Attraktivität: Wer schön ist, kommt weiter

Manche Karriere ist einzig das Resultat harter Arbeit, bei anderen hat der Erfolg mit Leistung weniger zu tun. Stattdessen geht es um Attraktivität und Schönheit. Ungerechte Welt, aber tatsächlich zeigt sich immer wieder: Wer schön ist, kommt weiter. Das weisen auch Attraktivitätsforscher mit teils überraschenden Ergebnissen immer wieder nach. Hier erfahren Sie, warum Attraktivität das Leben oftmals leichter macht – und wann sie zum Problem werden kann…

Attraktivität: Wer schön ist, kommt weiter

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Definition: Was bedeutet Attraktivität?

Attraktivität bedeutet Anziehungskraft und bezieht sich oftmals in erster Linie auf die körperliche Schönheit. Allerdings können ebenso Eigenschaften als anziehend und damit attraktiv empfunden werden. So finden viele Menschen Humor oder auch Intelligenz bei anderen sehr attraktiv. Der Begriff Attraktivität leitet sich vom lateinischen Wort „attrahere) ab, was „an sich ziehen“ oder auch „anziehen“ bedeutet.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Was Attraktivität ausmacht, ist sehr individuell. Damit kann man sich selbst einlullen und feststellen: Ich bin schön, solange jemand mich schön findet. Es gibt aber tatsächlich messbare Werte, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass eine Person als attraktiv wahrgenommen wird:

  • Ausgewogene Proportionen

    Bei Männern gilt ein Verhältnis von Taillenumfang zu Hüftumfang zwischen 0,9 und 1,0 als optimal, weil das auf einen hohen Testosteronspiegel und damit auf sexuelle Potenz sowie körperliche Stärke hinweist. Bei Frauen liegt der Idealwert bei 0,7. Das signalisiert Fruchtbarkeit.

  • Körpergröße

    Vor allem Männer profitieren von ihrer Körpergröße. Die meisten Frauen finden größere Männer attraktiver, der Partner soll für den Großteil der Damen unbedingt größer sein als man selbst. Körpergröße bringt dabei sogar mehr Gehalt. Forscher der Londoner Guildhall Universität zeigten, dass Männer über 1,82 Meter sechs Prozent mehr verdienen.

  • Lange Beine

    Überdurchschnittliche lange Beine lassen Frauen attraktiver wirken. Das fanden polnische Wissenschaftler heraus – unabhängig von der Körpergröße. Die Forscher zeigten manipulierte Fotos mit besonders langen Beinen. Waren diese 10 Prozent über dem Normalmaß, war die bewertete Attraktivität besonders groß. Gleiches gilt für Männer. Lange Beine kommen gut an, zu kurze Beine werden eher mit schlechter Gesundheit assoziiert.

  • Hüftschwung

    Attraktivitätsforscher haben sich mit dem Gang beschäftigt und stellten fest: Frauen, die kleine Schritte machen und leicht mit den Hüften wackeln, wirken besonders attraktiv auf Männer. In den Studien ging es vor allem um die These, dass Schönheitsideale, Bodymaßindex (BMI) und ideale Körperform je nach Kulturkreis variieren können. Also konzentrierten sich die Wissenschaftler mehr auf subtile Bewegungen. Und tatsächlich: Das leichte Wiegen der Hüften wirkte universell anziehend.

  • Kindchenschema

    Frauen macht die Kombination aus Reifekennzeichen (hohe, konkave Wangen) sowie infantilen Signalen (großer Kopf, gewölbte Stirn, große runde Augen, Stupsnase, kleines Kinn) attraktiv. Der Prototyp einer solchen Kindfrau ist übrigens Brigitte Bardot. Frauen wie sie lösen unbewusst einen Aufmerksamkeits- und Fürsorge-Reflex aus.

  • Kantige Gesichtszüge

    Bei Männern ist das Kindchenschema kein Zeichen von Attraktivität – ganz im Gegenteil! Herren brauchen eher markante Gesichtszüge, um anziehend zu wirken. Die Ausprägung des männlichen Gesichts wird durch das Hormon Testosteron beeinflusst, das für das Knochenwachstum zuständig ist. Sehr männlich ist ein eher kantiger Kiefer mit markantem Kinn. Auch buschige Augenbrauen und schmalere Lippen werden als männlich wahrgenommen.

  • Kultur

    Wen und was wir als gutaussehend betrachten, ist auch ein Produkt unseres Kulturkreises. Schön ist demnach häufig, was ähnlich ist. Das zeigt sich in Studien auch bei Paaren: Meist weisen sie ein ähnliches Ergebnis auf einer Attraktivitätsskala auf.

  • Durchschnittlichkeit

    Tatsächlich: Je gewöhnlicher das Gesicht, desto attraktiver finden wir es (Langlois & Roggman, 1990). Das zeigen vor allem Untersuchungen, bei denen Porträts am Computer übereinander gelegt wurden. Wobei man einräumen muss, dass durch die Mittelwertsbildung in erster Linie unschöne Asymmetrien und Fältchen und Hautunreinheiten ausgeglichen wurden.

  • Symmetrie

    Insbesondere Gesichtssymmetrie wirkt sich positiv auf entgegengebrachte Sympathien und Attraktivität aus. Dies zeigt sich plakativ bei sogenannten Chimärengesichtern, also Porträts die am Computer durch spiegeln der jeweiligen Gesichtshälfte erzeugt werden. Das so symmetrisch erzeugte Gesicht besteht dann entweder aus zwei linken oder zwei rechten Gesichtshälften.

  • Gelblicher Teint

    Die Haut ist wichtiger Teil von Schönheit und Attraktivität. Carmen Lefevre von der britischen Universität von York zeigte in Studien zudem, dass wir Gesichter mit leichtem Gelbstich den eher weißlichen oder gräulichen vorziehen. Der hängt vom Anteil der Carotinoide in der Haut ab. Diese Farbstoffe stehen für Gesundheit – was schon immer attraktiver war als Krankheit.

  • Gefühle

    „Gefallen macht schön“, heißt es auch. Wen wir bereits kennen und schätzen, also Freunde, Familie, Kollegen – den bewerten wir automatisch attraktiver.

Sind innere oder äußere Werte wichtiger?

Attraktivität spielt bei der Partnerwahl eine enorme Rolle. Darin unterscheiden sich Männer und Frauen herzlich wenig, wie Studien der Psychologin Madeleine Fugère von der Eastern Connecticut State University belegen. Demnach sind Frauen die vielbeschworenen „inneren Werte“ längst nicht so wichtig, wie oft behauptet. Probandinnen sollten (einmal mit ihren Vätern, einmal mit ihren Müttern) Fotos von Männern bewerten, auf denen drei persönliche Eigenschaften vermerkt waren.

Fazit: Körperliche Attraktivität war für die Töchter am wünschenswertesten. Durchschnittliche äußere Anziehungskraft konnte aber mit attraktiven Persönlichkeitsmerkmalen wie Freundlichkeit oder Intelligenz kompensiert werden.


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Schönheit: Das Gesicht ist besonders wichtig

Die Kurven mit Push-Ups und Silikoneinlagen in Form bringen, im Gym mühevoll das Sixpack trainieren, Diäten und Schlankheitskuren machen – viele Menschen scheuen keine Mühen für einen gestählten Körper. Das häufige Ziel: Attraktivität. Marianne Peters von der Universität Crawley in Australien fand jedoch heraus: Über wir jemanden attraktiv finden oder nicht, hängt vor allem vom Gesicht ab.

52 Prozent der Frauen beurteilten im Experiment Männer in erster Linie nach dem Gesicht, der Körperbau interessierte nur 24 Prozent. Bei den Männern bewerteten 47 Prozent die Schönheit anhand des Gesichts, der Körperbau war mir 32 Prozent ebenfalls zweitrangig.

Der Frozen-Face-Effekt

Forscher um den Psychologen Robert Post von der Universität von Kalifornien in Davis sowie Kollegen von der Harvard-Universität haben herausgefunden, dass statische Gesichter bei weitem nicht so attraktiv wirken, wie solche in Bewegung. Probanden bewerteten 20-Sekunden-Videos oder Schnappschüsse aus diesen Videos mit der Frage, wie attraktiv und sympathisch die gezeigten Personen sind.

Klares Ergebnis: Die Gesichter in den Videos schnitten besser ab. Selbst als in einem zweiten Experiment die Videos und Bilder gedreht und auf dem Kopf gezeigt wurden (um typische Muster zu stören), bekamen die Bewegtbilder bessere Bewertungen.

Als möglichen Grund vermuten die Wissenschaftler die Ausdrucksarmut in einem Foto. Je lebendiger die Mimik, desto anziehender finden wir den Menschen. Das könnte auch erklären, warum durch Botox erstarrte (aber faltenfreie) Gesichter gar nicht so schön wirken, wie die Kosmetikindustrie Glauben machen will.


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Attraktivität: Schönheit macht erfolgreich

Schönheit ist ein gar willkommener Gast“, sinnierte schon Goethe. Recht hatte er! Attraktivität verschafft den Menschen frühe Vorteile: Schöne Babys bekommen mehr Aufmerksamkeit, schöne Kinder die besseren Schulnoten. Das steigert das Selbstbewusstsein, macht Mut und schafft Überzeugungskraft. Effekt: Schöne Menschen finden später schneller einen Job.

Davon sind mehr als 93 Prozent von Personalchefs der größten Unternehmen in den USA und Großbritannien überzeugt, die die New Yorker Universität Syracuse dazu befragte. Hinzu kommt, dass attraktive Mitarbeiter bei gleicher Qualifikation mehr verdienen – das fand Daniel Hamermesh von der Universität Texas heraus. Noch verrückter: Ökonomen von der Universität Wisconsin fanden heraus, dass der Aktienkurs steigt, wenn ein attraktiver Vorstandschef in die Firma einzieht.

Der Cheerleader Effekt

Menschen in Gruppen wirken attraktiver. Das konnten die Wissenschaftler Drew Walker und Edward Vul von der Universität von Kalifornien mehrfach belegen. So wirkt die ganze Gruppe hübscher, obwohl der einzelne darin womöglich nur durchschnittlich aussieht. Der Cheerleader-Effekt (auch: Brautjungfer Paradoxon) macht vor allem Menschen in einer gemeinsamen Uniform (wie bei Cheerleaderinnen) attraktiver, weil wir dann nicht das Individuum wahrnehmen, sondern den Durchschnitt aus allen zusammen. Von dem Effekt profitieren aber nicht nur Cheerleader, sondern auch Boy Groups oder Girl Groups. Solche Bands werden zwar meist so gecastet, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Aber erst zusammen wirken sie richtig sexy.


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Wann Schönheit zum Fluch wird

Wie alles hat auch die Attraktivität eine Kehrseite: Zwar haben es schöne Menschen leichter beim ersten Eindruck, doch sie kämpfen – so paradox es klingt – häufig auch mit der Ablehnung ihrer Mitmenschen. Nicht wenige reagieren mit Neid und Eifersucht auf gutes Aussehen – gerade aufgrund der damit verbundenen Vorteile. Schöne Frauen berichten davon, im Arbeitsumfeld Probleme zu haben und kaum Freundinnen finden. Von den Kolleginnen würden sie häufig misstrauisch beäugt und links liegen gelassen, weil diese sie als Bedrohung sehen.

Männer wie Frauen reagieren eifersüchtig auf Kollegen mit hohen Sympathiewerten bei den Kollegen. Das zeigte eine Studie zu sexueller Konkurrenz im Job um den Psychologen Abraham Buunk. Oder weniger wissenschaftlich ausgedrückt: Wer bei den Kollegen gut ankommt, kommt bei anderen im Team plötzlich gar nicht mehr gut an.

Bei Frauen war die Reaktion besonders heftig, wenn Geschlechtsgenossinnen bei Männern besonders gut ankamen. Bei einem solch unterschwelligen Attraktivitätswettbewerb wird das Büro zum Kriegsschauplatz: Wer hat die bessere Figur? Die hipperen Klamotten? Wer wirkt auf die (beliebten) Kollegen attraktiver?

Weniger Chancen für schöne Frauen?

Attraktive Frauen werden sogar seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen – so das Ergebnis von Untersuchungen des israelischen Ökonoms Bradley Ruffle von der Ben-Gurion Universität. Er verschickte mehr als 5000 fiktive Bewerbungen: Entweder ohne Foto, mit Bildern von durchschnittlich attraktiven Männern und Frauen sowie mit Bewerbungsfotos von überdurchschnittlich attraktiven Männern und Frauen.

Das Ergebnis: Bewerbungen der attraktiven Männer waren sehr erfolgreich, die attraktiven Frauen schnitten hingegen schlechter ab. Die Forscher vermuten als Ursache, dass die Personaler befürchten, eine attraktive Kollegin könnte zu viel Unruhe ins Team bringen – durch Balzverhalten der Kollegen und Eifersucht der Kolleginnen.

In bestimmten Berufsfeldern kann Attraktivität sogar zum Nachteil werden: Stefanie Johnson von der UC Denver Business School zeigte, dass attraktive Frauen in Männerberufen, in denen Aussehen keine Rolle spielt, benachteiligt werden. Sie ließ Bewerbungsfotos nach ihrer Attraktivität bewerten. Anschließend sollten die Probanden beurteilen, für wie geeignet sie die abgebildeten Personen für bestimmte Berufe hielten. Heraus kam, dass attraktive Frauen für Berufe wie Finanzdirektor(in), Leiter(in) der Forschung und Entwicklung oder Posten in der Bauaufsicht als ungeeignet bewertet wurden – komplett unabhängig von der tatsächlichen Qualifikation.

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[Bildnachweis: Volha Hlinskaya by Shutterstock.com]

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