Volition: Wie viel Biss haben Sie?

Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist… Verbissenheit. Wenn Ihnen der Begriff nicht gefällt: Volition – die Entschlossenheit, Träume und Ziele in die Tat umzusetzen – ginge auch. Aus Sicht von Psychologen zählt dieser Charakterzug zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren überhaupt, mehr noch als Intelligenz. Zugegeben, Verbissenheit klingt zunächst negativ: nach Wahnsinn, Sturheit und Fanatismus. Doch dabei verwechseln wir Ursache mit Wirkung. Wir beurteilen die Qualität dieser Eigenschaft anhand der Ziele, die jemand damit verfolgt. Aber stellen Sie sich jemanden vor, der verbissen dafür kämpft, dass Menschen nicht gefoltert werden, dass Kinder jeden Tag etwas zu essen haben und eine Schulbildung bekommen, dass die Natur nicht rücksichtslos ausgebeutet wird… Schon klingt diese Form der Willenskraft gar nicht mehr so schlecht. Tatsächlich hat Volition zahlreiche gute Seiten – vor allem dann, wenn sie zu Beharrlichkeit, Ausdauer und Erfolg führt…

Volition: Wie viel Biss haben Sie?

Definition: Was bedeutet Volition?

Volition DefinitionFür den Begriff der Volition gibt es zwei unterschiedliche Definitionen, die einander ähneln:

  • Im Management beschreibt Volition den Prozess der Willensbildung (Zielsetzung, Planung) und Willensdurchsetzung (Organisation, Kontrolle) eines Unternehmens.
  • In der Persönlichkeitspsychologie bezeichnet er hingegen die Willenskraft, die notwendig ist, um auftretende Widerstände, Zweifel, Unlustgefühle oder Zielkonflikte zu überwinden.

In beiden Fällen handelt es sich um eine willentliche Umsetzung von (selbstgesteckten) Zielen, also einen Prozess der Selbststeuerung, der zugleich die Überwindung von Handlungsbarrieren durch Willenskraft erfordert. Das Wort Volition selbst leitet sich aus dem lateinischen Verb „velle“ ab, was übersetzt so viel bedeutet wie „wollen“ oder „wünschen“.

Entsprechend sind typische Synonyme für Volition:

Schon der deutsche Psychologe Narziß Kaspar Ach stellte im Jahr 1910 in seiner Abhandlung „Über den Willen“ fest, dass der Wirkungsgrad des Wollens über den Erfolg des menschlichen Handelns Auskunft gebe – insbesondere bei der Überwindung von Widerständen.

Ein paar Jahre später, 1926, formulierte der Sozialpsychologe Kurt Tsadek Lewin mit seinen Untersuchungen zur „Handlungs- und Affektpsychologie“ die Volition als „zielgerichtete Motivation„. Beide Antreiber – Volition, Motivation – sind danach enge Verwandte.

Eine ausführliche Definition finden Sie auf der Seite der Technischen Hochschule Mittelhessen – hier.

Volition ist mehr als Motivation

Motivation steht am Anfang eines Unterfangens. Sie allein reicht allerdings nicht. Der Wirtschaftswissenschaftler und Professor für Organisationstheorie an der Graduate School of Business der Stanford Universität, Jeffrey Pfeffer, spricht in diesem Zusammenhang vom „Knowing-Doing-Gap“.

Viel Wissen und gute Ideen müssen noch lange keine Innovationen hervorbringen, solange wir sie nicht in die Tat umsetzen. Unsere Motivation sieht sich häufig einer Reihe von Hemmnissen gegenüber:

Für die Überwindung dieser inneren und äußeren Widerstände braucht es die Volition. Ist diese zu gering ausgeprägt, zeigt sich Willensschwäche, auch als Akrasia bekannt.

Genau dieser Effekt lässt sich tagtäglich beobachten: Statt die Bügelwäsche zu erledigen, wird noch die Lieblingsserie geguckt. Statt für die Prüfung zu lernen, wird Playstation gezockt und so weiter: Eigentlich ist klar, was tatsächlich getan werden müsste, aber wir verschieben – von Prokrastination oder umgangssprachlich Aufschieberitis ist die Rede.

Volition hingegen verbindet Entschlossenheit mit Umsetzungskompetenz. „Ich wette, dass es keinen einzigen Erfolgsmenschen gibt, der diese Eigenschaft nicht besitzt“, sagt etwa die Psychologin Angela Duckworth von der Universität von Pennsylvania, die eine der Koryphäen auf diesem Gebiet ist. „Niemand ist so talentiert, dass er nicht für seinen Erfolg kämpfen muss – und Verbissenheit hilft enorm dabei.“

Lewis Terman, der Erfinder des Stanford-Intelligenztests, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Über Dekaden verfolgte er die Entwicklung besonders talentierter (und erfolgreicher) Studenten – und musste feststellen: Intelligenz wird zuweilen überschätzt, Beharrlichkeit hatte oft die größeren Auswirkungen auf den Erfolg.

Volition Definition Motivation Grafik

Selbsttest: Besitzen Sie Volition?

Falls Sie sich nun fragen, ob auch Sie diese wichtige Erfolgseigenschaft besitzen und genug Volition im Alltag zeigen, können Sie hier gleich einen kurzen Selbsttest absolvieren.

Der kann in dieser Form nur grob sein und erhebt auch keinerlei wissenschaftlichen Anspruch. Allerdings haben wir ihn aus Qualitätsgründen von zwei Psychologen gegenchecken lassen, Resultat: Er ist gut.

Bei den folgenden Aussagen haben jeweils vier Optionen für die möglichen Antworten:

  • A = trifft voll zu
  • B = trifft weniger zu
  • C = trifft kaum zu
  • D = trifft gar nicht zu

Um den Test zu absolvieren, können Sie sich entweder hier gleich online ein paar Notizen dazu machen – oder aber (was wir empfehlen) Sie laden sich den Volition-Test hier gleich als PDF herunter, drucken ihn aus und kreuzen die Aussagen entsprechend an.

Die Auswertung finden Sie am Ende des Fragebogens.

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Auswertung des Volitions-Tests

test-auswertung-iconTeilen Sie jetzt Ihren Antworten Punkte zu:

  • Bei den Fragen von 1 bis 10: A = 4 Punkte, B= 3 Punkte, C = 2 Punkte, D = 1 Punkt;
  • bei den Fragen von 11 bis 16: A = 1 Punkt, B= 2 Punkte, C = 3 Punkte, D = 4 Punkte.

Addieren Sie anschließend alle Punkte zusammen und vergleichen Sie das Ergebnis mit der folgenden Skala:

Erfolgsfaktor Volition: Nicht aufgeben!

Aber ist es wirklich so einfach? Das Geheimnis des Erfolgs – es ist weniger eine Sache der Intelligenz, des Talents, der Top-Ausbildung und des Know-hows, sondern ganz einfach: nicht aufzugeben, sich durchzuboxen – egal, was kommt?

Tatsächlich gibt es inzwischen einige Forscher, die diese Meinung vertreten und volitionalen Erfolg auch mit wissenschaftlichen Daten untermauern können.

Da gibt es zum Beispiel Howard Gardner, den renommierten Professor für Psychologie an der Harvard Universität und außerordentlichen Professor für Neurologie an der Boston University School of Medicine, der eine Zeit lang die Lebensläufe einige der größten und erfolgreichsten Genies analysiert hat – von Einstein über Picasso bis hin zu Ghandi.

Ergebnis: Sie alle haben eine Sache gemeinsam: Biss. Oder eben Willenskraft beziehungsweise Entschlossenheit. Entsprechend sei Volition die Kunst, im gesamten Prozess der Entscheidungsfindung und Umsetzung Willensstärke zu zeigen, auch wenn das manchmal nach außen zu widersprüchlichem Verhalten führt.

Dazu gehört etwa:

  • Sich je nach Erfordernis rasch zu entscheiden oder sich Bedenkzeit zu nehmen – nur in beiden Fällen bewusst und zielorientiert.
  • Sich sehr genau zu vergegenwärtigen, warum wir etwas wollen, was uns im Innersten antreibt.
  • Die Flexibilität zu trainieren und zu kultivieren, von einmal gesetzten Zielen auch wieder abzuweichen. Etwa, wenn wir erkannt haben, dass wir sie nur noch deswegen verfolgen, weil es die Vernunft vermeintlich nahelegt, weil es andere es von uns erwarten oder wir von uns selbst.

Kurz: Diese Menschen setzen sich Ziele und verfolgen diese ebenso diszipliniert wie zielstrebig. Bis zum Erfolg.

Rubikon-Modell bildet Willensstärke ab

Wie gelangt man von der Motivation zum Ergebnis? Die Motivationspsychologen Heinz Heckhausen und Peter M. Gollwitzer haben ein Modell entwickelt, wie Motivation in Handlung und Zielerreichung umgesetzt werden kann. Ihr Rubikon-Modell liefert einen viergliedrigen Aufbau dazu:

  1. Abwägen (prädezisionale Phase)

    Hier werden Ziele entwickelt. Dabei wird abgewägt, wie groß Chancen und Risiken sind und ob sich die Wünsche realisieren lassen. Zeit und Geld sind wichtige Faktoren in dieser Überlegung.

  2. Planen (postdezisionale/präaktionale Phase)

    In der Planungsphase wird geguckt, wie sich möglichst effizient das Ziel erreichen lässt. Es fällt die Entscheidung, wann, wo und wie gehandelt wird. Gleichzeitig markiert die Planungsphase den Übergang von Motivation zur Volition.

  3. Handeln (aktionale Phase)

    In der Handlungsphase wird alles umgesetzt, was zur Zielerreichung notwendig ist. Ist eine gewisse Routine vorhanden und lässt sich die Person bewusst auf das ein, das zu tun ist, gerät sie irgendwann in den Flow. Bei starker Volition liegt die Konzentration nur auf dem Ziel. Gleichzeitig ist diese Phase die physisch und psychisch anstrengendste, weshalb Ruhepausen notwendig sind.

  4. Bewerten (postaktionale Phase)

    Am Ende erfolgt die Bewertung anhand eines Soll-Ist-Vergleichs. Es wird evaluiert, welche Handlungsschritte sich gelohnt haben. Im Falle eines Misserfolges werden Optimierungen in Erwägung gezogen. Das Ergebnis wirkt sich auf zukünftige Entscheidungen aus.

Die erste und die letzte Phase des Rubikon-Modells werden als motivationale Phasen bezeichnet, da die Motivation im Vordergrund steht. Für die zweite und dritte Phase ist Volition erforderlich, sie gelten daher als volitionale Phasen.

Sehenswert dazu auch das folgende Video:

In manchen Fällen mag erst ein diffuses Gefühl dafür vorhanden sein, wohin die Reise überhaupt gehen soll. Das Zürcher Ressourcen Modell setzt noch einen Schritt früher an als das Rubikon-Modell und hilft dabei, Gefühle zu kanalisieren.

Aus unbewussten Bedürfnissen werden Motive abgeleitet. Diese dienen als Grundlage, um in einem Annäherungsprozess Ziele formulieren zu können.

Ziele formulieren: Nutzen Sie die SMART-Methode

Ziele formulieren SMART-MethodeZum Formulieren Ihrer Ziele können Sie die sogenannte SMART-Methode anwenden, wobei hier im Vordergrund steht, die eigenen Ziele zunächst möglichst realistisch einzuschätzen und sich danach sinnvolle Fristen zu setzen.

Die SMART-Methode ist alles andere als neu, sie wurde schon im Jahr 1956 entwickelt und ist ein Akronym. Es steht für:

  • Spezifisch: Ziele sollen so spezifisch wie möglich beschrieben werden.
  • Messbar: Orientieren Sie sich dabei an messbaren Fakten.
  • Attraktiv: Planen Sie so, dass Sie auch Lust haben, das umzusetzen.
  • Realistisch: Was Sie sich vornehmen muss natürlich auch machbar sein.
  • Termingerecht: Das bedeutet, die Aufgaben zeitlich bindend zu planen. Also etwa: Bis Ende des Jahres will ich zehn Prozent mehr verdienen.

5 Tipps: So trainieren Sie Ihre Volition

Eine einfache Beschreibung der Volition ist zum Beispiel die Fähigkeit, mittels Willensstärke selbstgesteckte Ziele zu erreichen. Tatsächlich spielen hierbei aber mehrere (weitere) Erfolgseigenschaften zusammen – sogenannte Volitionskompetenzen:

  1. Fokussieren können

    Sich auf das Wesentliche (im Job) zu konzentrierten und sich nicht zu verzetteln – für viele Menschen ist das ein Problem. Allerdings entscheidet diese Fähigkeit maßgeblich über Fortune oder Fiasko. Von Konfuzius gibt es dazu ein schönes Sprichwort: „Wer zwei Hasen gleichzeitig jagt, wird keinen davon fangen.“

    Wer sich dagegen fokussiert, der richtet sich auf ein bewusstes (!) Ziel aus und widmet sich diesem mit all seiner Kraft, Energie und Leidenschaft, um es am Ende auch zu erreichen. Es reicht dazu nicht, mit ein paar Konzentrationsübungen die kognitiven Fähigkeiten zu trainieren und zu stärken. Fokussierung ist vielmehr die zielgerichtete und willentliche Ausrichtung auf ein bestimmtes Ziel. Derart fokussierte Menschen sind nicht nur enorm ausdauernd und hartnäckig, sie lassen sich auch kaum noch ablenken oder entmutigen.

    • Mehr zur Fokussierung finden Sie HIER.
  2. Mentale Stärke

    Nicht selten entscheidet sich schon im Kopf, ob wir eher auf der Gewinner- oder der Verliererseite stehen. Keiner von uns ist vor Rückschlägen und Niederlagen gefeit. Aber während die einen liegenbleiben oder die Flinte ins Korn werfen, stehen andere auf, klopfen den Staub aus den Klamotten und machen weiter – anders, besser. In der Psychologie ist in dem Zusammenhang oft von Selbstwirksamkeit die Rede.

    Gemeint ist damit das Vertrauen in das eigene Leistungsvermögen und die Zuversicht, Hindernisse aller Art überwinden zu können. Das erinnert zwar an die Mantren der positiven Psychologie und das berüchtigte Du-kannst-alles-was-du-willst-Tschakka. So leicht ist das aber nicht. Mentale Stärke ist nicht nur eine einfache Willenserklärung mit anschließender Wunscherfüllung. Um sie zu erlangen, braucht es beides: Talent und Training.

    • Mehr zur mentalen Stärke finden Sie HIER.
  3. Selbstvertrauen

    Die dritte wichtige Volitionskompetenz ist Selbstvertrauen. Dies ist keinesfalls angeboren oder auch nicht, sondern trainierbar. Wer selbstbewusster werden will (im Wortsinn), sollte sich daher zunächst selbst besser kennenlernen und das oft verzerrte Selbstbild korrigieren. Dies führt schließlich zu Selbstakzeptanz. Denn nur wer sich selbst annehmen kann, so wie er oder sie ist, kann auch Selbstvertrauen entwickeln und selbstsicherer werden.

    So jemand glaubt an die eigenen Kompetenzen, weiß um seine Stärken und Fähigkeiten sowie an an das Erreichenkönnen der eigenen Ziele. Eine selbstbewusste Person ist zudem in der Lage, ihre Interessen zu vertreten und auch vor Mitmenschen zu schützen. Sie hat keine Angst davor, offen ihre Meinung zu sagen.

    • Mehr zum Selbstvertrauen finden Sie HIER.
  4. Selbstdisziplin

    Selbstdisziplin ist vielleicht die preussischste aller Volitionskompetenzen. Entsprechend angejahrt ist ihr Image: steif, altbacken, ungefähr so heiter wie Marschmusik. Doch die Vorstellung vom leichten, schnellen Weg vom Tellerwäscher zum Millionär ist eben nur eine Mär. Ein Traum, der gerne anhand von Menschen illustriert wird, die schon Millionär sind. Was dabei jedoch ausgeblendet wird, sind die vielen harten Jahre des Mutes, der Entbehrung, der Niederlagen, des anhaltenden Engagements und Durchhaltens davor.

    Talente sind oft gar nicht so ungleich verteilt – im Fleiß und Durchhaltevermögen liegen die Unterschiede. Kennen Sie etwa die 40-Prozent-Regel der Navy Seals? Sie lautet: „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, hast du erst 40 Prozent deiner Leistungsfähigkeit erreicht. Nicht deine körperliche Fitness entscheidet, sondern deine psychische Fitness.“ Gemeint ist hierbei vor allem die Selbstdisziplin. Also keine Fremdbestimmung, sondern vielmehr eine Form der bewussten Selbstregulierung und Selbstkontrolle.

    • Mehr zur Selbstdisziplin finden Sie HIER.
  5. Problemlösungskompetenz

    Die fünfte wesentliche Volitionskompetenz ist die Problemlösungskompetenz. Kein Ziel, kein Projekt, keine Aufgabe bei der man nicht irgendwann irgendeinem Problem oder Hindernis gegenüber stünde – mal größer, mal kleiner. Willensstarke Menschen zeichnen sich allerdings nicht nur dadurch aus, dass Sie sich von derlei Widerständen kaum einschüchtern oder aufhalten lassen. Sie finden auch Aus- oder Umwege – oder improvisieren ein bisschen.

    Oder wie es im Bonmot so richtig heißt: „Wer etwas will, findet Wege; wer etwas nicht will, findet Gründe.“ Eine koordinierte Problemlösung ist dabei immer noch der beste Weg, um schnell und zuverlässig zu einem passenden Ergebnis zu kommen. Bewährt hat sich dabei die sogenannte STAR-Methode, die sich genauso zur Problemlösung abwandeln lässt:

    • Mehr zur Problemlösung finden Sie HIER.
[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
21. Oktober 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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