Selbstfürsorge lernen: Gründe, Übungen & Tipps

Wartende Kunden, dringende Projekte, fordernde Familienmitglieder – oft sind wir mit wichtigen Dingen beschäftigt. Die Selbstfürsorge bleibt auf der Strecke. Wir kümmern uns um alle, nur nicht um uns selbst. Hilfsbereitschaft, Pflichtbewusstsein und Engagement sind wichtige Eigenschaften – aber wenn sie dazu führen, dass die eigenen Bedürfnisse aus dem Blick geraten, müssen Sie etwas ändern. Fehlende Selbstfürsorge hat ernste Konsequenzen. Fragen Sie sich ehrlich: Achte ich wirklich genug auf mich und sorge dafür, dass es mir gut geht? Wir erklären, was Selbstfürsorge bedeutet und wie Sie sich besser um sich selbst zu kümmern…

Selbstfürsorge lernen: Gründe, Übungen & Tipps

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Definition: Was ist Selbstfürsorge?

Fürsorge bezeichnet das Bemühen um andere Menschen. Sie wollen, dass es einem anderen gut geht, kümmern sich darum, helfen weiter, bieten Rat und Unterstützung. Bei der Selbstfürsorge tun Sie das gleiche – nur für sich selbst. Sie tun alles dafür, dass es Ihnen gut geht, sorgen für sich und achten auf eigene Bedürfnisse, Wünsche und Grenzen. Selbstfürsorge zeigt sich in dem Bemühen, das eigene Wohl in den Fokus zu rücken, gut mit sich selbst umzugehen und sich auch vor übermäßigen Belastungen zu schützen.

Wichtig ist die Unterscheidung zu Egoismus oder Selbstverliebtheit. Es geht nicht darum, ausschließlich an sich selbst zu denken oder andere sogar auszunutzen. Beim Konzept der Selbstfürsorge geht es vielmehr darum, die eigene Person nicht zu vergessen. Oft kümmern wir uns nur um andere. Partner, Kinder, Familie, Arbeit, Kollegen, Chef, Kunden… Sie sollten sich nicht nur um sich selbst sorgen – aber eben auch.

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Anzeichen fehlender Selbstfürsorge

Bei mangelnder Selbstfürsorge denken viele sofort an ein ungepflegtes Erscheinungsbild mit nachlässiger Kleidung oder schlechter Körperpflege. Ob ein Mensch genügend auf sich selbst achtet, lässt sich aber nur selten an Äußerlichkeiten erkennen. Viel häufiger sind es Dinge, die andere Menschen gar nicht bemerken.

  • Sie fühlen sich gereizt und unausgeglichen.
  • Sie sind erschöpft und antriebslos.
  • Sie haben ein geschwächtes Immunsystem.
  • Sie haben das Gefühl, zu kurz zu kommen.
  • Sie trinken und Essen nicht genug – oder zu ungesund.
  • Sie machen keine Pausen und überanstrengen sich.
  • Sie achten nicht auf ausreichend Schlaf.

Gründe für geringe Selbstfürsorge

Dass jemand gut für sich sorgt, setzt zweierlei voraus: Selbstakzeptanz und Selbstkompetenz. Beispielsweise zu akzeptieren, dass man bereits körperliche Einschränkungen hinnehmen muss. Gleichzeitig braucht es die Selbstkompetenz damit richtig umzugehen. Fehlende Selbstfürsorge ist daher nur selten eine Frage von zu wenig Zeit. Natürlich muss es manchmal schnell gehen und es wird zum ungesunden Snack gegriffen, statt sich gesund zu ernähren – das sind jedoch lediglich Ausnahmen.

Mangelt es langfristig an der Selbstfürsorge, liegen die Probleme tiefer. Folgende Gründe treten besonders häufig auf:

  • Sie wollen nicht egoistisch wirken.
  • Sie glauben nicht, dass sie es verdient haben.
  • Sie möchten für ihre Hilfsbereitschaft gelobt werden.
  • Sie sind sehr leistungsorientiert.

Hinter allen diesen Gründen stecken bestimmte Glaubenssätze, etwa wie: „Du bist es nicht wert, dass man sich um dich kümmert. Das bisschen Arbeit ist doch nichts.“ Sie können zu einem Minderwertigkeitskomplex und einem übersteigerten Arbeitsethos führen, bei dem jede Erholung als Faulheit abgestempelt wird.

Auch ein übergroßer Wunsch nach Wertschätzung und Anerkennung von außen kann dazu führen, dass eigene Bedürfnisse nicht erkannt oder zumindest hintenan gestellt werden.

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Selbstfürsorge Übungen

Selbstfürsorge sollte zur dauerhaften Einstellung und Lebensweise werden. Es ist kein „Jetzt achte ich mal kurz auf mich selbst“, sondern eine Denkweise, bei der Sie gezielt auf sich selbst achten und für sich sorgen. Gerade zu Beginn können einige Übungen den Einstieg erleichtern und helfen, sich selbst besser zu behandeln:

Schreiben Sie Morgenseiten

Nehmen Sie sich jeden Morgen einige Minuten Zeit, um Ihre Gedanken in Form von Morgenseiten aufzuschreiben. Halten Sie fest, was Sie beschäftigt, worüber Sie nachdenken und wie es Ihnen geht. Versuchen Sie dabei so ehrlich wie möglich zu sein. Niemand sonst muss Ihre Notizen lesen. Diese Übung verbessert das Bewusstsein für das eigene Empfinden.

Machen Sie eine Auszeit

Eine besonders angenehme Übung zur Selbstfürsorge ist die regelmäßige Auszeit. Nehmen Sie sich regelmäßig eine oder zwei Stunden, die Sie ganz nach Ihren eigenen Vorstellungen gestalten. Grundidee für die Zeit: Lassen Sie es sich gut gehen. Das kann alleine mit einem guten Buch sein oder ein langes Gespräch mit einem Freund. Tun Sie einfach etwas, mit dem Sie sich selbst eine Freude machen.

Praktizieren Sie Dankbarkeit

Dankbarkeit ist eine gute Übung für mehr Selbstfürsorge. Machen Sie sich all die Dinge bewusst, für die Sie dankbar sind, die bei Ihnen gut laufen und über die Sie sich freuen. Denken Sie dabei auch an das, was Sie als scheinbar selbstverständlich erachten: Eine schöne Wohnung, der Arbeitsplatz, ein schönes Wochenende mit der Familie oder auch Ihre Gesundheit.

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Wie schaffe ich es, mich um mich selbst zu kümmern?

Den ersten Schritt zu mehr Selbstfürsorge gehen Sie bereits mit den oben genannten Anzeichen und Übungen. Sorgen Sie für ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und wenig Stress – mit dieser Basis sorgen Sie bereits für Ihr eigenes Wohl. Das allein reicht jedoch nicht aus. Zusätzlich müssen Sie Selbstfürsorge im Alltag praktizieren und beibehalten. Diese Tipps helfen dabei:

  • Wertschätzen Sie sich
    Minderwertigkeitsgefühle machen Sie abhängig von der Meinung anderer. Sie brauchen Bestätigung und Zustimmung von außen. Ein falscher Ansatz. Lernen Sie, dass Sie selbst gut genug sind. Sie sind es wert, dass Sie für sich sorgen. Zu jedem Zeitpunkt und an jedem Tag. Gehen Sie gut mit sich um und erkennen Sie, dass Ihr Wert nicht von anderen abhängt.
  • Erkennen Sie Ihre Bedürfnisse
    Oft fragen wir uns: Was braucht der andere? Aber wann haben Sie sich diese Frage zuletzt selbst gestellt? Horchen Sie in sich hinein und erkennen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse. Dazu gehört die bewusste Einstellung, mehr auf sich selbst zu achten. Mehr Zeit für sich selbst oder ein Hobby, Aktivitäten mit Freunden und Familie, ein regelmäßiger Termin für ein gutes Essen mit dem Partner – es kann unzählige Bedürfnisse und Wünschen geben. Selbstfürsorge heißt, diese zu kennen und zu achten.
  • Pflegen Sie soziale Kontakte
    Selbstfürsorge muss nicht heißen, dass Sie sich alleine zurückkehren. Freunde sind ein wichtiger sozialer Faktor, den Sie unbedingt pflegen sollten. Sie bringen einen auf neue Gedanken, hören sich Probleme an, ermutigen und helfen mit Ratschlägen und Tipps. Schon kurze Gespräche mit guten Freunden oder ein gemeinsamer Abend sind wahrer Balsam für die Seele.
  • Sagen Sie nein
    Ein grundlegender Punkt für die Selbstfürsorge ist die Fähigkeit Grenzen zu setzen und Nein zu sagen. Wer das nicht tut, wird ausgenutzt. Sie brauchen einen gesunden Egoismus, um Ihre Grenzen zu kennen und dafür zu sorgen, dass diese eingehalten werden. Manchmal müssen Sie absagen und den anderen um Verständnis bitten. Fragen Sie sich immer: Passt es mir gerade wirklich? Habe ich die nötige Zeit und Energie? Die Ablehnung wird nicht jedem gefallen, ist aber unerlässlich, wenn Sie sich besser um sich selbst kümmern wollen.
  • Stoppen Sie Sorgen und negative Gedanken
    Optimismus und positives Denken helfen bei der Selbstfürsorge. Viele Menschen stecken in einem negativen Gedankenkarussell fest. Sie machen sich Sorgen, haben Angst und Zweifel. Diese werden mit der Zeit zur Belastung – und verstärken sich gegenseitig. Etablieren Sie positive Gedanken und stoppen Sie das endlose Grübeln.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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1. Oktober 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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