Positiv denken: 7 Tipps für mehr Optimismus

Wenn ich erst erfolgreich bin und alles habe, werde ich glücklich. Ein Trugschluss! Tatsächlich ist es genau anders herum. Wenn Sie positiv denken, zuversichtlich und glücklich sind, werden Sie erfolgreicher. Zudem kann die Glücksforschung belegen, dass nur etwa 10 Prozent unseres Glücksempfindens von äußeren Umständen abhängen. Satte 40 Prozent werden durch unsere Einstellung bedingt. Positiv zu denken fällt nicht allen Menschen leicht, aber es lohnt sich in jedem Fall. Und die gute Nachricht: Positiv denken lässt sich lernen, wenn Sie ein paar Tipps beachten…

Positiv denken: 7 Tipps für mehr Optimismus

Positiv denken in der Wissenschaft

Die heutigen Erkenntnisse zu positivem Denken gehen letztlich auf den französischen Apotheker Émile Coué zurück. Der hatte die Macht der Gedanken beim Verabreichen von Medikamenten erkannt und entwickelte daraus das Konzept der Autosuggestion.

Das umfasst die Nutzung von positiven Formeln und Sätzen, um das Verhalten, Befinden und Körperreaktionen zu beeinflussen. Coué hatte damit eine Selbsthilfe-Methode an der Hand, die mittels positiver Affirmationen seine Kunden signifikant häufiger gesund machte, als wenn sie ausschließlich die Medikamente bekamen.

In der Psychologie entwickelte sich die Richtung der Positiven Psychologie, als sich Ende des letzten Jahrhunderts die Psychologen um Martin Seligmann in den USA erstmals laut die Frage stellten, warum sie sich fast ausschließlich mit Krankheiten, Symptomen und Problemen befassen.

Denn eigentlich sollte der Fokus genau andersherum sein: 70 Prozent der Menschen sind Gesunde, die einfach ein gutes Leben haben wollen. So etablierte sich im Jahr 2000 die Positive Psychologie als wissenschaftliche Richtung, die positive Emotionen, positive Charaktereigenschaften und positive Institutionen untersucht.

Der veränderte Blickwinkel ermöglicht es der Psychologie und Medizin, den Schwerpunkt weg vom Defizit hin zu den Möglichkeiten zu verschieben. Statt Fremdheilung und Abhängigkeit von Arzt oder Therapeut kann nun jeder auf eigene Aktivität und selbstheilende Kräfte setzen. Er erfährt so von dem Potenzial seiner eigenen Möglichkeiten und gewinnt mehr Einfluss auf das eigene Leben.

Wie positiv denken mit Erfolg zusammenhängt

Auch der amerikanische Glücksforscher Shawn Achor kommt in seinen Untersuchungen zu dem verblüffenden Ergebnis, dass nicht Erfolg zu Glück beitrage, sondern mit der richtigen Einstellung Glück empfunden werde – und daraus Erfolg entstünde.

In einem Vortrag berichtete er, welchen Einfluss beispielsweise Nachrichten auf uns haben: Wer den Fernseher anstellt, bekommt den Eindruck, dass die Welt ausschließlich aus Mord und Totschlag, Krankheiten und Umweltkatastrophen bestehe, denn man hält das Verhältnis von positiven zu negativen Ereignissen für realistisch.

Dabei ist in der Medienwelt vor allem eine Maxime weit verbreitet: Good news are no news, das heißt, der Fokus wird von vornherein auf die negativen Dinge gerichtet. Shawn Achor drückt es daher so aus:

Wir erkennen also, dass nicht die Realität uns Form gibt, sondern die Linse, durch die unser Gehirn auf die realitätsformende Welt schaut. Und wenn wir die Linse austauschen können, können wir nicht nur unser Glück beeinflussen, sondern zur selben Zeit jedes einzelne Resultat in der Bildung und Wirtschaft verändern.

Wer nun denkt, dass der IQ über den beruflichen Erfolg entscheidet, wird überrascht sein: Wesentlich wichtiger – nämlich zu 75 Prozent – sind persönliche Eigenschaften wie Optimismus und die Fähigkeit mit Stress umzugehen, aber auch das soziale Netzwerk für Erfolg verantwortlich.

Achor konnte in seinen Studien nachweisen, dass im positiven Zustand das Gehirn den sogenannten Glücks-Vorteil erlebt, das heißt, es liefert wesentlich bessere Leistungen. In Zahlen ausgedrückt heißt das:

  • Das Gehirn ist um 31 Prozent produktiver als im negativen, neutralen oder gestressten Zustand.
  • Wer als Verkäufer tätig ist, hat eine um 37 Prozent höhere Erfolgsquote.
  • Ärzte sind um 19 Prozent schneller und exakter darin, die richtige Diagnose zu stellen.

Auf den Punkt gebracht: Positiv denken ist wie Doping für das Gehirn, Ihre Leistungen und Erfolge. Sie werden schneller, besser, motivierter. Zudem braucht es den Optimismus, um Ziele zu erreichen. Wer von Anfang an denkt, dass etwas nicht klappen wird, scheitert zwangsläufig – spätestens an sich selbst.

Positiv denken und realistisch bleiben

Positiv denken Tipps Sprüche VorteileAllerdings gibt es auch Kritik am positiven Denken. Manche tun es als esoterisches Getue ab, andere verstehen dahinter eine Art von Realitätsverlust, bei der einfach die Augen verschlossen werden, sobald es unangenehm wird. Darum geht es beim positiven Denken nicht. Eine solche Form könnte tatsächlich mehr schaden als nutzen.

Positiv denken erfordert zunächst eine realistische Betrachtung der Situation. Sie sollen sich nicht selbst alles schön reden, nur noch durch die rosarote Brille gucken oder negative und schlimme Dinge ignorieren.

Nach einer ersten und realistischen Einschätzung geht es darum, sich die positiven Aspekte vor Augen zu führen. Und sich aktiv dafür zu entscheiden, das Gute zu sehen und sehen zu wollen. Der Fokus liegt auf dem positiven Denken und wird von all der Negativität weggelenkt, ohne zu vergessen, dass diese Seite existiert. Betrachten Sie jede Situation von verschiedenen Perspektiven. Sehen Sie die Realität und machen Sie optimistisch das Beste daraus.

Wenn Sie positiv denken, hat das also nichts mit Esoterik zu tun. Vielmehr geht es um eine Form der Achtsamkeit.

Tipps und Tricks: So können Sie positiv denken

Läuft alles rund, fällt es nicht sonderlich schwer, positiv zu denken. Die Herausforderung besteht darin, optimistisch zu sein und die guten Dinge zu sehen, wenn es gerade einmal schwierig wird. In diesem Momenten machen sich negative Gedanken breit, übernehmen die Kontrolle und lassen uns regelrecht schwarzsehen.

Egal ob Krankheit, private Probleme oder Schwierigkeiten im Job. Mit einigen Tipps und Tricks können positives Denken lernen und als Gewohnheit etablieren. Das funktioniert zwar nicht auf Knopfdruck, doch je häufiger Sie daran arbeiten, desto positiver werden Ihre Gedanken:

  • Führen Sie ein Tagebuch

    In der Jugend schreiben viele die eigenen Erfahrungen in ein Tagebuch, mit den Jahren hören die meisten wieder auf. Dabei kann das Aufschreiben helfen, positiv zu denken. So einfach geht es: Schreiben Sie jeden Tag auf, worüber Sie sich freuen, wofür Sie dankbar sind, was gut gelaufen ist und worauf Sie stolz sind.

    So halten Sie sich die positiven Dinge in Ihrem Leben noch einmal vor Augen, statt sich nur mit Negativität zu umgeben. Ein paar Minuten reichen bereits aus, um die wichtigsten Punkte des Tages aufzuschreiben. Das können Erfolge im Job, ein schöner Moment mit dem Partner oder auch nur Spaß beim Mitsingen des Lieblingsliedes sein. Alles, was Ihnen gut tut, wird aufgeschrieben.

  • Finden Sie heraus, was Sie belastet

    Es ist einfach alles Mist! Verallgemeinerungen wie diese sind weit verbreitet und werden schnell zum Glaubenssatz. Läuft es im Job gerade nicht gut, wird im Handumdrehen die gesamte Lebenssituation zur Krisensituation, nichts gefällt mehr oder macht noch Spaß. Dabei überschattet tatsächlich aber nur ein singuläres (und oft bedeutungsloses) Ereignis alles.

    Um positiver zu denken, sollten Sie sich fragen, was genau der Grund hinter solch schlechten Gedanken ist, ohne gleich alles in einen Topf zu werfen und die Gesamtsituation negativ zu bewerten. Wenn Sie die Ursache identifizieren, können Sie gezielt an dieser arbeiten. Außerdem werden Sie alles wieder insgesamt positiver sehen, da die Situation realistischer und weniger impulsiv beurteilen.

  • Hören Sie auf zu vergleichen

    Der Kollege verdient mehr, der Nachbar fährt ein schnelleres Auto und ein guter Freund ist schon wieder befördert worden… Ständige Vergleiche führen nicht dazu, dass Sie positiv denken. Stattdessen fühlen Sie sich schlecht, sehen nur scheinbare Unzulänglichkeiten und Schwachstellen.

    Statt all die Menschen zu sehen, die weniger haben als wir selbst, stellen wir nur Vergleiche zu denen an, die besser dastehen. Darum gilt: Verzichten Sie auf Vergleiche. Konzentrieren Sie sich nur auf sich selbst und freuen Sie sich über das, was Sie haben.

  • Ersetzen Sie negative Gedanken

    Ertappen Sie sich selbst bei pessimistischen Hypothesen und Gedanken, drehen Sie diese bewusst um und ersetzen Ihre Annahmen durch eine positive Auffassung. Aus Ich kann das nicht wird so zum Beispiel ein Ich werde es schaffen.

    Es macht einen Riesenunterschied wie wir die Welt und unsere Zukunft betrachten. Nicht selten wird daraus eine sich selbsterfüllende Prophezeiung – im Guten wie im Schlechten.

  • Suchen Sie gezielt nach dem Guten

    Nahezu jede Situation hat auch etwas Gutes. Manchmal springt es direkt ins Auge, in einigen Fällen müssen Sie erst suchen. Genau dies sollten Sie immer wieder tun. Kommen Sie aus einem frustrierenden Gespräch, haben Sie schlechte Nachrichten erhalten oder allgemeinen Stress? Nehmen Sie sich einige Zeit, um das Positive in der aktuellen Lage zu suchen.

    Haben Sie etwas gelernt? Konnten Sie an der Situation wachsen und sich weiterentwickeln? Stehen hinter den Schwierigkeiten vielleicht Chancen, die Sie nutzen können? Statt sich nur zu ärgern, frustriert und genervt zu sein, lenken Sie den Blick auf positive Bereiche.

  • Lächeln Sie so oft es geht

    Ja, es ist wirklich so simpel wie es klingt – und gleichzeitig sehr effektiv. Ein Lächeln sorgt schon nach kürzester Zeit für bessere Laune und einen positiven Blick auf die Umstände. Selbst dann, wenn es eigentlich gar keinen Grund für das Lächeln gibt. Dahinter steckt eine körperliche Reaktion. Also: Lächeln Sie sich glücklich!

    Hinzu kommt, dass Sie Ihrem Umfeld mit einem Lächeln begegnen. Das wirkt offen, sympathisch und baut Vertrauen auf. Sie tragen zu einer besseren Stimmung in Ihrem Umfeld bei und sorgen selbst dafür, dass Sie sich mit mehr Glück und Zufriedenheit umgeben.

  • Widerlegen Sie Ihre negativen Gedanken

    Einer der häufigsten negativen Gedanken lautet in leicht abgewandelter Form Das klappt auf keinen Fall!!! Das Projekt im Job geht den Bach runter; die Beziehung geht in die Brüche; die Geschäftsidee ist zum Scheitern verurteilt…klarer Fall! Was schief gehen kann, geht auch schief – Murphys Gesetz eben.

    Positive Denkmuster lassen sich hingegen etablieren, indem Sie Ihre negativen Prognosen herausfordern und widerlegen. Warten Sie ab, was passiert. In den meisten Fällen ist der Pessimismus unbegründet. Wenn Sie merken, dass eben doch nicht immer alles schief läuft, können Sie in Zukunft von Anfang an positiver denken.

Sie wollen noch mehr über positives Denken erfahren? Dann lesen Sie auf der nächsten Seite unser Interview mit der Psychologin Ilona Bürgel…

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
28. August 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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