Körperhaltung: Diese Wirkung bitte nicht unterschätzen

Vielleicht hatten Sie auch eine Großmutter, die Ihnen den Tipp gab: Bauch rein, Brust raus? Mit der richtigen Körperhaltung lässt sich eine Menge aussagen. Überhaupt: Körperhaltung, Körpersprache, Körpergefühl und Körperspannung hängen enger miteinander zusammen, als man gemeinhin annimmt – und das längst nicht nur, weil alle Zusammensetzungen mit demselben Substantiv beginnen. Je nachdem, welche Körperhaltung Sie einnehmen, tun Sie nicht nur Ihrer Gesundheit einen Gefallen, sondern senden Signale nach außen. Nicht umsonst laufen gerade kleine Menschen oftmals besonders aufrecht. Warum eine gute Körperhaltung wichtig ist und welche Wirkung Sie damit erzielen können…

Körperhaltung: Diese Wirkung bitte nicht unterschätzen

Körperhaltung Definition: Vom Gehen, Sitzen, Stehen

Definition Beispiele Arten Körpersprache beschreiben verbessern Kommunikation FachbegriffUnter Körperhaltung verstehen wir die Art zu sitzen, stehen oder gehen. Nachhaltigen Einfluss darauf haben unsere Muskeln, Bänder und Knochen, die miteinander verbunden sind und entsprechend zusammenwirken.

Eine problematische Körperhaltung kann sowohl das Resultat einer Krankheit als auch die Ursache sein: Fehlstellungen in der Körperhaltung können beispielsweise Rückenschmerzen, Verspannungen oder Kopfschmerzen verursachen.

Um Fehlstellungen und daraus resultierende gravierende Schäden zu vermeiden, gewinnt die Ergonomie am Arbeitsplatz immer größere Bedeutung.

Sowohl die Ergonomie als auch die Orthopädie sind darum bemüht, dem Menschen eine aufrechte Körperhaltung – Fachbegriff: Orthostase – zu ermöglichen, denn letztlich kann eine schlechte Körperhaltung sogar Wirbelsäulenschäden verursachen.

Körperhaltung Beispiele: Wie Haltung interpretiert wird

Schauen Sie sich einmal Bilder von Sportlern während des Wettkampfes an, beispielsweise von Bogenschützen – vielleicht nicht gerade am Ende, wenn sie schon völlig erschöpft sind, sondern zu Beginn. Die allermeisten Sportler wird eine besondere Körperspannung auszeichnen. Diese Spannung wird durch einen geraden Rücken erreicht.

Häufig ist der Bauch leicht eingezogen, also angespannt, und die Brust wird herausgestreckt. Auch bei Tänzern, Gewichthebern oder Läufern werden Sie diese Merkmale beobachten können. Und zu einem gewissen Grad ist es ein Selbstläufer: Wer Sport macht und trainiert, hat ein Gefühl für seinen Körper.

Er weiß, welche Muskeln wo sitzen, welche vielleicht nach dem Training schmerzen oder welche angespannt werden müssen, um etwas zu erreichen. Gleichzeitig hilft der Muskelaufbau automatisch, eine entsprechende Körperhaltung einzunehmen. Das sollten Sie schon deshalb tun, weil eine aufrechte Körperhaltung automatisch attraktiver macht.

Und so ungerecht das im ersten Moment wirken mag: Attraktivität erhöht Ihre Chancen – im Vorstellungsgespräch wie auch später im Arbeitsleben.

Die Körperhaltung im Vorstellungsgespräch wird zum Teil der Selbstpräsentation – aber wie fällt die wohl aus, wenn Sie mit hängenden Schultern und gesenktem Blick auf dem Stuhl sitzen?

Strahlen Sie so Selbstbewusstsein und Dynamik aus oder wirken Sie eher wie ein nasser Sack, der auf eine Chance hofft? Wenn Sie hingegen Ihr Gegenüber freundlich anblicken, eine leicht entgegengestreckte Körperhaltung einnehmen, während die Hände auf dem Schoß liegen, dann signalisieren Sie Aufmerksamkeit, Zuneigung oder gar Begeisterung.

Körperhaltung als Teil der Selbstpräsentation

Gerade in Situationen, in denen Sie unter Beobachtung stehen – und das ist im Wettkampf, aber eben auch im Berufsleben der Fall – wollen Sie natürlich von Ihrer besten Seite wahrgenommen werden. Auf Außenstehende strahlen Sie Selbstvertrauen und Kompetenz aus, wenn Sie eine gute Körperhaltung haben.

Denn nicht zuletzt sind ein erhobener Kopf mit offenem Blick nebst geradem Rücken ein Zeichen für einen hohen Status. Sie signalisieren anderen, dass Sie Ahnung haben und Ihre Stärken kennen.

Bei Erläuterungen im Meeting, der Selbstpräsentation im Assessment Center oder eben im Vorstellungsgespräch ist das besonders wichtig und kann darüber entscheiden, ob Sie später einen Arbeitsvertrag in den Händen halten oder nicht.

  • Körperhaltung im Stehen

    Frauen neigen im Stehen dazu, die Beine zu überkreuzen. Das wirkt tendenziell unsicher. Ein breitbeiniger Stand à la John Wayne sollte zwar ebenfalls vermieden werden, dennoch bietet sich eine Körperhaltung an, bei der die Beine etwa hüftbreit auseinanderstehen. Die Schultern werden gerade nach hinten und unten gedrückt, das Kinn leicht erhoben – nicht zu viel, sonst wirken Sie arrogant. Das richtige Schuhwerk hilft übrigens bei einem sicheren Stand: Frauen sollten aufpassen, keinen zu hohen Absatz zu wählen und lieber zu einem breiteren Absatz zu greifen, wenn Sie ungeübt sind. Denn der feste Stand auf Stilettos ist eine andere Herausforderung als im üblichen Männerschuh. Überhaupt sind Sie mit Absätzen nicht höher als sechs Zentimetern auf der sicheren Seite, was den Dresscode anbelangt.

  • Körperhaltung im Sitzen

    Deutlich geringere Probleme die Balance zu wahren haben Sie im Sitzen. Allerdings ist auch hier eine schlechte Körperhaltung möglich. Idealerweise sitzen Sie daher aufrecht, die Hände liegen auf den Sitzlehnen (falls vorhanden) oder locker im Schoß. Die Beine sind hüftbreit auseinander oder können übereinandergeschlagen sein. Dabei sollte das übergeschlagene Bein zum Gesprächspartner zeigen, um Zuwendung zu signalisieren. Die Rückenlehne heißt nicht umsonst so, daher können Sie sich zur Unterstützung dort anlehnen. Allerdings sollten Sie nah genug sitzen, um nicht allzu entspannt und lässig Ihrem Gesprächspartner gegenüberzusitzen. Achten Sie hierbei auf Ihre Arme: Verschränkte Arme können mit sehr entspannt zurückgelehnter Körperhaltung als Dominanzgeste oder Abwehrhaltung interpretiert werden. Als Kandidat im Vorstellungsgespräch wäre es unpassend, als Verhandlungspartner wirkt es unter Umständen selbstgefällig.

  • Körperhaltung im Gehen

    Sofern Sie nicht gerade auf dem Catwalk arbeiten, werden Sie im Gehen vermutlich nicht so eingehend und langwierig beobachtet werden wie wenn Sie einen halbstündigen Vortrag halten. Dennoch gibt es Situationen wie beispielsweise beim Onboarding, in denen Sie einem neuen Mitarbeiter die Abteilung zeigen oder Kunden in einen Besprechungsraum führen. Hier zeigen Sie eine gute Körperhaltung, wenn Sie mit leicht federndem Gang gehen. Nicht zu große oder zu kleine Schritte, die Arme schwingen locker mit oder deuten Ihrem Gesprächspartner den Weg. Auch hier werden die Schultern gerade zurückgenommen und der Blick nach vorne gerichtet.

Körperhaltung Don’ts: Was Sie vermeiden sollten

Körperhaltung Fehler Beispiele Arten verbessernAchten Sie mal im Alltag und im Berufsleben darauf, wie unterschiedlich Leute gehen, stehen oder sitzen und dann lassen Sie das auf sich wirken. Jeder kennt vermutlich unglaublich lässige Jugendliche, die mehr auf dem Sitz im Bus liegen als sitzen. Wirkt das wirklich souverän? Vergleichen Sie diese Haltung mit erfolgreichen Menschen, Stars: Wie präsentieren die sich? Hier also einige Anti-Beispiele, welche Körperhaltung Sie vermeiden sollten…

  • Schlurfen mit den Füßen: Genauso schlimm wie das Liegen auf dem Sitz. Es wirkt nicht lässig, sondern nachlässig. Wer seine Füße nicht heben kann, weil alles so anstrengend ist, signalisiert das Gegenteil von Dynamik. Stattdessen (je nach Alter) wird Aufsässigkeit durch Nichtbeachtung der Konventionen oder sogar Traurigkeit und Erschöpfung signalisiert.
  • Sitzen auf der Stuhlkante: Sie signalisieren damit Angespanntheit und Unsicherheit, so als wären Sie fluchtbereit für den Fall aller Fälle. Ein ähnlicher Eindruck entsteht, wenn Sie ständig hin und her rutschen. Stattdessen sollten Sie gelassen die ganze Sitzfläche einnehmen. Ebenso unpassend übrigens: Breitbeiniges Sitzen. Das wirkt äußerst unhöflich und überheblich.
  • Aufstützen der Ellenbogen: Wer seine Ellenbogen auf dem Tisch aufstützt und sein Kinn in die Hände gibt, muss große Müdigkeit verspüren. Nicht gerade sehr schmeichelhaft für den Gesprächspartner.
  • Wechseln des Standbeins: Gemeint ist hier vor allem das permanente Wechseln, was eher an nervöser Hampelei erinnert. Der Gesprächspartner bekommt den Eindruck, dass Sie zu einem anderen, dringenderen Termin müssen und er somit zweitrangig ist.
  • Verstecken der Hände: Auch wenn die Hände vor allem in den Bereich der Gestik gehören, gehen sie oft mit einer entsprechenden Körperhaltung einher: Wer unsicher, nervös, genervt oder gelangweilt ist, versteckt seine Hände häufig in den Hosentaschen, während er von einem Bein aufs andere tritt. Stattdessen sollten Sie Ihre Hände aber vor allem dafür benutzen, Ihre Aussagen mit Gesten zu unterstreichen.

Körperhaltung verbessern: Geist und Körper im Einklang

Mens sana in corpore sano bewahrheitet sich immer wieder: Ist der Körper gesund, fühlen wir uns wohl. Sport stärkt den Körper und wirkt sich in vielerlei Hinsicht positiv auf die Psyche aus. Die Glückshormone nach dem Sport beugen Depressionen vor, und wer dabei als netten Nebeneffekt Gewicht verliert, ist in vielen Fällen nicht ganz unglücklich darüber.

Erwiesenermaßen hat der moderne Büromensch heutzutage zu wenig Bewegung, weshalb seine Körperhaltung häufig schon aufgrund fehlender Muskulatur schlecht ist. Dabei kommt es längst nicht nur auf mehr Sport an. Natürlich tun Sie sich selbst einen Gefallen, wenn Sie beispielsweise mit dem Rad zur Arbeit fahren oder den Aufzug statt der Treppen nehmen.

Aber kleine Dinge können schon die Körperhaltung verbessern:

  • Unterbrechen Sie regelmäßig Ihre Position: Moderne Bürostühle lassen sich so einstellen, dass die Rückenlehne oder auch die Sitzfläche flexibel sind, so dass Sie automatisch aktiv auf dem Bürostuhl Ihre Sitzposition verändern. Darüber hinaus sollten Sie von Zeit zu Zeit aufstehen und sich strecken.
  • Spannen Sie Bauch und Gesäß an: Nicht umsonst ist von Körperspannung die Rede; für eine verbesserte Körperhaltung sollten Sie Ihr Gesäß und Ihren Bauch anspannen – etwa so, als ob Sie die Luft anhalten wollten.
  • Gehen Sie barfuß spazieren: Gerade durch hochhackige Schuhe werden die Sehnen verkürzt. Wer barfuß läuft, lernt wieder den Fuß richtig abzurollen. Durch eine gestärkte Fußmuskulatur wird eine gesunde Fußstellung gefördert. Gleichzeitig werden die Statik und damit die Körperhaltung verbessert.
[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
5. April 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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