl es beispielsweise noch keine Gesetze zur Barrierefreiheit gab.

Genau diesen Biss, diese Volition werden Sie brauchen, um mit Absagen umgehen zu können.

Permission Paradox überwinden: Das können Sie tun

Zunächst einmal sollten Sie sich bewusst machen: Sie haben nicht keine Erfahrungen. Auch nicht in beruflicher Hinsicht. Sie mögen in diesem speziellen Bereich vielleicht wenig Erfahrungen haben, aber sofern Sie sich nicht als Tänzer auf eine Stelle als Pilot bewerben, werden Sie vermutlich eine Stelle im Visier haben, die mit Ihrer Ausbildung oder Ihrem Studium zusammenhängt.

Sie verfügen also Minimum über theoretisches Wissen. Meist müssen im Rahmen eines Studiums Praktika oder Feldversuche unternommen werden, so dass also auch geringfügig praktische Erfahrung vorhanden ist. Dies sollten Sie sich vor Augen halten, wenn der Bewerbungsfrust Überhand zu nehmen droht.

Daneben können Sie das Risiko eines Permission Paradox durch diese Maßnahmen reduzieren:

  • Sammeln Sie Erfahrungen.

    Es gibt etliche Möglichkeiten, wie Sie Berufserfahrung sammeln können. Selbst wenn es nicht unmittelbar in Ihrem Traumjob ist, werden Sie selbst in Nebenjobs oder im Ehrenamt wertvolle Kenntnisse und Fähigkeiten lernen, die für Ihr Berufsleben von Bedeutung sein werden. Dazu gehören auch Praktika oder Jobs im Ausland. Gerade Praktika und Ehrenamt können hier weiterhelfen, weil Sie Erfahrungen sammeln, auch wenn Sie nur geringfügig entlohnt werden. Dieser Verzicht auf ein branchenübliches Gehalt mag zunächst hart sein, kann sich aber später auszahlen, wenn Sie eine Stelle aufgrund eben dieser Erfahrungen bekommen.

  • Wählen Sie sorgsam aus.

    Wenn Sie schon für wenig Geld arbeiten, sollten Sie Ihr Praktikum sorgfältig wählen. Am besten, Sie schauen sich das Unternehmen, bei dem Sie arbeiten wollen, vorher genau an. Welche Kenntnisse werden Ihnen dort vermittelt? Dürfen Sie Verantwortung übernehmen oder beschränkt sich Ihre Arbeit aufs Kopieren und Kaffeekochen? Idealerweise besorgen Sie sich einen Mentor. Auf beruflichen Netzwerken wie Linkedin oder Xing können Sie mit Unternehmensangehörigen in Kontakt treten und Sie um ihren Rat und Hilfe bitten.

  • Bleiben Sie kompromissbereit.

    Um das Permission Paradox zu überwinden, sollten Sie realistisch Ihre Möglichkeiten ausloten und gegebenenfalls kalkulierte Einbußen hinnehmen. Natürlich ist es anfangs enttäuschend, wenn Sie frisch von der Uni mit einem Master kommen und letztlich eine Stelle antreten, die Sie mit einem Bachelor ebenso bekommen hätten und die entsprechend entlohnt wird. Dennoch kann es sinnvoll sein, erst einmal unter den individuellen Möglichkeiten anzufangen. Letztlich verbirgt sich dahinter die Fuß-in-der-Tür-Technik. Das ist vielleicht noch nicht die große Traumstelle, aber Sie sind bereits ein großes Stück näher dran.

  • Bewähren Sie sich.

    Eine Möglichkeit, das Permission Paradox zu knacken ist, Gelegenheiten zu erkennen. Das geht wesentlich einfacher, wenn Sie bereits in einem Unternehmen arbeiten, aber auf eine Beförderung aus sind. Natürlich sind reibungslose Abläufe eine angenehme Sache. Wo alles wie am Schnürchen läuft, können Sie sich jedoch nicht beweisen und somit nicht auf Ihre Fähigkeiten aufmerksam machen. Anders, wenn es Probleme gibt. Die Bereiche eines Unternehmens, in denen es Handlungsbedarf gibt, können Ihre Chance sein. Wer sich in Krisensituationen bewährt, wird zur Kenntnis genommen.

  • Bewerben Sie sich bei einem Start-up.

    Manch ein Bewerber lässt sich durch große namhafte Konzerne blenden. Der größte Arbeitgeber überhaupt ist jedoch der Mittelstand. Kleine und mittelständische Unternehmen wie Start-ups sind eine attraktive Alternative, da sie oftmals eher bereits sind, Berufsanfänger einzustellen. Wer hier seine ersten Schritte im Berufsleben sammelt, überwindet das Permission Paradox ganz klassisch. Grundvoraussetzung ist natürlich auch hier, dass Sie entsprechend glaubwürdig Ihr Engagement herüberbringen.

  • Pflegen Sie Ihre Kontakte.

    Ein gutes Netzwerk ist die halbe Miete. Wussten Sie, dass nur 35 Prozent aller freien Stellen überhaupt ausgeschrieben werden? Mit anderen Worten: Der Großteil der Stellen ist auf dem verdeckten Stellenmarkt. Von diesen Stellen erfahren Sie aber nur, wenn Sie Ihre Augen und Ohren vervielfachen. Die Wahrscheinlichkeit, eine Stelle zu finden ist wesentlich höher, wenn andere Leute Sie auf dem Schirm haben. Mehr noch: Wenn Sie jemanden kennen, der für Sie und Ihre Arbeitsmoral bürgen kann, können Sie das Permission Paradox aushebeln, denn Ihre Berufserfahrung wird nicht mehr von so großer Bedeutung sein.

  • Stellen Sie Ihre Expertise heraus.

    Das Internet macht es möglich: Schalten Sie das Permission Paradox aus, indem Sie sich als Experte auf Ihrem Sachgebiet herausstellen. Starten Sie Ihren eigenen Blog, verfassen Sie regelmäßige Beiträge, die Sie auf den diversen Social Media Kanälen posten. Gehen Sie in die Interaktion mit anderen Experten, kommentieren Sie aktuelle Themen. Das zeigt, dass Sie wirklich Ahnung von dem Thema haben und sich auch privat damit beschäftigen.

  • Bieten Sie eine Arbeitsprobe an.

    Teil des Permission Paradox ist, dass Arbeitgeber dem Bewerber zu wenig zutrauen. Ist dies wirklich der einzige Grund, können Sie diesen ausräumen, indem Sie eine Arbeitsprobe anbieten. Beispielsweise haben Sie sich auf eine Stelle im Bereich Öffentlichkeitsarbeit beworben und verfassen nun probehalber eine Pressemitteilung. Oder Sie vereinbaren mit Ihrem potenziellen Arbeitgeber eine sogenannte Probearbeit. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, das Unternehmen aus nächster Nähe kennenzulernen und sicherzustellen, ob Sie dort überhaupt arbeiten wollen. Und Ihr Chef in spe kann dann beurteilen, ob Sie und Ihre Fähigkeiten ins Team passen.

[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]

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19. Dezember 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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