Selbstakzeptanz: Deshalb ist sie wichtig

Wie soll Sie jemand anderer gut finden, wenn Sie selbst es nicht tun? Diesem logischen Widerspruch stehen Menschen gegenüber, die ein Problem mit Selbstakzeptanz haben. Und das ist gar nicht so selten. Die einen regen sich über ihre Figur auf, die anderen über ihre Marotten. Unterm Strich gehen beide Gruppierungen zu hart mit sich selbst ins Gericht. Und das meist völlig grundlos, da andere sie längst nicht so hart für ihre Unzulänglichkeiten verurteilen wie sie sich selbst. Selbstakzeptanz ist daher der Schlüssel für viele Schwierigkeiten, denen wir im Umgang mit Menschen begegnen. Wie Sie lernen, sich selbst zu akzeptieren…

Selbstakzeptanz: Deshalb ist sie wichtig

Selbstakzeptanz Definition: Sich selbst annehmen

Was bedeutet das? Der Begriff Selbstakzeptanz (oder auch Selbstannahme) wird gerne synonym mit einer Reihe ähnlicher Begriffe verwandt, die sich dennoch im Detail unterscheiden:

  • Selbstachtung
  • Selbstliebe
  • Selbstvertrauen
  • Selbstwert
  • Selbstzuwendung

In allen diesen Begriffen steckt das Wörtchen „selbst“ drin, verknüpft mit dem Verhalten, das wir uns selbst gegenüber an den Tag legen sollten. Selbstakzeptanz ist eine Mischung aus all dem. Wir sollten uns selbst achten, genügend lieben und in uns vertrauen.

Wir sollten unseren Wert kennen – anderenfalls können wir ihn schlecht anderen vermitteln. Wer sich selbst schon nicht wertschätzt, mag weniger freundlichen Zeitgenossen den Eindruck vermitteln, dass es in Ordnung ist, sich schlecht Ihnen gegenüber zu benehmen.

Und indem Sie für sich sorgen, betreiben Sie Selbstzuwendung. Selbstakzeptanz beinhaltet, dass Sie sich selbst so annehmen, wie Sie sind. Das heißt mit Ihren Fehlern, aber natürlich auch Ihren positiven Seiten. Dazu bedarf es eines gewissen Maßes an Selbstreflexion und Selbstkritik.

Das bleibt immer in einem realistischen Rahmen und führt es zu einem ausgewogeneren Umgang und mehr Gelassenheit sich selbst gegenüber.

Der wehmütige Blick zurück

Hätte, hätte Fahrradkette ist ein hämischer Ausdruck, der gerne Leuten entgegen gebracht wird, die zu sehr im Wunschdenken verharren. Sie schwelgen in einer Mischung aus Nostalgie und Bedauern. Und es ist etwas dran, das Denken im Konjunktiv hilft nicht weiter. Hätte, könnte, würde – solche Formulierungen enden schnell im Selbstbetrug.

Denn sie führen leicht dazu, dass sich jemand in eine Opferrolle begibt. Die Verantwortung wird auf die Umstände geschoben und die waren/sind widrig. Daher kann nichts geändert werden. Das gilt für die Vergangenheit, muss aber längst nicht für die Zukunft gelten.

Leute in der Quaterlife Crisis oder Midlife Crisis neigen dazu, zurückzublicken und vor allem das zu sehen, was nicht gut gelaufen ist. Der Blick auf die Fehler verleitet zu Überlegungen, was alles gegenwärtig anders sein könnte, wenn doch nur diese und jene Entscheidung anders getroffen worden wäre.

Eine Sache sollten Sie sich dabei bewusst machen. Vor dem Hintergrund dessen, was wir zu dem Zeitpunkt wussten, an dem wir uns entschieden, konnten wir keine anderen Entscheidungen treffen. Die Redensart Hinterher ist man immer schlauer drückt das sehr gut aus.

Jede Form der Selbstgeißelung ist daher überflüssig. Selbstakzeptanz heißt eben nicht nur den eigenen Körper so anzunehmen, wie er ist oder irgendwelche schwierigen Charaktereigenschaften zu akzeptieren. Sondern Selbstakzeptanz heißt ebenso, die eigene Biographie, so wie sie verlaufen ist, hinzunehmen.

Ursachen für Probleme mit der Selbstannahme

Wer Schwierigkeiten damit hat, kämpft häufig mit Minderwertigkeitsgefühlen und sucht verzweifelt nach Anerkennung. Das andere Extrem bei einer übersteigerten Selbstakzeptanz ist die Arroganz.

Sich selbst mit allen Schwächen und Fehlern anzunehmen, fällt nicht jedem gleichermaßen leicht. Dahinter können Erfahrungen aus der Kindheit stecken – ein liebloses Elternhaus, Mobbing in der Schule oder dergleichen. Zurück bleibt das Gefühl: Ich bin nicht gut genug. Ich bin falsch. Ich bin nicht liebenswert.

Das kann dazu führen, dass Menschen sich in Gegenwart anderer völlig verstellen, denn sie glauben nur dann akzeptiert zu werden, wenn sie so sind, wie andere sie haben wollen. Solche Situationen kennen einige aus der Schulzeit und der Jugend: Der Wunsch, unbedingt dazu zu gehören ist völlig normal.

Aber nicht immer gelingt es Teil einer Gruppe zu werden, Ausgrenzungen sind dann die Folge. Diese lassen sich aber nicht verhindern, indem sich jemand anderen zuliebe völlig verbiegt. Vor allem sind bestimmte Wesenzüge und Verhaltensweisen Teil der persönlichen Geschichte.

Sie mal eben so anderen zuliebe zu verheimlichen, ist auf Dauer sehr anstrengend und gelingt niemals komplett, so dass das Anderssein von außen dennoch wahrgenommen wird. Viel schlimmer ist jedoch, dass Sie sich selbst damit schaden. Wer seine Persönlichkeit nicht so annehmen kann, erkrankt schneller an psychosomatischen Erkrankungen.

Auch Depression und vielerlei Ängste beruhen auf mangelnder Selbstakzeptanz. Der Weg zu mehr Selbstakzeptanz ist daher ein Weg zu mehr Authentizität. Dazu stehen, wie und wer man ist.

Akzeptanz schließt Änderungen mit ein

Auf den ersten Blick mag manches nach Einlullen klingen. Selbstakzeptanz – das ist die bedingungslose Akzeptanz all dessen, was gerade ist, also ist alles toll?! Mitnichten. Selbstakzeptanz enthält (siehe oben) zum einen den Aspekt der Selbstkritik, das heißt, Sie sehen durchaus die Anteile, die Sie nerven.

Zum anderen bezieht sich das Akzeptieren auf die Gegenwart. Es ist, wie es ist. Das heißt aber nicht, dass Sie es nicht zukünftig ändern können. Ganz gleich, ob es um Übergewicht, berufliche Weiterbildung oder irgendwelche anderen Schwächen geht, an denen Sie arbeiten möchten.

Wichtig für die Selbstakzeptanz ist die Bewertung der eigenen Person. Viele neigen dazu, überhöhte Anforderungen an sich selbst zu stellen und meinen, erst wenn diese erfüllt seien, seien sie eine Person, die es verdient, aufmerksam behandelt und geschätzt zu werden.

Zu beobachten ist das in einem Denkfehler, der schnell passiert, nämlich der Verallgemeinerung. Wenn Menschen einen Fehler begangen haben und diesen einen Fehler nun als Beweis für etwas Grundsätzliches sehen. Beispielsweise sind Sie durch eine Prüfung gefallen und können das so interpretieren, dass Sie womöglich für diesen Kurs völlig ungeeignet sind und eigentlich überhaupt nichts können und zu dumm sind.

Oder Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Sie in diesem Teilbereich Schwierigkeiten haben. Vielleicht hatten Sie nicht genügend gelernt oder auch einfach nur einen schlechten Tag. In jedem Fall ist es kein Grund, sich selbst niederzumachen. Vielmehr führt der permanente Vergleich mit überhöhten Idealen zu einem hohen Perfektionismus der eigenen Person gegenüber.

So können Sie Selbstakzeptanz lernen

  • Benennen Sie Ihre Stärken

    Wer gewohnt ist, sich selbst viel und häufig zu kritisieren, seine Fehler und Eigenheiten ablehnt, wird es erfahrungsgemäß schwer haben, zunächst überhaupt Stärken zu finden. Aber jeder Mensch hat welche. Das können Fähigkeiten in beruflicher Hinsicht (gut im Umgang mit Zahlen, Selbstorganisation) sein, ebenso gut wie Soft Skills (Hilfsbereitschaft). Wenn Ihnen das schwerfällt, bitten Sie Personen, die Ihnen nahestehen, Ihnen einige Dinge zu nennen. Fertigen Sie eine Liste an, die Sie sich jederzeit vorlegen können und die sie kontinuierlich erweitern.

  • Benennen Sie Ihre Schwächen

    Natürlich haben Sie auch Schwächen. Im Rahmen Ihrer Stärken-Schwächen-Analyse gilt es nun, auch diese zu benennen. Das ist wichtig, denn so sehen Sie, welche Lebensbereiche oder Eigenschaften Sie so sehr stören, dass sie Sie in Ihrer Selbstakzeptanz behindern.

  • Seien Sie sich ein guter Freund

    Gleichen Sie die beiden Listen miteinander ab und nehmen Sie dabei die Perspektive eines Außenstehenden ein. Sind die Schwächen wirklich so dominant? Handelt es sich dabei um Dinge, die so niemand anderen hätten passieren können? Lassen sie sich überhaupt nicht ändern? Oder ist es nicht doch eher so, dass Sie etliches auf der Stärken-Seite haben? Oft sind wir selbst unser stärkster Kritiker. Und genau das gilt es zu ändern. Akzeptieren Sie die Schwächen, aber ergänzen Sie sogleich, dass Sie dafür in anderen Bereichen echt gut sind. Manchen Menschen fällt es schwer, da sie wenig Lob und Zuspruch von außen bekommen. Sie können sich selbst mit Meditation und Autosuggestion zur Selbstakzeptanz unterstützen.

  • Kontrollieren Sie Ihre Ansprüche

    Der innere Kritiker ist manchmal recht unbarmherzig. Er ignoriert, dass es Situationen gibt, in denen bestimmte Dinge nicht ohne Weiteres möglich sind. Wer gerade einen schweren Verlust verkraften muss, eine Krankheit bekämpft, oder aufgrund eines familiären Pflegefalls großen Belastungen ausgesetzt ist, kann natürlich nicht dieselben Leistungen erbringen wie ohne diese Umstände. Dennoch sind die Ansprüche an einen selbst oft unvermindert hoch. Das zu erkennen ist ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstakzeptanz. Beweisen Sie sich selbst dasselbe Verständnis, das Sie anderen Menschen in besonderen Situationen ebenfalls entgegenbringen würden.

[Bildnachweis: Photographee.eu by Shutterstock.com]
24. Oktober 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!