Biofeedback: Definition, Wirkung, Tipps

Unser Körper spricht – selbst wenn es uns gar nicht bewusst ist. Er sendet uns ohne Unterbrechung wichtige Signale, die wir allerdings in vielen Fehlen nicht wahrnehmen können. Das sogenannte Biofeedback soll dabei helfen, eine Rückmeldung über unbewusste Abläufe im eigenen Körper zu erhalten, um so das eigene Verhalten, Denkmuster oder auch Arbeitsweisen anzupassen und zu optimieren. Das Biofeedback kann als Therapie bei verschiedenen Symptomen oder Krankheiten eingesetzt werden, Sie können es aber auch gezielt nutzen, um Ihre körperlichen Reaktionen im Alltag besser zu verstehen und darauf entsprechend eingehen zu können. Wir erklären, wie Biofeedback genau funktioniert und was Sie tun können, um davon zu profitieren…

Biofeedback: Definition, Wirkung, Tipps

Definition: Was ist Biofeedback?

Biofeedback Definition lernen Training Übungen Erklärung TherapieAls Biofeedback wird eine wissenschaftlich erforschte Methode bezeichnet, die unbewusste körperliche Zustände und Abläufe veranschaulichen soll. Ziel dabei ist es, durch die bewusst gemachten biologischen Vorgänge zu lernen, wie diese beeinflusst und gezielt gesteuert werden können. Klingt anfangs etwas kompliziert, ist in der Praxis aber gar nicht so kompliziert:

Äußere Umstände, die Situation, in der Sie sich befinden und auch Ihre Gedanken und Einstellungen beeinflussen Ihre körperlichen Reaktionen. Merken können Sie das erst einmal nicht, da es unbewusst abläuft. Ob sich Ihre Atmung beispielsweise leicht beschleunigt hat, bekommen Sie nicht mit. Die Biofeedback Methode soll genau diese Veränderungen sichtbar machen, damit Sie wissen, wann Ihr Körper wie reagiert – und damit Sie lernen können, bewusst einzugreifen und die Reaktionen zu kontrollieren.

Dafür können viele biologische Faktoren gemessen und mithilfe eines Biofeedback Geräts sichtbar gemacht werden. Dazu zählen beispielsweise:

  • Puls
  • Atemfrequenz
  • Blutdruck
  • Hauttemperatur
  • Gehirnströme
  • Muskelanspannungen

Die Veranschaulichung erfolgt durch eine akustische oder grafische Abbildung der gemessenen Ergebnisse. Sie können also direkt sehen, wie bestimmte Veränderungen – etwa wenn Sie an verschiedene Themen, Menschen oder Situationen denken – auf Ihren Körper auswirkt.

Darum hilft Ihnen Biofeedback im Berufsleben

Biofeedback wird als Therapie für verschiedene Krankheiten und Störungen eingesetzt, häufig etwa bei Schmerztherapie (auch bei Kopfschmerzen), bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Angststörungen. Das Prinzip können Sie aber auch im Berufsleben für sich persönlich nutzen.

Schließlich gibt es auch im Job zahlreiche Situationen und Auslöser, auf die Sie unbewusst körperlich reagieren. Einige Kunden sorgen für totalen Stress, bestimmte Kollegen lösen Frust und Wut aus oder der Blutdruck schnellt bereits in die Höhe, wenn der Chef zum Mitarbeitergespräch einlädt. Solche Reaktionen sind individuell verschieden, doch jeder Mensch hat sie auf seine eigene Art und Weise.

Das Problem: Die meisten sind solch unbewussten körperlichen Abläufen ausgeliefert und können nichts dagegen tun. Wer sein Biofeedback hingegen kennt und gezielt trainiert, dies zu beeinflussen, kann erstaunliche Effekte im Arbeitsleben erzielen. Sie können beispielsweise frühzeitig dem Stress entgegenwirken oder bewusste Maßnahmen ergreifen, die zur Entspannung beitragen.

Biofeedback: Wie Körpersprache die Stimmung beeinflusst

Biofeedback Definition Therapie Lernen Training ÜbungWie sehr Körper und Geist zusammenhängen, zeigt auch eine Studie um Johannes Michalak von der Universität Witten Herdecke. Seine These: Wie wir gehen und uns bewegen, beeinflusst messbar die Stimmung, die wir empfinden. Diesen Effekt konnte er nachweisen, als Probanden in unterschiedlichen Körperhaltungen vorher gezeigte Begriffe erinnern sollten.

Wer eine depressive Körperhaltung einnahm, also schon körperlich gekrümmt und niedergeschlagen war, erinnerte sich mehrheitlich an negative Begriffe, die zu schlechten Stimmungen passten. Soll heißen: Ihre Körpersprache kann beeinflussen, ob Sie sich an positive oder negative Dinge erinnern und damit gut oder schlecht gelaunt sind. Auch dies ist eine Form des Biofeedbacks.

Andere Studien belegen und ergänzen dieses Ergebnis. So konnten Wissenschaftler beispielsweise zeigen, dass aufrechte Körperhaltung – Kopf hoch, Brust raus – zu mehr Selbstbewusstsein führt. Forscher der San Francisco State Universität zeigten zudem, dass Energielevel und sogar Leistung positiv beeinflusst werden, wenn Probanden nicht krumm und gebückt, sondern aufrecht und gestreckt einen Spaziergang machen.

Bevor Sie das alles als binsigen Hokuspokus abtun, sollten Sie es einmal selbst ausprobieren und den Selbstversuch wagen. Wenn Sie das nächste Mal wieder mies drauf sind, strecken Sie sich einfach mal ein paar Minuten durch und zwingen Sie sich dazu, aufrecht zu stehen und zu gehen, die Schultern zurück zu nehmen und den Rücken gerade zu machen. Und dann beobachten Sie, ob und wie sich Ihre Stimmung aufhellt.

Tipps: So nutzen Sie Biofeedback für sich

Als medizinische Methode wird Biofeedback entweder in Krankenhäusern oder über kleine, mobile Geräte durchgeführt, die körperliche Reaktionen messen und den Patienten verdeutlichen. Bei medizinischer Notwendigkeit kann dies hilfreich sein, wenn Sie das Biofeedback aber beispielsweise im Job nutzen und von seinen Effekten sowie Vorteilen profitieren wollen, funktioniert dies auch anders und einfacher.

Damit das klappt und Sie Biofeedback als Methode einsetzen können, haben wir deshalb abschließend noch einige Tipps für Sie zusammengestellt:

  • Lernen Sie Ihr Biofeedback kennen

    Der erste und wichtigste Schritt besteht darin, die Reaktionen Ihres Körpers in den unterschiedlichsten Situationen genau kennenzulernen. Wann geraten Sie in Stress? Wie zeigt sich das körperlich? Welche Situationen sorgen für Frust oder Wut? Welche Menschen (Kollegen, Chef, Kunden…) haben damit zu tun? Wie schnell reagieren Sie darauf und wie stark sind die Auswirkungen? Je besser Sie Ihr Biofeedback kennenlernen, desto besser sind die Informationen, die Sie daraus ziehen können.

  • Üben Sie die Einflussnahme

    Wenn Sie wissen, wann Ihr Körper wie reagiert, können Sie damit beginnen, gezielt Einfluss auf diese Reaktionen zu nehmen. Kommt Stress in Ihnen auf, sollten Sie Methoden entwickeln, um sich wieder zu beruhigen, Puls und Atemfrequenz zu normalisieren und so zu verhindern, dass der Stress weiter anwächst. Entspannungsübungen sind dabei ein guter Startpunkt. Wenn ein Kollege Sie nervt und für Frust sorgt, sollten Sie ebenfalls Wege finden, um die negativen Emotionen zu unterbinden.

  • Geben Sie sich genügend Zeit

    Sie sollten nicht erwarten, dass Sie das Biofeedback gleich beim ersten Mal perfekt anwenden können. Es dauert einige Zeit und braucht jede Menge Übung, um die ansonsten unbewussten Signale und Veränderungen des Körpers zu erkennen, zu verstehen und wirklich beeinflussen zu können. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn es am Anfang noch nicht klappt. Je häufiger Sie an Ihrem Biofeedback arbeiten, desto besser werden Sie darin.

  • Erweitern Sie die Möglichkeiten

    Übung macht den Meister – und sollten Sie das Gefühl haben, Ihr Biofeedback gut kontrollieren zu können, gibt es weitere Optionen, um dies zu nutzen. Statt nur auf negative Situationen zu reagieren, können Sie etwa Ihre Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit steigern, indem Sie die körperlichen Reaktionen bewusst und gezielt steuern. Das kann bei Höchstleistungen helfen und zum beruflichen Erfolg beitragen.

[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock.com]
15. März 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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