Volition: Willenskraft für Erfolg wichtiger als Intelligenz

Wir alle streben nach Zielen. Ob wir diese auch erreichen – das entscheidet unsere Volition. Zahlreiche Wissenschaftler sind sich heute einig: Volition ist DER Erfolgsfaktor überhaupt – wichtiger als Motivation oder Intelligenz. Die Fähigkeit entscheidet maßgeblich darüber, ob wir ins Handeln kommen und unsere Absichten, Ideen oder Wünsche beharrlich verfolgen. Auch gegen Widerstände. Volition verbindet Entschlossenheit mit unbedingtem Umsetzungswillen. Und die Willenskraft lässt sich – größtenteils – wie ein Muskel trainieren. Tipps, wie Sie im Leben mehr erreichen…

Volition: Willenskraft für Erfolg wichtiger als Intelligenz

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Definition: Was bedeutet Volition?

Volition (deutsch: Willenskraft, Umsetzungsstärke) ist die Fähigkeit, seine Ideen, Absichten oder Wünsche gezielt und fokussiert in die Tat umzusetzen, sodass diese zu konkreten Ergebnissen und Erfolgen führen. Der Begriff beschreibt damit einen Prozess der Selbststeuerung und willentlichen Umsetzung von (selbstgesteckten) Zielen – auch über Widerstände und Handlungsbarrieren hinweg. Deshalb wird Volition häufig auch mit „Willenskraft“ (englisch: Willpower) übersetzt. Das Wort selbst leitet sich aus dem lateinischen Verb „velle“ ab, was übersetzt so viel bedeutet wie „wollen“ oder „wünschen“.

Typische Synonyme für Volition sind Willensstärke, Umsetzungswille, Beharrlichkeit, Durchhaltevermögen, eiserner Wille, Entschlossenheit, Zielstrebigkeit oder Biss. Der Volition gegenüber steht die Willensschwäche, auch Akrasia genannt.

Resultate dank Volition

Volition – so sperrig der Begriff auch klingt – ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor und eine enorm unterschätzte Stärke. Anwendung findet der Begriff in zwei unterschiedlichen Bereichen:

  • Im Management beschreibt Volition den Prozess der „Willensbildung“ (Zielsetzung, Planung) und „Willensdurchsetzung“ (Organisation, Kontrolle) eines Unternehmens.
  • In der Persönlichkeitspsychologie bezeichnet er hingegen die „Willenskraft“, die notwendig ist, um auftretende Widerstände, Zweifel, Unlustgefühle oder Zielkonflikte zu überwinden.

Etwas zu „nur“ zu wollen, reicht eben oft nicht. Erst die Volition führt zu Resultaten. So stellte der deutsche Psychologe Narziß Kaspar Ach bereits 1910 in seiner Abhandlung „Über den Willen“ fest, dass der „Wirkungsgrad“ des Wollens über den Erfolg des menschlichen Handelns Auskunft gebe – insbesondere bei der Überwindung von Widerständen.

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Volition ist mehr als Motivation

Unsere Motivation steht am Anfang jedes Unterfangens. Wir haben eine Idee, ein Ziel, einen Wunsch. Bis dahin ist es aber kaum mehr als eine Absicht. Zwar sind Motivation und Volition enge Verwandte. Aber erst die Umsetzungsstärke führt zum Erfolg. Jeffrey Pfeffer, Professor an der Stanford Universität spricht in dem Zusammenhang auch vom „Knowing-Doing-Gap“: Viel Wissen und gute Ideen müssen noch lange keine Innovationen hervorbringen, solange wir sie nicht in die Tat umsetzen. Und den „inneren Schweinehund“ überwinden.

Der Motivation stehen häufig eine Reihe von Hemmnissen gegenüber: Angst, Lustlosigkeit, Ablenkungen, Ziellosigkeit. Statt die Bügelwäsche zu erledigen, wird noch die Lieblingsserie geguckt. Statt für die Prüfung zu lernen, wird Playstation gezockt und so weiter. Typische Fälle von Prokrastination, umgangssprachlich „Aufschieberitis“. Zur Überwindung dieser inneren und äußeren Widerstände braucht es die Volition.

Rubikon-Modell: Von der Motivation zum Ergebnis

Wie aber gelangt man von der Motivation zum Ergebnis? Die Motivationspsychologen Heinz Heckhausen und Peter M. Gollwitzer haben dazu das sogenannte Rubikon-Modell entwickelt. Es beschreibt in vier Phasen, wie aus Motivation Handlung und schließlich Zielerreichung wird:

  1. Abwägen (prädezisionale Phase)
    In dieser frühen Phase werden zunächst Ziele entwickelt. Wir wägen ab, wie groß die Chancen und Risiken sind und ob sich die Wünsche realisieren lassen. Zeit und Geld sind oft zentrale Faktoren bei der Kalkulation. In manchen Fällen gibt es anfangs nur ein diffuses Gefühl. In dem Fall hilft das Zürcher Ressourcen Modell, um die Gefühle zu kanalisieren und Ziele zu formulieren.
  2. Planen (postdezisionale/präaktionale Phase)
    In der Planungsphase wird geschaut, wie sich das Ziel möglichst effizient erreichen lässt. Es geht um konkrete Schritte der Umsetzung. Die Planungsphase markiert damit den Übergang von Motivation zur Volition.
  3. Handeln (aktionale Phase)
    In der Handlungsphase wird umgesetzt, was zur Zielerreichung notwendig ist. Bei starker Volition sind Betroffene maximal fokussiert und konzentriert auf ihr Ziel. Nichts lenkt sie ab. Gleichzeitig ist diese Phase die physisch und psychisch anstrengendste. Trotz Flow-Zuständen, dürfen regelmäßige Ruhepausen nicht vergessen werden.
  4. Bewerten (postaktionale Phase)
    Am Ende erfolgt die Bewertung des Ergebnisses mittels Soll-Ist-Vergleich. Eventuell müssen wir Teilschritte korrigieren oder optimieren. Viel wichtiger aber ist, aus dem Prozess für die Zukunft zu lernen. Das macht uns langfristig noch erfolgreicher.

Ziele formulieren: Nutzen Sie die SMART-Methode

Zum Formulieren Ihrer Ziele können Sie die sogenannte SMART-Methode anwenden. Im Vordergrund steht dabei, die eigenen Ziele möglichst realistisch einzuschätzen und sich sinnvolle Fristen zu setzen. Die SMART-Methode wurde schon 1956 entwickelt und ist ein Akronym. Es steht für:

  • Spezifisch
    Ziele sollen so spezifisch wie möglich beschrieben werden.
  • Messbar
    Orientieren Sie sich dabei an messbaren Fakten.
  • Attraktiv
    Planen Sie so, dass Sie auch Lust haben, das umzusetzen.
  • Realistisch
    Was Sie sich vornehmen muss natürlich auch machbar sein.
  • Termingerecht
    Das bedeutet, die Aufgaben zeitlich bindend zu planen. Also etwa: Bis Ende des Jahres will ich zehn Prozent mehr verdienen.


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Erfolgsfaktor Volition: Wichtiger als Intelligenz

Obwohl der Begriff den meisten Menschen unbekannt ist, gilt Volition als der vielleicht wichtigste Erfolgsfaktor überhaupt. Sie verbindet Entschlossenheit mit Umsetzungskompetenz. „Ich wette, dass es keinen einzigen Erfolgsmenschen gibt, der diese Eigenschaft nicht besitzt“, sagt zum Beispiel die Psychologin Angela Duckworth von der Universität von Pennsylvania. Sie ist eine der Koryphäen auf diesem Gebiet und überzeugt: „Niemand ist so talentiert, dass er nicht für seinen Erfolg kämpfen muss – und Volition hilft enorm dabei.“

Der Erfinder des Stanford-Intelligenztests, Lewis Terman, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Über Dekaden verfolgte er die Entwicklung besonders talentierter und erfolgreicher Studenten – und musste feststellen: Intelligenz wird überschätzt, Beharrlichkeit hatte die signifikant größeren Auswirkungen auf den Erfolg eines Menschen.

Nicht aufgeben – Widerstände überwinden

Aber ist es wirklich so einfach? Das Geheimnis des Erfolgs – es ist weniger eine Sache der Intelligenz, des Talents, der Top-Ausbildung und des Know-hows, sondern ganz einfach: nicht aufzugeben, sich durchzuboxen – egal, was kommt? Tatsächlich gibt es inzwischen einige Forscher, die diese Meinung vertreten und volitionalen Erfolg mit wissenschaftlichen Daten untermauern können. Zum Beispiel Howard Gardner, ein renommierter Psychologie-Professor an der Harvard Universität. Er analysierte etwa die Lebensläufe der größten und erfolgreichsten Genies, von Einstein über Picasso bis hin zu Ghandi. Ergebnis: Sie alle haben eine Sache gemeinsam – Willenskraft beziehungsweise Entschlossenheit.

All diese Menschen setzten und setzen sich Ziele und verfolgen diese ebenso diszipliniert wie zielstrebig. Bis zum Erfolg. Das kann nach außen manchmal sogar zu widersprüchlichem Verhalten führen. Volition bedeutet ebenso:

  • sich – je nach Erfordernis – rasch zu entscheiden oder sich Bedenkzeit zu nehmen. In beiden Fällen aber bewusst und zielorientiert.
  • sich genau zu überlegen, warum wir etwas wollen, was uns im Innersten antreibt.
  • die Flexibilität zu trainieren und zu kultivieren, von einmal gesetzten Zielen auch wieder abzuweichen. Etwa, wenn wir erkannt haben, dass sie unrealistisch sind oder auf externen Erwartungen basieren.

Volition Definition Motivation Grafik

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Volition Test: Wie groß ist Ihre Willenskraft?

Falls Sie sich fragen, ob auch Sie diese Erfolgseigenschaft besitzen, können Sie hier einen kurzen Volition-Test absolvieren. Der erhebt zwar keinerlei wissenschaftlichen Anspruch. Wir haben ihn aber von zwei Psychologen checken und optimieren lassen. Bei den folgenden Aussagen haben Sie jeweils vier Antwort-Optionen:

  • A = trifft voll zu
  • B = trifft weniger zu
  • C = trifft kaum zu
  • D = trifft gar nicht zu

Um den Test online zu absolvieren, können Sie sich entweder Notizen machen – oder Sie laden sich den Volition-Test hier als PDF kostenlos herunter. Die Auswertung finden Sie am Ende des Fragebogens.

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Auswertung des Volitions-Tests

Teilen Sie jetzt Ihren Antworten Punkte zu: Bei den Fragen von 1 bis 10: A = 4 Punkte, B = 3 Punkte, C = 2 Punkte, D = 1 Punkt; bei den Fragen von 11 bis 16: A = 1 Punkt, B= 2 Punkte, C = 3 Punkte, D = 4 Punkte. Addieren Sie anschließend alle Punkte zusammen und vergleichen Sie das Ergebnis mit der folgenden Skala:

5 Tipps: So trainieren Sie Ihre Volition

Die gute Nachricht ist: Volition lässt sich trainieren und verbessern. Laut Psychologie spielen dabei vor allem fünf Eigenschaften eine zentrale Rolle – die sogenannten „Volitionskompetenzen“:

1. Fokussieren können

Sich auf das Wesentliche (im Job) zu konzentrierten und sich nicht zu verzetteln – für viele Menschen ist das ein Problem. Allerdings entscheidet diese Fähigkeit maßgeblich über Fortune oder Fiasko. Von Konfuzius gibt es dazu ein schönes Sprichwort: „Wer zwei Hasen gleichzeitig jagt, wird keinen davon fangen.“ Wer sich dagegen fokussiert, der richtet sich auf ein bewusstes (!) Ziel aus und widmet sich diesem mit all seiner Kraft, Energie und Leidenschaft, um es am Ende auch zu erreichen. Es reicht dazu nicht, mit ein paar Konzentrationsübungen die kognitiven Fähigkeiten zu trainieren und zu stärken. Fokussierung ist vielmehr die zielgerichtete und willentliche Ausrichtung auf ein bestimmtes Ziel. Derart fokussierte Menschen sind nicht nur enorm ausdauernd und hartnäckig, sie lassen sich auch kaum noch ablenken oder entmutigen.

2. Mentale Stärke

Nicht selten entscheidet sich schon im Kopf, ob wir eher auf der Gewinner- oder der Verliererseite stehen. Keiner von uns ist vor Rückschlägen und Niederlagen gefeit. Während die einen liegenbleiben oder die Flinte ins Korn werfen, stehen andere auf, klopfen den Staub aus den Klamotten und machen weiter – anders, besser. In der Psychologie ist in dem Zusammenhang oft von „Selbstwirksamkeit“ die Rede. Gemeint ist damit das Vertrauen in das eigene Leistungsvermögen und die Zuversicht, Hindernisse aller Art überwinden zu können. Das erinnert zwar an die Mantren der positiven Psychologie und das berüchtigte Du-kannst-alles-was-du-willst-Tschakka. So leicht ist das aber nicht. Mentale Stärke ist nicht nur eine einfache Willenserklärung mit anschließender Wunscherfüllung. Um sie zu erlangen, braucht es beides: Talent und Training.

3. Selbstvertrauen

Die dritte wichtige Volitionskompetenz ist Selbstvertrauen. Dies ist keinesfalls angeboren oder nicht, sondern trainierbar. Wer selbstbewusster werden will (im Wortsinn), sollte sich daher zunächst selbst besser kennenlernen und das oft verzerrte Selbstbild korrigieren. Dies führt schließlich zu Selbstakzeptanz. Denn nur wer sich selbst annehmen kann, so wie er oder sie ist, kann auch Selbstvertrauen entwickeln und selbstsicherer werden. So jemand glaubt an die eigenen Kompetenzen, weiß um seine Stärken und Fähigkeiten sowie an an das Erreichenkönnen der eigenen Ziele. Eine selbstbewusste Person ist zudem in der Lage, ihre Interessen zu vertreten und auch vor Mitmenschen zu schützen. Sie hat keine Angst davor, offen ihre Meinung zu sagen.

4. Selbstdisziplin

Selbstdisziplin ist vielleicht die preussischste aller Volitionskompetenzen. Entsprechend angejahrt ist ihr Image: steif, altbacken, ungefähr so heiter wie Marschmusik. Doch die Vorstellung vom leichten, schnellen Weg vom Tellerwäscher zum Millionär ist eben nur eine Mär. Ein Traum, der gerne anhand von Menschen illustriert wird, die schon Millionär sind. Was dabei jedoch ausgeblendet wird, sind die vielen harten Jahre des Mutes, der Entbehrung, der Niederlagen, des anhaltenden Engagements und Durchhaltens davor. Talente sind oft gar nicht so ungleich verteilt – im Fleiß und Durchhaltevermögen liegen die Unterschiede. Kennen Sie etwa die 40-Prozent-Regel der Navy Seals? Sie lautet: „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, hast du erst 40 Prozent deiner Leistungsfähigkeit erreicht. Nicht deine körperliche Fitness entscheidet, sondern deine psychische Fitness.“ Gemeint ist hierbei vor allem die Selbstdisziplin. Also keine Fremdbestimmung, sondern vielmehr eine Form der bewussten Selbstregulierung und Selbstkontrolle.

5. Problemlösungskompetenz

Die fünfte wesentliche Volitionskompetenz ist die Problemlösungskompetenz. Kein Ziel, kein Projekt, keine Aufgabe bei der man nicht irgendwann irgendeinem Problem oder Hindernis gegenüber stünde – mal größer, mal kleiner. Willensstarke Menschen zeichnen sich allerdings nicht nur dadurch aus, dass Sie sich von derlei Widerständen kaum einschüchtern oder aufhalten lassen. Sie finden auch Aus- oder Umwege – oder improvisieren ein bisschen. Oder wie es im Bonmot so richtig heißt: „Wer etwas will, findet Wege; wer etwas nicht will, findet Gründe.“ Eine koordinierte Problemlösung ist dabei immer noch der beste Weg, um schnell und zuverlässig zu einem passenden Ergebnis zu kommen. Bewährt hat sich dabei die sogenannte STAR-Methode, die sich genauso zur Problemlösung abwandeln lässt.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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8. Februar 2021 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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